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Coolpix-Lupenmakro/CombineZ5 (Anleitung) *PIC*

Harald Andres Schmid, (vor 7532 Tagen)

Hallo

Wenn ich "Anleitung" schreibe, dann heisst das eigentlich nur, ich möchte den aktuellen Stand meiner Erfahrungen mitteilen.

Vielleicht gäbe es einfachere Vorgehensweisen.
Ich kann nur weitergeben, was ich bis jetzt begriffen habe und selbst kann.
Die Anleitung lässt sich natürlich auf andere Kameratypen übertragen, aber das muss jeder mit seiner eigenen Kamera ausmachen.

Es geht erst einmal darum, eine Serie von Bildern des gleichen Motivs herzustellen.
Die Schärfeebenen sollten von vorne nach hinten einigermassen sauber gestaffelt sein.
Kleine Verrutschungen seitlich kann das Programm CombineZ5 ausgleichen, grössere nicht.

Ich gehe folgendermassen vor:
Ich lege mir das Motiv, in diesem Fall ein Bruchstück eines Brennesselhalmes, zurecht.
Vor dem Objektiv der Coolpix befindet sich eine 9fach-Lupe aufgeklebt.
Ich fokussiere erst einmal (voll herangezoomt) auf das Objekt mit Autofokus, um den Bildausschnitt festzulegen.
Dann wähle ich Blende (ganz zu) und Belichtungszeit.
Dann drehe ich den manuellen Fokus ganz auf die geringste Distanz und bewege die Kamera auf dem Traubenkernsäckchen etwas vor und zurück, um den Bildausschnitt und den ungefähren gesamten Schärfebereich im Monitor gründlich abzuwägen.
Die Coolpix ist für die nächsten Schritte vom Bedienkomfort her etwas mühsam, denn nach jedem Bild muss erneut viermal die Blümchen-Berg-Selbstauslösertaste gedrückt werden, bevor wieder manuell fokussiert werden kann.
Ich löse das so:
Ich habe den Selbstauslöser drin, drehe nochmals den manuellen Fokus ganz heran und lege den Abstand der Kamera beim ersten Bild durch Verrutschen fest.
Es ist unmöglich, (obwohl ich das beharrlich versucht habe), die verschiedenen Schärfeebenen auf dem kleinen Monitor von blossem Auge bei jedem Bild zuverlässig festzulegen, auch mit eingeschaltetem Schärfe-Indikator nicht.
Ich lege den vordersten Punkt der Schärfe also nach Augenmass fest und rutsche dann die Kamera den Bruchteil eines Millimeters zurück, um sicher noch eine kleine Toleranz zu haben.
Dann mache ich die erste Aufnahme.
Dann drehe ich das Rad für den manuellen Fokus vier Zähnchen Richtung Entfernung, und mache die zweite Aufnahme, dann mit weiteren vier Zähnchen Drehung die Vierte, etc.
Das braucht dann für das dargestellte Bild etwa zwei Drittel des möglichen Distanzbereichs im manuellen Fokus auf, bis man ans andere Ende (möglichst weit weg) der Skala kommt.
Die vier Zähnchen sind der Erfahrungswert bei der Coolpix, drei wären auch möglich, es kommt darauf an, wie schnell die "Flucht" des Motivs gegen hinten im Bild ist, bzw. - umgekehrt - wie "flach" das Motiv vor der Kamera ist.
Da ich bei der Coolpix vor jedem Bild erneut den Autofokus einschalten muss, und das Rad drehen muss, gibt es jetzt das Problem des Verrutschens.
Ich versuche nicht mehr ausschliesslich, möglichst ruhig zu halten beim Drücken der Knöpfe, sondern kontrolliere den Bildausschnitt und korrigiere nötigenfalls ganz leicht seitlich.
Dazu merke ich mir einen kleinen schwarzen Punkt im mittleren Schärfebereich (der sich dann nicht vollkommen verschwimmt, beim fokussieren) oder etwas ähnliches, der dann z.B. immer genau am rechten Bildrand sein muss.
Das klappt ganz gut, kleine Abweichungen kann das Programm beim Zusammenstellen der Bilder korrigieren.
Mittlerweile schaffe ich so eine Bilderserie in 10 Minuten locker.

Ich habe Euch hier zur Erläuterung eine Beispiel-Serie fotografiert:

Zuerst seht Ihr die vorderste Schärfeebene, das erste Bild der Serie.
Drei erste Bilder habe ich gelöscht, da sie zur "Sicherheits-Toleranz-Schwelle" gehörten und unscharf auf den Vordergrund fokussierten.
Das erste verwendete Bild des Vordergrundes zeigt nur die schwammige Struktur an der oberen Halmrinde scharf und das kleine aufstehende Aestchen.

