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Tricholomopsis-Problem (2 Bilder) *PIC*

Georg, (vor 7671 Tagen)

Hallo,
den Olivgelben Holzritterling (Tricholomopsis decora)
kennen sicher viele. Es ist ein häufiger Bewohner süddeutscher Bergnadelwälder
und kommt ausschließlich an Nadelholz vor.
In engen Tälern und Schluchten geht
er bis 400mNN ins Tiefland. Hier ein Bild von vor 4 Wochen:
[image]

Nun aber zum Problemfall. Vor einigen Tagen fand ich in einem extrem
wärmebegünstigten Kalkbuchenwald den unten abgebildeten Fruchtkörper
auf einem stark vermorschten Stamm in 270mNN Höhe. Es handelt sich vermutlich um Laubholz,
da in weitem Umkreis kein einziger Nadelbaum zu finden ist.
Natürlich ist Nadelholz nie ganz auszuschließen. Vielleicht wurde der
letzte Nadelbaum vor Jahren gefällt (Wie erkennt man Nadelholz mikroskopisch?).
Die Pilze erinnern stark an T. decora, sind aber ein bisschen mehr orange
gefärbt. Mikroskopisch kaum Unterschiede.
Hier das Bild:

[image]

Im 50m Umkreis wachsen Amanita caesarea, Boletus satanas, dupainii, regius
und weitere sehr wärmeliebende Arten. Das Waldstück ist das genaue Gegenteil
eines "montanen Nadelwalds".

Hat jemand schon mal einen ähnlichen Fund gemacht bzw. weiß, worum es sich
dabei handeln könnte? In der mir zugänglichen Literatur ist nichts
über solche Vorkommen erwähnt.

Georg

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Re: Tricholomopsis-Problem (2 Bilder) *PIC*

Andreas ⌂, (vor 7671 Tagen) @ Georg

Hallo Georg,

schaust Du hier:
[image]

gefunden in einem wärmebegünstigten Tal im Osten Stuttgarts (Stgt.-Mühlacker), ehemaliges und teils noch aktuelles Weinbaugebiet, früher wurde mal in der Umgebung irgendwo Kaiserlinge gefunden (ca. 1970), Höhe etwa 230 m NN, also eindeutig kollin, fast schon planar! Bachnah an einer Böschung auf einem am steilen Hang liegenden Laubholzstamm. Ich nahm Laubholz an, weil im gesamten Wald dort kein Nadelbaum zu finden ist und der Stamm unmöglich durch den bach dorthin gelangt sein konnte.
Ich hatte ihn damals mal als Tricholomopsis ornata "bestimmt", der von Krieglsteiner allerdings mit T. rutilans synonymisiert wurde. Sicherlich war mein Pilz - und ist auch Deiner - aber in die Verwandtschaft von T. decora zu stellen. Ob ich den Namen ornata allerdings richtig angewandt habe, da kann man sich drüber streiten. Ich habe damals glaube ich nach BON bestimmt, die Originalbeschreibung habe ich mir jedenfalls nie angeschaut ....

beste Grüße,
Andreas

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Re: Tricholomopsis-Problem (2 Bilder)

Georg, (vor 7671 Tagen) @ Andreas

Hi Andreas,
das ist ja sehr interessant. Fast die selbe Ökologie bei deinem Fund.
Zu T. ornata habe ich im LUDWIG als Fußnote zu T. decora folgendes gefunden:

"T. ornata soll sich hauptsächlich durch kahlen, blass zitronengelben
Stiel unterscheiden und lt. BON in nordischen Berglagen vorkommen.
Bezeichnenderweise ist diese "Art" in keiner der mir zugänglichen nordischen
Pilzfloren verzeichnet".

In COURTECUISSE/DUHEM steht zu T. ornata:

"Habitat on rotten conifers, usually mountainous and Scandinavian"

Hmm, passt also auch nicht. Was nun? Sollen wir ne neue Art beschreiben? ;-)

Georg

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Re: Tricholomopsis-Problem (2 Bilder)

Guy Marson, (vor 7671 Tagen) @ Georg

Hallo Georg,

:(Wie erkennt man Nadelholz

mikroskopisch?).

Das ist die einfachste Sache der Welt: Nadelholz hat nie runde Poren sondern eckige, aneinander gereihte sehr kleine "Kästchen". Das einzig runde an Nadelholz sind die seltenen Harzkanäle. Markstrahlen wie Laubholz hat Nadelholz auch nicht. Man braucht bloss ein kleines Stückchen Altholz rausbrechen (es darf kein frisches sein) und unter der Lupe anschauen. Alle Nadelhölzer sind +/- ähnlich, Laubhölzer aber sehr verschieden. Alle Mykologen sollten wenigstens diesen Unterschied im Wald einüben: Altes Holz eines bekannten Baumes abbrechen und ansehen.. Nadel versus Laub.. Versucht es doch mal, ist wirklich einfach. So kann man auch schnell und zuverlässig zB Buche, Eiche und Hainbuche auseinanderhalten.

