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Provokante Thesen der Küchenmykologie

Ben Bihler, (vor 7698 Tagen)

Grüß Gott!

Es ist eine interessante Tatsache, daß sich Pilzbücher oft fundamental widersprechen, was Speisewert, und optimale Verarbeitung von Pilzen betrifft. In ein paar Punkten sind sich aber praktisch alle Pilzbücher einig und genau diese möchte ich hiermit als Lügenpropaganda bloßstellen! ;)

Punkt 1: von Parasolen und Hallimasch kann man die Stiele nicht mitessen.

Quatsch! Gerade bei Parasolen im Paukenschlegelstadium und jungem Hallimasch sind die Stiele ja das Beste. Zugegeben: roh machen die Stiele einen holzigen Eindruck, weil sie unter Druck so längsfaserig aufsplittern. Aber wenn man sie in Scheiben schneidet und gut brät (also ca. ne Viertelstunde in der Pfanne), wird die Konsistenz optimal (angenehm weich und eine Spur von Bissfestigkeit behaltend) und der Geschmack ist super. Zudem hat man von so einem 25 cm langen Stiel mehr als vom Hut. Es wäre also besser, die Stiele zu sammeln und die Hüte wegzuschmeißen, als umgekehrt (wie es von allen Büchern, die ich kenne, empfohlen wird)!
Um ein wenig zu relativieren: ich spreche hier wirklich von frischen, jungen Stielen, die insbesondere nicht madig, matschig oder dunkel verfärbt sind. Außerdem könnten die Stiele durch die Faserigkeit auch schwerer verdaubar sein, Leute mit Magenproblemen müssen also vielleicht doch mit den Hüten vorlieb nehmen (mein Beileid!).

Punkt 2: der klebrige Hörnling wird praktisch immer als ungenießbar bezeichnet.

Lustigerweise kenne ich keinen pilzsammelnden Bayern oder Ossi mit etwas Pilzkenntnis, der den klebrigen Hörnling NICHT sammelt!!! Alle sagen, daß der zwar roh zäh ist (wie die oben erwähnten Stiele), aber man isst Pilze ja sowieso nicht roh. Und gebraten ist der angenehm, sowohl was Konsistenz als auch was Geschmack betrifft. Der klebrige Hörnling ist zwar kein großer Pilz, aber wenn man mal schöne Exemplare findet, sollte man die immer mitnehmen. Sie taugen sowohl für Misch- als auch für Einzelgerichte! Allerdings darf und muß man den oft mit Wasser waschen, weil irgendwelche Verschmutzungen wie Tannennadeln sonst so schwer weggehen (warum der wohl KLEBRIGER Hörnling heißt???).

So! Jetzt bin ich auf die Reaktion gespannt! :-)

Ciao,
Ben Bihler

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Re: Provokante Thesen der Küchenmykologie

pfifferling, (vor 7698 Tagen) @ Ben Bihler

...was die Hallimasch und Parasol-Stiele anbelangt, gebe ich dir zumindest insoweit recht, dass ich diese zwar nicht direkt dem Kochtopf zuführe, dass sie jedoch getrocknet und zu Pilzpulver gemahlen geradezu vorzüglich sind (insbesondere die Parasolstiele).

LG
Frank

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Re: Provokante Thesen der Küchenmykologie

Rainer Reichel, (vor 7698 Tagen) @ Ben Bihler

Hallo Ben,
zu Punkt 1:
die Schmerzgrenzen bei der Verwertung der Pilze sind ja sehr unterschiedlich. Die Stiele des Parasols trockne ich nur, auf Hallimasch kann ich gerne komplett verzichten.

zu Punkt 2:
ich kenne keinen einzigen Bayern der den Klebrigen Hörnling isst!
Soweit ich weiß ist der auch komplett unverdaulich, d.h. man könnte den gleichen Pilz immer wieder essen. :-)

Grüße
Rainer

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Re: Provokante Thesen der Küchenmykologie

Thomas Pruß, (vor 7698 Tagen) @ Ben Bihler

Moin Ben

Punkt 1: von Parasolen und Hallimasch kann man die Stiele nicht mitessen.

