Pilze Pilze Forum
Erweitert

Pilzvergiftung

Arminius, (vor 8089 Tagen)

Hallo zusammen. In den letzten Tagen hat es hier im Allgäu den ersten großen Schub gegeben. Viele kleine Maronen und andere Pilze. Leider fast alle mit reichlich Besuchern.

Meine Frage, wer kennt sich mit folgendem Problem aus: Ich habe neben Maronen und Reizkern einen nicht mehr ganz taufrischen Perlpilz dabeigehabt. Normalerweise sage ich allen Freunden immer wieder, wenn ihr Perlpilze zubereitet, laßt sie lange genug (15 Minuten) schmoren. Jetzt war ich aber alleine und habe nicht auf die Uhr geschaut. Rückblickend waren es wohl nicht mehr als 5 - 10 Minuten. Ca. 1 - 2 Stunde nach der Mahlzeit wurde mir übel und mein Darm spielte verrückt. Hinten kam es nur noch flüssig raus. Die Tortur begann am Samstagabend und zog sich über die gesamte Nacht hin. Im Laufe des Sonntags beruhigte sich der Darm so langsam. Mit der Übelkeit habe ich aber auch heute (Montag) mittag noch etwas zu kämpfen.

Folgende Dinge frage ich mich jetzt: War die kurze Garzeit schuld an der dummen Geschichte? Als ich oben geschrieben habe, daß der Pilz nicht mehr ganz taufrisch war, meinte ich nicht, daß er vergammelt war, sondern lediglich ganz aufgeschirmt. Ein kleines Problem habe ich noch. Ich habe Probleme mit den Farben rot, braun und grün. Deshalb gehe ich auch meistens mit Freunden zum Pilzesuchen. An folgende Dinge kann ich mich bei dem Pilz aber noch gut erinnern: Die eine Hälfte des Hutes war ohne Velumreste die andere mit gräulichen unregelmäßig angeordneten Resten. Der Ring war deutlich gerieft. Größe und Form schienen mir typisch für einen Perlpilz. Welche Verwechslungsmöglichkeiten gibt es denn noch? Ein grauer Wulstling wäre ja nicht weiter schlimm. Und ein grüner Knolli hätte wohl nicht den gerieften Ring. Außerdem wären die Symptome nicht so schnell aufgetreten.

Irgendwie bin ich jetzt doch ein wenig unruhig.

Vielen Dank für eure Antworten

Eintrag gesperrt
14 Aufrufe

Re: Pilzvergiftung

Thomas Pruß, (vor 8089 Tagen) @ Arminius

Moin Arminius,
ehrlich gesagt, fällt es mir etwas schwer, die Symptome, die du beobachtet hast, mit einem (!) vollreifen Perlpilz in Verbindung zu bringen.
Ich weiß aber z. B. von mir, dass Gedrungene Wulstlinge oft zu Durchfall führen.
Die Fragen, die auch geklärt werden müssen sind: Wie oft isst du im Jahr Pilze?
Grund für diese Frage: Ich z. B. gehe oft Pilze sammeln, esse jedoch vergleichsweise selten, dann aber größere Mengen, was dann fast immer (Ausnahme: Champignons) zu gastrointestinalen Effekten führt. Gestern erst, nach dem Genuss von Pfifferlingen. Wenn man sein Gekröse nicht ständig an den Umgang mit Chitin gewöhnt, kann das durchaus zu kleineren Problemen führen.
Was war mit den anderen Pilzen? Die Reizker können auch verdächtig sein!
Und: Könnte es nicht sein, dass du einem gewissen Placebo-Effekt zum Opfer gefallen bist?
Du hast dir m.o.w. berechtigte Sorgen gemacht, dass die Garzeit deines Pilzgerichtes nicht ausreichend war – mit dem Erfolg, dass dir diese Sorgen buchstäblich auf den Darm geschlagen sind.
Faktum ist: Individuelle Unverträglichkeiten können immer auftreten, auch, wenn man davon bislang verschont geblieben ist.

