Pilzausstellung in MV *PIC*

Ingo, (vor 7330 Tagen)

Hallo Pilz- und Naturfreunde!

Ich hatte ja unlängst bekannt gegeben, dass ich an diesem Wochenende die Pilze Pilze sein lassen,
und endlich mal wieder an die Brandung zum Angeln fahren wollte. Doch wie es so oft kommt, konnte
ich auch an diesem Wochenende nicht so ganz die Finger von den Pilzen lassen.

Aber der Reihe nach: Tatsächlich begaben wir uns pünktlich zu Freitag Nachmittag mit unserem Gerät
an den Ostseestrand. Genau gesagt auf die Halbinsel Darß. Praktisch, weil in nur knapp drei Stunden
Fahrzeit von Berlin aus zu erreichen (theoretisch, wenn kein Stau ist).

Wie schon die Wetterprognose „befürchten“ ließ, sollte das Ganze eher ein Strand- und Badeausflug werden,
denn ein erfolgreiches Fischfangen. Hier ein kleiner Eindruck von dem Sonnenbad:

[image]

Man könnte meinen, die Angeln waren nur zur Tarnung dabei. Nach Einbruch der Dunkelheit haben
wir dann aber tatsächlich ernst gemacht, und uns am Sportgerät betätigt. Nach den Ergebnissen fragt
besser nicht.

Nun aber zum interessanten Teil. Momentan finden ja im ganzen Land die jährlichen Pilzausstellungen statt.
Wie es der Zufall so wollte, befindet sich ganz in der Nähe vom Ostseestrand, in Neuheide bei Graal-Müritz,
ein einzigartiges Privatmuseum mit ganzjähriger Pilz- und Insektenausstellung und anderen Highlights aus unserer Natur.
Einmal jährlich, im Herbst, findet dort auch eine große Frischpilzausstellung statt.
Und welch ein Glück, die Ausstellung war genau während der Tage unseres Aufenthalts dort oben.

Wir brauchten auf unserem Heimweg gerade mal einen winzigen Abstecher von zwei Kilometern machen,
da standen wir auch schon vor dem Objekt. Es war wunderschön inmitten eines Waldgebietes gelegen,
und die gut gefüllten Parkplätze ließen auf eine tolle Veranstaltung hoffen.

[image]

Was wir dann dort vor Ort vorgefunden haben, übertraf unsere Erwartungen bei Weitem. Das Bauwerk
selbst war von einem hübsch bepflanzten, riesigen Garten umgeben, wo die Veranstalter in liebevoller
und sicher auch mühsamer Kleinarbeit eine große Menge von einheimischen Pilzarten für die Besucher
aufbereitet hatten. Eine Vielzahl der Objekte war in der natürlichen Umgebung aufgebaut und befand
sich zum Teil sogar noch in dem Substrat, wo sie aufgesammelt wurden.

Hier ein paar Impressionen, die aber den tatsächlichen Eindruck vor Ort nicht annährend wiederspiegeln
können. In diesem Areal befanden sich die Täublingsarten:
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Das hier war der Boletenhügel...
[image]

…und in diesem Gelände befanden sich etliche weiße Vertreter unserer einheimischen Großpilze:
[image]
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Nachfolgend möchte ich auch noch ein paar Bilder der einzelnen Arten zeigen; vor allem, weil
ich die, bis auf wenige Ausnahmen, selbst noch nie zuvor in Natura gesehen hatte:
Da die meisten davon mit Schildern versehen waren, verzichte ich auf weitere Kommentare.
Ansonsten sollte man über den Bildnamen auch auf die Art kommen:

[image] [image]

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Und dass unsere Nordlichter einen tieferen Sinn für Humor haben, bewiesen sie mit diesen
Ausstellungsstücken:
[image]
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Nicht schlecht –oder?

Zum Schluss noch meine beiden Lieblingsexponate. Das war zum Einen der hier:
[image]

Für mich am allerschönsten kamen diese Exemplare:
[image]

Die würde ich gerne auch mal finden. Aber na ja, wenn ich bedenke, wie viele Erstfunde mich
in diesem Jahr bereits überrollt haben...