Naja, die Hüte der Parasole nicht zu verwenden, ist schon ganz schön provokativ. Das gleich gilt für Hallimasch. Aber im Prinzip hast du Recht was die Verwendung der Stiele angeht. Ich habe mir da nie Gedanken drum gemacht. Wenn Hallimaschstiele nicht holzig sind, kommen sie „in die Supp’“. Die Parasol-Stiele werden getrocknet. Da steigt dann zwar aus dem Glas ein ganz unglaublicher Brodem auf, wenn man dran schnuppert. Aber der verwandelt sich in einen exquisiten Geschmack im Essen.

Punkt 2: der klebrige Hörnling wird praktisch immer als ungenießbar
bezeichnet.

Was den Begriff „ungenießbar“ angeht, so ist er ja so dehnbar wie der Klebrige Hörnling selbst. Das kann heißen: „Erzeugt Durchfall“, „schmeckt schlecht“ oder „ist unverdaulich“ oder alles zusammen. Ich finde die Struktur (das „Mundgefühl“) des Hörnlings auch nicht schlecht, er knurpselt halt schön. Aber geschmacklich ist er ungefähr so aufregend wie das Leben eines Finanzbeamten.

Grüßlis
Thomas

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Re: Provokante Thesen der Küchenmykologie

Ben Bihler, (vor 7698 Tagen) @ Thomas Pruß

Servus!

Ich finde die
Struktur (das „Mundgefühl“) des Hörnlings auch nicht schlecht, er
knurpselt halt schön. Aber geschmacklich ist er ungefähr so aufregend wie
das Leben eines Finanzbeamten.

Nuja, ein Kumpel hat sich testweise ein Einzelgericht aus dem klebrigen Hörnling gebraten. Copy&Paste aus seiner email:

"Jetzt hab ich am Wochenende mal so einen Haufen Hörnlinge gesammelt und
gegessen. Stimmt aber nicht, dass die nach nix schmecken, sondern die
schmecken ganz leicht nach Steinpilz, aber halt bloß ganz leicht."

Kann jemand aus eigener Erfahrung berichten, ob das Leben eines Finanzbeamten ganz leicht nach Steinpilz schmeckt? ;-)

Adieu,
B.B.

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Re: Provokante Thesen der Küchenmykologie

Werner, (vor 7698 Tagen) @ Ben Bihler

Ja, ich gebe es zu. Ich habe in meiner frühen Jugend den Klebrigen Hörnling auch ins Mischgericht gehauen. Und getrocknete, zu Pilzpulver zerriebene Parasolstiele sind mindestens so gut wie Pulver vom Habichtspilz. So direkt in das "Pilzgericht" kommen die bei mir aber nur ganz jung. Parasole kommen bei mir nie in eine normale Zubereitung, da sie immer massig Fett aufsaugen. Und paniert sind die Stiele normalerweise im mittleren Alter ja schon nicht mehr so toll.

Kann jemand aus eigener Erfahrung berichten, ob das Leben eines Finanzbeamten
ganz leicht nach Steinpilz schmeckt? ;-)

Klar. Er ist hart wie Stein, wenn er Deine Angaben überprüft. Und er riecht leicht nach Pilz, weil er so lange in Sesseln rumhockt, um Deine Angaben auseinanderzunehmen. Und nach Erhalt seines Bescheids kriegst Du einen faden Geschmack im Mund, wie nach dem Genuß von Klebrigen Hörnlingen *g*

Gruß,

Werner

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*lach* - der ist richtig gut! *oT*

AK_CCM, (vor 7697 Tagen) @ Werner

- kein Text -

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Re: Provokante Thesen der Küchenmykologie

coco, (vor 7697 Tagen) @ Thomas Pruß

hallo thomas,

fein, dass noch jemand das schöne wort brodem verwendet :)

gruss coco

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Sag’ ich doch! ;-)) *oT*

Thomas Pruß, (vor 7697 Tagen) @ AK_CCM

- kein Text -