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#35: Primelgelber Hexenröhrling - Bol. junquilleus *PIC*

Jürgen, (vor 7930 Tagen)

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Nach neuerer Auffassung ist dies eine Farbvariante des Flockenstieligen Hexenröhrlings (Boletus erythropus), wird aber auch in neuer Literatur noch vielfach als eigenständige Art geführt.

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Standort von B. junquilleus

thomasku, (vor 7929 Tagen) @ Jürgen

Hallo Jürgen,

mir fällt auf, dass B. junquilleus auf Deinen Bildern (ich brauche wohl nicht mehr zu erwähnen, dass das wieder eine beeindruckende Serie ist) meist mit Buche vergesellschaftet ist. B. erythroporus habe ich meist in bodensauren Fichtenwäldern gefunden. Gibt es hier evtl. Standortunterschiede?

Grüße
Thomas

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Re: Standort von B. junquilleus

Andreas ⌂, (vor 7929 Tagen) @ thomasku

Hallo Jürgen,
mir fällt auf, dass B. junquilleus auf Deinen Bildern (ich brauche wohl nicht
mehr zu erwähnen, dass das wieder eine beeindruckende Serie ist) meist mit
Buche vergesellschaftet ist. B. erythroporus habe ich meist in bodensauren
Fichtenwäldern gefunden. Gibt es hier evtl. Standortunterschiede?
Grüße
Thomas

Hallo Thomas,

nein, beide kommen sowohl unter Nadel- (vor allem Fichte) als auch unter Laubbäumen vor (vor allem Buche: Weiße-Hainsimsen-Buchenwald). Ich habe im Schönbuch und Nordschwarzwald die gelbe Form gar nicht soo selten gefunden und stets an Standorten wo nicht allzu entfernt auch normal gefärbte Flockenstielige wuchsen.
Ihre Standortansprüche sind meiner Meinung nach absolut identisch - logisch, ich halte sie auch nur für Pigmentvariationen (Teilalbino oder wie man dazu auch sagen will).

beste Grüße,
Andreas

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Re: Standort von B. junquilleus

Jürgen, (vor 7929 Tagen) @ Andreas

Hallo Thomas,

allzuviele Aufsammlungen habe ich nicht - aber es stimmt, mit einer Ausnahme (bei Fichte) habe ich junquilleus nur in bodensauren Buchenwäldern gefunden, während sich die Funde von erythropus vom Habitat Buche/Fichte her in etwa die Waage halten. Das widerspricht etwas Andreas' Beobachtungen, kann aber aufgrund der Seltenheit statistischer Zufall sein. Allerdings gibt die große Mehrzahl der Autoren für junquilleus Laubwald als präferierten Standort und Nadelwald auch nur als Ausnahme an - das kann man für erythropus in der Tat nicht sagen.

Wie Andreas richtig bemerkt, kommen B. erythropus und B. junquilleus an ähnlichen Standorten vor, mitunter auch in enger Nachbarschaft. Ich habe jedoch noch keine Übergangsformen gesehen, also etwa orangeporige Exemplare wie diese hier
http://www.pilzfotopage.de/Boletales3/pages/Boletus%20junquilleus.html
- für mich übrigens wegen der deutlich nicht altersbedingt orangeroten Poren kein B. junquilleus s. str., sondern ein erythropus fo. discolor -, die am Fundort einen direkten Zusammenhang beider Sippen suggerieren würden. Die Myzelien von B. junquilleus bilden zumindest an meinen Fundorten jedes Jahr konstant gelbporige Fruchtkörper. Es ist also, wenn schon keine eigenständige Art, so doch in jedem Fall eine erbliche Variante und nicht nur eine Witterungs- oder Standortform von erythropus.

Grüße, Jürgen

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Re: Standort von B. junquilleus

Andreas ⌂, (vor 7929 Tagen) @ Jürgen

Hallo Jürgen,

allzuviele Aufsammlungen habe ich nicht - aber es stimmt, mit einer Ausnahme
(bei Fichte) habe ich junquilleus nur in bodensauren Buchenwäldern
gefunden, während sich die Funde von erythropus vom Habitat Buche/Fichte
her in etwa die Waage halten. Das widerspricht etwas Andreas'
Beobachtungen, kann aber aufgrund der Seltenheit statistischer Zufall
sein.

Es kann auch einfach an der bevorzugten Jagdgründen liegen. Vielleicht hast Du auch mehr saure Buchenwälder, die in meinen Jagdgebieten gegenüber bodensauren Fichten-Tannenwäldern deutlich zurückblieben.
Was ich auch noch beobachten kjonnte ist, dass im sauren Nadelwald fast nur Einzelexemplare zu fidnen waren, im Buchenwald degegen meist mehrere als Gruppe.

Und zuletzt darf man natürlich die aufgrund von Lichtmangel gelbhütig gebliebenen oder gescheckten Exemplare (die im Laubwald wesentlich häufiger vorkommen) nicht mit junquilleus vermengen - was ich Dir natürlich auch gar nicht unterstelle falls das jemand herauslesen wollte!

