Steinpilzschwemme und ein Bestimmungsproblem *PIC*

Ingo, (vor 7363 Tagen)

Hallo Pilzfreunde,

wie schon in der Vorwoche von mir prognostiziert, ist die Steinpilzschwemme nun
auch in den hiesigen Kiefernwäldern angekommen. In meinen bevorzugten Pilzrevieren
östlich der Hauptstadt konnte man die Boleten seit knapp einer Woche reichlich antreffen.
Ebenso zahlreich waren auch die Pilzsucher, die sich nun ein wenig Abwechslung auf
dem Speiseplan verschaffen konnten. So war die Ausbeute in Nähe der Parkplätze
entsprechend spärlich. Wollte man mehr Ausbeute erzielen, musste man sich schon
in die eher unwegsamen Gebiete aufmachen. Wer diese Mühe nicht scheute, konnte
auch noch am Sonntag mit vollen Körben rechnen.

Auch die beste Tarnung half nichts; hier ein besonders schlauer Vertreter, der sich als
Landser getarnt hatte:
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Wie ich hier schon mal erwähnte, stört mich dieser “Pilzrun“ nicht so sehr, zumal ich eh nicht
so sehr auf die Edulen stehe. Nett finde ich, dass die Leute sämtliche Perlpilze ignorieren.
Die finde ich kulinarisch wesentlich ansprechender.

Am schönsten war, dass sich auch die Büschelraslinge bereits zu ihrem jährlichen
Schub entschlossen hatten. Die gibt es zwar nur in einem eher übersichtlichen Waldstück.
Dort aber reichlich. Leider fruktizieren die Raslinge in jedem Jahr nur in einem Schub, so
dass man dann auch sofort “zuschlagen“ muss. Man muss sich zwar bei der Zubereitung
ein wenig Mühe geben, dann aber sind sie einfach delikat. Ein Merkmal sind der milde,
leicht nussige Geschmack und die etwas festere Konsistenz. Hallimaschfreunde werden
wissen, was ich meine.
Mit der korrekten wissenschaftliche Bezeichnung für die Art kann ich leider nicht dienen,
da sich die Fachwelt in diesem Punkt uneins zu sein scheint. Es läuft wohl darauf hinaus,
dass die Arten Büschelrasling, Panzerrasling und Frostrasling nur verschiedene Varianten
einer guten Sammelart sind, die im Volksmund auch Buchele genannt wird.
Ich nenne sie hier mal Geselliger Rasling (Lyophyllum decastes).

Hier ein paar Erinnerungsfotos, bevor es in den Sammelkorb ging:
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Erstaunliche Wasserflecken kann der Regen hervorbringen – Variante Paneolus :)
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Leider sind, bis auf die Steinpilze und die Raslinge noch nicht wirklich viele Arten erschienen.
Maronen, Sandpilze, Kuhröhrlinge und Butterpilze gibt es nur vereinzelt. Gleiches gilt für
für die diversen Täublingsarten. Auch Milchlinge machen sich noch rar. Gerade mal drei
Echte Reizker und ein Birkenmilchling haben meinen Weg gekreuzt.

Dafür sind die Wulstlinge zahlreich vertreten. In Massen fruktizieren Pantherpilze,
Perlpilze und auch noch Narzissengelbe Wulstlinge – zum Teil unmittelbar nebeneinander.
Da ist beim Einsammeln der Perlpilze große Vorsicht angebracht!
Weiterhin konnte ich ein paar schöne Graue Scheidenstreiflinge (Amanita vaginata)
ausfindig machen –so wie diese hier:
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Mit einem Fruchtkörper hatte ich allerdings so meine Probleme. Eigentlich stimmte alles;
Bis auf ein Merkmal.
Hier ist das “Sorgenkind“:
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Der Hut kommt doch hin, oder?
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Gegen die Lamellen ist auch nichts einzuwenden
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Hier der eigentlich passende Stiel..
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...und die weisse Volva:
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Aber hier, dass fand ich schon beachtlich:
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Die Stieldicke betrug, wie man erkennen kann, etwa 22 mm. Zur Basis hin sogar 26 mm.
Der Fruchtkörper war etwa 12 cm hoch und wirkte sehr kompakt. Von etwaiger Brüchigkeit
war keine Spur zu erfühlen. Auch war er für einen Wulstling ziemlich schwer.
Geruch war in Spuren wahrnehmbar, jedoch nicht einzuordnen. Der beschriebene,
nussige Geschmack bei der Kauprobe wollte sich auch nicht so recht einstellen.
Weiter bemerkenswert: ein leichter lachsrosa Schimmer, wenn man gerade auf die
Lamellen sah. Fundort: Sand bei Kiefern.

Die Frage lautet nun. Passt das Erscheinungsbild noch in die Variationsbreite von
Amanita vaginata oder kann es sich um eine andere Art handeln. Immerhin kenne ich
die Art auch nur schlank und zerbrechlich – wie auf dem ersten Foto zu sehen.
Gerne hätte ich diesen Pilz verwertet, aber dass war mir dann doch zu heiß.
So habe ich ihn dann schweren Herzens aussortiert und er darf jetzt ungestört aussporen.

