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Muschelseitling und wurmige Samtfüße (5 Fotos) *PIC*

interhias ⌂, (vor 7585 Tagen)

Servus,

eine kurze "Warmphase" (+2°C) hat in den Isarauen frische Samtfußrüblinge sprießen lassen.
Erstaunlich daran: Trotz ständiger Nachtfröste und bisweilen auch klirrender Kälte in letzter Zeit waren sie fast allesamt von quicklebendigen fetten Maden bewohnt. Die haben wohl das Frostschutzmittel der Samtfüße mitgefrühstückt.

Die Fotos zeigen höchstwahrscheinlich den Gelbstieligen Muschelseitling (Sarcomyxa serotina), die Färbung ist wohl wegen einer Frostschädigung nicht gerade typisch.

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Wie kommt's eigentlich, dass die Sporen dieser Art z.B. bei Gerhard und in Pilze der Schweiz als amyloid, in Großpilze BW und Horak als inamyloid bezeichnet werden?

Hier noch zwei HDS-Mikrofotos und eine Beschreibung:
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Funddaten: 21.01.2006; MTB: 8034/2/2/3; Isarauen Schäftlarn; auf abgestorbenem, noch stehendem Erlenstamm; büschelig-dachziegelartig; Hut: 4-5 cm breit, muschelförmig, Rand durchscheinend fein gerieft; Oberfläche speckig, klebrig; haselnuss- bis kastanienbraun, hygrophan, stellenweise ockerbräunlich ausgeblasst; Stiel: seitlich gestielt, Stiel kurz, kräftig und zäh, auf der Unterseite gegenüber den Lamellen dunkler gelbbraun kontrastierend, Stiele wie beim Austernseitling verwachsen; Lamellen: schwach ausgebuchtet angewachsen, dünn, dichtstehend, untermischt, Schneiden glatt, dunkelbraun flockig, blass hellbraun, wässrig; Fleisch: creme bis blassbräunlich, zäh und sehr wässrig; Geruch: unauffällig pilzig; Geschmack: mild, neutral; Lamellentrama: irregulär, Hyphen mit Schnallen; Basidien: 4-sporig; Cheilozystiden: massenhaft, keulig, teil körnig pigmentiert, mit Schnallen, 25-35 x 7-10; Pleurozystiden: spärlich, keulig, mit homogenem gelblichem Inhalt, 50-55 x 15; HDS: Trichoderm mit zylindrischen bis keuligen, langen Endzellen, die teils körnig, teils homogen intrazellulär gelbbraun pigmentiert sind; Sporen: gekrümmt zylindrisch (allantoid), hyalin, glatt; 3,5-5,5 x 1-2;

Gruß aus München
Hias

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Re: Muschelseitling und wurmige Samtfüße (5 Fotos)

Wolfgang P., (vor 7585 Tagen) @ interhias

Wie kommt's eigentlich, dass die Sporen dieser Art z.B. bei Gerhard und in
Pilze der Schweiz als amyloid, in Großpilze BW und Horak als inamyloid
bezeichnet werden?

Eine Antwort dazu hab' ich auch nicht, aber noch ein paar Ansichten namhafter Mykologen:

Vellinga (Flora Neerlandica 3): amyloid
Käärik (Nordic Macromycetes): amyloid (lt. Gattungsbeschreibung Panellus)

Ludwig (Pilzkompendium): nicht amyloid
Bresinsky (Regensb. Mykol.Schr. 11): nicht amyloid (lt. Gattungsbeschreibung Sarcomyxa)

Aber warum sollte dieses Merkmal eigentlich innerhalb aller Kollektionen konstant sein? Vielleicht gibt es ja chemische Rassen, oder das Merkmal ist so schwach und dann noch schwankend, dass es immer wieder mal außerhalb der Beobachtbarkeit liegt?

Jedenfalls würde ich jetzt auch gerne Wissen, wer nach der Zuordnung zu Panellus dann irgendwann die Gattung Sarcomyxa wieder ausgegraben hat.

Wolfgang

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Verwirrend

zuehli ⌂, (vor 7584 Tagen) @ Wolfgang P.

Jedenfalls würde ich jetzt auch gerne Wissen, wer nach der Zuordnung zu
Panellus dann irgendwann die Gattung Sarcomyxa wieder ausgegraben hat.

