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noch ein unbekannter röhrling

bea, (vor 9547 Tagen)

gestern hat mich meine täublingswiese für die herbe (nein bittere ;-)) enttäuschung mit den wunderschönen aber bittren röhrlingen entschädigt.....

ich habe auf ihr drei wunderbar knackige flockis (die ich durch leonies schwärmen erst richtig geniesen gelernt hab!) gefunden und....

einen gewaltigen röhrling!

hut:
*halbkugelig 20 cm
*hellrehbraun
*nicht ganz glatt
*nicht gefeldert

röhren:
*gelb
*bei druck und an frasstellen NICHT BLAUEND, auch nicht nach längerer zeit (3h dauerte es bis zum essen)
*poren gelb mit einem anflug von rötlichbraun (pilz war noch nicht alt und nicht mehr jung)
*im vergleich zum kuhpilz kleine röhren

fleisch:
*weiß/creme?
*fest
*über den röhren im anschnitt gelblich werdend

stiel:
*12 cm
*zylinderförmig 4-5 cm durchmesser
*im obersten bereich (7mm) zitronengelb
*KEIN NETZ, nicht im entferntesten
*sondern sowas wie der birkenpilz hat (wie nennt man das? bemoost?),
in hell- bis dunkelbraun auf gelblichweißem untergrund

geruch:
angenehm

geschmack:
*hervorragend (roh und gebraten ;-) )

nun meine theorie nach dem wälzen von literatur:

gelbfleischiger steinpilz?
gegenargument: kein stielnetz

eine riesige marone?
gegenargument: kein blauen

fahler röhrling?
gegenargument: kein gelbes fleisch
(ABER: andreas'begründung dafür siehe wurzelnder bitterröhrling)

was hab ich denn nun verspeist?
*aufantwortenfreu*
bea

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Re: noch ein unbekannter röhrling

Andreas ⌂, (vor 9547 Tagen) @ bea

gestern hat mich meine täublingswiese für die herbe (nein bittere ;-))
enttäuschung mit den wunderschönen aber bittren röhrlingen
entschädigt.....
ich habe auf ihr drei wunderbar knackige flockis (die ich durch leonies
schwärmen erst richtig geniesen gelernt hab!) gefunden und....
einen gewaltigen röhrling!
hut: *halbkugelig 20 cm
*hellrehbraun
*nicht ganz glatt
*nicht gefeldert
röhren: *gelb
*bei druck und an frasstellen NICHT BLAUEND, auch nicht nach längerer zeit
(3h dauerte es bis zum essen)
*poren gelb mit einem anflug von rötlichbraun (pilz war noch nicht alt und
nicht mehr jung)
*im vergleich zum kuhpilz kleine röhren
fleisch: *weiß/creme?
*fest
*über den röhren im anschnitt gelblich werdend
stiel: *12 cm
*zylinderförmig 4-5 cm durchmesser
*im obersten bereich (7mm) zitronengelb
*KEIN NETZ, nicht im entferntesten
*sondern sowas wie der birkenpilz hat (wie nennt man das? bemoost?),
in hell- bis dunkelbraun auf gelblichweißem untergrund
geruch: angenehm
geschmack: *hervorragend (roh und gebraten ;-) )
nun meine theorie nach dem wälzen von literatur: gelbfleischiger steinpilz?
gegenargument: kein stielnetz
eine riesige marone?
gegenargument: kein blauen
fahler röhrling?
gegenargument: kein gelbes fleisch
(ABER: andreas'begründung dafür siehe wurzelnder bitterröhrling)
was hab ich denn nun verspeist?
*aufantwortenfreu*
bea

Hallo Bea,

das hört sich für mich sehr nach dem Fahlen Röhrling an. Gelbporer ohne Netz in steinpilzvergleichbarer Größe gibt's nur diesen. Bzw. neuerdings werden ja zwei Arten unterschieden: Boletus impolitus und depilatus. Eigentlich kann man sie nur anhand der Huthaut unterscheiden, auch ohne Mikroskop. Aber man muß dazu beide mal gesehen haben, damit der Unterschied deutlich wird. Blaßgelbes, unveränderliches Fleisch ist durchaus o.k., der Pilz ist immer blasser als der Anhängselröhrling. Bezeichnend auch, dass er über den Röhren noch am gelbesten ist, das ist bei allen Röhrlingen der appendiculatus-Gruppe so.
Falls du das Teil nochmal findest, rieche mal an die Stielbasis. Sie sollte im Normalfall karbolartig (nach Medizinschrank) riechen. Manchmal erst nach etwas liegen lassen.
Übrigens gibt die "Pilzflora der DDR" folgendes zu B. impolitus an:

Könnte man also ergänzen mit Bea 2000 :-)

Gruß,
Andreas

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Re: noch ein unbekannter röhrling

bea, (vor 9547 Tagen) @ Andreas

Bzw. neuerdings werden
ja zwei Arten unterschieden: Boletus impolitus und depilatus. Eigentlich
kann man sie nur anhand der Huthaut unterscheiden, auch ohne Mikroskop.
Aber man muß dazu beide mal gesehen haben, damit der Unterschied deutlich
wird.

wie kann man den unerschied mit worten beschreiben?

