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Inocybe pisciodora? *PIC*

Georg, (vor 8189 Tagen)

Hallo,
seit ca. zwei Wochen finde ich im Nordschwarzwald an Rändern kalkgeschotterter
Waldwege regelmäßig folgende Risspilze. Ich hielt sie zunächst für Inocybe
cervicolor bis ich den recht strengen Geruch nach Fisch bemerkte (etwa so
wie wenn man billiges Fischfilet einen Tag im Kühlschrank liegen hat).
Mikroskopisch sieht er aus wie I. cervicolor/bongardii. Die Sporen sind
im Mittel ca. 1µ länger. Ich würde sagen I. pisciodora, auch in Anbetracht
der frühen Erscheinungszeit. Hat jemand Erfahrung mit dem Pilz?
Hier die Bilder:

[image]

14.05.2004 bei Dobel im Nordschwarzwald.

[image]

27.05.2004 einige km weiter nördlich.

Georg

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Re: Inocybe pisciodora?

Helmut, (vor 8189 Tagen) @ Georg

Servus Georg,

das Bild kommt recht gut hin, vor allem das zweite. Dass die Art doch auch ziemlich schuppig werden kann (Bild 1), ist für mich interessant. Selber habe ich sie erst einmal gefunden. Die aus dem Regensburger Raum belegten Kollektionen wurden zwischen Juli und Oktober gesammelt, dieselbe Zeit gibt Kuyper (1986) an. Er erwähnt jedoch auch Frühjahrsformen (Februar-April) aus dem Mittelmeergebiet, die allgemein kräftiger sind als die Sommer- und Herbstformen.

Auch wenn Kuyper die Art zur Varietät degradiert hat, meine ich doch, sie sicher abgrenzen zu können (bisher keine Übergangsformen zu I. bongardii / cervicolor).

Gruß

Helmut

Hallo,
seit ca. zwei Wochen finde ich im Nordschwarzwald an Rändern
kalkgeschotterter
Waldwege regelmäßig folgende Risspilze. Ich hielt sie zunächst für Inocybe
cervicolor bis ich den recht strengen Geruch nach Fisch bemerkte (etwa so
wie wenn man billiges Fischfilet einen Tag im Kühlschrank liegen hat).
Mikroskopisch sieht er aus wie I. cervicolor/bongardii. Die Sporen sind
im Mittel ca. 1µ länger. Ich würde sagen I. pisciodora, auch in Anbetracht
der frühen Erscheinungszeit. Hat jemand Erfahrung mit dem Pilz?
Hier die Bilder:
14.05.2004 bei Dobel im Nordschwarzwald.

27.05.2004 einige km weiter nördlich.
Georg

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Re: Inocybe pisciodora?

Andreas 2, (vor 8186 Tagen) @ Helmut

Hallo Helmut und Georg,

eigentlich kann ich mich euren Hinweisen zu dieser Art nur anschließen, möchte aber noch ein paar Ergänzungen mitteilen. Pisciodora ist meinen Erfahrungen nach mehr bodenvag als die Typusvarietät. Ich (und mein verstorbener Freund Udo Luhmann) fanden diese Art bisher relativ häufig auch auf neutralem, zumindest auch auf nicht eindeutigem Kalkboden. Dagegen var. bongardii bisher ausschließlich über Kalk (in Thüringen und in den Alpen). Auch was die Schuppigkeit betrifft, kann ich Helmuts Hinweis bestätigen. In den allermeisten Fällen waren die Hüte +/- grobfaserig bis maximal wenig faserschuppig. Einmal konnte ich aber ein Massenvorkommen von über 100 Frk. beobachten, und da waren wirklich einige kräftig schuppige (vornehmlich ältere) Exemplare dabei. Der typische Fischgeruch ist bei frisch eingesammeltem Material oft nicht wahrnehmbar, dagegen spätestens nach einem Tag in verschlossener Büchse kaum noch zu überriechen, wird aber von einigen (sogar guten) Pilzkennern nicht so wahrgenommen! Eine eindeutige Abgrenzung nach Mikromerkmalen ist mir bisher nicht gelungen, so dass ich glaube, dass diese Spezi als Var. zu bongardii doch gut aufgehoben scheint.

Gruß Andreas

Servus Georg,
das Bild kommt recht gut hin, vor allem das zweite. Dass die Art doch auch
ziemlich schuppig werden kann (Bild 1), ist für mich interessant. Selber
habe ich sie erst einmal gefunden. Die aus dem Regensburger Raum belegten
Kollektionen wurden zwischen Juli und Oktober gesammelt, dieselbe Zeit
gibt Kuyper (1986) an. Er erwähnt jedoch auch Frühjahrsformen
(Februar-April) aus dem Mittelmeergebiet, die allgemein kräftiger sind als
die Sommer- und Herbstformen.
Auch wenn Kuyper die Art zur Varietät degradiert hat, meine ich doch, sie
sicher abgrenzen zu können (bisher keine Übergangsformen zu I. bongardii /
cervicolor).
Gruß
Helmut

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Re: Inocybe pisciodora?

Andreas ⌂, (vor 8186 Tagen) @ Andreas 2

Hallo Helmut und Georg,

Der typische

Fischgeruch ist bei frisch eingesammeltem Material oft nicht wahrnehmbar,
dagegen spätestens nach einem Tag in verschlossener Büchse kaum noch zu
überriechen, wird aber von einigen (sogar guten) Pilzkennern nicht so
wahrgenommen!