Was den Pilz betrifft, kann ich nix sagen.

Ciaooo,

Guy

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Re: Tricholomopsis-Problem (2 Bilder)

Andreas ⌂, (vor 7671 Tagen) @ Georg

Hi Andreas,
das ist ja sehr interessant. Fast die selbe Ökologie bei deinem Fund.
Zu T. ornata habe ich im LUDWIG als Fußnote zu T. decora folgendes gefunden:
" T. ornata soll sich hauptsächlich durch kahlen, blass
zitronengelben
Stiel unterscheiden und lt. BON in nordischen Berglagen vorkommen.
Bezeichnenderweise ist diese "Art" in keiner der mir zugänglichen
nordischen
Pilzfloren verzeichnet".
In COURTECUISSE/DUHEM steht zu T. ornata: "Habitat on rotten conifers,
usually mountainous and Scandinavian"
Hmm, passt also auch nicht. Was nun? Sollen wir ne neue Art beschreiben? ;-)
Georg

Hallo Georg,

ja, Du hast schon recht, ornata ist wohl nicht der richtige Name für diesen Pilz. Habe mir auch gerade nochmals den Artikel von KRIEGLSTEINER (AMO-Heft II) angeguckt. Er hat ornata mit decora synonymisiert, nicht mit rutilans wie ich fälschlicherweise gepostet hatte. Mit rutilans hat er flammula synonymisiert.
Alle diese Arten wachsen eigentlich auf Nadelholz. Warum sollten sie ausgerechnet in einem klassischen Laubwaldgebiet ausnahmsweise auch auf Laubholz vorkommen können?

Vielleicht wäre es eine Anfrage im DGfM-Forum bzw. erst recht noch in mycologia-europaea wert, was meinst Du?

beste Grüße,
Andreas

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Danke für den guten Tip !!! *oT*

Ufo, (vor 7671 Tagen) @ Guy Marson

- kein Text -

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Holzerkennung

Christoph G, (vor 7671 Tagen) @ Georg

Hallo Georg,

Guy hat schon das wesentliche geschrieben. Es ist sogar relativ einfach an Hand von sauberen Schnittflächen die einzelnen Holzarten zu erkennen. Das gehört beim sogenannten "Klötzleschein" zum Standart beim Forststudium. 30 "Bauklötzle" in 30 Minuten - 5 Fehler sind erlaubt, wobei ich die Nadelbaumarten immer schwieriger zu unterscheiden fand. Heut würd ichs sicher nicht mehr hinkriegen. Wenns Dich interressiert kann ich mal in meine Skripten suchen und bei Bedarf Kopien machen.

Lg Christoph

Hallo,
den Olivgelben Holzritterling (Tricholomopsis decora)
kennen sicher viele. Es ist ein häufiger Bewohner süddeutscher
Bergnadelwälder
und kommt ausschließlich an Nadelholz vor.
In engen Tälern und Schluchten geht
er bis 400mNN ins Tiefland. Hier ein Bild von vor 4 Wochen:
Nun aber zum Problemfall. Vor einigen Tagen fand ich in einem extrem
wärmebegünstigten Kalkbuchenwald den unten abgebildeten Fruchtkörper
auf einem stark vermorschten Stamm in 270mNN Höhe. Es handelt sich vermutlich
um Laubholz,
da in weitem Umkreis kein einziger Nadelbaum zu finden ist.
Natürlich ist Nadelholz nie ganz auszuschließen. Vielleicht wurde der
letzte Nadelbaum vor Jahren gefällt (Wie erkennt man Nadelholz
mikroskopisch?).
Die Pilze erinnern stark an T. decora, sind aber ein bisschen mehr orange
gefärbt. Mikroskopisch kaum Unterschiede.
Hier das Bild:
Im 50m Umkreis wachsen Amanita caesarea, Boletus satanas, dupainii, regius
und weitere sehr wärmeliebende Arten. Das Waldstück ist das genaue Gegenteil
eines "montanen Nadelwalds".
Hat jemand schon mal einen ähnlichen Fund gemacht bzw. weiß, worum es sich
dabei handeln könnte? In der mir zugänglichen Literatur ist nichts
über solche Vorkommen erwähnt.
Georg

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Re: Tricholomopsis-Problem (2 Bilder)

Georg, (vor 7670 Tagen) @ Andreas

Hi Andreas,

Vielleicht wäre es eine Anfrage im DGfM-Forum bzw. erst recht noch in
mycologia-europaea wert, was meinst Du?

myologia-europaea lese ich mit und wenn man irgendwo mit dem Pilz weiterkommt,
dann dort. Aber mein Französisch ist in einem erbärmlichen Zustand und deines
um Größenordnungen besser.
Das Posten bliebe also an dir hängen ;-)

Exsikkat samt Holzprobe habe ich. Kann also nachuntersuchen.

Georg

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Re: Holzerkennung

Georg, (vor 7670 Tagen) @ Christoph G

Hi Christoph,

Wenns Dich
interressiert kann ich mal in meine Skripten suchen und bei Bedarf Kopien
machen.