[image]

Dann zeige ich Euch das letzte Bild der Serie (gesamt 6 Bilder).
Es zeigt nur ein Stück weiter zurückliegende Rinde am linken Bildrand scharf, die Pilzchen gehören in den mittleren Schärfebereich und sind auf beiden Bildern nicht scharf.

[image]

Die gesamthaft sechs Bilder könnte man nun in Photoshop in einzelne Ebenen legen und die scharfen Stellen von einer Ebene auf die andere durchradieren.
Das habe ich schon geübt, braucht Zeit und ein gutes Auge.

Man sieht beim Vergleich der beiden Bilder gut, dass das Hauptproblem nicht das seitliche Verrutschen ist, sondern dass mit geändertem Fokus sich Details des Bildes in der Grösse ändern, und zwar massiv.
Das war mir früher nicht aufgefallen.

Einfacher geht es mit dem Programm CombineZ5.
Hier lässt es sich herunterladen:
http://www.hadleyweb.pwp.blueyonder.co.uk/CZ5/CombineZ5.exe
Es wird nicht wirklich installiert, die Exe-Datei kann man zum Beispiel auf den Desktop speichern, in einen Ordner.
Meist muss man in den gleichen Ordner noch diese Datei (erst entpacken) speichern, damit es funktioniert (sonst meist Fehlermeldung, dass "fftw3.dll" fehle:
http://www.hadleyweb.pwp.blueyonder.co.uk/CZ5/Fftw3.zip
Man öffnet die Anwendung mit einem Doppelklick und wählt "File" und "New".
Da wählt man nun die sechs Bilder gleichzeitig aus.
Das Programm braucht einen Moment, sie zu laden.
Dann wählt man "Makro" und "Stack".
Das Programm filtert nun die Bilder, vergleicht sie, legt Schärfeebenen fest, schiebt die Bilder exakt übereinander und liefert folgendes ab:

[image]

Nicht schlecht, oder?
Besser kann ich es in Photoshop auch nicht.
Hässlich ist der helle Fleck oben links von der schwammigen Struktur an der Rinde und ein gleicher Fleck rechts davon.
Da stehen Stückchen des Halmes in den Vordergrund des Bildes hinein.
Da hätte ich für das erste Bild noch weiter zurück rücken müssen, um die Stelle auch noch scharf drauf zu bekommen.
Da bleibt auch mit Routine ein Unsicherheitsfaktor, vieles sieht man halt erst auf dem fertigen Bild.
Aber das ist auch sonst in der Makrofotografie (oder Fotografie generell) so.

Man Geht nun auf "File" und "Save Frame" und gibt den Qualitätswert 100 (oder weniger) für die jpg-Komprimierung ein.
Anschliessend noch in Photoshop Helligkeit, Kontrast, Schärfe, etc. korrigieren, auf Bildschirmgrösse bringen, Rahmen drum.
Fertig.
Noch Fragen?
Lieben Gruss, Harald Andres

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Eine nette Studie, DANKE! *oT*

arysch, (vor 7532 Tagen) @ Harald Andres Schmid

- kein Text -

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Re: Coolpix-Lupenmakro/CombineZ5 (Anleitung)

Schwammerlkönig, (vor 7532 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Hallo Harald Andres,
vielen Dank für deine Studie. Ich werde wenn ich endlich mal dazukomme auch versuchen sie umzusetzen. Gottseidank habe ich einen Einstellschlitten, mal sehen ob es da einfacher geht.
Übrigens, wo kann man denn so ein waschbares Traubenkernsäckchen kaufen ? Mein Linsenstativ ist schon etwas schmutzig und wenn ich es wasche, dann hätte ich innen wahrscheinlich Linsensuppe :-)
LG Peter

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Betr. Traubenkernsäckchen

Harald Andres Schmid, (vor 7532 Tagen) @ Schwammerlkönig

Hallo, Peter

Ich habe keine Erfahrung mit Einstellschlitten.
Ich denke, dass es einen Versuch wert wäre.

