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Zur Ernährungsweise der Morcheln

Andreas ⌂, (vor 7866 Tagen)

Hallo,

im Thread von AK_CCM (stellvetretend: Beitrag 78129) ist die Diskussion über eventuelle Mykorrhizabindung der Morcheln aufgekommen. Ich möchte diesbezüglich die Ergebnisse eines französischen Kollegen wiedergeben, die meiner Meinung nach sehr plausibel klingen. Allerdings bin ich mit diesem Thema (Chemie) wenig familiär und außerdem ist die Diskussion dort schon 3 Jahre her und die eigentlich erklärende mail damals wurde mir privat geschickt und befindet sich nach dieser langen Zeit nicht mehr in meiner Mailbox.

Es wurde festgestellt, dass es Arten(-gruppen) gibt, die ausschließlich als Pionierstadien vorkommen ("colonisatrices") und andere Arten-Gruppen die nach einer Besiedlung ausdauernd ("perénné", sprich mehrjährig) vorkommen.

1. Zur Pioniergruppe gehören M. hortensis (das ist meiner Meinung nach unsere Rindenmulch-Morchel) und M. dunensis. Sie ernähren sich von schnell freigesetzten Saccharose-Zuckern (glaub ich ....) und wenn nach kurzer Zeit diese aufgebraucht sind muss eben ein neuer Standort besiedelt werden. Vielleicht trägt die Sklerotisierungsmöglichkeit bei diesen Arten zu ihrer Verbreitung mittels Rindenschrot bei.

2. Zur Gruppe der Ausdauernden gehören:
a) die Speisemorcheln (esculenta-Gruppe), die an Bäume gebunden sind, die Glukose und dessen Derivate freisetzen (wohlgemerkt freisetzen, es handelt sich nicht um eine Wurzelverbindung zwischen Pilz und Baum!).
b) die Spitzmorcheln (conica/elata-Gruppe), die an freigesetzte Saccharose gebunden sind (bin mir nicht mehr ganz sicher, jedenfalls sind sie nicht an Glykose(-derivate) gebunden).

Dummerweise habe ich die Aufstellung, welche Baumarten außer Esche noch Glukose-Freisetzer sind nicht mehr. Vielleicht kann da jemand anderer etwas dazu herausbekommen. Eiche ist in begrenztem Maße auch dazu befähigt. Dies erklärt die Speisemorchel-Standorte ohne Esche und auch warum die esculentas nicht auf Rindenmulch vorkommen.

Geforscht wurde damals (2002) von Prof. Buscot und seiner Gruppe, der sich inzwischen in Leipzig betätigt. Diese unterschiedliche Ernährungsweisen bestätigen die Ergebnisse die Christoph im DGfM-Forum präsentiert hat (http://www.dgfm-ev.de/forum/thread.php?threadid=47#post199). Auch hieran war Prof. Buscot beteiligt.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Zur Ernährungsweise der Morcheln

Jürgen, (vor 7866 Tagen) @ Andreas

Dummerweise habe ich die Aufstellung, welche Baumarten außer Esche noch

Glukose-Freisetzer sind nicht mehr.<<

Hallo Andreas,

mit großer Wahrscheinlichkeit der Apfelbaum. Ich kenne mehrere esculenta-Fundstellen in Streuobstbeständen, wo als potenzieller Baumpartner - aber müssen das unbedingt "Bäume" sein? - nur Malus in Frage kommen kann.

Grüße, Jürgen

im Thread von AK_CCM (stellvetretend:
Beitrag 78129 )
ist die Diskussion über eventuelle Mykorrhizabindung der Morcheln
aufgekommen. Ich möchte diesbezüglich die Ergebnisse eines französischen
Kollegen wiedergeben, die meiner Meinung nach sehr plausibel klingen.
Allerdings bin ich mit diesem Thema (Chemie) wenig familiär und außerdem
ist die Diskussion dort schon 3 Jahre her und die eigentlich erklärende
mail damals wurde mir privat geschickt und befindet sich nach dieser
langen Zeit nicht mehr in meiner Mailbox.
Es wurde festgestellt, dass es Arten(-gruppen) gibt, die ausschließlich als
Pionierstadien vorkommen ("colonisatrices") und andere
Arten-Gruppen die nach einer Besiedlung ausdauernd ("perénné",
sprich mehrjährig) vorkommen.
1. Zur Pioniergruppe gehören M. hortensis (das ist meiner Meinung nach unsere
Rindenmulch-Morchel) und M. dunensis. Sie ernähren sich von schnell
freigesetzten Saccharose-Zuckern (glaub ich ....) und wenn nach kurzer
Zeit diese aufgebraucht sind muss eben ein neuer Standort besiedelt
werden. Vielleicht trägt die Sklerotisierungsmöglichkeit bei diesen Arten
zu ihrer Verbreitung mittels Rindenschrot bei.
2. Zur Gruppe der Ausdauernden gehören: a) die Speisemorcheln
(esculenta-Gruppe), die an Bäume gebunden sind, die Glukose und dessen
Derivate freisetzen (wohlgemerkt freisetzen , es handelt sich nicht um
eine Wurzelverbindung zwischen Pilz und Baum!).
b) die Spitzmorcheln (conica/elata-Gruppe), die an freigesetzte Saccharose
gebunden sind (bin mir nicht mehr ganz sicher, jedenfalls sind sie nicht
an Glykose(-derivate) gebunden).
Dummerweise habe ich die Aufstellung, welche Baumarten außer Esche noch
Glukose-Freisetzer sind nicht mehr. Vielleicht kann da jemand anderer
etwas dazu herausbekommen. Eiche ist in begrenztem Maße auch dazu
befähigt. Dies erklärt die Speisemorchel-Standorte ohne Esche und auch
warum die esculentas nicht auf Rindenmulch vorkommen.
Geforscht wurde damals (2002) von Prof. Buscot und seiner Gruppe, der sich
inzwischen in Leipzig betätigt. Diese unterschiedliche Ernährungsweisen
bestätigen die Ergebnisse die Christoph im DGfM-Forum präsentiert hat
(http://www.dgfm-ev.de/forum/thread.php?threadid=47#post199). Auch hieran
war Prof. Buscot beteiligt.
beste Grüße,
Andreas

