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Giftige Röhrlinge?

Thomas Pruß, (vor 8043 Tagen)

Moin zusammen,
gestern stellte 42 diese Frage:

Bei uns (in Europa) dürfte obige Regel gültig sein. Gibt's aber anderswo
(Amerika, Asien) eigentlich giftige Röhrlinge, die keine Rotporer sind? Falls
ja: hat dazu jemand Artnamen?

Ich habe mal in meinem Buch „Texas Mushrooms“ (Susan und Van Metzler) nachgeschaut, was die Amis so haben.
Von den 30 vorgestellten Arten sind keine wirklich giftig. Sie werden eingeteilt in „edible/choice“ (sehr guter Speisepilz) über „edible“ (essbar), „edible/caution“ (essbar unter Vorbehalt), „not recommended“ (nicht empfehlenswert) und „not edible“ (nicht essbar).
„Edible/caution“ wird bei
• Boletus frostii angegeben (Die Amis kennen offenbar keine Umgangsnamen – alle Pilze werden mit „Schlaunamen“ vorgestellt). Begründung (Zitat): „The rule for eating boletes is to avoid those that have red tube mouths and bruise blue, but this is an edible species. (The species of Boletus are so numerous that they are subdivided into sections, and this rule is intended to prevent you from eating B. satanas, B. luridus, and related species in the section Luridi.) We do not recommend eating it, however, unless you are absolutley certain of your identification.“
• Boletus oliveisporus wegen Verwechslungsgefahr mit B. luridus, dem Netzstieligen Hexenröhrling

„Not recommended“ sind:
• B. campestris
• B. sensibilis
• B. pulverolentus (Schwarzblauender Röhrling, den Bon als „vermutlich essbar“ angibt)
• B. communis
• Boletellus ananus
• Gyroporus subalbellus

„Not edible sind:
• Tylopius balloui
• Tylopius „purple cap group A“

Es gibt noch „Edibility unknown“ (Essbarkeit unbekannt) bei:
• Pulveroboletus hemichrysus

„Reported edible“ (wahrscheinlich essbar) bei:
• Pulveroboletus ravenelii

Aber von einer ausgeprägten Giftigkeit ist bei allen Arten nicht die Rede. Vielmehr sind die meisten Pilze bitter oder sonstwie ungenießbar.

Das Buch gibt nur eine Auswahl von Pilzen in Texas wieder. Was mich immer wieder verwundert ist die Anzahl von Arten, die sowohl bei uns als auch in Amerika vorkommen. Es ist insofern interessant, als dass Texas wohl ein Gebiet ist, in dem sich nordamerikanische/europäische Arten und mittel- sowie südamerikanische Arten überschneiden. Die Abbildungen sind qualitätsmäßig höchst unterschiedlich, aber die Beschreibungen sind sehr gut.

„Texas Mushrooms“ ist erschienen bei der „University of Texas Press“, P.O. Box 7819, Austin, Texas 78713-7819. Die ISBN 0-292-75126-5.

Es kostet, wenn ich mich recht erinnere, um die 15 $.

Grüsslis
Thomas

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Re: Giftige Röhrlinge?

42, (vor 8043 Tagen) @ Thomas Pruß

Hallo Thomas,

danke für die interessanten Informationen.

Das Buch gibt nur eine Auswahl von Pilzen in Texas wieder. Was mich immer
wieder verwundert ist die Anzahl von Arten, die sowohl bei uns als auch in
Amerika vorkommen. Es ist insofern interessant, als dass Texas wohl ein
Gebiet ist, in dem sich nordamerikanische/europäische Arten und mittel-
sowie südamerikanische Arten überschneiden. Die Abbildungen sind
qualitätsmäßig höchst unterschiedlich, aber die Beschreibungen sind sehr
gut.
„Texas Mushrooms“ ist erschienen bei der „University of Texas Press“, P.O.
Box 7819, Austin, Texas 78713-7819. Die ISBN 0-292-75126-5.
Es kostet, wenn ich mich recht erinnere, um die 15 $.

Habe gerade bei Amazon nachgesehen - es ist dort ab 12,44 Euro zu haben und
ich werde es mir wohl bestellen.

Gruß
Thomas

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Re: Giftige Röhrlinge? *PIC*

Jürgen, (vor 8043 Tagen) @ 42

Aus einer älteren Auflage von Michael-Hennigs Handbuch für Pilzfreunde, Bd. II:

[image]

!?!?!?

Jürgen

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Re: Giftige Röhrlinge?

