Fränkisches Allerlei (mit 6 Fotos) *PIC*

Hans-Jürgen, (vor 7315 Tagen)

Steinpilze haben Rudi und ich nicht gefunden beim letzten Outing nach Sommerhausen und in den Kitzinger Klosterforst. Aber vieles andere. Abgesehen von etlichen Helmlingen und Faserlingen, die noch unter dem Mikroskop liegen, sind wir zum Beispiel begegnet:

Diesen prächtigen Körnchen-Röhrlingen Suillus granulatus

[image]

Oder, am anderen Ende der Größenskala, Rickenella fibula, dem Orangeroten Heftelnabeling:

[image]

Auf einem alten Misthaufen machte sich der blasige Becherling Peziza vesiculosa breit

[image]

Da kann es zu Bolbitius vitellinus, dem Goldmistpilz, nicht weit sein.

[image]

In einer aufgelassenen Sandgrube sind wir über Paxillus involutus, den Kahlen Krempling gestolpert

[image]

Und - mit einem speziellen Gruß an Peter Reil, falls er mitliest - bei feucht-kühlem Wetter trifft man auch wieder auf Spinellus fusiger, den Helmlingsschimmel

[image]

Nix wirklich Außergewöhnliches also, aber immerhin eine Menge Mykotraffic!

Grüße
Hans-Jürgen

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Re: Fränkisches Allerlei (mit 6 Fotos)

znurk, (vor 7315 Tagen) @ Hans-Jürgen

Klasse Fotos, den Körnchenröhrling findet man bei uns im Nürnberger Land auch recht häufig.

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Re: Fränkisches Allerlei (mit 6 Fotos)

Steininger, (vor 7315 Tagen) @ Hans-Jürgen

...............

Nix wirklich Außergewöhnliches also, aber immerhin eine Menge Mykotraffic!
Grüße
Hans-Jürgen

Hallo Hans-Jürgen,
"Nix Außergewöhnliches" vielleicht was die Funde betrifft,aber die Bilder sind außergewöhlich gut,besonders das letzte.
Gruß
Wolfgang

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Re: Fränkisches Allerlei (mit 6 Fotos)

chn01, (vor 7315 Tagen) @ Hans-Jürgen

Steinpilze haben Rudi und ich nicht gefunden beim letzten Outing nach
Sommerhausen und in den Kitzinger Klosterforst. Aber vieles andere.
Abgesehen von etlichen Helmlingen und Faserlingen, die noch unter dem
Mikroskop liegen, sind wir zum Beispiel begegnet: Diesen prächtigen
Körnchen-Röhrlingen Suillus granulatus

Oder, am anderen Ende der Größenskala, Rickenella fibula, dem Orangeroten
Heftelnabeling:
Auf einem alten Misthaufen machte sich der blasige Becherling Peziza
vesiculosa breit

Da kann es zu Bolbitius vitellinus, dem Goldmistpilz, nicht weit sein.

In einer aufgelassenen Sandgrube sind wir über Paxillus involutus, den Kahlen
Krempling gestolpert

Und - mit einem speziellen Gruß an Peter Reil, falls er mitliest - bei
feucht-kühlem Wetter trifft man auch wieder auf Spinellus fusiger, den
Helmlingsschimmel

Nix wirklich Außergewöhnliches also, aber immerhin eine Menge Mykotraffic!
Grüße
Hans-Jürgen

Hallo Hals-Jürgen,

super Fotos. Gerade das letzte (Helmlingsschimmel) gefällt mir sehr gut. Hast du es mit einen Macro aufgenommen? Wenn ja, wie hast du die Tiefenschärfe hinbekommen. Kannst du mir einen Tip geben, versuche schon seit längeren mit einen Macro Objektiv eine bessere Tiefenschärfe zu erreichen.