Wie Andreas richtig bemerkt, kommen B. erythropus und B. junquilleus an
ähnlichen Standorten vor, mitunter auch in enger Nachbarschaft. Ich habe
jedoch noch keine Übergangsformen gesehen

ich auch nie!

also etwa orangeporige

Exemplare wie diese hier
http://www.pilzfotopage.de/Boletales3/pages/Boletus %20junquilleus.html
- für mich übrigens wegen der deutlich nicht altersbedingt orangeroten Poren
kein B. junquilleus s. str., sondern ein erythropus fo. discolor -,
die am Fundort einen direkten Zusammenhang beider Sippen suggerieren
würden.

Ich würde das sogar für normalen erythropus halten. Die f. discolor halte ich bei B. erythropus für falsch angewandt. Discolor wurde aus einem wärmeliebenden, wenn auch sauren Eichenwald beschrieben und gehört meiner Meinung nach zu B. queletii!

Die Myzelien von B. junquilleus bilden zumindest an meinen

Fundorten jedes Jahr konstant gelbporige Fruchtkörper. Es ist also, wenn
schon keine eigenständige Art, so doch in jedem Fall eine erbliche
Variante und nicht nur eine Witterungs- oder Standortform von erythropus

Ja, da stimme ich Dir zu. Ich würde auch nie eine forma daraus machen wollen, während das, was Du als discolor von erythropus bezeichnest, für mich wiederum nur eine forma sein kann und nichts anderes.

Zu Boletus queletii kenne ich zwei Myzelien, die alljährlich gelbe Basidiocarpien ausbilden, aber es sind meist auch solche darunter, die etwas orange getönt sind und somit als discolor bezeichnet werden müßten. In beiden Fällen gibt es im selben Waldstück aber auch normale B. queletiis, doch das albinotische Myzel ist klar umgrenzt - weswegen ich ein eigenständiges Myzel vermute. Trotzdem ist auch innerhalb dieses Myzels der Farbausfall von Rot und Braun etwas variabel.
Diese variabilität der albinotischen Formen konnte ich bei erythropus nie feststellen, hier lag immer nur der reingelbe junquileus vor, oder eben echte erythropus (wenn auch nicht selten wegen Lichtmangel erheblich unterpigmentiert - doch das relativiert sich im Normalfall nach einigen Stunden).

Ach ja, vom Netzstieligen Hexenröhrling gibt es auch reingelbe Formen und auch so komisch discolor-artig pigmentierte. Allerdings meiner Erfahrung nach wesentlich seltener und ich kann nicht sagen, wie die "Zwischenformen" zu interpretieren sind.

Und zuletzt gibt es noch ein paar weitere eigenständige gelbe Taxa bei den Hexenröhrlingen, wie z.B. B. gabretae, B. primulicolor etc., die anscheinend immer gelb sind.

beste Grüße,
Andreas

Grüße, Jürgen

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Re: Standort von B. junquilleus *PIC*

Jürgen, (vor 7929 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,
Es kann auch einfach an der bevorzugten Jagdgründen liegen. Vielleicht hast
Du auch mehr saure Buchenwälder, die in meinen Jagdgebieten gegenüber
bodensauren Fichten-Tannenwäldern deutlich zurückblieben.

Denke ich eher nicht, denn ich war auch viel in Fichtenforsten unterwegs. Und wie gesagt, da gibt es auch noch die besagten Literaturstellen, angefangen von Kallenbach bis in die Jetztzeit (z. B. Lammoy & Estades 2001).

Die f. discolor halte ich bei B. erythropus für falsch angewandt. Discolor wurde aus einem wärmeliebenden, wenn auch sauren Eichenwald beschrieben und gehört meiner Meinung nach zu B. queletii!

Exakt, im Moment gibt es zwei Interpretationen von discolor Quél.:
- ss. ALESSIO als gelbe Varietät/Form von B. queletii (die korrekte)
- ss. DERMEK als gelbe/orangeporige Unterart ( ich meine auch: allenfalls Form, da ich keine Unterschiede hinsichtl. Areal oder Ökologie zur Leitart zu erkennen vermag) von B. erythropus.
Bei Lannoy & Estades (2001) werden beide Taxa aufgeführt, wobei auch gesagt wird, dass zumindest eins von beiden umbenannt werden müsste, um Konfusion zu vermeiden. Das ist m. W. im Falle von erythropus ssp. (besser: fo.) discolor noch nicht passiert, deswegen verwende ich den Namen noch.

Hier noch zwei Bilder, die jeweils junquilleus und erythropus aus demselben Fundgebiet (mit denselben Wuchsbedingungen hinsichtlich Lichteinfall, Streuauflage, Bodenbeschaffenheit) zeigen:

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Grüße, Jürgen

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Re: Standort von B. junquilleus

Rudi, (vor 7929 Tagen) @ Jürgen

Hallo Jürgen und Andreas,

ich kenne junquilleus nur von einer Stelle, dort im eher jungen Fichtenwald (vermute mal 20- 30 Jahre alt). Er kommt dort immer wieder in 3-8Exemplaren an der selben Stelle vor. Natürlich ist auch der normale Flocki meist in respektvollem Abstand vorhanden.
Bei uns in den (gelegentlich ) warmen Laubwäldern in mainfranken hab ich nur die var. discolor in vielen Übergängen zur Typusform gefunden.

Grüße Rudi