Grüsslis
Thomas

Eintrag gesperrt
12 Aufrufe

Re: Pilzvergiftung

Harald Andres Schmid, (vor 8089 Tagen) @ Arminius

hallo
es gibt verschiedene Möglichkeiten.

Dass du einen giftigen Pilz erwischt hast, statt Perlpilz ist möglich, aber nach deiner Beschreibung sehr unwahrscheinlich.
Auch die Vergiftungssymtome passen zu keinem Pilz, der da in Frage käme.
Die Garzeit dürfte genug lange gewesen sein. Symptome deswegen sind möglich, aber scheinen mir wiederum höchst unwahrscheinlich.

Wahrscheinlichste Ursachen:

- Unechte Pilzvergiftung. Du hast die Symptome aus Angst vor einer Vergiftung wegen der kurzen Garzeit oder wegen des nicht frischen Pilzes bekommmen.
Das ist nicht so unwahrscheinlich wie es klingt, der Körper kann im Falle von konkreten Aengsten die konkreten Symptome produzieren.
Kommt bei Angst vor Pilzvergiftungen regelmässig vor.

- tatsächlich ein verdorbener Pilz. Das ist möglich, weil der Pilz evtl. schon länger am Standort verblieben ist. Das ist angeblich bei Perlpilzen relativ schnell ein Problem.
Der angeblich "falsche", giftige Perlpilz, der lange durch die Literatur geisterte, soll aufgrund von Vergiftungsfällen mit verdorbenen Exemplaren so lange für real existent gehalten worden sein.

- individuelle Unverträglichkeit. Scheint bei fast allen Pilzen möglich.

Deine Symptome sind keine Symptome, wie sie beim Konsumieren von lebensgefährlichen Pilzen auftreten.
Dazu gehört die kurze Latenzzeit von zwei Stunden.
Die Symptome sind typisch für eine Vergiftung mit verdorbenen Pilzen oder nicht lebensgefährlichen Giftpilzen, die Magenprobleme auslösen.
Ich will es nicht verharmlosen, aber versuchen zu verhindern, dass du dich in weitere Aengste hineinsteigerst.
Selbstverständlich kann ich den Fall aufgrund deiner Beschreibung nicht abschliessend beurteilen.
Die Entscheidung, was du nun unternehmen willst, liegt bei dir.
Selbstverständlich ist der Gang zum Arzt immer ein guter Ratschlag.
Allerdings mit der Einschränkung, dass Aerzte über Pilzvergiftungssymptome in der Regel sehr schlecht Bescheid wissen.
Lieben Gruss, Harald Andres

Eintrag gesperrt
11 Aufrufe

Re: Pilzvergiftung

Harald Andres Schmid, (vor 8089 Tagen) @ Arminius

hallo

ich hoffe, es gelingt mir diese Nachricht zu posten.
Der pilzepilze Server hat zur Zeit ähnliche Symptome wie du.

es gibt verschiedene Möglichkeiten (bei dir, meine ich).

Dass du einen giftigen Pilz erwischt hast, statt Perlpilz ist möglich, aber nach deiner Beschreibung sehr unwahrscheinlich.
Auch die Vergiftungssymtome passen zu keinem Pilz, der da in Frage käme.
Die Garzeit dürfte genug lange gewesen sein. Symptome deswegen sind möglich, aber scheinen mir wiederum höchst unwahrscheinlich.

Wahrscheinlichste Ursachen:

- Unechte Pilzvergiftung. Du hast die Symptome aus Angst vor einer Vergiftung wegen der kurzen Garzeit oder wegen des nicht frischen Pilzes bekommmen.
Das ist nicht so unwahrscheinlich wie es klingt, der Körper kann im Falle von konkreten Aengsten die konkreten Symptome produzieren.
Kommt bei Angst vor Pilzvergiftungen regelmässig vor.

- tatsächlich ein verdorbener Pilz. Das ist möglich, weil der Pilz evtl. schon länger am Standort verblieben ist. Das ist angeblich bei Perlpilzen relativ schnell ein Problem.
Der angeblich "falsche", giftige Perlpilz, der lange durch die Literatur geisterte, soll aufgrund von Vergiftungsfällen mit verdorbenen Exemplaren so lange für real existent gehalten worden sein.

