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Toller Beitrag............

Werner2, (vor 8329 Tagen) @ Harald Andres Schmid

mit interessanten Details; ich bin sehr überrascht. Man lernt doch nie aus.
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Da fällt mir gerade ein, dass ich meine langjährigen Erkenntnisse über die gigantische potenz- und leistungssteigernde Wirkung des Wilden Hausschwamms bisher für mich behalten habe. Den kennt zwar kaum einer (ausser Andreas und Gelbfieber), aber so selten ist er auch nicht. Da müsste sich doch was machen lassen, oder?? Profis, welche sich in kommerzieller Vermarktung auskennen, bitte ich, sich mit mir in Verbindung setzen.
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Gruss Werner2
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hier der Artikel, den ich in der letzten Ausgabe der SZP (Schweizerische
Zeitschrift für Pilzkunde) zu diesem Thema veröffentlicht habe:
Raupenpilz-Wahn im Internet
Wollen sie sich köstlich amüsieren?
Dann brauchen sie bloss "cordyceps" in eine Internet-Suchmaschine
einzugeben, sich zurückzulehnen und genügend Papiertaschentücher
bereitzuhalten.
Ob sie weinen oder lachen wollen, müssen sie selbst entscheiden: Sie werden
über 72'000 (zweiundsiebzigtausend!) Internet-Seiten zum Thema finden!
Langweilig? Von wegen! Mir tun die Lachmuskeln jetzt noch weh, wenn ich daran
denke...
Doch beginnen wir vorne: Zunächst gibt es da lediglich einen interessanten
Pilz...
Cordyceps sinensis (Raupen-Kernkeule).
Der auch Chinesischer Raupenpilz genannte Pilz kommt vor allem in den alpinen
Graslandschaften Südwestchinas, in der Provinz Yunnan, in Mittel- und
Nordchina und in Tibet, in Höhenlagen bis zu 5000 m vor. Seine Lebensweise
ist ungewöhnlich: Er befällt unterirdisch lebende Raupen, tötet sie ab und
treibt anschließend auf die Erdoberfläche. Wie ein
"Stinkefinger" ragen seine Fruchkörper aus der Erde.
So etwa lauten die gängigen Beschreibungen der Lebensweise des Pilzes.
Dass das in Wirklichkeit etwas komplizierter abläuft, ist anzunehmen.
Ich bin kein Raupenpilz-Experte. Ich versuche, die Informationen aus dem
Internet über die Lebensweise des Pilzes zusammenzufassen: Cordyceps
sinensis lebt erst unsichtbar auf den Überresten der Beutetiere von
Fledermäusen. Dort wartet er ab, bis gewisse mottenartige Fliegen ihre
Eier auf die Kadaver ablegen. Daraus entwickeln sich Raupen. Diese
verspeisen nach und nach mit den Überresten der Beutetiere auch den Pilz.
Viele jedoch sterben nach dem vollkommenen Verzehr der Kadaver infolge
Nahrungsmangels ab und vertrocknen. Darauf spriesst der Pilz aus einem
Ende der Raupe und bohrt sich in den Boden.
...mit interessanten medizinischen Wirkungen...
Seit Menschengedenken wird der begehrte Pilz geerntet und in der
traditionellen Chinesischen Medizin als geistiges und körperliches
Stimulans eingesetzt. Ausserdem gegen verschiedene Beschwerden wie
Bluthochdruck, Erkrankung der Atemorgane und zu hohe Leberfettwerte . Er
stärkt das Immunsystem, beschleunigt die Regeneration der glatten
Muskulatur und fördert damit die sportliche Leistung.
Inhaltsstoffe: Protein, Fette, Vitamin B12, Cordyceps-Säure und Ergosterol.
Soweit, so gut. Was soll daran amüsant sein?
...dann kommen die absurden Heils-Versprechungen...
Gewiefte Geschäftemacher haben in kurzer Zeit tausende von Produkten mit
Extrakten aus dem Raupenpilz auf den Markt geworfen.
Bei diesen übers Internet zu bestellenden Cordyceps-Wundermitteln fällt vor
allem eines auf: Sie sind meist unglaublich teuer, ja kosten zum Teil ein
kleines Vermögen!
Ob wirklich überall Cordyceps-Extrakt drin ist?
Die gemachten Versprechungen sind ungeheuerlich: Ewiges Leben? Kein Problem!
Cordyceps-Tee macht es möglich.
Radioaktiv verseucht? Das hätten wir gleich! Eine kleine Cordyceps-Tablette
schafft Abhilfe.
Hoffnungslos dumm in der Schule? Das wäre doch gelacht! Cordyceps-Salbe, und
des Sprösslings Karriere als Professor für Nuklearbiologie ist
vorgezeichnet.
Ich habe versucht, eine Liste zusammenzustellen, wogegen der Pilz alles
wirken soll.
Nach ein paar Tagen habe ich es aufgegeben. Nur gegen Plattfüsse scheint er
wirkungslos zu sein (oder wurde das noch nicht ausprobiert?).
...sowie der rasende Mönch...
Cordyceps "wirkt 17 Mal stärker als Viagra!"
