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Biolumineszenz bei heimischen Pilzen?

Roos, (vor 7892 Tagen)

Hallo

Immer wieder höre ich von verschiedenen Leuten, dass unser Hallimasch, bzw. seine Rhizomorphen biolumineszente eigenschaften haben. Ich habe in den letzten Jahren mehrere Reinkulturen von dem Knaben genommen und eben auf diese Biolumineszenz untersucht - Ergebnislos...

Hat denn jemand von Euch schon mal selbst Leuchtende Rhizomorphen von Armillaria mellea oder eventuell einen anderen Leuchter in heimischen gefilden gesehen?
Ich weiß, das Armillarien aus Nordamerika diese Eigenschaft definitiv besitzen(Alle?!)

Und mir ist auch der Fall bekannt, dass inerhalb einer Art, Panellus stipticus(der bittere Zwergknäueling), wohl nur die Nordamerikanische Verbreitungseinheit mit Leuchtvermögen ausgestattet ist, nicht jedoch die Europäische.

Weiß jemand ähnliches von Armillaria?

Oder hat vielleicht sogar jemand eine leuchtende Kultur vom Hallimasch bei sich zuhause rumstehen???

Oh bitte erlöst mich von meinem Leiden!!

Viele liebe Grüße ins Forum!

Roos

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Re: Biolumineszenz bei heimischen Pilzen?

saibling, (vor 7892 Tagen) @ Roos

Hallo,

ich konnte das Leuchten schon mehrmals in freier Natur beobachten.
Allerdings muss man das Holz auf dem der Hallimasch wächst, schon
etwas zerlegen um das leuchtende Mycel zu sehen.
Die Leuchtstärke ist von Mycel zu Mycel unterschiedlich.
Von schwach bläulich bis zu kräftigem hellen Knicklichtgrün.
Ob alle Armillaria Arten leuchten weiss ich nicht, ich kenns nur
von Armillaria ostoyae.

Wenn deine Kulturen nicht leuchten, vermute ich mal, dass das
Substrat nicht die richtigen Stoffe liefert die für die chemische
Reaktion(im allgemeinen Luciferin-Luciferase Reaktion) benötigt werden.
Bis jetzt unbestätigten Hinweisen zufolge ist die Biolumineszenz beim
Hallimasch ein "Nebenprodukt" der Zellatmung. Somit wäre evtl.
auch denkbar, dass das Verhältnis Sauerstoff/CO2 eine Rolle spielt.
Analog zu den Wachstumsstörungen bei Zuchtpilzen bei zu hoher/niedriger
CO2 Konzentration. Vielleicht weiss ja noch wer was genaueres.

Ich habe vor kurzem mal etwas rumgegoogled zu dem Thema.
Hier meine Leuchtpilzlinksammlung:

- Hallimasch (Armillaria ostoyae)
- Ölbaumpilz (Omphalotus olearius)
http://www.wundersamessammelsurium.de/Optisches/Lumi/#Chemolumineszenz
- Mycena chlorophos http://maguires.com/research/luminous_mushrooms.htm
- Clitocybe illudens
- Lactarius lampus
- Zwergmuscheling (Panellus stipticus) http://www.mykonet.ch/Leuchtpilze.htm

Grüsse
christian

Hallo
Immer wieder höre ich von verschiedenen Leuten, dass unser Hallimasch, bzw.
seine Rhizomorphen biolumineszente eigenschaften haben. Ich habe in den
letzten Jahren mehrere Reinkulturen von dem Knaben genommen und eben auf
diese Biolumineszenz untersucht - Ergebnislos...
Hat denn jemand von Euch schon mal selbst Leuchtende Rhizomorphen von
Armillaria mellea oder eventuell einen anderen Leuchter in heimischen
gefilden gesehen?
Ich weiß, das Armillarien aus Nordamerika diese Eigenschaft definitiv
besitzen(Alle?!)
Und mir ist auch der Fall bekannt, dass inerhalb einer Art, Panellus
stipticus(der bittere Zwergknäueling), wohl nur die Nordamerikanische
Verbreitungseinheit mit Leuchtvermögen ausgestattet ist, nicht jedoch die
Europäische.
Weiß jemand ähnliches von Armillaria?
Oder hat vielleicht sogar jemand eine leuchtende Kultur vom Hallimasch bei
sich zuhause rumstehen???
Oh bitte erlöst mich von meinem Leiden!!
Viele liebe Grüße ins Forum!
Roos

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Chemismus, Substrat- und Sauerstoffabhängigkeit

Roos, (vor 7891 Tagen) @ saibling

Hallo Christian,

vielen Dank erst mal für den riesigen Schwung an Info, die Du zusammengetragen hast!
Zum Chemismus: das Leuchten ist eine Oxidatinsreaktion, ähnlich der Luciferase-Luciferin Reaktion, in der schädliche Sauerstoff-Radikale bzw. Hyperoxide, die bei der Zellatmung entstehen, unter Energiefreisetzung(Licht) vernichtet weden.
Bei P. stipticus ist das verantwortliche Enzym das Panal mit zwei beteiligten Derivaten, die in der Zellmembran lokalisiert sind.