- individuelle Unverträglichkeit. Scheint bei fast allen Pilzen möglich.

Deine Symptome sind keine Symptome, wie sie beim Konsumieren von lebensgefährlichen Pilzen auftreten.
Dazu gehört die kurze Latenzzeit von zwei Stunden.
Die Symptome sind typisch für eine Vergiftung mit verdorbenen Pilzen oder nicht lebensgefährlichen Giftpilzen, die Magenprobleme auslösen.
Ich will es nicht verharmlosen, aber versuchen zu verhindern, dass du dich in weitere Aengste hineinsteigerst.
Selbstverständlich kann ich den Fall aufgrund deiner Beschreibung nicht abschliessend beurteilen.
Ich kann mich irren!
Die Entscheidung, was du nun unternehmen willst, kann ich dir darum nicht abnehmen, sie liegt ausschliesslich bei dir.
Selbstverständlich ist der Gang zum Arzt immer ein guter Ratschlag.
Allerdings mit der Einschränkung, dass Aerzte über Pilzvergiftungssymptome in der Regel sehr schlecht Bescheid wissen.
Lieben Gruss, Harald Andres

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Pilzvergiftung

Werner, (vor 8089 Tagen) @ Arminius

Folgende Dinge frage ich mich jetzt: War die kurze Garzeit schuld an der
dummen Geschichte? Als ich oben geschrieben habe, daß der Pilz nicht mehr
ganz taufrisch war, meinte ich nicht, daß er vergammelt war, sondern
lediglich ganz aufgeschirmt. Ein kleines Problem habe ich noch. Ich habe
Probleme mit den Farben rot, braun und grün. Deshalb gehe ich auch
meistens mit Freunden zum Pilzesuchen. An folgende Dinge kann ich mich bei
dem Pilz aber noch gut erinnern: Die eine Hälfte des Hutes war ohne
Velumreste die andere mit gräulichen unregelmäßig angeordneten Resten. Der
Ring war deutlich gerieft. Größe und Form schienen mir typisch für einen
Perlpilz. Welche Verwechslungsmöglichkeiten gibt es denn noch? Ein grauer
Wulstling wäre ja nicht weiter schlimm. Und ein grüner Knolli hätte wohl
nicht den gerieften Ring. Außerdem wären die Symptome nicht so schnell
aufgetreten.

Nun, mit Amanita sollte man nicht scherzen. Es gibt auch den oberseits leicht gerieften Ring beim Tannenpantherpilz. Allerdings wäre da ein Einzelexemplar gegessen wohl kein Drama, bestenfalls rauscherzeugend. Der "Graue Wulstling" erklärt diese Symtome auch nicht.

Am wahrscheinlichsten ist die "Vergiftung" mit einem überalterten Pilz, sollte das zutreffen (sprich: der Pilz wahr wirklich mehr als "nur aufgeschirmt".

Andererseits sind da noch einige andere Möglichkeiten, eben auch theoretisch eine Knollenblätterpilzvergiftung, der ja auch einen oberseits gerieften Ring hat. Dazu müßte man aber mehr zur Stielknolle wissen. Leider kann man dazu wohl jetzt so nicht mehr sagen. Sind denn noch Putzreste vorhanden?

Wie gesagt, es gibt viele Verwechslungsmöglichkeiten, die mit dem Wissenstand des Finders variieren. Auch ist es möglich, bereits nach ein paar Stunden Übelkeit zu verspüren, direkt nach der Mahlzeit würde das aber nicht auf Knollenblätterpilze hindeuten - es sei denn, es sind noch andere giftige oder verdorbene Pilze in der Mahlzeit gewesen. Graues Velum deutet auch nicht auf A. phalloides hin, allerdings kann das ja durch den Zustand des Pilzes "ergraut" sein.

Ich würde bei so langanhaltenden Beschwerden doch den Arzt aufsuchen ...

Gruß,

Werner

Eintrag gesperrt
13 Aufrufe

???Tannenpantherpilz???

