Re: Unbekannter Fund auf der Fensterbank
Hallo Uwe,
aufgrund meiner Abwesenheit (Cortinarienkurs Mo.-Fr.) erst jetzt ein paar Antworten.
Verstehe dein Problem und teile etwas Deine Bedenken, vor allem die des "Verdichten" des Bodens durch das Pilzmyzel. Scheint mir tatsächlich etwas problematisch für den Wasserabfluss in diesem speziellen Fall zu sein. Ich hatte auch mal mit Bonsais angefangen und kann etwa einschätzen, was Du meinst. Die tatsächliche Auswirkung des Myzels auf die Feinstruktur des Boden ist aber wohl wenig bekannt. Ich kenne keine Arbeit zu diesem Thema, aber das muss nichts heißen.
Ob die mit einem Austausch der Erde das Myzel los bist, scheint fraglich. Kann sein, kann aber auch nicht sein.
Auch wo der Pilz herkommt ist nicht zu beantworten. Meiner Erfahrung mit Pilzen in Blumentöpfen nach lag es in den allermeisten Fällen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit an der verwendeten Blumentopferde. Die Sporen können überall sein, womöglich sind sie einfach in der Raumluft vorhanden.
Wenn Du etwas desinfizieren möchtest, dann würde ich Dir eher tiefgefrieren als erhitzen empfehlen.
Tja, leider kann ich Dir nicht vernünftig weiterhelfen. Vielleicht findest Du auch Rat in einem Bonsai-Forum?
beste Grüße,
Andreas
Hallo Andreas,
besten Dank für Deine schnelle Reaktion.
Mein Entschluß, hier nachhaltig mit einem deftigen Fungizid einzugreifen,
liegt in folgender Überlegung begründet: Die Erde in einer Bonsaischale
ist nicht mit normaler Blumenerde zu vergleichen. Bonsaierde ist extrem
locker und durchlässig, mit hohem Sand- und Lavaanteil sowie gebranntem
Lehmgranulat. Bonsaierde soll Wasser gut aufnehmen, aber auch ablaufen
lassen und eine gute Luftführung ermöglichen. Nun bin ich absoluter
Pilzlaie, sehe lediglich ein ziemlich dichtes weißes Wattezeug im
Pflanzsubstrat, egal, wo ich grabe. Klar, das ist das Myzel, der
eigentliche Pilz. Was oben herausschaut, kann ja ganz nett sein, aber was
passiert in der Erde? Ich habe einfach Angst, daß mir das Myzel im großen
Stil meine mit viel Mühe erzeugte Bodenstruktur verdichtet und seine
Durchlässigkeit behindert. Ich kann meinen Bonsai auch nicht zu jeder
beliebigen Zeit umpflanzen. Das der Pilz zumindest vordergründig keinen
Schaden anrichtet, kann ich an mehreren Stellen nachlesen. Da geht es aber
fast ausschließlich um Leucos, welche unter Dracaena wachsen. Die sind
längst nicht so zimperlich, wenn es um ihren Boden geht.
Wie sieht es also aus mit dem Myzel? Breitet es sich gern in kleinen Räumen
aus und füllt diese vollständig? Oder durchzieht es mehr die dichtere
Erde, klebt es lieber an der Außenseite der Krume? Was passiert, wenn der
Pilz zumindest oberirdisch in der nächsten Saison verschwunden ist?
Zerfällt das Myzel? Oder lebt es zwischen den Wurzeln weiter und muß ich
nach dem Umpflanzen damit rechnen, erneut die kleinen Schirmlinge
bewundern zu dürfen?
Die nächste Frage stellt sich mir dann auch sofort: Wo kommt der Pilz her und
wie gelangt er in meine Schale. Ich kann ausschließen, daß er schon immer
im Wuzelballen des Bonsai existierte. Auch glaube ich die
Substratbestandteile Sand, Lava und gebrannten Lehm ausschließen zu
können. Der letzte Anteil im Substrat wäre Kokosfaser, also Kokohum,
welches ich als Ersatz für Torf verwende. Das Zeug kommt ja aus südlichen
Gefilden und soll angeblich frei von Unkrautsamen und Krabbeltieren sein.
Von Pilzsporen aber war nie die Rede. Welche Temperatur halten Pilzsporen
aus? Ich überlege, die nächste Ladung Kokosfaser im Backofen oder in der
Mikrowelle zu erhitzen.
Langer Beitrag, viele Fragen...
Ich hoffe, jemand von Euch nimmt sich die Zeit?
Danke vorab
Uwe