Nebenbei. Eine offizielle Pilzberatung fand im Eingangsbereich auch statt. Da konnte ich auch
mal wieder was dazu lernen. So kamen zum Beispiel gerade ein paar super Exemplare vom
Tannen-Stachelbart für die Ausstellung herein. Der Pilz soll ja an sich recht selten sein. Der Experte
erzählte uns aber, dass die Art in letzter Zeit ziemlich im Kommen ist. Weiterhin nahm ich erstaunt
zur Kenntnis, dass er für Lactarius rufus Freigabe erteilte. Nachgefragt bekam ich zu hören, dass
der Pilz in geringen Mengen Mischgerichte Deutlich verbessert. Demnächst werde ich das mal
testen. Der Pilz ist bei uns eigentlich gut vertreten.

Einen wesentlichen Unterschied zu anderen Ausstellungen gibt es da noch, den ich erwähnen muss.
Auf die Frage hin, wie viele Arten in der Ausstellung denn gezeigt werden, konnte man mir (noch)
keine Antwort geben. Grund: Anders als bei anderen Ausstellungen erstreckt sich die im Pilzmuseum
Neuheide über mehrere Tage. Und es wird ständig nachgesammelt und ergänzt. Das konnte man auch schön
an den handbeschrifteten Schildern erkennen. Erst bei Ausstellungsschluss am 3.10. werden alle Schilder
eingesammelt und die offizielle Ausstellungsliste erstellt. Auch nicht schlecht!
Übrigens - wir waren am 1.10. dort.

An dieser Stelle möchte ich mich bei Herrn Krasselt, dem Inhaber des Pilzmuseums, dafür bedanken,
dass er mir die Genehmigung erteilte, hier im Forum Bilder von seiner Ausstellung zu veröffentlichen.
Immerhin war der Besuch dort nicht ganz umsonst. Aber ich finde, dass 3,-€ Eintritt für Erwachsene
und ein Zusatzeuro für die Fotogenehmigung nicht zuviel verlangt waren. Wenn es meine Zeit zulässt,
werde ich im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder kommen.

Wen das Ganze mehr interessiert, kann sich mal unter www.naturschatzkammer.m-vp.de informieren.

Mir bleibt nur noch, allen Pilzfreunden, die ihre Ausstellung jetzt noch vor sich haben, viel Erfolg und viel
Publikumsresonanz zu wünschen. Für mich war es jedenfalls ein tolles Erlebnis dort oben im Norden.

Eine schöne Restwoche noch! Ingo

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Mich würde interessieren

J$rgen, (vor 7329 Tagen) @ Ingo

ob die Filzröhrlinge auf dem Foto unter den Espenrotkappen korrekt als Xerocomus communis betitelt waren? Das Etikett ist auf dem Foto leider nicht mehr erfasst.

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Taxonomie X. communis?

Werner, (vor 7329 Tagen) @ J$rgen

ob die Filzröhrlinge auf dem Foto unter den Espenrotkappen korrekt als
Xerocomus communis betitelt waren? Das Etikett ist auf dem Foto leider
nicht mehr erfasst.

Hallo Jürgen,

wie ist das denn jetzt mit der Taxonomie? Erst vor Kurzem erhielt ich wieder von jemand die Auskunft, daß X. communis nicht allgemein anerkannt sei. Gibt es diesbezüglich nicht immer noch "2 Glaubensrichtungen" oder ist communis inzwischen
"bewiesen"?

Viele Grüße,

Werner

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Die Frage ist noch nicht abschließend geklärt

J$rgen, (vor 7329 Tagen) @ Werner

aber aufgrund (nicht nur) meiner Erfahrung sind der Eichenfilzröhrling X. communis und der Blutrote Röhrling X. rubellus zwei verschiedene Sippen (wenn auch nah verwandt) und nicht, wie von Simonini propagiert, Farbvarianten einer plastischen Gesamtart.

