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der 'Pholiotina filaris' lt. Stamets

martin, (vor 7910 Tagen)

in dem buch "psilocybinpilze der welt" beschreibt paul stamets giftpilze, die mit psilocyben verwechselt werden können.
neben den typischen galerinas und inocyben beschreibt er pholiotina filaris, früher conocybe filaris, das beringte giftsamthäubchen. vorkommen überall im pazifischen nordwesten, den britischen inseln und europa. vermutlich sei er weit verbreitet.
der pilz enthalte ähnlich tödliche toxine wie der grüne knollenblätterpilz oder die gifthäublinge.

ich hab mich natürlich gewundert, das ich noch nie von dem pilz im besonderen gehört habe, wenn er denn so giftig sei. allerdings habe ich meine ganze literatur durchforsten müssen, um endlich bei winkler auf den pilz zu stossen, der ihn in einem nebensatz erwähnt. dieser sei ähnlich dem rotbräunlichen glockenschuppling, c. arrhenii, und von diesem nur mikroskopischen zu unterscheiden. von giftigkeit ist da keinerlei rede.

was könnt ihr mir zum einen über die angebliche starke giftigkeit von ph. filaris, seine derzeit gültige gattungszuordnung und dessen vorkommen in mitteleuropa sagen?

danke sehr!
martin

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Re: der 'Pholiotina filaris' lt. Stamets

Andreas ⌂, (vor 7910 Tagen) @ martin

Hallo Martin,

im BRESINSKY & BESL ist die Art aufgeführt, in der Gruppe der amanitinhaltigen Arten zusammen mit Amaniten, Galerinen und Lepioten.
Ich zitiere mal wörtlich, weil das auf alle Deine Fragen Antwort geben müßte:
---
"Nachem in der Gattung Pholiotina bisher keine troxischen Inhaltsstoffe bekannt geworden waren, überraschte sehr der chromatographische Nachweis von alpha-Amanitin in amerikanischem material von Ph. filaris. Zusätzliche Tests an ratten und Meerschweinchen erbrachten die für Amatoxine typischen Symptome. Eigene Untersuchungen an deutschen Funden dieser und einiger weiterer Pholiotina-Arten lieferten jedoch keinen Hinweis auf Amatoxine."
---
Daher die unterschiedliche Bewertung in Amerika und bei uns. Aber ich würde schon den Autoren zustimmen, die fortführen: "Vergiftungen sind [bei uns, meine Anmerkung] bis heute nicht bekannt geworden, trotzdem birgt dieser Pilz eine große Gefahr durch die mögliche Verwechslung mit halluzinogenen Wiesenpilzen"

Na, und was die Gattungsgrenzen zwischen Pholiotina und Conocybe angeht, so wird da wohl "nie" Einigkeit bestehen, aber vielleicht bringen mal DNA-Studien ein weiteres Argument zur Trennung (oder von mir aus auch zur Zusammenlegung).

Ph. filaris ist in Deutschland wohl mindestens als zerstreut einzustufen, im gesamten Gebiet vorkommend und offenbar ohne Verbreitungsschwerpunkt.
Es scheint eine Bevorzugung basenreicher Böden zu bestehen, zumindest aber kommt sie an mäßig bis deutlich nährstoffreichen oder -angereicherten Stellen vor, natürlicherweise z.B. in Kleeb- und Auwäldern, in Eschen-Bergahorn-Schluchtwälder oder anderen mesophilen Laubwädgesellschaften, anthropogen beeinflußt an Wegrändern (gerne in Fichtenforsten), Holzlagerplätzen und alten Rindenschrothäufen, gerne unter Brennnessel oder Springkraut.
Vorkommen ab (Mai) Juni bis November, kein Schwerpunkt erkennbar.

beste Grüße,
Andreas

[quote]in dem buch "psilocybinpilze der welt" beschreibt paul stamets
giftpilze, die mit psilocyben verwechselt werden können.
neben den typischen galerinas und inocyben beschreibt er pholiotina filaris,
früher conocybe filaris, das beringte giftsamthäubchen. vorkommen überall
im pazifischen nordwesten, den britischen inseln und europa. vermutlich
sei er weit verbreitet.
der pilz enthalte ähnlich tödliche toxine wie der grüne knollenblätterpilz
oder die gifthäublinge.
ich hab mich natürlich gewundert, das ich noch nie von dem pilz im besonderen
gehört habe, wenn er denn so giftig sei. allerdings habe ich meine ganze
literatur durchforsten müssen, um endlich bei winkler auf den pilz zu
stossen, der ihn in einem nebensatz erwähnt. dieser sei ähnlich dem
rotbräunlichen glockenschuppling, c. arrhenii, und von diesem nur
mikroskopischen zu unterscheiden. von giftigkeit ist da keinerlei rede.
was könnt ihr mir zum einen über die angebliche starke giftigkeit von ph.
filaris, seine derzeit gültige gattungszuordnung und dessen vorkommen in
mitteleuropa sagen?
danke sehr!
martin[/quote]