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Zum OT: Schärfentiefe

Hans-Jürgen, (vor 7315 Tagen) @ chn01

Hallo Namenloser,

schön, dass Dir die Fotos gefallen. Ich fotografiere Pilze grundsätzlich mit einem 60 mm Makro-Objektiv, das - wegen des gegenüber dem Kleinbildformat kleineren Sensors - auf meiner Nikon den Bildwinkel eines 90 mm Objektivs hat.

Ein Makro-Objektiv hat allerdings keine andere Schärfentiefe als ein herkömmliches Objektiv. Es ist lediglich für Aufnahmen im Nahbereich korrigiert (anders als Standardobjetive, die für Abbildungsmaßstäbe von 1:Unendlich bis etwa 1:20 / 1:10 korrigiert sind).

Die Schärfentiefe in einer Aufnahme wird umso größer,

- je weiter Du vom Bildgegenstand entfernt bist, auf den Du scharfstellst
- je kleiner die verwendete Brennweite ist und
- je weiter Du (innerhalb gewisser Grenzen) abblendest (= die Blende schließt)

Die ersten beiden Bedingungen verändern den Abbildungsmaßstab. Ein größerer Aufnahmeabstand und eine kleinere Brennweite führen zu einer kleineren Abbildung des Bildgegenstands.

Die Schärfentiefe ist zunächst einmal vom Abbildungsmaßstab abhängig. Je größer der Abbildungsmaßstab, desto geringer ist die Schärfentiefe. Sie beträgt ganz fix nur noch wenige Zentimeter oder Millimeter, im eigentichen Makrobereich sogar nur noch Bruchteile eines Millimeters.

Wegen der Abhängigkeit vom Abbildungsmaßstab (der auch eine Funktion aus Brennweite und Sensorgröße ist) macht man auch die Beobachtung, dass Digi-Kameras mit ihren winzigen Sensoren schier unglaubliche Schärfentiefe erreichen, weil bei ihnen Abbildungsmaßstäbe von 1:10 ausreichen, um einen winzigen Pilz formatfüllend abzubilden.

Generell gilt, dass die Schärfentiefe umso größer ist (also scheinbar umso weiter in die Tiefe reicht), je stärker Du Dein Objektiv abblendest. "Stark" ist allerdings relativ. Objektive von digitalen Kompaktkameras lassen sich manchmal überhaupt nur bis Blende 9,5 schließen. Mein Makro Nikkor hat als kleinste Blende 32.

ABER. Man kann in der Praxis (jedenfalls mit normalen Objekiven) das Blendenlöchlein nicht beliebig klein machen und so eine praktisch unendliche Schärfentiefe schaffen, weil Beugungseffekte, die umso gravierender werden, je kleiner die Blende ist, die allgemeine Bildschärfe irgendwann dramatisch verschlechtern. Es gibt daher eine maximal sinnvolle Blende, die so genannte Förderliche Blende, über die man nicht hinausgehen sollte.

Der Sachverhalt klingt im Übrigen weitaus komplizierter, als er ist.

Die wichtigsten Daten zu der Aufnahme des Helmlingsschimmels:

Model - NIKON D200
Focal Length - 60.00 mm
ExposureTime - 2.2 seconds
FNumber - 22.00 (also Blende sehr weit geschlossen!)
ISOSpeedRatings - 100
ExifImageWidth - 3872
ExifImageHeight - 2592

Es gibt übrigens noch einen Trick, wie man die Schärfentiefe vergrößern kann: Nicht so nah ran gehen. Moderne Digicams haben Auflösungen von 6, 8 oder 10 Megapixels. Da ist reichlich Reserve, um für Verwendungen im Internet Bildausschnitte zu benutzen (sofern die Bildqualität im Übrigen perfekt ist). Größerer Objektabstand heißt kleinerer Abbildungsmaßstab - und schon reicht die Schärfentiefe weiter. Den Helmling habe ich auch formatfüllend fotografiert. Dann reicht die Schärfentiefe aber nicht einmal für den Helmlingshut...