Was das Traubenkernsäckchen betrifft:
Die Dinger werden wie eine Bettflasche verwendet und auch so angepriesen, auf Märkten oder in gewissen Bio-Läden und Reformhäusern.
Es gibt sie in diversen Grössen und Formen, allerdings finde ich die Dinger ziemlich teuer.
Man kann sie im Backofen aufheizen.
Der Inhalt ist sterilisiert, so dass die Kerne nicht keimen können, dadurch lässt sich das Säckchen waschen, was nach ausgiebigem Gebrauch als Stativ auf nassem Waldboden sicher ein Vorteil ist.
Ich finde die Stabilität als Fotostativ für meine Zwecke sehr gut.
Ich hatte noch nie etwas Besseres.
Was den Stoff betrifft, habe ich mich für ein scheusslich grelles Blau und ein Stoffdesign entschieden, dass besser schon vor dreissig Jahren hätte verboten werden sollen, aber so kann ich es auf dem Waldboden am ehesten wiederfinden, falls ich es mal liegenlassen sollte.
Die Marktfrau war ziemlich irritiert, als sie beobachtete, wie ich auf einem Ihrer liebevoll für die Kunden vorgewärmten blauen Säckchen probeweise meine Geldbörse in allen möglichen Stellungen einbettete, das Säckchen wieder aufschüttelte und die Geldbörse erneut in einem verwegenen Winkel darauf plazierte.
Sie versuchte mir dann als Demonstration das Säckchen um den Nacken zu legen, was ich aber nicht sonderlich schätzte.
Als ich nach weiteren Geldbörse-Einbett-Versuchen endlich begeistert den Kauf tätigte, war sie sichtlich erleichtert, entliess mich aber mit sichtlich irritiertem Blick.
Nachdem schon diverse Optiker nach meinen Lupen-Vor-Die-Kamera-Halt-Experimenten mich mit sichtlicher Erleichterung Ihren Laden verlassen sahen, dürfte mein Ruf als Spinner langsam beruhigend konsolidiert sein.

Lieben Gruss, Harald Andres

Hallo Harald Andres,
vielen Dank für deine Studie. Ich werde wenn ich endlich mal dazukomme auch
versuchen sie umzusetzen. Gottseidank habe ich einen Einstellschlitten,
mal sehen ob es da einfacher geht.
Übrigens, wo kann man denn so ein waschbares Traubenkernsäckchen kaufen ?
Mein Linsenstativ ist schon etwas schmutzig und wenn ich es wasche, dann
hätte ich innen wahrscheinlich Linsensuppe :-)
LG Peter

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Re: Betr. Traubenkernsäckchen

Schwammerlkönig, (vor 7531 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Vielen Dank für den Tip.
Was den Ruf als Spinner angeht, du hättest mal den Blick des Waldarbeiters sehen sollen, als ich vor ca. zwei Wochen meine ersten Versuche mit dem Retro-Makro gemacht habe und er mich mit einem Rucksack voller Fotoausrüstung und dann vor einem abgefallenem Ast auf einem Stück PVC im Schnee knien sah. Der hat wohl auch gedacht ich hab' sie nicht mehr alle "gg"
Aber ich glaube das passiert auch den Leuten die mitten im Winter alte Brennesseln ausrupfen und nach Leptospheria acuta untersuchen :-)

Bis zu unseren nächsten Erfahrungen

LG Peter

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Extreme Versuche ! - 19fach-Lupe (Bilder) *PIC*

Harald Andres Schmid, (vor 7531 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Hallo

Ich habe offensichtlich noch nicht genug.
Ich habe eine 3fach- eine 6fach- und eine 10fach-Lupe zusammengeklebt.
Eine 19fach-Lupe also.
Das ist abenteuerlich.
Pfefferkörner und Kümmelsamen passen da längst nicht mehr ins Bild, sind schlicht zu gigantisch für die Vergrösserung.
Wer denkt, er hätte eine ruhige Hand, wird hier eines Besseren belehrt.
Ruhig atmen lernt man hier.
Ich denke, Leute die sonst mit dem Entschärfen von Bomben beschäftigt sind, wären bei diesen Versuchen genau richig gewesen.
Es erträgt nicht die geringste Erschütterung.
Eine Türe, die zwei Stockwerke weiter unten ins Schloss fällt, verursacht Verwackelungsunschärfe.
Die Schärfeebene ist extrem dünn wie Papier und manchmal fast nicht mehr wahrnehmbar.
Die folgende Bilder bestehen zum Teil aus 13 Einzelbildern mit gestaffelten Schärfeebenen, die ich zusammengebaut habe.
Es soll sich jeder selbst ein Urteil bilden.
Die Bilder sind natürlich nicht wirklich "gut" und gewinnen so sicher keinen Fotopreis..
Man sieht die Schwierigkeiten in der Schärfe und beim Zusammenkopieren.
Anderseits sieht man Dinge, die einer anderen Welt angehören, die uns sonst verborgen bleiben.
Es sind zwei Details von Pfefferkörnern, ein Teil eines Kümmelsamens und Kugelpilzchen.

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Ich glaube, weiter ins Extrem werde ich es nicht treiben, sonst mache ich dem Elektronenraster-Mikroskop noch Konkurrenz.

Lieben Gruss, Harald Andres