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Wiesbadener Park

ThomasHofheim, (vor 7840 Tagen) 321 Beiträge @ HeideHilf

Hallo Heide,
einige Ergänzungen noch zum Wiesbadener Park "Unter den Eichen", den ich ganz gut kenne, da der Artikel von Frau Schadewaldt - bei allen Verdiensten um dieses interessante Gebiet - hier teilweise etwas mißverständlich ist.

Zunächst einmal muß man sagen, dass der Park gar nicht sooo "lebensfeindlich" ist. Allein schon dadurch, dass hier auf sehr engem Raum Stellen mit ganz unterschiedlichen ph-Werten vorkommen - von sauer bis basisch - wird es vielen Arten, die eigentlich gar nicht zusammen vorkommen dürften, ermöglicht, hier gemeinsam zu wachsen.
Hinzu kommt, dass der Park für eine städtische Anlage erstaunlich "ungepflegt" ist, was sich nicht nur an dem vielen Müll in den Randbereichen bemerkbar macht, sondern vor allem daran, dass nur zwei- bis dreimal pro Jahr gemäht wird. "Unter den Eichen" hat nichts mit den gepflegten "Englische-Rasen-Parks" vieler Städte zu tun. Und auch wenn bei der Mahd oft einiges an Laubstreu mit entfernt wird, ist ein - wiederum für einen Park - gar nicht so humusarmer Boden entstanden, der entsprechende Streuzersetzer mitbringt. Gerade bei den Nicht-Mykorrhizapilzen ist in der Liste von Frau Schadewaldt vieles nicht enthalten, so dass ein etwas schiefes Bild entsteht. Insgesamt sind mittlerweile übrigens um die 200 Arten nachgewiesen, wobei ich schätze, dass sich mindestens noch weitere 100 finden lassen würden.
All das verstärkt aber eher noch die außerordentliche Stellung des Wiesbadener Parks, so dass ich kaum glaube, dass man ihn mit Wäldern oder Forsten vergleichen kann, seien sie "gepflegt" oder "ungepflegt", kahlgeschlagen oder naturnah.
Viele Grüße
Thomas

Hallo Frank,
nach meiner Erfahrung erholen sich meine Gebiete doch meist wieder (bezieht
sich allerdings nur auf Steinpilze, maronen: Pfifferlinge gibts hier
kaum). Ich habe auch festgestellt, daß gerade Steinpilze einen
"ausgeräumten", lichten Wald bevorzugen. Langsfristig betrachtet
ist sogar die Bewirtschaftung des Waldes für die Pilzsammler von Vorteil (
Dabei Pferde einzusetzen ist wohl leider zu teuer in den Geizistgeil
Zeiten). Ohne Forstwirtschaft weniger Röhrlinge um es verkürzt zu sagen.
Dazu ein vielleicht interessanter Literaturtipp: "Gisela Schadewaldt:
Pilzvorkommen in einer städtischen Parkanlage (Wiesbaden-"Unter den
Eichen"), in Jahrbücher des Nassauischen Vereins für Naturkunde ,
Band 112. Wiesbaden 1990." Dort wird festgestellt, das in einem
eigentlich "lebensfeindlichen" Umfeld für Pilze (saurer Boden,
wenig Humus, aufgeräumtes Ambiente, geringer Niederschlag, allerdings
wärmebegünstigt) nichtdestotrotz zahlreiche (83 Makromyceten) , teilweise
sehr seltene Arten existieren (ermittelt durch Beobachtungen 1987-89).
Bewirtschaftung muß nicht unbedingt die Zahl der Arten verringern.
Sinnvoller wäre es aber wohl mehr im Winterwald zu arbeiten, da dann der
Boden geschont wird und auch die Arbeit leichter ist. So habe ich das in
Erinnerung. Letztendlich gehts auch darum ob man Wald nur als Holzplantage
oder als wertvollen Naturraum betrachtet. Da die Gemeinden/das Land aber
pleite sind werden jetzt wohl schnell alte Eichen und Buchen zu Geld
gemacht.
vile grüsse
heide

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