Hallo,

jetzt habe ich doch vor lauter Langeweile mal im Index Fungorum nachgeschaut. Da steht einmal:

Sarcomyxa serotina (Pers.) P. Karst., Meddn Soc. Fauna Flora fenn. 18: 62 (1891)

Basionym:
Agaricus serotinus Pers. 1793

Und als Ergänzung:

Sarcomyxa P. Karst., Meddn Soc. Fauna Flora fenn. 18: 62 (1891)

...
Correct name:
Panellus P. Karst., Bidr. Känn. Finl. Nat. Folk 32: xiv, 96 (1879)

Name not currently in use

Wenn man dann bei Panellus nachschaut:

Panellus serotinus (Schrad.) Kühner, Compte rendu hebdomadaire des Sciences de l'Academie des sciences, Paris 230: 1889 (1950)

Synonymy:
Acanthocystis serotinus (Schrad.) Konrad & Maubl., Icon. Select. Fung. 6: 364 (1937)
Agaricus almeni Fr., Hyménomyc. Eur. (Paris): 176 (1874)
Agaricus serotinus Schrad., Abbildungen und Beschreibungen der Schwämme 3: 4 (1793)
Hohenbuehelia serotina (Pers.) Singer, Lilloa 22: 254 (1951) [1949]
Panus serotinus (Schrad.) Kühner, Bulletin Mensuel de la Société Linnéenne de Lyon, Numéro Spécial 49: 895 (1980)
Pleurotus almeni (Fr.) P. Karst., Bidr. Känn. Finl. Nat. Folk 32: 89 (1879)
Pleurotus serotinus (Schrad.) P. Kumm., Führer Pilzk.: 108 (1871)
Pleurotus serotinus var. almeni (Fr.) Bigeard & Guillem., Fl. Champ. sup. France (Chalon-sur-Saône) 2: 120 (1913)
Pleurotus serotinus var. flaccidus J.E. Lange, Dansk bot. Ark. 6(5): 27 (1930)

Und weiter:

Panellus serotinus (Schrad.) Kühner, Compte rendu hebdomadaire des Sciences de l'Academie des sciences, Paris 230: 1889 (1950)

Sanctioning author:
Fr.

Basionym:
Agaricus serotinus Schrad. 1793

Also einmal das Basionym auf Persoon, das andere Mal auf Schrader als Autor - beides aber 1793.
Beide Taxa sind auch nicht miteinander synonomisiert und zudem wird Panellus als gültiger Name ausgewiesen.

Wasn da los??
Wer bringt Licht ins Dunkel?

Gruß Harald

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Re: Verwirrend

zuehli ⌂, (vor 7584 Tagen) @ zuehli

Eric hat mir gerade eine private Antwort geschickt, weil er nicht ins Forum reinkommt. (Die russische Kaltluftfront...?)
Also:

Hallo Harald,

da ist in der Tat ein bißchen was durcheinander geraten. Der Grund dafür, dass die beiden Namen nicht synonym gehandelt werden, liegt im System des Index, genauer in der Option "homotypic synonyms". Hier werden alle Namen aufgelistet, die auf demselben Basionym gründen. Nun wurde leider die Sarcomyxa dem einen Agaricus serotinus, und der Panellus dem anderen zugeordnet, und schon geht die Synonymie flöten. Nur aufgrund eines doppelten Eintrages...

Zum Autorenzitat: FRIES sanktioniert 1821 (Syst. Mycol. 1) den Namen Agaricus serotinus P., schreibt ihn also PERSOON zu, der ihn im dritten Heft der Abbildungen der Schwämme 1793 beschrieben hat. Die Angabe "Abbildungen und Beschreibungen der Schwämme" beruht wohl auf einer Verwechslung mit dem Werk von KROMBHOLZ und wäre dahingehend zu verbessern. SCHRADER wird im Syst. Mycol. ebenfalls genannt, allerdings nicht als namensgebender Autor. In der Referenzliste auf S.187 steht wörtlich: "Schrad. spic. p.140", was auf das Spicilegium Florae Germanicae (1794!) zu deuten ist. Das korrekte Basionym des Gelbstieligen Muschelseitling sollte (wenn ich auf die Schnelle recht habe...) m.E. Agaricus serotinus PERSOON 1793 : FRIES 1821 heißen.

Viele Grüße,
Eric