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Erste Todesfälle in 2005 durch Knolli-Vergiftung

AK_CCM, (vor 7722 Tagen)

Hallo zusammen,

die mir in diesem Jahr bekannte 4. Knollenblätterpilzvergiftung verlief alles andere als glimpflich:

Zwei Todesfälle nach Pilzvergiftung

Tübinger Experte warnt vor tödlicher Verwechslungsgefahr beim unkundigen Sammeln

TÜBINGEN (uha). Wie erst jetzt bekannt wurde, starben Mitte August am Tübinger Uni-Klinikum ein fünfjähriges Mädchen und sein Vater an einer Pilzvergiftung; die hochschwangere Mutter überlebte. Die Herrenberger Familie hatte im Schönbuch Knollenblätterpilze statt Champignons gesammelt.

Quelle: Schwäbisches Tagblatt

Gruß, Andreas

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Re: Erste Todesfälle in 2005 durch Knolli-Vergiftu

Andreas ⌂, (vor 7722 Tagen) @ AK_CCM

Hallo zusammen,
die mir in diesem Jahr bekannte 4. Knollenblätterpilzvergiftung verlief alles
andere als glimpflich: Zwei Todesfälle nach Pilzvergiftung
Tübinger Experte warnt vor tödlicher Verwechslungsgefahr beim unkundigen
Sammeln
TÜBINGEN (uha). Wie erst jetzt bekannt wurde, starben Mitte August am
Tübinger Uni-Klinikum ein fünfjähriges Mädchen und sein Vater an einer
Pilzvergiftung; die hochschwangere Mutter überlebte. Die Herrenberger
Familie hatte im Schönbuch Knollenblätterpilze statt Champignons
gesammelt.
Quelle: Schwäbisches Tagblatt
Gruß, Andreas

Hallo,

ja, dieses Jahr scheint eine deutliche Zunahme der Vergiftungsfälle mit sich zu bringen.
War im Juni schon mal das Krankenhaus da (da wars der Ziegelrote Risspilz), so wars vorgestern wieder so weit: Ein Pilzkenner hat sich selber mit Verdacht auf Knollenblätterpilz ins Krankenhaus begeben. Nachdem er einen vermeintlichen Champignon zubereitet hatte und beim ersten Bissen ihm der Geschmack komisch vorkam, kam ihm nachträglich sein Champignon auch merkwürdig rein weiß vor. Wo doch Champignons eigentlich da so rosalich sein sollten, war seine Bemerkung, mit dem "Bickerich-Stoll" als sein Pilzbuch in der Hand *KOPFSCHÜTTEL*.
Naja, es war nur noch ein teil des Stieles übrig und der Rest des gekochten Essens. Der gute Mann hat es geschafft, wirklich alles signifikante wegzuschneiden: keine Stielbasis, keine Lamellen, keine Huthaut - eben ein Teil des Stieles. Mikroskopisch waren dann elliptische große, deutlich amyloide Sporen zu sehen, allerdings nur sehr sehr wenige. Diagnose war dann logischerweise erstmal, dass es eine Amanita sein mußte, und dass Knollenblätterpilz nicht 100% ausgeschlossen war. Das bedeutete für den Mann dann erst Mal Magenauspumpen und weiter warten .... Ich hab dann anderthalb Stunden rummikroskopiert, insgesamt in etwa 10 Präparaten auch rund 10 meßbare Sporen gefunden, die mit 10-12 µm Länge etwas zu groß für phalloides waren. Ferner konnte ich zwei Mal am untersten Ende des Stieles noch etwas Volva erwischen (war nur mikroskopisch als Teil der Volöva zu erkennen, makrokopisch nicht) und da waren dann immer wieder aufgeblasene, +/- rundliche Zellen dazwischen. Diese beiden Merkmale dann, zusammen mit dem für phalloides ungewöhnlich robusten Stiel, an dem auch nicht die leiseste Andeutung einer Natterung zu erkennen war (war aber auch sehr abgegrabbelt), dem dumpfen Geruch und Geschmack und der Standort im Garten auf Muschelkalk lies mich dann doch sicher sein, dass er den bei uns wirklich häufigen Fransen-Wulstling gegessen hatte und keinen phalloides.
Seine Nachlässigkeit Hat dem Mann dann aber ein Magenauspumpen und etwa 3 Stunden Krankenhausaufenthalt in der Notaufnahme eingebracht. Schneller ging's aber nicht, zumal ich die Pilzreste auch noch selber im Krankenhaus abholen "durfte". Naja, Fahrtkosten kommen mit auf die Rechnung ;-)