Ja, würde mich interessieren. Danke. Das "Holzproblem" hatte ich schon öfter.
Ich schicke dir meine Adresse nachher per Mail.

Georg

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Typischer decora

Markus Wilhelm ⌂, (vor 7670 Tagen) @ Georg

Hallo zusammen,

das ist doch ein ganz typischer T. decora! Es ist immer wieder festzustellen, dass saprotrophe Pilze hin und wieder "fremd gehen"! T. decora hat nach meinen Beobachtungen sein Areal massiv vergrössert: War das früher eine Art, die man (in unserer Region) nur im Schwarzwald oder in den Vogesen antraf, so sind heute Fundstellen bis in die Rheinebene bekannt. Der Rosastielige Dachpilz (Pluteus roseipes) zeigt übrigens das gleiche Phänomen!

Mit Grüssen, Markus

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Re: Typischer decora

Andreas ⌂, (vor 7670 Tagen) @ Markus Wilhelm

Hallo zusammen,
das ist doch ein ganz typischer T. decora! Es ist immer wieder festzustellen,
dass saprotrophe Pilze hin und wieder "fremd gehen"! T. decora
hat nach meinen Beobachtungen sein Areal massiv vergrössert: War das
früher eine Art, die man (in unserer Region) nur im Schwarzwald oder in
den Vogesen antraf, so sind heute Fundstellen bis in die Rheinebene
bekannt. Der Rosastielige Dachpilz (Pluteus roseipes) zeigt übrigens das
gleiche Phänomen!
Mit Grüssen, Markus

Hallo Markus,

vielleicht hast Du recht, aber ich glaube das nicht.
Zum einen waren die Pilze sehr freudig und lebhaft gefärbt (Scan ist deutlich zu blass), zum anderen kommt decora im weiten Umkreis nirgends vor. Bis zum Schwäbisch-Fränkischen Wald sind es mindestens 30-50 Kilometer, zum Schwarzwald noch weiter. Wenn er sein areal ausweitet, dann doch von den Zentren aus. Wieso so sprunghaft und dann gleich in ein völlig anderes Biotop (montaner Nadelwald -> thermophiler, basenreicher Laubwald) und auf anderem Substrat.
Ich kann's nicht so recht glauben, aber wer weiß, wo man den in den nächsten 20 Jahren noch überall findet ....

beste Grüße,
Andreas

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Re: Typischer decora

Georg, (vor 7669 Tagen) @ Markus Wilhelm

Hi Markus,

das ist doch ein ganz typischer T. decora! Es ist immer wieder festzustellen,
dass saprotrophe Pilze hin und wieder "fremd gehen"! T. decora
hat nach meinen Beobachtungen sein Areal massiv vergrössert: War das
früher eine Art, die man (in unserer Region) nur im Schwarzwald oder in
den Vogesen antraf, so sind heute Fundstellen bis in die Rheinebene
bekannt.

Also so ganz überzeugt bin ich nicht. Ich würde die "Arealausweitungstheorie"
ja akzeptieren, wenn die Bewegung weniger sprunghaft wäre. D.h. etwa Ausbreitung
nur ins Tiefland, aber nicht auch gleichzeitig auf anderes Substrat und anderen Boden
(wie ja auch Andreas schon anmerkte).
Zudem würde der aktuelle Temperaturtrend eher Neufunde in höheren Lagen
erwarten lassen, da die Klimazone, in der sich decora wohlfühlt, nach oben gedrückt wird.

Ich denke hier handelt es sich vielleicht um eine Mutation von decora, die
komplett andere Ansprüche hat und sich nun langsam ausbreitet.

Bei Pluteus roseipes liegt der Fall m.E. anders. Er besiedelte bisher
Holz(-reste) an basenhaltigen Standorten (z.B. kalkgeschotterte Wegränder im
Schwarzwald) und hat nun anscheinend ähnliche Habitate in tieferen Lagen
"entdeckt". Roseipes ist ja generell nicht sehr winterhart und fehlt
größtenteils in Nordeuropa. Das Tiefland stellt also keine Klimagrenze
für ihn dar.

Georg

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Re: Holzerkennung

Abt, (vor 7669 Tagen) @ Christoph G

Hallo Georg,
Guy hat schon das wesentliche geschrieben. Es ist sogar relativ einfach an
Hand von sauberen Schnittflächen die einzelnen Holzarten zu erkennen. Das
gehört beim sogenannten "Klötzleschein" zum Standart beim
Forststudium. 30 "Bauklötzle" in 30 Minuten - 5 Fehler sind
erlaubt, wobei ich die Nadelbaumarten immer schwieriger zu unterscheiden
fand. Heut würd ichs sicher nicht mehr hinkriegen. Wenns Dich
interressiert kann ich mal in meine Skripten suchen und bei Bedarf Kopien
machen.
Lg Christoph

Hi Christoph,
wenn Du Deine Unterlagen noch findest: Würde mich auch interessieren!
Gruss,
Marcel