Re: Vorsicht, verschiedene Krokodilritterlinge! (B

Christoph G, (vor 7361 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

bedeutet das, dass die Fundpunkte in GP Bawü und das Bild von der Ostalb zu T. matsu-take gehören? und ebenso das Bild bei Waldvogel aus dem St. Galler Rheintal?

LG Christoph

Hallo,
obacht, es gibt in Europa zwei (mindestens) verschiedene dieser
Krokodilritterlinge, die qualitativ um Welten auseinanderliegen!
Ich denke, sowohl dieser Fakt als auch die korrekten botanischen Namen haben
noch kaum Eingang in die allgemeine Literatur gefunden und sind teils auch
für die Fachleute recht neu.
Zum einen gibt es den vor allem in Japan beliebten Krokodilritterling, der
auch in den USA sehr gesucht und teuerst gehandelt wird. Er schmeckt mild,
angenehm. Insgesamt relativ wenig und einfarben schuppig auf dem Hut, eher
strähnig, das Velum verflüchtigt sich mit der Zeit ziemlich und der Pilz
ist insgesamt recht hell.
Das ist Tricholoma matsu-take, der botanische Namen ist konserviert und muss
zwingend für diese Art benutzt werden gegenüber Tricholoma nauseosum,
unter dem er in den letzten Jahren in Europa bekannt geworden ist. Es ist
NICHT Tricholoma caligatum, siehe weiter unten!
Dieser Echte Krokodil-Ritterling ist in Mittel- und Nordeuropa, USA und Japan
zuhause, also von der Verbreitung her etwa temperat-boreal zu nennen. Im
meridionalen-submeridionalen Raum kommt er nur in den höheren Berglagen
vor. Er ist sehr selten, in Nordeuropa etwas weniger selten. Abgebildet
ist er z.B. im MICHAEL-HENNIG-KREISEL (Handbuch für Pilzfreunde) Band III
Abb. 204
Hier ein Bild, das mit Giovanni Consiglio zur Verfügung gestellt hat

Zum anderen gibt es den Falschen Krokodil-Ritterling, der den botanischen
Namen Tricholoma caligatum trägt. Er ist dunkler, kontrastierender
geschuppt und das Velum bleibt länger erhalten. Sein Geschmack ist
unangenehm, bitterlich und er wird nicht als Speisepilz gesammelt. Sein
Verbreitungsgebiet ist der europäische Mittelmeerraum, also
meridional-submeridional. Ich weiß nicht, wie weit er aus dem direkten
mediterranen Raum herausgeht. Ich kenne ihn dort von Strandkiefernwäldern
und er ist nicht besonders selten.
Hier ein Bild von Achim Bollmann, damals hatte ich noch keine Digikamera und
habe nur Dias von dieser Art

Die Gruppe wurde übrigens in gewohnt meisterlicher Art von Ilkka Kytövuori
bearbeitet, publiziert vermutlich in der Karstenia. Die Arbeit ist
natürlich weiterhin gültig und die ausschlaggebende zur Bestimmung dieser
Ritterlinge, auch wenn die dort eingeführte Taxonomie nun durch
Konservierung des Epithets matsu-take überholt ist.
beste Grüße,
Andreas

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