Hallo Jochen,
nicht den Mut verlieren!
Agaricus ist nicht immer leicht, und immerhin habt Ihr den Pilz bis auf das Artenpaar bisporus/subfloccosus identifiziert. Das finde ich schon beachtlich, und daran würde ich auch nicht rütteln (sofern doch noch jemand Cheilocystiden findet, denn ohne Cystiden wäre es cupreobrunneus oder porphyreocephalus, aber die röten laut Lit. beide kaum).
Was nützt es Euch nun, wenn ein "Experte" sagt: ja es ist bisporus oder xxx ? Bringt es nicht mehr, wenn Ihr sagt "wir kennen die Agaricus-Merkmale und auch diesen Pilz, auch wenn wir dessen Namen nicht kennen"? Das gibt es öfter als man denkt, auch (und gerade) unter Experten.
Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass Ihr nicht die geeignete Literatur zum Bestimmen hattet, und gar nicht an Euch selbst? Der Hinweis, dass die Cheilocystiden kaum von den Basidiolen differenziert sind, spricht wieder für bisporus, ebenso wie die zu anliegenden Schüppchen aufspringende Huthaut (nach Nauta bleibt subfloccosus nämlich stets radialfaserig, wie ich gerade lese).
Ich glaube, dass Ihr mehr Lern- und Erfolgserlebnis habt, wenn Ihr die Cystiden selbst nochmal überprüft, und zwar an einem reifen Exemplar, das schon optisch eine weiße (= sterile) Lamellenschneide hat (z.B. letztes Bild, der vorderste Fruchtkörper) und Ihr dort auf die Abwesenheit von reifen Basidien (wichtig!) und auf Strukturen achtet, wo Zellen entweder deutlich über 25 my lang sind, oder wo "Basidiolen" 2-3 Quersepten haben, also die runde Endzelle aus einer (oder einer Kette von 2-3) rechteckigen Zelle(n) entspringt.
Nach Nauta (Flora Neerlandica 5 (2001)) hat bisporus gelegentlich querseptierte/verkettete Cheilocystiden von nur 16.5 - 33 (-36) x 8.5 - 12 my, subfloccosus dagegen solche von 30 - 49 (-70) x 8.5 - 15 my, die nie verkettet sind.
Wieviel das als Trennmerkmal für diese spezielle Artenpaar taugt, kann ich nicht beurteilen, aber ich halte vom Artkonzept in der Flora Neerlandica im Allgemeinen sehr viel.
Und sonst?
Werner Pohl hat sich viel mit Agaricus beschäftigt. Ansonsten müsstet Ihr es direkt zu Marijke Nauta (Nationalherbarium der Niederlande, Uni Leiden) schicken. Aber ich verspreche Euch, dass kein Experte besonders motiviert ist, einen "kritischen" Fund zu untersuchen, der vermutlich Agaricus bisporus darstellt, nur weil Ihr selbst die Cystiden nicht findet.
Eine email an Nauta (Nauta [at] nhn.leidenuniv.nl) mit der Frage, ob bisporus auch mal 4 Sterigmen haben kann und ob die Sporen dann kleiner sind, und ob sie an einem Beleg dazu Interesse hat, könnte dagegen nicht schaden.
Ich hoffe, Euch damit geholfen zu haben!
Grüße,
Wolfgang
Hallo,
am praktikabelsten finde ich den Vorschlag von Pilzmel.
Die Pilze lagen vor mir und ich hatte sie nach einiger Zeit gründlich satt.
Soweit ich sehe hatten wir auch alle genannten Arten in Betracht gezogen.
Irgendetwas passte immer nicht. Am besten wäre es schon, jemand, der sich
mit Champignons ausgiebig beschäftigt hat, würde sich das Exsikkat kommen
lassen.
Ergänzend: Marginalzellen/Zystiden an der Lamellenschneide nicht gesehen,
d.h. entweder es gibt sie nicht oder sie unterscheiden sich nicht sehr von
unentwickelten Basidien. Basidien mit Sterigmen musste man überhaupt
suchen. Dass darunter auch ausnahmsweise zweisporige waren, ist vermutlich
garnicht so sensationell. Jedenfalls kein Vergleich zu dem einige Tage
vorher gesehenen definitiven bisporus. Sporenangaben beziehen sich nur auf
die Länge.
Alles Gute, Jochen.