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Psathyrellafrage im Speisemorchelgebiet *PIC*

Boletus ⌂, (vor 8238 Tagen)

Hallo,
Ich habe heute meine Speisemorchelgebiete inspiziert... lang kanns nicht mehr dauern bis sie hervorbrechen. Erste Zeichen, Morchelbecherling- und erfreulicherweise auch zwei Fingerhutverpel-Babys hab ich gesichtet; untrügerische Zeichen für baldiges Morchelwachstum.
Den Nitrathelmlingen scheinen die letzten Regentage gut bekommen zu sein. Auf liegendem Fichtenstamm:

[image]
Viersporiger Nitrathelmling Mycena stipata

...und hier die unbekannte Psathyrella:

[image]
Waldtyp: Eschen- Buchen- Eichen und vereinzelt Fichten, Feuchtgebiet, Pilze zwischen Bärlauch.

[image]

Es sind sowohl Pleuro- wie auch Cheilozystiden vorhanden. Basidien wahrscheinlich ohne(??) Basalschnallen (keine gefunden!).
Mit dem Schlüssel B+K komme ich auf Psathyrella murcida und er würde mir ganz gut gefallen wenn er auch jahreszeitlich passen würde. (Im Schlüssel über 4*, Sporen >10 weitergehen). Danke schon zum Voraus für Infos.

Beste Ostergrüsse
Sepp

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Re: Psathyrellafrage im Speisemorchelgebiet

Markus Wilhelm ⌂, (vor 8237 Tagen) @ Boletus

Hallo Sepp,

bei den Psathyrellas im Frühjahr ist es etwas frustrierend: Fast immer kommt die Bestimmung des Pilzes als Psathyrella spadiceagrisea heraus! Es dürfte auch bei Deinem Fund so sein. Die Art ist veränderlich, aber doch sehr auf das Frühjahr spezialisiert. Auch die Mikromerkmale könnten hinkommen. Übrigens schöne Fotos.

Viele Grüsse, Markus

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Re: Psathyrellafrage im Speisemorchelgebiet

Andreas ⌂, (vor 8237 Tagen) @ Markus Wilhelm

Hallo Sepp,
bei den Psathyrellas im Frühjahr ist es etwas frustrierend: Fast immer kommt
die Bestimmung des Pilzes als Psathyrella spadiceagrisea heraus! Es dürfte
auch bei Deinem Fund so sein. Die Art ist veränderlich, aber doch sehr auf
das Frühjahr spezialisiert. Auch die Mikromerkmale könnten hinkommen.
Übrigens schöne Fotos.
Viele Grüsse, Markus

Hallo,

fast wortwörtlich dasselbe habe ich mir auch überlegt zu posten (Hupi ist Zeuge!), aber dann doch gelassen, weil die gezeigten Pilze doch ziemlich von der "spadiceogrisea-Norm" abweichen und mich die Bemerkung von "Sporen > 10 µm" stolpern lies. Spadiceogrisea hat Sporen deutlich unter 10 µm, ich glaube sogar max. 8,5 µm (hab keine Literatur zur Hand).
Aber ansonsten muss ich ebenfalls sagen, dass ich schon so viele sehr sehr unterschiedlich aussehende Kollektionen im Frühjahr hatte, die dann doch alle nur spadiceogrisea waren (oftmals von Manfred Enderle nachbestimmt).
Was bei spadiceogrisea mikroskopisch nicht so selten vorkommt ist, dass sich bei einzelnen Cheilozystiden die Spitze gabelförmig teilt. Es sind zwar immer nur wenige Zystiden im Präparat, die man oft lange suchen muss, aber doch meistens vorhanden. Das kenne ich von anderen Arten nicht.

Beste Grüße,
Andreas

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Re: Psathyrellafrage im Speisemorchelgebiet

Werner2, (vor 8235 Tagen) @ Andreas

Hallo,
.
was spricht denn gegen P. fatua (Fr.)Konr. & Maubl., eine Frühlingsart welche büschelig wächst, jung rotbräunlich ist und mir spontan eingefallen ist,
als büschelige Frühlingsmürblinge mit P. vernalis angesprochen wurden.
Ich kenne P. vernalis immer einzeln, oder etwas gruppiert wachsend, niemals
büschelig und auch größer, als die abgebildeten FK. (s. hierzu die Studien VIII von M. Enderle in der ZfM. 66(1)2000.
.
Gruss Werner2
.
.