Für weitere Verwirrung immer zu haben:

Hans-Jürgen

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exzellenter beitrag! *oT*

coco, (vor 7314 Tagen) @ Hans-Jürgen

- kein Text -

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Re: Zum OT: Schärfentiefe

Waldschrat, (vor 7314 Tagen) @ Hans-Jürgen

Hallo Namenloser,
schön, dass Dir die Fotos gefallen. Ich fotografiere Pilze grundsätzlich mit
einem 60 mm Makro-Objektiv, das - wegen des gegenüber dem Kleinbildformat
kleineren Sensors - auf meiner Nikon den Bildwinkel eines 90 mm Objektivs
hat.
Ein Makro-Objektiv hat allerdings keine andere Schärfentiefe als ein
herkömmliches Objektiv. Es ist lediglich für Aufnahmen im Nahbereich
korrigiert (anders als Standardobjetive, die für Abbildungsmaßstäbe von
1:Unendlich bis etwa 1:20 / 1:10 korrigiert sind).
Die Schärfentiefe in einer Aufnahme wird umso größer,
- je weiter Du vom Bildgegenstand entfernt bist, auf den Du scharfstellst
- je kleiner die verwendete Brennweite ist und
- je weiter Du (innerhalb gewisser Grenzen) abblendest (= die Blende
schließt)
Die ersten beiden Bedingungen verändern den Abbildungsmaßstab. Ein größerer
Aufnahmeabstand und eine kleinere Brennweite führen zu einer kleineren
Abbildung des Bildgegenstands.
Die Schärfentiefe ist zunächst einmal vom Abbildungsmaßstab abhängig. Je
größer der Abbildungsmaßstab, desto geringer ist die Schärfentiefe. Sie
beträgt ganz fix nur noch wenige Zentimeter oder Millimeter, im
eigentichen Makrobereich sogar nur noch Bruchteile eines Millimeters.
Wegen der Abhängigkeit vom Abbildungsmaßstab (der auch eine Funktion aus
Brennweite und Sensorgröße ist) macht man auch die Beobachtung, dass
Digi-Kameras mit ihren winzigen Sensoren schier unglaubliche Schärfentiefe
erreichen, weil bei ihnen Abbildungsmaßstäbe von 1:10 ausreichen, um einen
winzigen Pilz formatfüllend abzubilden.
Generell gilt, dass die Schärfentiefe umso größer ist (also scheinbar umso
weiter in die Tiefe reicht), je stärker Du Dein Objektiv abblendest.
"Stark" ist allerdings relativ. Objektive von digitalen
Kompaktkameras lassen sich manchmal überhaupt nur bis Blende 9,5
schließen. Mein Makro Nikkor hat als kleinste Blende 32.
ABER. Man kann in der Praxis (jedenfalls mit normalen Objekiven) das
Blendenlöchlein nicht beliebig klein machen und so eine praktisch
unendliche Schärfentiefe schaffen, weil Beugungseffekte, die umso
gravierender werden, je kleiner die Blende ist, die allgemeine Bildschärfe
irgendwann dramatisch verschlechtern. Es gibt daher eine maximal sinnvolle
Blende, die so genannte Förderliche Blende, über die man nicht hinausgehen
sollte.
Der Sachverhalt klingt im Übrigen weitaus komplizierter, als er ist.
Die wichtigsten Daten zu der Aufnahme des Helmlingsschimmels: Model - NIKON
D200
Focal Length - 60.00 mm
ExposureTime - 2.2 seconds
FNumber - 22.00 (also Blende sehr weit geschlossen!)
ISOSpeedRatings - 100
ExifImageWidth - 3872
ExifImageHeight - 2592
Es gibt übrigens noch einen Trick, wie man die Schärfentiefe vergrößern kann:
Nicht so nah ran gehen. Moderne Digicams haben Auflösungen von 6, 8 oder
10 Megapixels. Da ist reichlich Reserve, um für Verwendungen im Internet
Bildausschnitte zu benutzen (sofern die Bildqualität im Übrigen perfekt
ist). Größerer Objektabstand heißt kleinerer Abbildungsmaßstab - und schon
reicht die Schärfentiefe weiter. Den Helmling habe ich auch formatfüllend
fotografiert. Dann reicht die Schärfentiefe aber nicht einmal für den
Helmlingshut...
Für weitere Verwirrung immer zu haben: Hans-Jürgen