beste Grüße,
Andreas

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Merkwürdiger Fall

Georg, (vor 7722 Tagen) @ AK_CCM

Hallo Andreas,
der berichtete Fall ist schon seltsam. Da werden die Vergiftungssymptome
durch Zufall bei der schwangeren Frau bei einer Routineuntersuchung nach
drei (!) Tagen entdeckt. Und die anderen beiden (die letztlich daran gestorben
sind) sollen bis dahin nix gemerkt haben? Üblicherweise machen sich schwere
Phalloides-Vergiftungen 8-10 Stunden nach der Mahlzeit in Form
heftiger Brechdurchfälle bemerkbar. Leichte Fälle haben hingegen eine
Latenzzeit von bis zu 48 Stunden und sind normalerweise gut beherrschbar.
Also irgendwas stimmt da nicht. Entweder hat der Journalist da was
durcheinander gebracht oder die Geschichte entspricht so nicht der Wahrheit.

Georg

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Nachtrag zur tödl.Knolli-Vergiftung

AK_CCM, (vor 7714 Tagen) @ Georg

Hallo Georg, hallo Forum,

aufgrund der berechtigten Zweifel, weil die Knolli-Vergiftung angeblich erst 3 Tage nach dem Verzehr zufällig bei einer Routineuntersuchung der hochschwangeren Frau entdeckt worden ist, habe ich den beteiligten Pilzexperten, Siegried Lelke, kontaktiert. Er informierte mich, dass im "Gäuboten" ein ausführlicherer Artikel zu dem Vorfall erschienen ist.

Darin heißt es, dass die Vergiftung bereits 2 Tage später festgestellt wurde und nicht erst nach 3 Tagen. Auch kam die Vergiftung nicht aus heiterem Himmel: Lt. dem Artikel klagte der Familienvater über Unwohlsein. Weiter heißt es, dass die Todesursache des Vaters und seiner Tochter kein Leberversagen sondern ein Hirnödem war. Wäre dies nicht gewesen, hätten sie gute Überlebenschancen gehabt, so der Leiter der Intensivstation. Dass die Mutter, ihr Kind und ein Bekannter überlebt hatten, verdankten sie anscheinend der geringen Menge an Pilzen, die sie verzehrt hatten.

Ich hoffe, das bringt etwas Licht in die Angelegenheit.

Gruß, Andreas

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Re: Nachtrag zur tödl.Knolli-Vergiftung

Georg, (vor 7714 Tagen) @ AK_CCM

Hi Andreas,
danke für die Nachforschungen. So hört sich das alles wesentlich plausibler
an. Es kommt leider immer wieder vor, dass Ortsfremde in Gebieten, in denen
der Grüne Knolli vorkommt, diesem zum Opfer fallen, weil er als ein in der Heimat
ähnlich aussehender Speisepilz gesammelt wird. Im Westen der USA z.B. sind dies
oft Südostasiaten, die den (aus Europa eingewanderten!)
Grünen Knolli mit dem Reisstrohpilz (Volvariella volvacea) verwechseln.

Georg

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Re: Nachtrag zur tödl.Knolli-Vergiftung

Schwammerlkopf, (vor 7714 Tagen) @ Georg

Nur noch die Frage: Wo liegt denn die tödliche Dosis eines grünen Knollis?

Bei einer Messerspitze-wie oft behauptet, oder bei einem ganzen Pilz?!