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Re: der 'Pholiotina filaris' lt. Stamets

martin, (vor 7910 Tagen) @ Andreas

hallo andreas,
danke dir für deine ausführliche antwort, hat mir alles im zusammenhang mit ph. filaris erklärt, was ich wissen wollte.

erstaunlich finde ich dennoch, inwieweit die konzentration von giftstoffen in pilzen variieren, bzw. auch gänzlich ausbleiben kann. das ist ja nicht nur beim giftsamthäubchen der fall, sondern kommt bei vielen anderen arten vor.
das stützt im eigentlichen den gedanken, das durch die produktion von chemischen, gitfitgen substanzen durch pilzen keinerlei "absicht", im sinne eines evolutionären vorteils zu unterstellen ist, sondern das es sich hierbei wirklich nur um eine art "biochemischen abfallprodukts" handelt.

zudem werde ich mir mal bessere literatur zulegen, freu mich u.a. schon auf den moser! :-)

danke nochmals und viele grüße!
martin

Hallo Martin,
im BRESINSKY & BESL ist die Art aufgeführt, in der Gruppe der
amanitinhaltigen Arten zusammen mit Amaniten, Galerinen und Lepioten.
Ich zitiere mal wörtlich, weil das auf alle Deine Fragen Antwort geben müßte:
---
"Nachem in der Gattung Pholiotina bisher keine troxischen
Inhaltsstoffe bekannt geworden waren, überraschte sehr der
chromatographische Nachweis von alpha-Amanitin in amerikanischem material
von Ph. filaris . Zusätzliche Tests an ratten und Meerschweinchen
erbrachten die für Amatoxine typischen Symptome. Eigene Untersuchungen an
deutschen Funden dieser und einiger weiterer Pholiotina -Arten lieferten
jedoch keinen Hinweis auf Amatoxine."
---
Daher die unterschiedliche Bewertung in Amerika und bei uns. Aber ich würde
schon den Autoren zustimmen, die fortführen: "Vergiftungen sind [bei
uns, meine Anmerkung] bis heute nicht bekannt geworden, trotzdem birgt
dieser Pilz eine große Gefahr durch die mögliche Verwechslung mit
halluzinogenen Wiesenpilzen"
Na, und was die Gattungsgrenzen zwischen Pholiotina und Conocybe angeht, so
wird da wohl "nie" Einigkeit bestehen, aber vielleicht bringen
mal DNA-Studien ein weiteres Argument zur Trennung (oder von mir aus auch
zur Zusammenlegung).
Ph. filaris ist in Deutschland wohl mindestens als zerstreut einzustufen, im
gesamten Gebiet vorkommend und offenbar ohne Verbreitungsschwerpunkt.
Es scheint eine Bevorzugung basenreicher Böden zu bestehen, zumindest aber
kommt sie an mäßig bis deutlich nährstoffreichen oder -angereicherten
Stellen vor, natürlicherweise z.B. in Kleeb- und Auwäldern, in
Eschen-Bergahorn-Schluchtwälder oder anderen mesophilen
Laubwädgesellschaften, anthropogen beeinflußt an Wegrändern (gerne in
Fichtenforsten), Holzlagerplätzen und alten Rindenschrothäufen, gerne
unter Brennnessel oder Springkraut.
Vorkommen ab (Mai) Juni bis November, kein Schwerpunkt erkennbar.
beste Grüße,
Andreas

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Re: der 'Pholiotina filaris' lt. Stamets

Dedimyk, (vor 7909 Tagen) @ martin

Hallo Martin,

ich habe zu Andreas Aussage eben noch eine Ergänzung gefunden:
Im Cetto Band 3 steht unter Wert: wertlos, verdächtig und dann unter Bemerkungen: Dieser kleine Glockenschüppling ähnelt Pholiotina togularis. ER soll hochgiftige Substanzen enthalten ( Meixner ).
Das ist insofern eine beachtliche Aussage, da Cetto mit den Wertangaben sonst immer recht locker umgeht.

Gruß Detlef

in dem buch "psilocybinpilze der welt" beschreibt paul stamets

giftpilze, die mit psilocyben verwechselt werden können.
neben den typischen galerinas und inocyben beschreibt er pholiotina filaris,
früher conocybe filaris, das beringte giftsamthäubchen. vorkommen überall
im pazifischen nordwesten, den britischen inseln und europa. vermutlich
sei er weit verbreitet.
der pilz enthalte ähnlich tödliche toxine wie der grüne knollenblätterpilz
oder die gifthäublinge.
ich hab mich natürlich gewundert, das ich noch nie von dem pilz im besonderen
gehört habe, wenn er denn so giftig sei. allerdings habe ich meine ganze
literatur durchforsten müssen, um endlich bei winkler auf den pilz zu
stossen, der ihn in einem nebensatz erwähnt. dieser sei ähnlich dem
rotbräunlichen glockenschuppling, c. arrhenii, und von diesem nur
mikroskopischen zu unterscheiden. von giftigkeit ist da keinerlei rede.
was könnt ihr mir zum einen über die angebliche starke giftigkeit von ph.
filaris, seine derzeit gültige gattungszuordnung und dessen vorkommen in
mitteleuropa sagen?
danke sehr!
martin