Eine andere Frage ist, ob man den Namen "communis Bull." dafür verwenden will. Der einflussreiche frz. Mykologe Redeuilh (R.I.P.) hatte sich mit nachvollziehbaren Argumenten (v.a. Prioritätsgründe) dafür ausgesprochen, es gibt aber auch Gegenargumente (Mehrdeutigkeit); von Watling, der die Art auch für eigenständig hält, wurde der Name "declivitatum Martin" reaktiviert (siehe z.B.http://www.bioimages.org.uk/HTML/T147236.HTM) der zwar über 100 Jahre jünger ist, sich dafür aber völlig eindeutig auf die fragliche Sippe bezieht. Der Name quercinus Engel & Brückner ist nur provisorisch publiziert und daher ungültig.

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Re: Auf dem Schild stand was anderes...

Ingo, (vor 7329 Tagen) @ J$rgen

...nachdem ich für mich nochmal die Thematik Xerocomus aufgefrischt habe,
möchte ich für den Moment lieber nicht aus meinem Gedächtnis zitieren und
mir das Material besser nochmal zu Hause anschauen.

vielleicht gelingt es mir, hier heute Abend noch ein paar aussagefähigere
Bilder reinzustellen.

bis dahin!

p.s. gibt es einen Pilz namens "Derber Rotfuss"?

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Ja, den gibt es

J$rgen, (vor 7329 Tagen) @ Ingo

Xerocomus pruinatus (auch Herbstrotfuß) - dazu gehören die gezeigten Frkp. aber sicher nicht.

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und zwar soeben

Jürgen, (vor 7329 Tagen) @ Ingo

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... Nachfrage zu deinem verdeckten Link

Blausprödler, (vor 7329 Tagen) @ Jürgen

Hallo Jürgen!

Wie machst du das, dass die Linkadresse nicht angezeigt wird sondern nur dein Wunschbegriff wie in diesem Beitrag "hier" ? Beim anklicken geht es auf deinen angegebenen Link!
Gibt du da einen bestimmten Klammercode vorher ein, so ähnlich wie bei der Bildanzeige?

Würde mich sehr interessieren!

Gruß Wolfgang

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...noch eine Antwort ;o) *PIC*

Kattugla, (vor 7329 Tagen) @ Blausprödler

...auch wenn ich nicht Jürgen bin. [image]

Wenn Du den Firefox nutzt, kannst Du Dir die "bbCode extra"-Erweiterung einbauen, da gibts dann nach Installation auch im Kontextmenü des Browsers die html-taugliche Möglichkeit, Links, Bilder usw. einzubauen, oder Text zu formatieren, oder Listen zu erstellen... und alles bequem per Klick.

guds nächtle
Kattugla

Hallo Jürgen!
Wie machst du das, dass die Linkadresse nicht angezeigt wird sondern nur dein
Wunschbegriff wie in diesem Beitrag "hier" ? Beim anklicken geht
es auf deinen angegebenen Link!
Gibt du da einen bestimmten Klammercode vorher ein, so ähnlich wie bei der
Bildanzeige?
Würde mich sehr interessieren!
Gruß Wolfgang

Noch

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Danke dir aber Jürgen hatte die optimale Lösung! *oT*

Blausprödler, (vor 7328 Tagen) @ Kattugla

- kein Text -

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Re: Danke dir aber Jürgen hatte die optimale Lösun

Werner, (vor 7328 Tagen) @ Blausprödler

Meinst Du wirklich :-)

Der ist aber doof :-)

So, jetzt reicht's aber, sonst spielen wir uns morgen noch

*bg*

Gruß,

Werner

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... Typisch Werner

Blausprödler, (vor 7327 Tagen) @ Werner

Hallo Werner!

Nun poste uns schon deinen raffinierten HTML - Code! Lächle!

Gruß Wolfgang

----


Meinst Du wirklich :-)

Der ist aber doof :-)
So, jetzt reicht's aber, sonst spielen wir uns morgen noch
*bg*
Gruß,
Werner

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Re: ... Typisch Werner

Werner, (vor 7327 Tagen) @ Blausprödler

Hallo Wolfgang,

Nun poste uns schon deinen raffinierten HTML - Code! Lächle!