Hi Andreas,
danke für die Nachforschungen. So hört sich das alles wesentlich plausibler
an. Es kommt leider immer wieder vor, dass Ortsfremde in Gebieten, in denen
der Grüne Knolli vorkommt, diesem zum Opfer fallen, weil er als ein in der
Heimat
ähnlich aussehender Speisepilz gesammelt wird. Im Westen der USA z.B. sind
dies
oft Südostasiaten, die den (aus Europa eingewanderten!)
Grünen Knolli mit dem Reisstrohpilz (Volvariella volvacea) verwechseln.
Georg

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Dosismenge tödliche Vergiftung A.phalloides

Dedimyk, (vor 7714 Tagen) @ Schwammerlkopf

Hallo,

die Angaben bezüglich der tödlichen Dosis schwanken zwischen 50 bis 65 Gramm Fk. bei Amanita phalloides, dem Grünen Knollenblätterpilz.

Herzlichen Gruß

Detlef

Nur noch die Frage: Wo liegt denn die tödliche Dosis eines grünen Knollis?
Bei einer Messerspitze-wie oft behauptet, oder bei einem ganzen Pilz?!

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Re: Dosismenge tödliche Vergiftung A.phalloides

Werner, (vor 7714 Tagen) @ Dedimyk

Nun, ich habe in Hornberg gehört, die LD50 (lethale Dosis 50%) wäre 35 g. Das heißt, daß 50% aller Probanden, die 35 g essen und sich nicht behandeln lassen, sterben.

Gruß,

Werner

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Letale Dosis

Thomas Pruß, (vor 7713 Tagen) @ Schwammerlkopf

Moin,
die letale Dosis liegt bei 50 mg reinem Amanitin. Das wäre eine winzige Messerspitze. Der Grüne Knollenblätterpilz kann aber bis zu 200 mg Amanitin enthalten. Reicht dann für 4 Personen sehr bzw. 1 Person ganz sicher! ;-)
Grüßlis
Thomas

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Nicht ganz richtig

Georg, (vor 7713 Tagen) @ Thomas Pruß

Hi Thomas,

die letale Dosis liegt bei 50 mg reinem Amanitin. Das wäre eine winzige
Messerspitze. Der Grüne Knollenblätterpilz kann aber bis zu 200 mg
Amanitin enthalten. Reicht dann für 4 Personen sehr bzw. 1 Person ganz
sicher! ;-)

Die tödliche Dosis von Amanitin liegt beim Menschen bei 0,1 mg/kg Körpergewicht.
Für eine 70 kg schwere Person also bei ca. 7 mg.
In Amanita phalloides wurden zwischen 2 und 7 mg pro g Trockengewicht
festgestellt. Also wäre die tödliche Dosis in 10-35 g Frischpilz enthalten.
Da ein ausgewachsener Fruchtkörper gerne 50 g oder mehr wiegen kann, ist
schon ein einzelner verspeister Pilz meist tödlich giftig.

Georg

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Asche auf mein Haupt!

Thomas Pruß, (vor 7713 Tagen) @ Georg

Moin Georg,
auweia, da habe ich mich um ein paar Kommastellen vertan! Am besten, du löscht mein voriges Posting, bevor Verwirrung entsteht.
Grüßlis
Thomas

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Re: Nicht ganz richtig

Dedimyk, (vor 7713 Tagen) @ Georg

Hallo Georg,

danke für diese präzisen Angaben; ich hatte bisher aus verschiedenen Publikationen die Menge von 50 bis 65g Frischpilze in Erinnerung. Gemäß Deiner Erklärung ist es deutlich weniger, was die Gefährlichkeit dieser Vergiftung noch mehr heraushebt.

mfG Detlef

Hi Thomas,
Die tödliche Dosis von Amanitin liegt beim Menschen bei 0,1 mg/kg
Körpergewicht.
Für eine 70 kg schwere Person also bei ca. 7 mg.
In Amanita phalloides wurden zwischen 2 und 7 mg pro g Trockengewicht
festgestellt. Also wäre die tödliche Dosis in 10-35 g Frischpilz enthalten.
Da ein ausgewachsener Fruchtkörper gerne 50 g oder mehr wiegen kann, ist
schon ein einzelner verspeister Pilz meist tödlich giftig.
Georg