Jürgen, (vor 8042 Tagen) @ Thomas Pruß

Nach BESSETTE & al. (1999): North American Boletes gelten folgende Röhrlingsarten explizit als giftig ("poisonous"):

Boletus eastwoodiae (= B. satanas ss. auct. amer.)
B. erythropus (!)
B. luridus
B. miniato-olivaceus
B. pulcherrimus
B. rubroflammeus
B. sensibilis
B. subvelutipes (alles Rotporer)
Tylopilus eximius

Die beiden letztgenannten Arten gelten jedoch in Japan (IMAZEKI & al. 1988) als essbar. Als "stark giftig" stufen diese Autoren eine unbeschriebene Boletus-Art mit gelben Poren ein, die makroskop. stark an Boletus depilatus erinnert, aber auf Druck blaut.

Als giftverdächtig gelten:

Boletus calopus (NA)
Boletus pseudocalopus (JAP)
B. haematinus (Rotporer) (NA)
Leccinum versipelle (NA, in JAP "essbar")
Phylloporus bellus (JAP)
Tylopilus nigerrimus (JAP)

Boletus frostii, B. (Xerocomus) campestris, B. pulverulentus, Gyroporus subalbellus und Pulveroboletus ravenelii gelten BESSETTE & al. zufolge in NA als "edible" (essbar), Boletellus ananas jedoch als "inedible" (ungenießbar).

Eine größere Anzahl von Arten wird als ungenießbar eingestuft, u. a. aus Tylopilus und der Gruppe um Boletus calopus (bitter). Sehr groß ist in NA und JAP die Anzahl der Arten, deren Speisewert unbekannt ist.

Im südl. Afrika und auf Madagaskar gelten die riesigen Phlebopus-Arten portentosus und colossus bei der einheimischen Bevölkerung als unverträglich.

Grüße Jürgen

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Re: Giftige Röhrlinge?

Dedimyk, (vor 8042 Tagen) @ Jürgen

Hallo Jürgen,

vielen Dank für die Liste.Aber B. erytropus unseren vielgeliebten Flocki als giftig zu bezeichenen finde ich stark ( die Amis essen den doch nicht roh, dann könnte ich das verstehen ).
Gruß Detlef

Nach BESSETTE & al. (1999): North American Boletes gelten folgende

Röhrlingsarten explizit als giftig ("poisonous"): Boletus
eastwoodiae (= B. satanas ss. auct. amer.)
B. erythropus (!)
B. luridus
B. miniato-olivaceus
B. pulcherrimus
B. rubroflammeus
B. sensibilis
B. subvelutipes (alles Rotporer)
Tylopilus eximius
Die beiden letztgenannten Arten gelten jedoch in Japan (IMAZEKI & al.
1988) als essbar. Als "stark giftig" stufen diese Autoren eine
unbeschriebene Boletus-Art mit gelben Poren ein, die makroskop. stark an
Boletus depilatus erinnert, aber auf Druck blaut.
Als giftverdächtig gelten: Boletus calopus (NA)
Boletus pseudocalopus (JAP)
B. haematinus (Rotporer) (NA)
Leccinum versipelle (NA, in JAP "essbar")
Phylloporus bellus (JAP)
Tylopilus nigerrimus (JAP)
Boletus frostii, B. (Xerocomus) campestris, B. pulverulentus, Gyroporus
subalbellus und Pulveroboletus ravenelii gelten BESSETTE & al.
zufolge in NA als "edible" (essbar), Boletellus ananas jedoch
als "inedible" (ungenießbar).
Eine größere Anzahl von Arten wird als ungenießbar eingestuft, u. a. aus
Tylopilus und der Gruppe um Boletus calopus (bitter). Sehr groß ist in
NA und JAP die Anzahl der Arten, deren Speisewert unbekannt ist.
Im südl. Afrika und auf Madagaskar gelten die riesigen Phlebopus -Arten
portentosus und colossus bei der einheimischen Bevölkerung als
unverträglich.
Grüße Jürgen

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So sieht der US-Satanspilz Boletus eastwoodiae aus

Jürgen, (vor 8040 Tagen) @ Jürgen

http://www.mykoweb.com/CAF/species/Boletus_satanas.html

Die Art ist sicherlich verschieden von unserem Satanspilz, vor allem wenn man die stark rosa getönte Huthaut und den phlegmacienartig gerandet-knolligen Stiel beachtet. Das sind keine Anomalien, sondern - wenn man andere US-Bildwerke zu Rate zieht - offenbar charakteristische Merkmale der Art.

Grüße, Jürgen