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Zufälle gibt es manchmal! *PIC*

Ingo, (vor 7415 Tagen)

Hallo an alle Pilz- und Naturfreunde hier.

Hatte ich mich doch noch eben in meinem Statement zu Wochenbeginn
über die fiese Trockenheit in den Ost-Brandenburger Wäldern beklagt
und schon alle Hoffnungen aufgegeben, in nächster Zeit irgendwelche
Pilze aufzufinden. Da leuchteten mich doch am Dienstagabend auf
meinem Heimweg durch ein Gebüsch ein paar größere, helle Flecken an.

Pilze – jetzt und hier? Na klar – hier in Berlin hatte es ja am
Wochenende wie aus Eimern geschüttet. Das hatte ich sogar noch im
Beitrag erwähnt.

Also – meine Neugier war geweckt und ich wühlte mich, ohne Rücksicht
auf Verluste, in die Büsche hinein. Die Fruchtkörper waren ziemlich
hell und auch relativ groß. Mit Sicherheit ein paar Champis, dachte
ich. Als ich dann so davor stand, fiel mir sofort die schuppige
Hutoberfläche ins Auge. Hallo Schirmpilze – so mein nächster Gedanke.
Nachdem ich die Pilze dann von unten sah, konnte ich auch Lepiota zu
den Akten legen.

Vollkommen untypische Lamellenform und erst der Stiel. Weiterhin fiel
mir auf, dass die FK gar nicht auf dem Boden fruktizierten, sondern aus
Holzbuhnen wuchsen, die der Begrenzung eines Spielplatzes dienten.
(in der Regel wird dafür Kiefernholz verwendet)

Hier erst mal ein paar Bilder:
von oben gesehen mit Maßstab
[image]
und nun die interessante Unterseite:
[image]
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[image]

Allein aufgrund der Makromerkmale kommt hier nur noch eine Art in Frage:
Schuppiger Sägeblättling (Lentinus lepideus)

Nach der Beschreibung im Bon (Parey’s) stimmen geradezu alle Merkmale mit
meinem Fund überein:
Die Größe; die Konsistenz, die typischen Sägeblätter mit den Verfärbungen,
die auch auf den Bildern schön zu erkennen sind.

Allein mit dem Geruch hatte ich da so meine Probleme.
Schon vor der Sichtung der Bestimmungsliteratur habe ich versucht, den
Geruch einzuordnen. Ich empfand ihn als süßlich, jedoch nicht aufdringlich,
mit einer leichten, ins künstliche (Bonbon oder Chemie) gehenden Note.

Im Bon steht: Zimt- oder Anisgeruch. Das traf es auf keinen Fall. Zwischen
den angegebenen Duftnoten besteht auch ein gewisser Unterschied.
Sehr interessant fand ich dann die Angabe im Band 3 der BW Großpilze.
Dort ist als Geruchsnote Perubalsam angegeben. Wie der riecht, sollte ich
vielleicht mal in einem gut sortierten Orient-Gewürzladen herausfinden.
(wahrscheinlich nach Lentinus lepideus!)

Jetzt wird sich manch einer hier fragen, warum ich hier soviel Aufhebens
um eine weit verbreitete und einfach zu bestimmende Pilzart mache?
Ganz einfach! Für mich war das der Erstfund dieser Art. Mag sein, dass
der Pilz anderswo häufiger vorkommt – mir ist er bis dato noch nie über
den Weg gelaufen.

So kam es auch, dass ich das “einfache Pilzrätsel“ von Roswitha vom
Wochenbeginn als Parasol deutete. Von Weitem besteht schon eine gewisse
Ähnlichkeit, vor allem wenn man bedenkt, welch skurille Formen manche
Alltagsarten bei der jetzigen Hitze annehmen können. Um so erstaunlicher,
dass ich genau diesen Pilz noch am gleichen Tag in Natura auffinden
konnte. In diesem Zusammenhang ist auch die Überschrift zu diesem Beitrag
zu sehen.

Viele Grüße – Ingo

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Re: Zufälle gibt es manchmal!

phragmobasidie, (vor 7415 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

so gaaanz zufällig ist das vielleicht nicht, denn die Art erscheint wohl ganz gerne mal bei größerer Trockenheit.
Happy Erstfund to you :)
Habe die Art auch nur einmal gesehen, an einem Weidenpfahl im trockenen April/Mai vor ein paar Jahren.

schöne Grüße
Robin

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Re: Zufälle gibt es manchmal!

DirkW, (vor 7415 Tagen) @ Ingo

hallo ingo,

der pilz scheint sich bei so einem wetter richtig wohl zu fühlen. ich habe die art im juni 2003 sehr häufig im berliner grunewald gesehen, während einer extremen hitzeperiode, wo es sonst überhaupt nix gab.
viele grüße
dirk

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Ja ja der Perubalsam

Hermine, (vor 7414 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

neben dem Geruch der Weidenbohrerraupe (bei diversen Schnecklingen) und des Lerchensporns (Lyophyllum connatum) ist der Geruch nach Perubalsam immer wieder eine schöne Frage in Schlüsseln, weil Otto Normalpilzler über solche Gerüche üblicherweise nicht stolpert. Perubalsam ist ein Harz, das aus südamerikanischen Bäumen aus der Familie der Schmetterlingsblütler gewonnen wird (Myroxylon balsamum). Der Duft des Harzes ist süßlich und erinnert ein wenig an Vanille und Schokolade. Das Harz wird in der traditionellen indianischen Medizin verwendet und seit langem auch in Europa. Perubalsam ist in Deutschland immer noch im Arzneibuch und wird einerseits in Kosmetika und dermatologischen Zubereitungen verwendet (hat heilende Eigenschaften), aber auch als Aromat in der Lebensmittelindustrie. Kaufen kann man Perubalsam zu stolzen Preisen in kleinen Mengen in Esoterikläden bzw. dort, wo es Räucherzubehör gibt, denn das Harz wird gern in Räuchermischungen verwendet. Gibts natürlich auch im Internet zu bestellen.

Zu Lentinus lepideus: Den finde ich in meiner Heimat Kärnten immer zu Urlaubsbeginn, also jetzt, wenn es noch recht trocken war, anschließend kommen dann aber gleich die "richtigen" Pilze - Kopf hoch!

Gruß Hermine

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Re: Zufälle gibt es manchmal!

Hermine, (vor 7414 Tagen) @ Ingo

Noch ein kleiner Nachtrag zum Perubalsam, sollte man vielleicht auch wissen:

leider wirkt er oft allergisierend, deswegen wird er heute in Dermatologika nicht mehr so gern verwendet

Hermine

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Re: Zufälle gibt es manchmal!

Der Juergen, (vor 7414 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

Meinen Glückwunsch zum Erstfund! Ich kann Deine Begeisterung sehr gut nachvollziehen. Ich habe diese Arte neulich selbst zum ersten Mal gefunden: Im Esslinger Stadtpark, als ich mit meiner Schwester Gassi ging (mit deren Hund natürlich:-)) - da stand ein älteres Exemplar und ich natürlich wieder keine Kamera dabei!

Grüßle
Juergen