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Re: Nicht umsonst sagt man, Russisch Roulett

Anke, (vor 8077 Tagen) 17 Beiträge @ Pio

Hallo Harald und Pio,
ja, solche Geschichten hat mir mein russischer Bekannter auch erzählt. Um mit den sprachbedingt unterschiedlichen Namen der uns jeweils bekannten Pilze überein zu kommen, haben wir oft in einem Pilzbuch blättern müssen. Dabei zeigte er mir so einige sehr zweifelhafte Pilze (z.B. den olivbraunen Milchling - Lactarius necator), die in Russland wohl mit der genannten Salz-Methode haltbar und essbar gemacht wurden.
Vielleicht wurde ein Teil des Giftes dadurch entzogen und die Leute sind nicht unmittelbar erkrankt. Aber wer weiß, was sie sich auf lange Sicht für Organschäden zugezogen haben, ohne es zu merken?
Allerdings muß man dazu sagen, dass die Leute früher in Russland sicherlich nicht zum Spaß Pilze gesammelt haben. Es ging dabei in erster Linie um den Hunger und damit um´s nackte Überleben.
Mein Bekannter erzählte, dass ältere, geschwächte Menschen im Herbst oft viele Fliegenpilze gesammelt haben, da sie zu längeren Pilzsammlungen nicht in der Lage waren und Vorräte für den Winter anlegen mußten. Die Pilze wurden einfach stundenlang gekocht und dann verzehrt. (Ist das Gift des Fliegenpilzes hitzelabil?)

Liebe Grüße,
Anke

Hallo Harald,
ja, die Russen haben zum Teil ganz andere Gewohnheiten hinsichtlich der
Pilze. In Moskau waren immer Unmengen von Täublingen auf den
Verkaufstischen der Märkte zu sehen, in allen denkbaren Farben. Ich habe
nur gestaunt, zumal mir damals noch gar nicht bekannt war, dass es so
viele essbare Arten darunter gibt.
Sehr bemerkenswert fand ich auch, dass z.B. Steinpilze im Ganzen getrocknet
auf dem Markt angeboten wurden. So etwas würde hier kein normaler Mensch
essen, denn ein normal großer Steinpilz kann meines Erachtens unmöglich im
Ganzen trocknen, ohne dabei zu vergammeln, von der Vermehrung eventuell
vorhandener Maden mal ganz abgesehen. Und das Ergebnis sah dann auch
ziemlich merkwürdig und unappetitlich aus.
Dann hatte ich mehrere Bekannte, die sich ihre Frauen aus der damaligen
Sowjetunion mitgebracht hatten. Und da wurden sehr viele Pilze duch
Silieren haltbar gemacht. Das heißt, sie wurden eingesalzen und daran
anschließend per Milchsäure-Gärung vergoren (Prinzip: Saure Gurke oder
Sauerkraut). Wenn alles fertig ist, hat man glasig-weiße säuerliche Pilze,
die sich bei kühler Aufbewahrung monatelang halten.
Für kürzere Aufbewahrung wurden die Pilze gelegentlich mit einer höheren
Konzentration Salz konserviert und möglichst bald verbraucht. Das Ergebnis
ist nicht unbedingt ohne weiteres genießbar. Die Salzkonzentration muss
erst durch Kochen oder Wässern gemildert werden.
Auf die eine oder andere Weise wurden auch viele Milchlinge eingelegt, so
z.B. der bei uns ziemlich umstrittene Birkenreizker. Ich hab das auch mal
ausprobiert.
Viele Grüße - Pio

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