Re: der 'Pholiotina filaris' lt. Stamets
hallo andreas,
danke dir für deine ausführliche antwort, hat mir alles im zusammenhang mit ph. filaris erklärt, was ich wissen wollte.
erstaunlich finde ich dennoch, inwieweit die konzentration von giftstoffen in pilzen variieren, bzw. auch gänzlich ausbleiben kann. das ist ja nicht nur beim giftsamthäubchen der fall, sondern kommt bei vielen anderen arten vor.
das stützt im eigentlichen den gedanken, das durch die produktion von chemischen, gitfitgen substanzen durch pilzen keinerlei "absicht", im sinne eines evolutionären vorteils zu unterstellen ist, sondern das es sich hierbei wirklich nur um eine art "biochemischen abfallprodukts" handelt.
zudem werde ich mir mal bessere literatur zulegen, freu mich u.a. schon auf den moser! 
danke nochmals und viele grüße!
martin
Hallo Martin,
im BRESINSKY & BESL ist die Art aufgeführt, in der Gruppe der
amanitinhaltigen Arten zusammen mit Amaniten, Galerinen und Lepioten.
Ich zitiere mal wörtlich, weil das auf alle Deine Fragen Antwort geben müßte:
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"Nachem in der Gattung Pholiotina bisher keine troxischen
Inhaltsstoffe bekannt geworden waren, überraschte sehr der
chromatographische Nachweis von alpha-Amanitin in amerikanischem material
von Ph. filaris . Zusätzliche Tests an ratten und Meerschweinchen
erbrachten die für Amatoxine typischen Symptome. Eigene Untersuchungen an
deutschen Funden dieser und einiger weiterer Pholiotina -Arten lieferten
jedoch keinen Hinweis auf Amatoxine."
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Daher die unterschiedliche Bewertung in Amerika und bei uns. Aber ich würde
schon den Autoren zustimmen, die fortführen: "Vergiftungen sind [bei
uns, meine Anmerkung] bis heute nicht bekannt geworden, trotzdem birgt
dieser Pilz eine große Gefahr durch die mögliche Verwechslung mit
halluzinogenen Wiesenpilzen"
Na, und was die Gattungsgrenzen zwischen Pholiotina und Conocybe angeht, so
wird da wohl "nie" Einigkeit bestehen, aber vielleicht bringen
mal DNA-Studien ein weiteres Argument zur Trennung (oder von mir aus auch
zur Zusammenlegung).
Ph. filaris ist in Deutschland wohl mindestens als zerstreut einzustufen, im
gesamten Gebiet vorkommend und offenbar ohne Verbreitungsschwerpunkt.
Es scheint eine Bevorzugung basenreicher Böden zu bestehen, zumindest aber
kommt sie an mäßig bis deutlich nährstoffreichen oder -angereicherten
Stellen vor, natürlicherweise z.B. in Kleeb- und Auwäldern, in
Eschen-Bergahorn-Schluchtwälder oder anderen mesophilen
Laubwädgesellschaften, anthropogen beeinflußt an Wegrändern (gerne in
Fichtenforsten), Holzlagerplätzen und alten Rindenschrothäufen, gerne
unter Brennnessel oder Springkraut.
Vorkommen ab (Mai) Juni bis November, kein Schwerpunkt erkennbar.
beste Grüße,
Andreas