Falls du das Teil nochmal findest, rieche mal an die Stielbasis. Sie sollte
im Normalfall karbolartig (nach Medizinschrank) riechen. Manchmal erst
nach etwas liegen lassen.

mach ich, übermorgen geh ich wieder gucken.

Übrigens gibt die "Pilzflora der DDR" folgendes zu B. impolitus an:
sehr zerstreut im Flach- und Hügelland: Dresden: Großer Garten
(= Typuslokalität von B. sapineus Harzer 1842; hier noch vorhanden:
Knauth 1933, Benedix 1957) [...]

Könnte man also ergänzen mit Bea 2000 :-)

heißt "typuslokalität", dass der herr harzer den das erste mal im Großen Garten gefunden hat? und sind die darauf folgenden angaben die bestätigungen anderer buchautoren oder gibts in der wiss. pilzwelt ein "melderegister"?

eine antwort von dir wirft immer n ganzen haufen fragen auf... *schmunzel*

bea

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Re: noch ein unbekannter röhrling *PIC*

Birgit, (vor 9547 Tagen) @ bea

wie kann man den unerschied mit worten beschreiben?
mach ich, übermorgen geh ich wieder gucken.
heißt "typuslokalität", dass der herr harzer den das erste mal im
Großen Garten gefunden hat? und sind die darauf folgenden angaben die
bestätigungen anderer buchautoren oder gibts in der wiss. pilzwelt ein
"melderegister"?
eine antwort von dir wirft immer n ganzen haufen fragen auf... *schmunzel*
bea

Hallo bea,

geh mal im Archiv suchen nach Boletus depilatus oder Boletus impolitus, Andreas und ich haben da schon mal über einem FUnd von mir gerätselt. Der depilatus sollte eine mehr oder weniger stark marmorierte Hutoberfläche haben, ich hab da auch zwei Bilder für dich, beide depilatus (aber nicht wieder über AOL! ;-)), blemm hatte neulich auch bildlinks ins Forum gestellt.

Liebe Grüße

Birgit

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Re: noch ein unbekannter röhrling

bea, (vor 9547 Tagen) @ Birgit

huhu birgit!

das zweite bild zeigt eine rotfärbung beim schneckenfras!
das war bei meinem pilz nicht! dort waren die frasstellen nicht verfärbt!

gute nacht und vielen dank!
bea

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Re: noch ein unbekannter röhrling

Andreas ⌂, (vor 9547 Tagen) @ bea

Übrigens gibt die "Pilzflora der DDR" folgendes zu B. impolitus an:
sehr zerstreut im Flach- und Hügelland: Dresden: Großer Garten
(= Typuslokalität von B. sapineus Harzer 1842; hier noch vorhanden:
Knauth 1933, Benedix 1957) [...]

Könnte man also ergänzen mit Bea 2000 :-)

heißt "typuslokalität", dass der herr harzer den das erste mal im Großen Garten gefunden hat? und sind die darauf folgenden angaben die bestätigungen anderer buchautoren oder gibts in der wiss. pilzwelt ein "melderegister"?

eine antwort von dir wirft immer n ganzen haufen fragen auf... *schmunzel*

bea

*Schäm*
Ich würd ja Besserung geloben, aber ich fürchte es hilft nicht viel bei meinem Gedächtniszustand. Hab' Mitleid mit dem Alter!

Typuslokalität bedeutet, dass das der Ort ist, von dem der Typus stammt. Also genau die Pilze, nach denen eine Art neu beschrieben wurde. Das bedeutet also, dass ein gewisser Herr Harzer 1842 einen Röhrling neu veröffentlicht hat, den er B. sapineus genannt hat. Den hat er im Großen Garten gefunden. Spätere Untersuchungen von Spezialisten haben ergeben, dass es sich bei diesem sapineus keineswegs um eine neue Art handelte, sondern um B. impolitus, den Fahlen Röhrling. Die anderen Angaben beziehen sich auf Literaturstellen, in denen Funde von der Art im Großen Garten erwähnt werden:
Knauth, B. (1933) - Die höheren Pilze Sachsens. Eine pilzgeographische Zusammenstellung. Sitzungsberichte der Naturwiss. Ges. Isis Dresden 1932: 65-126
Benedix, E.H. (1957) - Deutsche Mykologentagung in Dresden. Zeitschr. f. Pilzkde. 23: 65-68

Übrigens gibt es eine Art von melderegister, nämlich das Computerprogramm der Dt. Ges. f. Mykologie (DGfM), das zum rienen Selbstkostenpreis an itglieder abgegeben wird, die dann im Gegenzug die von ihnen eingegebenen Funddaten auch an die zentrale senden sollen. Dieses Programm hat auch die Möglichkeit, zahlreiche ökologische Parameter einzugeben. Und entsprechend auszuwerten: z.B. "Gib mir alle Pilze die in den Monaten März bis Mai unter Eiche auf saurem Boden gefunden wurden". Für Baden-Württemberg wird ja seit eineiger zeit eine Zwischenbilanz gezogen und wird haben derzeit etwa 450.000 Datensätze im Computer gespeichert. Davon sind etwa 90% in den letzten 10 Jahren erhoben worden. Für häufige Arten liegen oftmals so um die 1000 Funddaten vor, wovon etwa die Hälfte ökologisch auswertbare Daten beeinhaltet, die andere Hälfte sind reine Fundortmeldungen. Aber es lässt sich doch ganz gut was rauslesen, wenn man soviele Daten zur Verfügung hat.