Hallo,
fast wortwörtlich dasselbe habe ich mir auch überlegt zu posten (Hupi ist
Zeuge!), aber dann doch gelassen, weil die gezeigten Pilze doch ziemlich
von der "spadiceogrisea-Norm" abweichen und mich die Bemerkung
von "Sporen > 10 µm" stolpern lies. Spadiceogrisea hat Sporen
deutlich unter 10 µm, ich glaube sogar max. 8,5 µm (hab keine Literatur
zur Hand).
Aber ansonsten muss ich ebenfalls sagen, dass ich schon so viele sehr sehr
unterschiedlich aussehende Kollektionen im Frühjahr hatte, die dann doch
alle nur spadiceogrisea waren (oftmals von Manfred Enderle nachbestimmt).
Was bei spadiceogrisea mikroskopisch nicht so selten vorkommt ist, dass sich
bei einzelnen Cheilozystiden die Spitze gabelförmig teilt. Es sind zwar
immer nur wenige Zystiden im Präparat, die man oft lange suchen muss, aber
doch meistens vorhanden. Das kenne ich von anderen Arten nicht.
Beste Grüße,
Andreas

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Re: Psathyrellafrage im Speisemorchelgebiet

Boletus ⌂, (vor 8237 Tagen) @ Markus Wilhelm

Hallo Markus und Andreas,

Vielen Dank für die Antworten.

bei den Psathyrellas im Frühjahr ist es etwas frustrierend: Fast immer kommt
die Bestimmung des Pilzes als Psathyrella spadiceagrisea heraus!

Obwohl ich glaubte Psathyrella spadiceagrisea makroskopisch gut zu erkennen und ansprechen zu können habe ich diese Art vorerst auch in Betracht gezogen. Erst beim Blick durchs Mik. hab ich dann den ersten Gedanken wieder verworfen. Meine Hauptgründe dagegen:
-Keine Basalschnallen (...und ich habe lange danach gesucht!)
-Die extrem bauchig-aufgeblasenen Basidien, bei P. spadiceagrisea kenne ich die Basidien keulig und viel schlanker.
Vielleicht lässt die Variationsbreite der Art diese mikro- und makroskopische Abweichungen zu !?

Viele Grüsse
Sepp

P.S. Habe übrigens heute Nachmittag im gleichen Planquadrat die für mich typische P. spadiceagrisea auch gefunden.

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Re: Psathyrellafrage im Speisemorchelgebiet

Thomas aus D, (vor 8236 Tagen) @ Boletus

Hallo Sepp,

natürlich war auch mein erster Gedanke spadiceogrisea. Ich denke aber, dass Du mit deinen Zweifeln richtig liegst. Für spadiceogrisea passt zu Vieles nicht.

Wenn ich mit deinen Angaben dem Schlüssel von Kits van Waveren folge, komme ich in die Untergattung Psathyrella ( P. spadiceogrisea steht in der Untergattung Psathyra). Unter anderem weisen die von Dir beschriebenen "bauchig aufgeblasenen" Basidien in diese Richtung. In dieser Untergattung finden sich zahlreiche Arten mit wurzelndem Stiel. Bei einem der liegenden Exemplare auf deinem Foto schaut unter dem Erdklümpchen so ein weißes Schwänzchen raus. Könnte das eine wurzelförmige Stielverlängerung sein? Oder eine Täuschung?

Die fehlenden Schnallen an den Hyphensepten sind außergewöhnlich in der Gattung Psathyrella. Es sind bisher nur ganz wenige Arten ohne Schnallen bekannt. Erst vor wenigen Jahren haben E. Ludwig und L. Örstadius eine Psathyrella effibulata beschrieben. Die abgebildeten Fruchtkörper (Zeichnung) und Zystiden passen recht gut zu deinen Fotos. Die früheste Fundangabe für P. effibulata ist der 29. April also auch ok. Allerdings hat P. effibulata keinen wurzelnden Stiel.

Nach den beiden Autoren erinnert die von Enderle als Psathyrella spec. 5 in Beiträge zur Kenntnis der Pilze Mitteleuropas IX beschriebene Art an P. effibulata. Leider habe ich den Artikel von Enderle nicht. Falls Du ihn hast, kannst Du die Art ja auch vergleichen.

Gruß
Thomas

PS: Ich würde mal sicherheithalber ein Exsikkat anfertigen. Falls dein Fund tatsächlich keine Schnallen hat, handelt es sich garantiert um eine Rarität.

