Pilze Pilze Forum
Erweitert

Russula ionochlora???

Mebo, (vor 8184 Tagen)

Hallo Pilzfreunde!

zunächst einmal als bisheriger "Schwarzleser" ein großes Lob für das Forum.

Vorgestern fand ich den ersten milden Täubling des Jahres, mit dem ich allerdings bestimmungstechnisch nicht so ganz klarkomme.

Da ich nicht die Möglichkeit habe, Bilder einzustellen, hier die Beschreibung:

Hut: rund, Hutrand ungerieft, ca. 7 cm Durchmesser, mit 2 voneinander abgegrenzen Farbzonen: Hutmitte gelblich mit blaßvioletter Beimischung, Hutrand dunkles Graugrün (mit Grünüberschuß), das zum Hutrand hin immer dunkler wurde

Lamellen: weiß mit blaßgelblichem Anflug, splitternd

Stiel: weiß, voll, zur Stielspitze hin verjüngt, ca. 5 x 1,5 cm

Fleisch: weiß, relativ fest (nicht mürbe), ohne Verfärbung beim Anschneiden

Gefunden unter Eichen im Gras auf saurem Boden; Kostprobe mild bis auf die schärflichen Blätter.

Ich denke, dass die Experten mit der Beschreibung vielleicht doch etwas anfangen können. Welche Russula käme noch in Frage?

Vielen Dank
Matthias

PS. Habe am gleichen Tag den ersten Kahlen Krempling 2004 gesehen. Der Pilz hatte sich den ungewöhnlichen Standort auf einer Viehweide gewählt.

Eintrag gesperrt
6 Aufrufe

Re: Russula ionochlora???

Werner2, (vor 8184 Tagen) @ Mebo

Hallo Matthias,
.
Russula ionochlora gehört zu den Heterophyllae-Griseinae, und damit zu einer nicht so einfachen Gruppe der Täublinge. Relativ kleine, violett-grünliche, milde Täublinge mit cremefarbenem Sporenstaub/Lamellen kommen aber gut in die Richtung R. ionochlora.
.
Deine Beschreibung und auch der Hinweis auf sauren Boden passt auch sehr gut zu dieser Art; sie ist auf kalkarmen und sauren Böden verbreitet, wird aber in den letzten Jahren leider immer seltener. Allerdings sollte man sie zur Abgrenzung von anderen Arten doch besser mikroskopisch absichern.
Ähnlich ist z.B.die bei uns sehr häufige R. parazurea mit netzigen Sporen und einer mehr matten, bereiften Hutoberfläche. Es gibt darüber hinaus noch einige seltenere oder sehr selten Griseinae wie R. grisea, R. pseudoeaeruginea oder R. atroclauca. Die Sporen sind bei R. ionochlora immer punktiert-warzig, ohne große Verbindungen. Außerdem muss man, wen man ganz sicher sein will, leider auch die Huthautzellen auf ihre Form und Breite hin mikroskopisch überprüfen.
.
Gruss Werner2
.
.

Hallo Pilzfreunde!
zunächst einmal als bisheriger "Schwarzleser" ein großes Lob für
das Forum.
Vorgestern fand ich den ersten milden Täubling des Jahres, mit dem ich
allerdings bestimmungstechnisch nicht so ganz klarkomme.
Da ich nicht die Möglichkeit habe, Bilder einzustellen, hier die
Beschreibung: Hut: rund, Hutrand ungerieft, ca. 7 cm Durchmesser, mit 2
voneinander abgegrenzen Farbzonen: Hutmitte gelblich mit blaßvioletter
Beimischung, Hutrand dunkles Graugrün (mit Grünüberschuß), das zum Hutrand
hin immer dunkler wurde
Lamellen: weiß mit blaßgelblichem Anflug, splitternd
Stiel: weiß, voll, zur Stielspitze hin verjüngt, ca. 5 x 1,5 cm
Fleisch: weiß, relativ fest (nicht mürbe), ohne Verfärbung beim Anschneiden
Gefunden unter Eichen im Gras auf saurem Boden; Kostprobe mild bis auf die
schärflichen Blätter.
Ich denke, dass die Experten mit der Beschreibung vielleicht doch etwas
anfangen können. Welche Russula käme noch in Frage?
Vielen Dank
Matthias
PS. Habe am gleichen Tag den ersten Kahlen Krempling 2004 gesehen. Der Pilz
hatte sich den ungewöhnlichen Standort auf einer Viehweide gewählt.

Eintrag gesperrt
6 Aufrufe

Re: Russula ionochlora???

Mebo, (vor 8182 Tagen) @ Werner2

Hallo Matthias,

Deine Beschreibung und auch der Hinweis auf sauren Boden passt auch sehr gut

zu dieser Art; sie ist auf kalkarmen und sauren Böden verbreitet, wird
aber in den letzten Jahren leider immer seltener. Allerdings sollte man
sie zur Abgrenzung von anderen Arten doch besser mikroskopisch absichern.
Ähnlich ist z.B.die bei uns sehr häufige R. parazurea mit netzigen Sporen und
einer mehr matten, bereiften Hutoberfläche. Es gibt darüber hinaus noch
einige seltenere oder sehr selten Griseinae wie R. grisea, R.
pseudoeaeruginea oder R. atroclauca. Die Sporen sind bei R. ionochlora
immer punktiert-warzig, ohne große Verbindungen. Außerdem muss man, wen
man ganz sicher sein will, leider auch die Huthautzellen auf ihre Form und
Breite hin mikroskopisch überprüfen.
.
Gruss Werner2
.
.

