Re: Xerocomus badiorufus
Hallo Harry und alle anderen Röhrlingsfans,
Xerocomus badiorufus ist eine kaum bekannte, aber vielleicht doch
eigenständige Art. In Deutschland ist sie bisher nicht nachgewiesen. ENGEL
et al. (1996, Die Schmier- und Filzröhrlinge) führen sie zwar auf, aber
als Art ohne bekannte Sektionszugrhörigkeit und nur mit aus der Literatur
kompilierter Beschreibung. Demnach soll sie eine Art aus der Nähe von X.
badius sein, aber mit wesentlich kleineren Sporen. ich glaube, dass sie in
die Nähe von X. moravicus gehört, eben deswegen und weil die Röhren als
blassgelblich mit weisslichen Poren angegeben sind.
Charakteristische makroskopische Kennzeichen sollen sein: Robuster Hut mit
eingerolltem Rand und weissem Häutchen
Kurze, etwas herablaufend Röhren
Robuster, spindelig-wurzelnder Stiel mit feiner Netzzeichnung (!) im oberen
Stielteil
Im Übrigen ist die Art nicht gültig publiziert, weil kein Typus angegeben
wurde. Sie stammte aus der Gegend von Mans (Frankreich) und wächst HEIM
zufolge unter Pinus sylvestris auf Sandboden (Dünen?).
Xerocomus badiorufus (Heim) M. Bon 1970 (nom. inval.)
= Boletus badiorufus Heim 1960 (inval., kein Typus angegeben)
Zusätzlich zu den Abbildungen die Karl erwähnte gibt's zwei Bilder:
Courtecuisse & Duhem (1994): Champignons d'Europe, Nr. 1658
Leclair & Essette (1969): Les Bolets, Nr. 59 (Schwarz-Weiss)
Zeichnungen bzw. Skizzen gibt's in: Heim (1957): Champignons d'Europe 2: 139
Heim (1960): Rev. de Mycol. 25(3-4): 235 (Originaldiagnose, inval.)
Bon (1970): Rev. de Mycol. 35(4): 233 (Kombination mit Xerocomus, inval.)
Quelle: Fiche d'Identité des Bolets d'Europe
Das sind die Arbeitsblätter, die von REDEUILH & SIMONINI herausgegeben
werden, mit dem Ziel, eines Tages die Röhrlingsarten einheitlich (in
Europa) zu definieren, sowohl was die Benennung als auch was die
Bestimmung anbelangt.
Beste Grüße,
Andreas
Hallo Andreas,
vielen Dank für deine detalierten Ausführungen.Ganz geheuer,muß ich ehrlich
zugeben, ist mir das ganze aber nicht.Nur zu stark ist der Trieb mancher Autoren
aus einem etwas artuntypischen Fruchtkörper gleich eine neue Art zu kreieren.Es
wäre nicht die erste Geisterart, die durch die Literatur spukt.
Sven hat,oder vorsichtiger ausgedrückt will diesen Pilz bei sich zu Hause
aufgefunden haben.Das Foto liefert er nach. Wie er ihn bestimmt hat würde mich auch mal interessieren,ob die makroskopischen und mikroskopischen Merkmale mit denen von dir beschriebenen übereinstimmt.Nun er ließt dieses Posting mit Sicherheit auch und wird wohl noch dazu Stellung nehmen. Bin mal gespannt was bei der Sache rauskommt.
Meine Neugierde ist noch in keinster Weise gestillt - im Gegenteil.
Bye Harry