Der ist überhaupt nie ein Geheimnis. Du kannst in einem normalen Browser den immer extrahieren: in Mozilla Firefox (US-Version) z.B. mit Ctrl-U oder Strg-U oder View/Page Source. In der D-Version des Internet Exploders über Ansicht/Quellcode.

Aber für Dich hole ich ihn auch noch mal separat raus:

Meinst Du wirklich :-)

Der ist aber doof :-)
So, jetzt reicht's aber, sonst spielen wir uns morgen noch

Der ist aber nicht unbedingt zur dauernden Nachahmung gedacht, sonst werden wir hier noch verrückt

Und außerdem gibt es keine Garantie dafür, daß der in jedem Browser funzt. Im IE verhält er sich eh schon anders, als in Mozilla. Solche Spielereien könnte man noch viele machen, in guten HTML-Seiten im Internet oder in HTML-Literatur findet man noch mehr davon. Aber normalerweise mag ich so Zeugs gar nicht, denn das hält einen vernünftigen User vom Lesen einer Seite ab - es nervt ja tödlich. Mit J a v a s c r i p t lassen sich noch ganz andere Sachen machen, z.B. ausspähen des Surfers - verschwindenlassen von Links sobald der User draufklicken will usw. Nur ist das halt alles recht BÖSE und deswegen ist JS bei mir auch meistens blockiert.

Viele Grüße,

Werner

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Die Antwort findest du z.B.

Jürgen, (vor 7329 Tagen) @ Jürgen

hier :o)

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Danke Jürgen - das ist die Lösung ... und so

Blausprödler, (vor 7328 Tagen) @ Jürgen

einfach!

Gleich ein Test (Lächle - macht direkt Spaß wenn nicht so viel Linktext zu sehen ist)

Niederbayern

Neuburg

Dankesgrüße aus Niederbayern

Wolfgang

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Hallo Jürgen, hier die Bilder von Xeroco...... *PIC*

Ingo, (vor 7329 Tagen) @ J$rgen

-...ich glaube, ich sage besser nichts...

[image]

[image]

[image]

...allerdings habe ich trotzdem eine Meinung dazu. Die deutsche und die internationale
Bezeichnung der Aussteller scheint erst mal überhaupt nicht zusammen zu passen. Den deutschen
Namen konnte ich nirgendwo finden. Möglicherweise ist es eine veraltete Bezeichnung.
Im Zweifel halte man sich an die internationale Bezeichnung. Mit etwas gutem Willen kann man
Xerocomus perosporus in X. porosporus umdeuten – nach BW Pilze Düsterer Rotfuß-Röhrling!
Bei Dähncke heißt diese Art zu deutsch Falscher Rotfussröhrling.
In beiden Werken ist übereinstimmend vermerkt, dass die Art keine roten Stielfarben aufweist.
Vergleicht man mit den Bildern, so landet man unweigerlich in der Sackgasse.

Also versuche ich es mal mit dem deutschen Namen. Die Bezeichnung Derbes Rotfüßchen
könnte durchaus auch ein veralteter Begriff für Stattlicher Rotfuß-Röhrling sein - aktuell wohl besser
unter Herbstrotfuß - Xerocomus pruinatus bekannt. Mit der Artbeschreibung im BW Band 2 könnte ich
mich da viel eher anfreunden. Die Röhren können rostigbraune Farbtöne annehmen und der Stiel kann
im Alter flächig rot überlaufen sein.

Wenn ich mir so die Farben der abgelichteten Exemplare anschaue, erinnert der eine beinahe an einen
Rotporer. Ich gebe zu, dass ich mir die Pilze gerne mal näher angesehen hätte. Angesichts der Tatsache,
dass es sich um eine Ausstellung handelte, habe ich das aber sein lassen.