Die Zahl siebzehn erstaunt. Ich hätte auf höchstens sechzehnfache Wirkung
getippt...
Geradezu tragischkomisch sind die "verbürgten" Berichte von
Ehefrauen. Sie hatten angeblich ihren unter sexueller Disfunktion (zu
Deutsch: Schlappheit im Bett) leidenden Männern mit Cordyceps auf die
Sprünge geholfen: Eine "Zeugin" berichtet, sie hätte ihrem Mann
heimlich ein Cordyceps-Tonikum verabreicht. Des Nachts sei sie dann auf
sein "übliches, verklemmtes Herumfummeln" gefasst gewesen. Statt
dessen habe sie sich zu ihrer grossen Überraschung "von einem
rasenden Mönch harpuniert gefühlt"!
Hübsches Bild. Ob unsere Damenwelt solch unzölibatäre Kopulationstechniken
generell zu würdigen wüsste, konnte ich leider bis Redaktionsschluss nicht
abklären.
Die literarisch bewanderten Leser werden ausserdem bemerkt haben, dass die
Formulierung wörtlich geklaut ist. Und zwar aus dem Roman "Altered
States" ("Die Verwandlung des Edward J.") von Paddy
Chayefsky.
Natürlich dürfen auch die entsprechenden Produkte für die Damen nicht fehlen:
"New sexual climax gel for women".
Das ist wohl für diejenigen weiblichen Wesen gedacht, bei denen der
"Padre furioso" seine Wirkung verfehlt.
Eine Frage drängt sich auf: Haben wir Menschen tatsächlich, was unsere
Geschlechtlichkeit betrifft, einen kleinen Dachschaden?
Andernfalls liesse sich dieser gigantische Markt international nicht
aufbauen. Diese ungeheuerlich teuren Salben, Extrakte und Kapseln werden
gekauft!
Hatte Sigmund Freud doch recht, als er alle menschlichen Störungen stets auf
diese eine -die sexuelle Neurose -zurückführte?
...und die rasenden Chinesen-Mädchen...
"Feel like a champion in 30 days!"
Hier geht es nicht um Sex. "Cordyceps ermöglicht das Erreichen
sportlicher Höchstleistungen ohne lästiges Training!" Wow!
Als Beweis werden junge chinesische Läuferinnen angeführt, angeblich nicht
älter als siebzehn. Ohne angeblich jemals vorher die Strecken zwischen
1500 und 10'000 Meter auf Weltklasseniveau gelaufen zu sein,
"pulverisierten alle in ihren ersten Rennen über die jeweiligen
Distanzen sämtliche Rekorde" und sahen nach den Läufen "so
frisch aus, als hätten sie gerade an einer Schale Jasmintee genippt."
Diese "Beweisgeschichte" wird allerorten im Internet derart
agressiv vermarktet (und offensichtlich geglaubt), dass ich - selbst
passionierter Langstreckenläufer -eines klarstellen möchte: Wenn eine
junge, (evtl. auch hochbegabte) Läuferin ohne spezifisches Training
-meinetwegen dafür mit Cordyceps in den Eingeweiden - über 10'000 Meter an
den Start geht, wird sie (freundlich geschätzt) eine Zeit von bestenfalls
42 Minuten schaffen.
Damit würde sie aber selbst von über vierzigjährigen, gut trainierten
Freizeitläufern wie mir bei einem Tempo von weit über 14km/h erbarmungslos
"nach hinten durchgereicht". In einem top-besetzten
10'000-Meter-Feld würde sie sogar als lebendes "Bahnhindernis"
unzählige Male überrundet.
Eine bessere Leistung ist ohne Training (auch mit Doping jedwelcher Art)
physiologisch nicht möglich.
Bezug genommen wurde da wohl auf Leistungen junger chinesischer Athletinnen
an den Landesmeisterschaften 1993 in China oder an den Weltmeisterschaften
1994 in Rom.
Doch diese Mädchen hatten staatlich verordnetes, brutales, knüppelhartes
Intervall-Training in den Knochen, waren übertrainiert, überrreizt und
verletzungsgefährdet, liefen sich den letzten Saft aus dem Körper und
verschwanden meist schnell wieder von der Bildfläche. Das verklärte
"Jasmin-Tee-Lächeln" ist leider auf keinem Siegerfoto
festzustellen...
...und die Umsatzzahlen erreichen astronomische Höhen!
All diese schönen Märchengeschichten werden doch von der Menschheit nicht
geglaubt?
Oh, doch! Die Preise für Cordyceps sinensis sind mittlerweile zeitweise auf
über 3500 Dollar pro Kilo geklettert. Davon können Alba-Trüffel & Co.
nur träumen...
Der Pilz wird gnadenlos gejagt, obwohl bereits seit längerem Zuchterfolge
gemeldet werden.
In Tibet werden Schulklassen stunden- und tagelang zum Sammeln wie Vieh über
Berghänge getrieben. Diejenigen Kinder, die keinen Raupenpilz finden,
werden hart bestraft. Studenten müssen in gewissen Provinzen ihr
Studiengeld durch das Suchen von Raupenpilzen ableisten. Doch sie kommen
meist mit leeren Händen zurück.
Der Pilz wird nämlich rar. Kein Wunder.

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