Vielen Dank für die Antworten.
Obwohl ich glaubte Psathyrella spadiceagrisea makroskopisch gut zu erkennen
und ansprechen zu können habe ich diese Art vorerst auch in Betracht
gezogen. Erst beim Blick durchs Mik. hab ich dann den ersten Gedanken
wieder verworfen. Meine Hauptgründe dagegen: -Keine Basalschnallen (...und
ich habe lange danach gesucht!)
-Die extrem bauchig-aufgeblasenen Basidien, bei P. spadiceagrisea kenne ich
die Basidien keulig und viel schlanker.
Vielleicht lässt die Variationsbreite der Art diese mikro- und makroskopische
Abweichungen zu !?
Viele Grüsse
Sepp
P.S. Habe übrigens heute Nachmittag im gleichen Planquadrat die für mich
typische P. spadiceagrisea auch gefunden.

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Re: Psathyrellafrage im Speisemorchelgebiet

Andreas ⌂, (vor 8236 Tagen) @ Thomas aus D

Hallo,

P. efibulata ist ein recht kleiner, schmächtiger Pilz, der einzeln wächst und zumindest jung reichliches spinnwebartiges Velum hat. Er kann als Doppelgänger von P. canoceps angesehen werden und hat meiner Ansicht nach nix mit Deinem Fund zu tun. Ich habe allerdings keine Literatur zur Hand.
Wenn es Dir in 10 Tage noch reicht, kann ich Dir die Originalbeschreibung dieser P. efibulata einscannen.

Ansonsten kann ich Thomas nur zustimmen: Exsikkat machen!!

Beste Grüße,
Andreas

Hallo Sepp,
natürlich war auch mein erster Gedanke spadiceogrisea. Ich denke aber, dass
Du mit deinen Zweifeln richtig liegst. Für spadiceogrisea passt zu Vieles
nicht.
Wenn ich mit deinen Angaben dem Schlüssel von Kits van Waveren folge, komme
ich in die Untergattung Psathyrella ( P. spadiceogrisea steht in der
Untergattung Psathyra). Unter anderem weisen die von Dir beschriebenen
"bauchig aufgeblasenen" Basidien in diese Richtung. In dieser
Untergattung finden sich zahlreiche Arten mit wurzelndem Stiel. Bei einem
der liegenden Exemplare auf deinem Foto schaut unter dem Erdklümpchen so
ein weißes Schwänzchen raus. Könnte das eine wurzelförmige
Stielverlängerung sein? Oder eine Täuschung?
Die fehlenden Schnallen an den Hyphensepten sind außergewöhnlich in der
Gattung Psathyrella. Es sind bisher nur ganz wenige Arten ohne Schnallen
bekannt. Erst vor wenigen Jahren haben E. Ludwig und L. Örstadius eine
Psathyrella effibulata beschrieben. Die abgebildeten Fruchtkörper
(Zeichnung) und Zystiden passen recht gut zu deinen Fotos. Die früheste
Fundangabe für P. effibulata ist der 29. April also auch ok. Allerdings
hat P. effibulata keinen wurzelnden Stiel.
Nach den beiden Autoren erinnert die von Enderle als Psathyrella spec. 5 in
Beiträge zur Kenntnis der Pilze Mitteleuropas IX beschriebene Art an P.
effibulata. Leider habe ich den Artikel von Enderle nicht. Falls Du ihn
hast, kannst Du die Art ja auch vergleichen.
Gruß
Thomas
PS: Ich würde mal sicherheithalber ein Exsikkat anfertigen. Falls dein Fund
tatsächlich keine Schnallen hat, handelt es sich garantiert um eine
Rarität.

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Re: Psathyrellafrage im Speisemorchelgebiet

Boletus ⌂, (vor 8235 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

P. efibulata ist ein recht kleiner, schmächtiger Pilz, der einzeln wächst und
zumindest jung reichliches spinnwebartiges Velum hat. Er kann als
Doppelgänger von P. canoceps angesehen werden und hat meiner Ansicht nach
nix mit Deinem Fund zu tun. Ich habe allerdings keine Literatur zur Hand.
Wenn es Dir in 10 Tage noch reicht, kann ich Dir die Originalbeschreibung
dieser P. efibulata einscannen.

Vielen Dank für Dein Angebot, benötige die Originalbeschreibung jedoch nicht. Ich glaube auch nicht an P. efibulata weil ich bei "meinen" Frk. auch jung kein Velum festgestellt habe und die Art auch nicht einzeln wächst.

Viele Grüsse
Sepp