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Re: Zur Ernährungsweise der Morcheln

Manfred, (vor 7866 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas

Der Flieder müsste auch zu den Glukose-Freisetzern gehören. Habe dies mehr
oder weniger zufällig rausbekommen, als ich auf französischen Websites
am surfen war. Darin war von Speisemorchel-Vorkommen in Gärten bei Flieder
die Rede, welcher angeblich Glukose produziert. Hatte das letztes Jahr mal gepostet,
leider habe mir die Website
nicht notiert. Habe selber aber noch nie eine bei Flieder gefunden, bin
halt auch nicht auf Flieder "sensibilisiert". Bei oder unter Apfelbäumen
hingegen habe ich schon öfter gefunden.
Unter einem Birnbaum gabs mal 20-30 Käppchenmorcheln, da war ich aber noch
im Schulalter.
Dass keine Esculentas auf Rindenmulch vorkommen, würde ich nicht
unterschreiben. Ein Bekannter will solche auf Mulche gefunden haben, konnte
ich aber nicht kontrollieren. Es ist aber denkbar, dass an ehemaligen
Esculenta-Stellen gemulcht wird und die Speisemorcheln dann scheinbar wegen
des Mulches dort hervorkommen.

Grüssli
Manfred

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Re: Zur Ernährungsweise der Morcheln

Tommy, (vor 7866 Tagen) @ Manfred

Der Flieder müsste auch zu den Glukose-Freisetzern gehören.

Bei oder unter Apfelbäumen hingegen habe ich schon öfter gefunden.
Unter einem Birnbaum gabs mal 20-30 Käppchenmorcheln...

Dass keine Esculentas auf Rindenmulch vorkommen, würde ich nicht unterschreiben. Ein Bekannter will solche auf Mulche gefunden haben, konnte
ich aber nicht kontrollieren.

Hallo,

Ich persönlich bin, was die Theorie hinsichtlich der Bevorzugung Glukose ausscheidender Bäume von Morcheln betrifft, einigermaßen skeptisch, zumal ich, wie weiter unten beschrieben, Aufkommen von M. esculenta mehrmals weit abseits jeglicher Vegetation beobachtete (Schuttplätze, Sanddünen), sowie an Standorten, wo weit und breit nichts als Koniferen zu finden sind.
Mit meiner ebendort beschriebenen Beobachtung deckt sich das hier erwähnte Aufkommen unter Apfel- und Birnbäumen (Käppchenmorcheln sah ich dort bisher allerdings nie).
Das Erscheinen von M. esculenta auf Rindenmulch ist unsererseits (ÖMG) mehrfach belegt. In einem gemulchten Pflanzenbeet unmittelbar vor dem Gebäude am Wiener Gürtel, wo sich bis vor kurzem die Räumlichkeiten der ÖMG befanden, hatten dereinst etliche Mitglieder Gelegenheit, M. esculenta in schönen Exemplaren zu bestaunen (wegen des "Sonderstandortes" und reichlich Hundesch.. in unmittelbarster Nähe nahm man von jeglicher Sammeltätigkeit Abstand *g*).
Desgleichen ist die Art regelmässig und in großer Stückzahl entlang der Promenade am Donaukanal in Wien anzutreffen (Weißgerber Lände), und zwar stets in reich gemulchten Strauchbeeten (dort nicht selten vergesellschaftet mit hunderten Ex. von Agaricus bitorquis).

LG, Tommy

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Re: Zur Ernährungsweise der Morcheln

coco, (vor 7866 Tagen) @ Andreas

hallo andreas,

und vielen dank für diesen interessanten beitrag.

stimmt ihr mir zu, wenn ich das artkonzept der spitzmorcheln so auffasse?

1. elata = conica = deliciosa (unregelmässig gerippt, ausdauernd)

2. hortensis = costata (+- parallele längsrippen, pionier, auf mulch, oft olivstichig)

und die esculenta-gruppe?

1. esculenta inkl. var. vulgaris

2. crassipes = rotunda (die riesige honiggelbe)

3. spongiola = dunensis

ferner gigas = semilibera

???

gruss coco

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Re: Speisemorchel auf Mulch *PIC*

elfi ⌂, (vor 7866 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,
Speisemorcheln können schon auf Mulch wachsen:
Gefunden im Mai 2002 bei Lidl in Sonthofen, der Mulchstreifen
war nicht bepflanzt. Ein Forumsteilnehmer schrieb damals, dass
diese Speisemorcheln alle steril sind.
[image]
Grüße
elfi [image]

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Re: Speisemorchel auf Mulch

ajuga, (vor 7865 Tagen) @ elfi

Ich lese ja nun schon seit ein paar Jahren in diesem Forum, aber das Speisemorcheln auf Rindenmulch gefunden wurden, ist mir komischerweise entgangen.

Sehr interessant...

ajuga