Das kann ich nur bestätigen.
Wir hatten im Arbeitskreis Stuttgart mal einen vergleichbaren Fund, der roch frisach sogar ziemlich deutlich geranienartig, so dass wir an I. geraniodora dachten. Nach einiger Zeit (ein paar Stunden) "fischelte" der Pilz immer mehr, die meisten der Anwesenden nahmen dann einen schwachen bis deutlichen Geruch ähnlich Ölsardinen wahr. Der Geraniengeruch war nachmittags von niemandem mehr wahrgenommen worden.
Fragt sich natürlich, wie man I. geraniodora inn diese Gruppe einordnet, da sie ebenfalls mikroskopisch keine nennenswerten Unterschiede aufweist (oder weiß jemand welche?). Makroskopisch ist sie ganz gut an den in dieser Gruppe glattesten Hüten, dem wenig auffallenden Röten (wie cervicolor, nicht wie bongardii), der Vorliebe für reinen Kalkboden (wie bongardii, nicht wie cervicolor) und eben dem Geruch zu erkennen/erahnen. Scheint um Jena herum nicht selten zu sein, aber ob es wirklich eine gute Art ist ?!?!

Beste Grüße,
Andreas

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Re: Inocybe pisciodora?

Helmut, (vor 8185 Tagen) @ Andreas

Servus Andreas,

I. geraniodora (die ich nicht kenne) wird von Kuyper (1986) in seinem Schlüssel von I. cervicolor und I. bongardii unterschieden vor allem durch
- nicht rötlichen oder rötenden Kontext
- einfarbig dunkelbraune bis schokololadebraune Farben
- deutlich schuppigen Stiel im unteren Teil.
Nach der Beschreibung sind auch die Sporen etwas kleiner.

Ausserdem gilt I. geraniodora als alpine Art. Jedoch soll sie von Einhellinger im Raum München gefunden worden sein.

Wenn ich mich recht entsinne, habe ich I. bongardii auch schon mit rötenden Fruchtkörperanteilen gefunden, was ebenso bei Stangl (1989) nachzulesen ist. Ob die Kombination aus Farbe, Geruch und Ökologie ausreichend ist und konstant auftritt, wäre eine eingehende Untersuchung wert. Bis dahin sollten alle dunkelbraunen, nach Geranien riechenden und in hohen Lagen wachsenden Cervicolores als I. geraniodora angesprochen werden.

Schönen Gruß

Helmut

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Re: Inocybe pisciodora?

Andreas ⌂, (vor 8185 Tagen) @ Helmut

Servus Andreas,
I. geraniodora (die ich nicht kenne) wird von Kuyper (1986) in seinem
Schlüssel von I. cervicolor und I. bongardii unterschieden vor allem durch
- nicht rötlichen oder rötenden Kontext
- einfarbig dunkelbraune bis schokololadebraune Farben
- deutlich schuppigen Stiel im unteren Teil.
Nach der Beschreibung sind auch die Sporen etwas kleiner.
Ausserdem gilt I. geraniodora als alpine Art. Jedoch soll sie von
Einhellinger im Raum München gefunden worden sein.
Wenn ich mich recht entsinne, habe ich I. bongardii auch schon mit rötenden
Fruchtkörperanteilen gefunden, was ebenso bei Stangl (1989) nachzulesen
ist. Ob die Kombination aus Farbe, Geruch und Ökologie ausreichend ist und
konstant auftritt, wäre eine eingehende Untersuchung wert. Bis dahin
sollten alle dunkelbraunen, nach Geranien riechenden und in hohen Lagen
wachsenden Cervicolores als I. geraniodora angesprochen werden.
Schönen Gruß
Helmut

Hallo Helmut,

vielen Dank für die Anmerkungen. Ich selbst bin ja kein Risspilzkenner wie Du weißt.
Was mich aber bzgl. dieser geraniodora wundert, ist die angeblich dunkelbraune Hutfarbe und das angebliche Vorkommen in der alpin-subalpinen Zone. Meine insgesamt 3 oder 4 Funde aus dem Schönbuch (450 m NN) und Jena (250 m NN) waren stets relativ hell rötlichbraun und auch Breitenbach/Kränzlin bilden sie so ab. Eigentlich wie bongardii, jedoch auffallend feiner faserschuppig. Cervicolor hat für mich meist einen dunkleren und vor allem graueren Farbton im Hut. Die Tramaverfärbung bei bongardii ist oft ein inkarnatrot, bei cervicolor mehr ein weinbraun, bei geraniodora kaum feststellbar oder eher wie bei cervicolor. Naja, und die Gerüche sind auch bei allen drei verschieden.
Auf die Stielschuppung habe ich nie geachtet, das werde ich zukünftig natürlich tun.

Im übrigen habe ich noch mehrere Aufsammlungen sehr kleinwüchsiger "cervicolores" aus eher feuchten Habitaten (bei Salix und bei Betula oder Pinus), die sich mangels Geruch und wegen kaum sichtbarer Tramaverfärbung nicht bestimmen ließen - falls jemand sich mit der Gruppe beschäftigen will ;-)
Ich denke, dass trotz Kuyper da noch mancher Klärungsbedarf besteht.

Beste Grüße,
Andreas