Thomas, (vor 8088 Tagen) @ Werner

Nun, mit Amanita sollte man nicht scherzen. Es gibt auch den oberseits leicht
gerieften Ring beim Tannenpantherpilz. Allerdings wäre da ein...

Hallo Werner!
Was um alles in der Welt nennst du denn den "Tannenpantherpilz"?
Das hab ich ja noch nie gehört.
Hast du einen wissenschaftlichen Namen dafür?
Oder einen Literaturhinweis?

verwunderte Grüße
Thomas

Eintrag gesperrt
9 Aufrufe

Re: ???Tannenpantherpilz???

Jens ⌂, (vor 8088 Tagen) @ Thomas

Hallo Thomas,

guck mal hier: Beitrag 67839
Im MHK Band 3 ist auch ne Abbildung.

Gruß Jens

Hallo Werner!
Was um alles in der Welt nennst du denn den "Tannenpantherpilz"?
Das hab ich ja noch nie gehört.
Hast du einen wissenschaftlichen Namen dafür?
Oder einen Literaturhinweis?
verwunderte Grüße
Thomas

Eintrag gesperrt
13 Aufrufe

Re: Pilzvergiftung

Arminius, (vor 8088 Tagen) @ Arminius

Hallo.
An alle, die mir geantwortet haben (teils per email). Mir geht es heute, Dienstag, schon wieder etwas besser. Noch mal eine kurze Zusammenfassung:

Ich bin mir ganz sicher, daß es kein Plazebo-Effekt war. Auch eine Unverträglichkeit schließe ich eigentlich aus, da ich nicht nur dieses Jahr schon häufiger Perlpilze gegessen habe. Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Entweder war mit dem Pilz etwas nicht in Ordnung (zu alt, falsche Art, zu kurze Garzeit) oder - und jetzt bitte nicht lachen - ich hatte zufällig in diesem Moment einen Magen- und Darminfekt. Möglicherweise durch die schwer verdaulichen Pilze in der Wirkung noch gesteigert. Egal was es auch war, wichtig ist wohl nur, daß es mir so langsam wieder besser geht.

Eine Frage an die Spezialisten habe ich nun aber doch noch. Wie lange muß denn nun ein Perlpilz erhitzt werden, um mögliche Probleme zu vermeiden?

Gruß Arminius

Eintrag gesperrt
12 Aufrufe

Re: Pilzvergiftung

Werner, (vor 8088 Tagen) @ Arminius

Egal was es auch war, wichtig ist wohl nur, daß es mir so
langsam wieder besser geht.

Freut mich.

Eine Frage an die Spezialisten habe ich nun aber doch noch. Wie lange muß
denn nun ein Perlpilz erhitzt werden, um mögliche Probleme zu vermeiden?

Nun, das ist eine individuelle Frage - soll heißen, kommt drauf an, wie groß die Kaliber sind, die Du in die Pfanne haust. Und auf die gewählte Temperatur. Dünne Scheiben, die ich z.B. bevorzuge, muß und kann man logischerweise nicht so lange brutzeln wie halbe Pilze. Ich bevorzuge auch die Ein-Lagen-Methode, d.h., daß in der Pfanne nur eine Lage Pilze gleichzeitig brutzelt. Bei mittlerer Temperatur brate ich die Pilze so lange, bis sie auf beiden seiten goldgelb-leicht bräunlich sind. In Zeit weiß ich das momentan nicht.

Aber ich kann nur empfehlen, gerade roh giftige Pilze wie Perlpilze dünn zu schneiden und nicht riesige Häufen in die Pfanne zu schmeißen, weil sich dann oft schlecht kontrollieren läßt, ob nicht noch ein Teil roh ist oder die Pilze innen auch "durch" sind. Ich schätze mal, daß ich mit meiner Methode ca. (ist aber wirklich nur sehr grob geschätzt) 10 Minuten in der bereits erhitzten Pfanne brauche. Für mich ist nicht die Zeit, sondern das goldgelb-bräunliche Aussehen der Pilze entscheidend.

Gruß,

Werner