Re: Ein grosses Problem!
Hallo Markus,
sicherlich hast Du mit dieser Gruppe deutlich mehr Erfahrung als ich. Trotzdem bin ich nicht sa gaz einverstanden mit Deiner Konzeption von taylori.
Wir hatten letztes (oder war's vorletztes) Jahr einige Funde von Volvariellas hier in Jena. Zum einen rein weiße, kleine bis sehr kleine Scheidlinge, die sich locker verstreut in Trittrasengesellschaften, am Straßenrand und in einem ruderalen Mesobrometum fanden und die eigentlich unzweifelhaft als Volvariella pusilla bestimmt wurden.
Zum anderen hatten wir einen sehr reichlichen Fund einer grauhütigen Volvariella, die im Xerothermhang an den Saaletalhängen wuchs, mindestens 50-100 Fruchtkörper, zwischen Graslilie, Braunroter Stendelwurz und Thymian aus dem flachstgründigen Muschelkalk hervorkommend. Huperzias Aquarell zeigt diesen Pilz. Er war insgesamt ein kleines bischen größer als die pusillas, hatte einen mindestens zur Hälfte grauen Hut und eine braune Volva. Mikroskopisch identisch mit pusilla. Für mich war das die var. taylori ud abgesehen von Volva- und Hutfarbe und einem an den Haaren herbeigezogenen leichten Größenunterschied konnte ich keine Unterschiede feststellen.
Das zeitgleiche Auftreten, die identischen Mikromerkmale und die Tatsache, dass die pusillas mit der Zeit (sonnenbedingt?) auch eine etwas getönte Hutmitte kriegten, veranlassen mich, diese Funde als lediglich Varietäten einer einzigen Art zu sehen. Ich hielt sie für taylori.
Ganz klar ist mir die Abgrenzung zu murinella jedoch auch nicht.
Was meinst denn Du (@markus) zu Hupis Aquarell?
beste Grüße,
Andreas
Meist werden 4 Arten "gehandelt": V. murinella: vermutlich wohl die
beste und häufigste Art: mittelgross, sehr hell und nur leicht grau
gefasert, gerne an Wegrändern und krautigen Stellen.
V. taylori: Eine alte Art, die mehr berücksichtigt werden sollte, etwas
kräftigere Farben und gefärbte Volva. Die "Kreation" V. pusilla
var. taylori ist nicht glaubwürdig, V. pusilla ist eine weisse und sehr
kleine Art.
V. caesiotincta ist auch eine etwas gesuchte Interpretation von Orton.
Praktisch nur der Standort auf Holz soll das der Unterschied (von taylori)
ausmachen, etwas wenig, nicht?
V. volvacea: was ist das eigentlich? Wirklich diese tropische Art oder
eventuell eine weitere europäische Art, hier werden hauptsächlich die
recht grossen Sporen als Unterschied beschrieben.
Es scheint, dass diese Gattung einige sehr seltenen Arten besitzt, die man
nur alle x Jahre zu Gesicht bekommt, und dann noch oft als
Einzelexemplare! Sich hier ein Bild zu machen, wird wohl sehr schwer sein!
Vielleicht kann die moderen Taxonomie mit Hilfe des Labors Klarheit
schaffen.
Ich habe mit einigen bekannten Mykologen diskutiert: alle verwerfen die Hände
über diese "unmögliche" Gattung und hätten gerne etwas
"Handfestes"! Momentan gleicht das Bestimmen eher einer
Lotterie, das krampfhafte Suchen nach einem brauchbaren Schlüsselpunkt ist
oft eine Selbstäuschung!
Ich kann also auch nur raten und Dein Fund würde ich als V. murinella
einstufen, aber dies einfach nur rein von Bild her.
Mit vielen Grüssen, Markus