Hätte ich hier eine Bestimmung durchführen müssen, wäre ich mit Hilfe der Beschreibung der BW Bände
ziemlich sicher bei X. pruinatus gelandet. Andere Bestimmungswerke gaben hierzu auch nichts besseres
her. Und die BW Pilze sind da sicher nicht die schlechtesten Werke. In den Pilzen der Schweiz bin ich
erst gar nicht so weit gekommen. In beiden Werken ist Xerocomus communis nicht erst aufgeführt -
zumindest habe ich bei den Filzröhrlingen nichts entsprechendes gefunden.

Interessant wäre vielleicht noch die Information, mit Hilfe welcher Literatur die Aussteller im Pilzmuseum
die Artbestimmung vorgenommen haben. Es wäre ja naheliegend, dass der MHK verwendet wurde, da
es sich um alteingesessene PSV aus der ehem. DDR gehandelt haben könnte. Oder es wurde ein
ganz anderes Werk verwendet, wo eben diese Namenskombination für eine vergleichbare Art aufgeführt ist.

Vielleicht hat ja Jemand das betreffende Werk im Regal zu stehen. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen,
dass die Bezeichnungen frei erfunden wurden.

Ein Hinweis am Rande noch. Wie man erkennen kann, ist das “Typenschild“ in Druckschrift verfasst.
Die Schilder der nachgesammelten Arten wurden immer handbeschriftet! Das bedeutet, dass die
ausgestellten Pilze bereits zu Ausstellungsbeginn vor Ort waren und bereits seit über einem Tag dort der
Witterung ausgesetzt waren. Das sollte bei der Beurteilung der Bilder berücksichtigt werden.

Letztendlich bin ich mir aber ziemlich sicher, dass Du recht hast mit Deiner Bestimmung.
Gerade bei den Gruppen um X.subtomentosus und X.chrysenteron scheint ja in Fachkreisen
heilloses Durcheinander zu herrschen. Eigentlich erstaunlich, wenn man bedenkt,
dass die Röhrlingsarten mittlerweile nahezu alle einwandfrei makroskopisch
bestimmt werden können – jedenfalls von Dir.
Vielleicht wäre es ja langsam an der Zeit, dass Du eine Monographie darüber veröffentlichst.
Da bin ich aber, glaube ich, auch nicht der erste, der diesen Wunsch äußert.

Beste Grüße! Ingo

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Letztlich ist zweitrangig

Jürgen, (vor 7329 Tagen) @ Ingo

woher im Einzelfall der Name genommen und nach welcher Literatur hier bestimmt wurde. Die Bestimmung porosporus ist jedoch mit ziemlicher Sicherheit falsch, und ich würde jede Wette eingehen, dass die Sporen nicht dahingehend untersucht wurden, ob sie abgestutzt sind.

(Unmzutreffend ist, dass porosporus keine roten Stielfarben aufweisen kann - gar nicht selten sind rötliche "Ring"zonen an der Stielspitze, mitunter sieht man sogar trübrote Töne flächig untermischt mit dem typischen düsteren Graubraun. Das sieht dann aber anders aus als hier auf den Fotos.)

X. pruinatus scheidet ebenfalls aus, denn selbst wenn man die Liegezeit in Rechnung stellt, müssten zumindest Stielspitze und Fleisch bedeutend kräftiger gelb sein. Und dann käme es noch auf den Standort an, über den hier - soweit sich sehe - gar nichts gesagt wird. Ich gehe davon aus, dass die hier gezeigten Pilze aus einem Park, einer Anlage oder ähnlichem Habitat stammen.

Dieses Vergleichsbild von Jochen Girwert von communis zeigt recht gut die Übereinstimmungen mit dem obigen Fund (rötliche Stielrillen, kaum blauendes Stielfleisch, gelber Basalfilz). Schade, dass die Stielbasis nicht deutlicher zu erkennen ist.

Grüße, Jürgen

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Re: Letztlich ist zweitrangig

Ingo, (vor 7328 Tagen) @ Jürgen

Ich wollte mich nicht der Bestimmung der Veranstalter anschließen.
Es war vielmehr ein Deutungsversuch, wie diese zustande gekommen
sein könnte.