Ob alle Armillaria Arten leuchten weiss ich nicht, ich kenns nur
von Armillaria ostoyae.

Armillaria mellea leuchtet sogar ungleich stärker, hier eine Studie aus Nordamerika:
http://www.alumni.ca/~gree4n0/

Thomas und Dieter: hier wird auch die Abhängigkeit der Leuchtkraft vom Kulturmedium und der Temperatur aufgezeigt.

Wenn deine Kulturen nicht leuchten, vermute ich mal, dass das
Substrat nicht die richtigen Stoffe liefert die für die chemische
Reaktion(im allgemeinen Luciferin-Luciferase Reaktion) benötigt werden.

Siehe Link oben!

Bis jetzt unbestätigten Hinweisen zufolge ist die Biolumineszenz beim
Hallimasch ein "Nebenprodukt" der Zellatmung. Somit wäre evtl.
auch denkbar, dass das Verhältnis Sauerstoff/CO2 eine Rolle spielt.
Analog zu den Wachstumsstörungen bei Zuchtpilzen bei zu hoher/niedriger
CO2 Konzentration. Vielleicht weiss ja noch wer was genaueres.

Zum Chemismus: das Leuchten ist eine Oxidatinsreaktion, ähnlich der Luciferase-Luciferin Reaktion, in der schädliche Sauerstoff-Radikale bzw. Hyperoxide, die bei der Zellatmung entstehen, unter Energiefreisetzung(Licht) vernichtet weden.
Bei P. stipticus ist das verantwortliche Enzym das Panal mit zwei beteiligten Derivaten, die in der Zellmembran lokalisiert sind.
Definitiv spielt die Sauerstoffkonzentration der Atemluft die wichtigste Rolle, da erst bei "normalen" Sauerstoffkonzentrationen der Stoffwechsel die maximale Aktiviät zeigt.
Tatsächlich hängt die Intensität des Leuchtens vom Grad der sauerstoffabhängigen Lipid-(Fettsäure-)oxidation ab.

So lässt sich zum Beispiel bei Reinkulturen von Panellus stiptcus beobachten, dass erst etwa eine Stunde nach Öffnen einer länger geschlossen gehaltenen Petrischale die Leuchtkraft ihr Maximum erreicht.

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Re: Biolumineszenz bei heimischen Pilzen?

Herbert, (vor 7891 Tagen) @ Roos

Hallo Ross,

Hab zwar keine Kultur vom Hallimasch,kann dir aber Brut vom leuchtenden
Panellus stipticus anbieten.Ich züchte den schon mehrere Jahre mit gutem Erfolg.
Es gibt dazu auch einen Bericht unter www.myconet.ch/Leuchtpilze.

mit leuchtenden Grüße

Herbert

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@Herbert

Roos, (vor 7891 Tagen) @ Herbert

Hallo Herbert,

Danke für das Angebot, P. stipticus habe ich bereits in Kultur.
Kultivierst Du auch andere Arten(Speise-, Medizinalpilze?)

Und grosses Lob, das ist ein hervorragender Beitrag, den Du für
mykonet.ch geschrieben hast!

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Re: @Herbert

Herbert, (vor 7891 Tagen) @ Roos

Hallo Ross,

Der Panellus hat schon einige Verbreitung gefunden auch aufgrund meines Berichtes.Hat viele interessante Kontakte gegeben.
Züchte Shiitake,Austernseitlinge,Nameko,Stockschwämmchen...Viele Versuche auf Substrat,auch mit Medizinalpilzen wie dem Ganoderma.
Produziere mir die Brut selbst.Schwerpunkt ist aber jetzt das was bei mir im Pilzgarten gut wächst.

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Re: Biolumineszenz bei heimischen Pilzen?

Thomas Pruß, (vor 7891 Tagen) @ Roos

Moin Roos,
eine recht interessante Seite findest du auch hier (in englisch):
http://www.lifesci.ucsb.edu/~biolum/chem/

Leuchtendes Hallimasch-Mycel konnte ich auch schon beobachten. Meist war das Leuchten aber so schwach, dass man es nur sehen konnte, wenn man nicht genau hinschaute, sprich: wenn man sozusagen nicht auf die leuchtende Stelle sah, sondern ganz knapp daneben. Bei diesem Vorgang, den ich mal als „indirektes Sehen“ bezeichnen möchte, sieht man mit den wesentlich lichtempfindlicheren Stäbchen auf der Netzhaut und nicht mit den Zäpfchen. Da die Stäbchen aber nicht farbempfindlich sind, sieht man nur ein weißliches Leuchten und das auch eher diffus. Bei Fokussierung auf diese Stelle verschwindet dann das Leuchten. Diese Erscheinung ist im wahrsten Sinne des Wortes „geisterhaft“.
Ich vermute mal, dass die Intensität des Leuchtens stark abhängig ist von der Umgebungstemperatur, denn ich fand leuchtende Mycele meist beim spätsommerlichen Aalangeln in der Nacht bei Außentemperaturen um 15° C. Diese Temps regen wohl das Wachstum des Mycels an, und je stärker diese Aktivität ist, desto stärker ist auch das Leuchten.
Grüßlis
Thomas

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Re: Biolumineszenz bei heimischen Pilzen?

