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Boletus lurdius - caucasicus ......

Andreas ⌂, (vor 8178 Tagen) 8.003 Beiträge @ Matthias

Hallo Christoph,
Andreas hat mal in der Südwestdeutschen Pilzrundschau, Heft 2 von 2002
38.Jahrgang, einen Rotporerschlüssel veröffentlicht und dort bei B.
luridus den gelben Röhrenboden als gelegentlich vorkommend beschrieben,
viele Grüsse
Matthias

Hallo,

vielleicht zunächst mal der Hinweis, dass Boletus caucasicus ein ungültiger Name ist. Vermutlich störten das die Art so sehr, dass sie (meines Wissens) nie mehr sicher bestimmt aufgetaucht ist *ggg*. Neben dem gelben Röhrenboden ist ein weiteres Merkmal kennzeichnend und meiner Meinung nach auch wesentlich wichtiger: Die Amylonreaktion soll negativ sein. Bei B. luridus ist sie deutlich positiv.
Die Amylonreaktion ist vereinfacht auch ohne Mikroskop durchzuführen, zumindets bei den stärker reagierenden Arten. Man bringt einfach einen Tropfen Melzer's Reagenz (ohne Chloralhydrat glaube ich) auf das Stielfleisch im unteren Stielbereich. Positiv ist eine Verfärbung zu tintenblau bis fast schwarz, negativ ist die orangegelbe Eigenfarbe der Jodlösung. Das ist bei den stark blauenden Arten natürlich nicht so ganz einfach zu sehen, aber man kann ja einen Pilz durchschneiden und eine Stunde warten, dann hat die Blauverfärbung wieder nachgelassen und das Fleisch ist wieder gelb.
Meine Funde von Hexenröhrlingen mit gelbem Röhrenboden waren stets positiv, daher mein Hinweis, dass es auch beim Netzstieligen Hexenröhrling Exemplare mit gelbem Röhrenboden geben kann.

Das heißt aber nun nicht, dass ich die Existenz eines Boletus caucasicus rundweg verneine. Vielleicht findet ja wirklich mal einer einen Hexenröhrling mit netzigem Stiel, gelbem Röhrenboden, negativer Amylonreaktion und der Hutfarbe von luridus. Dann wäre es an der Zeit, diese Aufsammlung intensivst von einem Spezialisten untersuchen zu lassen, unbedingt auch die Rhizomorphen (Hallo Christoph ....), um klären zu können, in welchen Verwandtschaftsbereich diese Art denn nun gehört. Der Flockenstielige Hexenröhrling gehört nämlich nicht gerade in die unmittelbare verwandtschaftliche Nähe zum Netz- und Glattstieligen, wenn ich Christoph Hahn richtig verstanden habe.

Es gibt im übrigen von allen (3) Hexenröhrlingen pigmentgestörte Formen, die dann im Extremfall rein gelb sind. Für jemand, der Röhrlinge mit einem Bestimmungsschlüssel bestimmen will natürlich eine unüberwindliche Hürde, denn als ersten Schritt teilt man die Röhrlinge ja nach der Porenfarbe ein ....

Weitere Varietäten sind ebenfalls bekannt, so gibt es rothütige Sippen, die beim Netzstieligen B. queletii vortäuschen können, den Flockenstieligen dagegen als B. dupainii bestimmen lassen.
Von luridus kenne ich noch eine Sippe, die sich durch klein bleibende Fruchtkörper auszeichnet (ausgewachsen nicht viel größer als Ziegenlippengröße), stark orangerotes Stielnetz, das aber aus Einzelpusteln gebildet wird, sehr intensives Blauen wie bei B. pulverulentus und ein im Schnitt rhabarberrötliches Fleisch im Hut (schnell gucken bevor alles blau wird!). Die Art fand ich bisher stets unter Buchen auf +/- bewuchsfreiem Lehmboden, im Wald oder entlang von Fußpfaden im Wald (nie in Parks oder Anlagen). Ich dachte lange, sie sei wert neu beschrieben zu werden, aber möglicherweise ist sie mit var. erythroteron (Bezdek) Pilat & Dermek identisch.

Eine mediterrane Sippe unter Flaum- und Steineiche, vielleicht auf Sardinien beschränkt, ist der neu beschriebene Boletus comptus Simonini, der ebenfalls einen gelben Röhrenboden hat, ferner eine glänzende Hutfärbung die von graulich (jung) in grau-rosa-orange bis trüb altrosa übergeht und Sporen mit einem signifikant niedrigeren Q-Wert als B. luridus. Aber ebenso wie dieser mit positiver Amylonreaktion und daher nicht mit B. caucasicus zu identifizieren.

Sage keiner, die Röhrlinge seien einfach ..... ;-)

Beste Grüße,
Andreas

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