Hallo Werner,

erst mal vielen Dank für die ausführliche Antwort. Als ich den "Problempilz" gefunden habe, hatte ich ihn wegen des violettgrünen Aussehens schon in die "cyanoxantha-grisea-ionochlora"-Gruppe gesteckt. Die gelbliche Färbung fiel mit erst später auf.

Ich versuche mal, Deine Vorschläge mit meinen etwas oberflächlichen Kenntnissen (siehe Profil) abzuwägen: Russula grisea, meine ich, könnte wegen der Vorliebe für Kalkboden ausgeschlossen werden. R. parazurea habe ich bewußt noch nicht gesehen, aber der Hut hatte keine bereifte Oberfläche. R. versicolor ziehe ich auch nicht in die engere Auswahl, da am Standort keine Birken in unmittelbarer Nähe sind. R. pseudoaeruginea und R. atroglauca bietet mir meine Literatur gar nicht erst an.

Schönes Wochenende
Matthias

Eintrag gesperrt
6 Aufrufe

Nachtrag zur Schärfe von Russula ionochlora???

Werner2, (vor 8184 Tagen) @ Mebo

Russula ionochlora sollte eingentlich in den Lamellen höchstens mal jung, aber sonst wirklich nicht scharf schmecken.
Sonst sollte man bei der äußerlich etwas ähnlichen R. versicolor (bei Birke) suchen.
Gruss Werner 2
.
.

Hallo Pilzfreunde!

zunächst einmal als bisheriger "Schwarzleser" ein großes Lob für
das Forum.
Vorgestern fand ich den ersten milden Täubling des Jahres, mit dem ich
allerdings bestimmungstechnisch nicht so ganz klarkomme.
Da ich nicht die Möglichkeit habe, Bilder einzustellen, hier die
Beschreibung: Hut: rund, Hutrand ungerieft, ca. 7 cm Durchmesser, mit 2
voneinander abgegrenzen Farbzonen: Hutmitte gelblich mit blaßvioletter
Beimischung, Hutrand dunkles Graugrün (mit Grünüberschuß), das zum Hutrand
hin immer dunkler wurde
Lamellen: weiß mit blaßgelblichem Anflug, splitternd
Stiel: weiß, voll, zur Stielspitze hin verjüngt, ca. 5 x 1,5 cm
Fleisch: weiß, relativ fest (nicht mürbe), ohne Verfärbung beim Anschneiden
Gefunden unter Eichen im Gras auf saurem Boden; Kostprobe mild bis auf die
schärflichen Blätter.
Ich denke, dass die Experten mit der Beschreibung vielleicht doch etwas
anfangen können. Welche Russula käme noch in Frage?
Vielen Dank
Matthias
PS. Habe am gleichen Tag den ersten Kahlen Krempling 2004 gesehen. Der Pilz
hatte sich den ungewöhnlichen Standort auf einer Viehweide gewählt.

Eintrag gesperrt
5 Aufrufe

zur Schärfe von Täublingen???

Huperzia ⌂, (vor 8182 Tagen) @ Werner2

Hallo,

Wir haben gestern drei Kollektionen Täublinge aus wohl der Gruppe gesammelt und bei den Kostproben fand Andreas allesamt mild, während ich sogar mit Wasser nachspülen mußte. Scheint also irgendwie auch ein wenig individuell unterschiedlich zu sein.

Viele Grüße,

Tanja

Eintrag gesperrt
7 Aufrufe

Re: zur Schärfe von Täublingen???

Werner2, (vor 8182 Tagen) @ Huperzia

Hallo Tanja,
ich denke dass ist manchmal fast so wie bei den Gerüchen.
Da reicht man einen Täubling herum und jeder riecht und schmeckt was
anderes. Bei Ritterlingen etc. ist es ganz verrückt.
Natürlich ist richtig scharf brennend, aber es gibt so einen
Randbereich, da gehen die Meinungen wirklich auseinander.
Russula ionochlora war in den 80er Jahren wirklich ein Massenpilz bei
Frankfurt aber heute bin ich froh, ab und an ein Exemplar zu entdecken.
Das gilt übrigens für viele Täublinge.
Und ich habe diese Art nie als schärflich empfunden.
Gruss Werner2

Hallo,
Wir haben gestern drei Kollektionen Täublinge aus wohl der Gruppe gesammelt
und bei den Kostproben fand Andreas allesamt mild, während ich sogar mit
Wasser nachspülen mußte. Scheint also irgendwie auch ein wenig individuell
unterschiedlich zu sein.
Viele Grüße,
Tanja