Roos, (vor 7891 Tagen) @ Thomas Pruß

Hallo Thomas,

Meist war das
Leuchten aber so schwach, dass man es nur sehen konnte, wenn man nicht
genau hinschaute, sprich: wenn man sozusagen nicht auf die leuchtende
Stelle sah, sondern ganz knapp daneben. Bei diesem Vorgang, den ich mal
als „indirektes Sehen“ bezeichnen möchte, sieht man mit den wesentlich
lichtempfindlicheren Stäbchen auf der Netzhaut und nicht mit den Zäpfchen.
Da die Stäbchen aber nicht farbempfindlich sind, sieht man nur ein
weißliches Leuchten und das auch eher diffus. Bei Fokussierung auf diese
Stelle verschwindet dann das Leuchten. Diese Erscheinung ist im wahrsten
Sinne des Wortes „geisterhaft“.

Das war auch eine der Fragestellungen der ich nachgegangen bin, Deine Erklärung ist sehr anschaulich und verknüpft meine eigenen Beobachtungen mit dem Phänomen des geisterhaften Verschwindens.
Danke!

Ich vermute mal, dass die Intensität des Leuchtens stark abhängig ist von der
Umgebungstemperatur, denn ich fand leuchtende Mycele meist beim
spätsommerlichen Aalangeln in der Nacht bei Außentemperaturen um 15° C.
Diese Temps regen wohl das Wachstum des Mycels an, und je stärker diese
Aktivität ist, desto stärker ist auch das Leuchten.

Interessanterweise stimmt das nur zum Teil.
Die Abhängigkeit von der Temperatur ist eine rein (bio-)chemische Sache,
bei höheren Temperaturen laufen chemische Reaktionen schneller, d.h. heftiger ab. (siehe auch Link bei Substratabhängigkeit)

Das mit der Mycelaktivität stimmt so nicht.
Man hat herausgefunden, dass die biolumineszente Aktivität erst bei Erreichen der stationären Phase, also wenn das Wachstum abgeschlossen ist, auftritt.
Das mag damit zusammenhängen, dass erst dann der "normale" Erhaltungsstoffwechsel anfängt.
Stichwort Oxidation(=Verstoffwechselung)von Fettsäuren.

Viele Grüße,
Roos

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Re: Biolumineszenz bei heimischen Pilzen?

coco, (vor 7891 Tagen) @ Roos

hallo roos,

ich hatte einmal das glück, leuchtenden hallimasch zu beobachten. das war in der nacht auf einen 1. september an einem verrottenden buchenstumpf in heidelberg, 250m NN, ca. 16° C. fruchtkörper gabs erst im oktober, aber der ganze baumstrunk hat schwach geglimmt im farbton von glühwürmchen, ähnlich meeresleuchten.

beim ölbaumpilz bin ich persönlich sehr skeptisch, ob das nicht ein grosses märchen ist.

beste grüsse

coco

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Leuchtpilze

Dieter W, (vor 7891 Tagen) @ Roos

Obwohl ich mich sehr darum bemüht habe, ist es mir bislang auch nicht gelungen ein leuchtendes Hallimasch Mycel zu sehen. Panellus stipticus kultiviere ich auch seit einiger Zeit mit gutem Erfolg. Auf was läst Du denn Dein Hallimasch Mycel wachsen ? Ich verwende als Grundlage Kettensägenspäne, die ich vorher mit kochendem Wasser übergiesse. Mit herkömmlichen Malzagar hatte ich keinen Erfolg. Man müsste mal machschauen ob Leuchtpilze Lignin oder Zellulose verwerten, möglicherweise liegt es daran.

Dieter

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Re: Biolumineszenz bei heimischen Pilzen?

Karl Keck ⌂, (vor 7887 Tagen) @ Roos

Hat denn jemand von Euch schon mal selbst Leuchtende Rhizomorphen von
Armillaria mellea oder eventuell einen anderen Leuchter in heimischen
gefilden gesehen?

Ja, ich habe mal ein vom Hallimasch schon stark durch Weißfäule zersetztes Stück Holz leuchten sehen. Das Leuchten war vergleichbar mit dem eines Glühwürmchens und nur im vollständig abgedunkelten Raum zu sehen.
Karl