Letztendlich hatten sich die Veranstalter vermutlich für etwas
entschieden, was makroskopisch dem Fund am Nähesten kam.
Zumal die Art überhaupt nicht in der gängigen Bestimmungsliteratur
aufgeführt ist.

Die meisten Normalbesucher wären bereits als mykologisch hoch gebildet
anzusehen, wenn sie den Unterschied zwischen Rotfuß und Ziegenlippe
sicher kennen würden.

Wenn ich das richtig verstanden habe, gehört der ausgestellte Pilz
nicht in eine der vorgenannten Gruppen, sondern in den Dunstkreis
von X. rubellus und wurde von diesem abgespalten.
Das die Aussteller den nicht als X.rubellus betitelt haben, kann
ich nachvollziehen. Da würde man ein ganz anderes Erscheinungsbild
erwarten.

Persönlich erinnert mich die ganze Filzröhrlingsdiskussion in wenig
an das, was hier im Frühjahr immer akut wird. Vielleicht sollte
ich mal für meine Spitzmorcheln mit dem rötlichen Schimmer am
Hut irgendwo Artrang beantragen. Je nach Ansicht gibt es da ja
auch zwischen 1 und 150 Arten.
Schließlich hat ja irgendwie jeder sein Lieblingsspielzeug! Oder?

;-)

Viele Grüße Ingo

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Re: Letztlich ist zweitrangig

Jürgen, (vor 7328 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

den Deutungsversuch des Bestimmungsganges habe ich schon als solchen verstanden, aber zu deinem persönlichen Interpretationsversuch als pruinatus muss ich mich ja trotzdem äußern. :)

Das Bemühen geht bei den Filzröhrlingen derzeit dahin, dass eben NICHT jede Farbform zur Art gemacht wird (sonst müsste man aus rubellus ss. lato ein gutes Dutzend Arten machen), sondern schlüssig nachvollziehbare Artkonzepte entworfen werden. Communis wurde auch nicht von rubellus abgetrennt, sondern das genaue Gegenteil ist der Fall: Bei Engel 1996 stehen rubellus und communis in zwei verschiedenen Sektionen, bei Ladurner/Simonini 2003 sind sie zu einer Art zusammengefasst (!).

Das Problem für den Normal-Hobbymykologen ist, dass X. communis in der Regel nicht mit dem durchaus bekannten rubellus, sondern - wegen Überbewertung der (gerade hier extrem veränderlichen) Hutfarbe als Bestimmungsmerkmal - mit anderen Xerocomus-Arten in Verbindung gebracht wird, vorzugsweise chrysenteron, subtomentosus, sogar armeniacus. Natürlich kann man von den Leuten nicht erwarten, mehr zu wissen als die zur Verfügung stehende Literatur (und deren Autoren). Man sollte "schwierige" Kollektionen gerade bei Filzröhrlingen aber trotzdem nicht nach oberflächlichem makroskopischem Eindruck oder gar nach Gusto willkürlich einer Art zuordnen, sondern bei Zweifeln so ehrlich sein und sie unbestimmt lassen.

Grüße, Jürgen

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Re: Letztlich ist zweitrangig

Ingo, (vor 7328 Tagen) @ Jürgen

Natürlich kann man von den
Leuten nicht erwarten, mehr zu wissen als die zur Verfügung stehende
Literatur (und deren Autoren). Man sollte "schwierige"
Kollektionen gerade bei Filzröhrlingen aber trotzdem nicht nach
oberflächlichem makroskopischem Eindruck oder gar nach Gusto willkürlich
einer Art zuordnen, sondern bei Zweifeln so ehrlich sein und sie
unbestimmt lassen.

Hallo Jürgen,

danke für die auführlichen Antworten. Wissen ist halt doch Macht!
Vielleicht gibt es ja bald eine brauchbare Monographie im Netz.
Auf den Seiten des Berlin/Brandenburger Pilzvereins scheint
so etwas gerade in Vorbereitung zu sein. Mal sehen, wann die Baustelle
fertig wird.

Ein schönes Wochenende! Ingo