Über ein paar Meinungen hierzu wäre ich dankbar.

Schönen Abend – Ingo.

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Re: Steinpilzschwemme und ein Bestimmungsproblem

Andreas ⌂, (vor 7363 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

das scheint mir ein Scheidenstreifling aus der lividopallescens-Gruppe zu sein.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Steinpilzschwemme und ein Bestimmungsproblem

proletus, (vor 7363 Tagen) @ Andreas

Hallo Ingo,
das scheint mir ein Scheidenstreifling aus der lividopallescens-Gruppe zu
sein.
beste Grüße,
Andreas

Bin ich mir ziemlich sicher das es sich hier um Scheidenstreifling Amanita vaginata handelt. Der kommt auch mit gräulich-braunem Hut vor.
Gruss

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Oh, oh...

zuehli ⌂, (vor 7362 Tagen) @ proletus

Bin ich mir ziemlich sicher das es sich hier um Scheidenstreifling Amanita
vaginata handelt. Der kommt auch mit gräulich-braunem Hut vor.

...immer langsam mit den jungen Pferden - ich bin mir ziemlich sicher, daß Du da irrst. Für A. vaginata ist der viel zu kompakt.
Ich hatte letztens einen Fund, der recht ähnlich daherkam, mit weißen statt hellgrauen Velumresten auf dem Hut und eher elliptischen Sporen statt rundlichen. Den habe ich dann Amanita mairei getauft. Könnte sein, daß das hier auch in diese Richtung geht.

Gruß Harald

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Re: Raslinge

Bernhard Schülke, (vor 7362 Tagen) @ Ingo

Hallo Pilzfreunde,

Am schönsten war, dass sich auch die Büschelraslinge bereits zu ihrem
jährlichen
Schub entschlossen hatten. Die gibt es zwar nur in einem eher übersichtlichen
Waldstück.
Dort aber reichlich. Leider fruktizieren die Raslinge in jedem Jahr nur in
einem Schub, so
dass man dann auch sofort “zuschlagen“ muss. Man muss sich zwar bei der
Zubereitung
ein wenig Mühe geben, dann aber sind sie einfach delikat. Ein Merkmal sind
der milde,
leicht nussige Geschmack und die etwas festere Konsistenz.

Ähmm,
ich bekam einmal von einem befreundeten Pilzfreak Panzerr. zum Probieren.
Dünsten/Braten: sehr zäh und knorpelig
" 30 min später: sehr zäh und knorpelig
" 60 min später: sehr zäh und knorpelig
" 120 min später: " " ... weggeschüttet.

Kann mir einer sagen, was an den Pilzen war. Zu alt?

Fazit: Ist schon eine Weile her, ich hab´ daher höchstens noch mykolog. Interesse an diesen Pilzen. Meine bisherige kulinar. Diagnose: Sehnenfleisch ist zarter.

Gruß
Bernhard

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Re: Raslinge

Ingo, (vor 7362 Tagen) @ Bernhard Schülke

Hallo Bernhard,

einige Autoren gestehen dem von Dir wahrscheinlich
verwerteten Panzerrasling (Lyophyllum loriacum)
Artrang zu, andere wieder nicht. Das Problem hier:
Die einzelnen Varianten weisen zwar makroskopische
Unterschiede auf, lassen sich aber mikroskopisch nicht
trennen. Interessant wäre, ob es Erkenntnisse über
genetische Unterschiede gibt.
Die von mir aufgesammelten Kollektionen kann man von der
Konsistenz eher mit Hallimasch vergleichen. Der Geschmack
ist aber eigen.

Schönen Abend noch - Ingo.

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Re: Steinpilzschwemme und ein Bestimmungsproblem

Ingo, (vor 7362 Tagen) @ Ingo

Vielen Dank erst mal an alle für Eure Anregungen.

Hallo Andreas und Harald, auf Euch Beide war zu meinem
Glück wieder Verlass.

Die beiden von Euch vorgeschlagenen Arten habe ich
auch bereits vor meinem Posting etwas favorisiert.
Die betreffenden Beschreibungen im BW Band 4 gefielen
mir allerdings in einem Punkt nicht.
Beide Arten sollten ja einen mehr oder weniger genatterten
Stiel aufweisen. Eine Natterung konnte ich bei diesem
Exemplar nicht erkennen. Der Stiel passte vielmehr zu
A. vaginata. Von den Farben und vor allem vom Standort her
würde allerdings A.mairei am besten hinkommen.

Was ich gestern nicht erwähnte - Die Hutfarbe erinnerte ein
wenig an stark verdünntem Milchkaffee.
Genaugenommen wuchs das Exemplar im festgefahrenen Kies
am Straßenrand. So ließe sich der Kalk erklären, den die
Art bevorzugt, der aber ansonsten bei uns im Wald fehlt.

Wie dem auch sei. Eine Probe habe ich nicht mitgenommen und
so wird wohl alles Weitere Spekulation bleiben.