Gruß und gut's Nächtle,
Andreas

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Rotverfärbung

Birgit, (vor 9547 Tagen) @ bea

huhu birgit!
das zweite bild zeigt eine rotfärbung beim schneckenfras!
das war bei meinem pilz nicht! dort waren die frasstellen nicht verfärbt!
gute nacht und vielen dank!
bea

Hallo bea,

tja, ob die Rotverfärbung beim Fraß typisch für B. depilatus ist oder nur zufällig vorkommt, hat mir auch noch keiner beantworten können, ich hab erst ein paar davon gesehen, die hatten es auch.

Aber sonst sieht er deinem Pilzchen ähnlich? Die eine Hälfte des abgebildeten Pilzes landete übrigens in meinem Magen und war sehr gut, obwohl einige Leute wegen des Karbolgeruchs vom Verzehr abraten. Es scheint auch beim fahlen Röhrling Exemplare zu geben, die nach dem Kochen noch nach Karbol schmecken :-(.

Gute Nacht

Birgit

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Re: Rotverfärbung

Andreas ⌂, (vor 9547 Tagen) @ Birgit

Hallo bea,
tja, ob die Rotverfärbung beim Fraß typisch für B. depilatus ist oder nur
zufällig vorkommt, hat mir auch noch keiner beantworten können, ich hab
erst ein paar davon gesehen, die hatten es auch.
Aber sonst sieht er deinem Pilzchen ähnlich? Die eine Hälfte des abgebildeten
Pilzes landete übrigens in meinem Magen und war sehr gut, obwohl einige
Leute wegen des Karbolgeruchs vom Verzehr abraten. Es scheint auch beim
fahlen Röhrling Exemplare zu geben, die nach dem Kochen noch nach Karbol
schmecken :-(.
Gute Nacht
Birgit

Hallo Birgit und bea,

kann er haben. Manchmal findet man sogar bei nichtangefressenen Pilzen einen roten, gürtelartigen Hauch in der Nähe der Stielbasis. Ähnlich wie B. radicans das auch haben kann. Nicht so auffällig wie beim Sommerröhrling (fechtneri) oder gar beim Falschen Königsröhrling (pseudoregius), aber immerhin. Und Fraßstellen verfärben sich bei allen Gelbporigen Dickröhrlingen bei Trockenheit etwas rostig. Die Röhrenmündungen auch manchmal. Dann hat man schon beinahe ein Problem, ob man da einen ausgeblaßten Rotporer oder einen "rostigen" Gelbporer vor sich hat.

gruß,
Andreas

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boletus impolitus (fahler röhrling)

bea, (vor 9547 Tagen) @ bea

nach dem checken der bilder und hutbeschreibungen bin ich mir da ziemlich sicher.

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Re: Rotverfärbung

bea, (vor 9547 Tagen) @ Andreas

Und Fraßstellen verfärben sich bei allen Gelbporigen
Dickröhrlingen bei Trockenheit etwas rostig.

und da es in strömen geregnet hat (schon 3 tage) waren "meine" frasstellen wahrscheinlich noch gelb. aha.
danke!

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Re: boletus impolitus (fahler röhrling)

Andreas ⌂, (vor 9547 Tagen) @ bea

nach dem checken der bilder und hutbeschreibungen bin ich mir da ziemlich
sicher.

Erstaunlich wie standorttreu Pilze sein können, gell!
1842 erstmals von Harzer nachgewiesen, dann 1933, 1957 und jetzt 2000 immer noch im gleichen Gebiet. Faszinierend!

Gruß,
Andreas

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*strahl*

bea, (vor 9547 Tagen) @ Andreas

ist es noch daselbe mycel?

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danke für den archivtipp! :-) *oT*

bea, (vor 9547 Tagen) @ Birgit

- kein Text -

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Re: *strahl*

Andreas ⌂, (vor 9547 Tagen) @ bea

ist es noch daselbe mycel?

Schwer zu sagen, der Große Garten heißt wohl nicht umsonst so. Und wo genau die einzelnen Personen die Pilze gefunden haben läßt sich wohl kaum mehr nachvollziehen. Rein theoretisch ist es aber auf jeden Fall denkbar.
Theoretisch ließe es sich überprüfen, wenn man die DNA des Pilzes von Harzer mit der deiner Pilze vergleichen würde. Sie müßte identisch sein, wenn es sich um das gleiche Myzel handelt.

Gruß,
Andreas