Hallo Hans-Jürgen,
habe betreffs Tiefenschärfe lange gegrübelt und gegoogelt. Als Letzten Versuch zur Erkenntnis diesbezüglich leitete ich die Linsenformel 1/g + 1/b = 1/f ab, und zwar die Bildweite nach der Gegenstandweite (Änderung der Bildebene bei Änderung der Objektebene = Maß für Tiefenschärfe). Im Ergebnis spielte tatsächlich die Brennweite den Gegenpart zur Entfernung bei der Beurteilung der Tiefenschärfe. Aber als ich noch den Abbildungsmaßstab hinzuzog, war nur noch der entscheidend, die Brennweite nicht mehr. Was meinst Du dazu?
Gruß - Waldschrat

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Re: Zum OT: Schärfentiefe

42, (vor 7314 Tagen) @ Waldschrat

Hallo Hans-Jürgen, hallo Waldschrat,

mehrere einfache(*) Formel findet ihr hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%A4rfentiefe
(Link bis Zeilenende kopieren und einfügen)

Beste Grüße
Thomas '42' Wallner

(*) 'einfach' ist latürnich relativ ...

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Zum OT: Schärfentiefe (sorry, noch mehr Technik)

Hans-Jürgen, (vor 7314 Tagen) @ Waldschrat

Hallo Hans-Jürgen,
habe betreffs Tiefenschärfe lange gegrübelt und gegoogelt. Als Letzten
Versuch zur Erkenntnis diesbezüglich leitete ich die Linsenformel 1/g +
1/b = 1/f ab, und zwar die Bildweite nach der Gegenstandweite (Änderung
der Bildebene bei Änderung der Objektebene = Maß für Tiefenschärfe). Im
Ergebnis spielte tatsächlich die Brennweite den Gegenpart zur Entfernung
bei der Beurteilung der Tiefenschärfe. Aber als ich noch den
Abbildungsmaßstab hinzuzog, war nur noch der entscheidend, die Brennweite
nicht mehr. Was meinst Du dazu?
Gruß - Waldschrat

Hallo Thomas, hallo Waldschrat und alle sonstigen Tiefscharfen,

die Formeln kenne ich, glaube ich, alle. Ich habe vor längerer Zeit mal zum Thema recherchiert und dazu die folgende Zusammenfassung geschrieben, die vielleicht doch noch einiges klärt:

Was macht die Schärfe tief?

Über die Faktoren, die die Schärfentiefe beeinflussen, werden noch immer durchaus gegensätzliche Standpunkte (und vereinzelt abenteuerliche Irrlehren) vorgetragen. So meint etwa Fritz Meisner (Kleine Dinge groß im Bild, München 1985, S.94), die Schärfentiefe sei „brennweitenunabhängig; sie wird allein vom Abbildungsmaßstab und der Blendenöffnung bestimmt."

Die daraus herzuleitende Schlussfolgerung, bei gleichem Abbildungsmaßstab sei die Schärfentiefe nur noch von der Blende abhängig, steht in vielen Büchern und Zeitschriften. Ausgangspunkt solcher Überlegungen sind Näherungsformeln, die bei relativ großen Entfernungen (bezogen auf die Brennweite), also bei kleinen Abbildungsmaßstäben, und bei vergleichsweise geringer Abblendung funktionieren.

Elmar Baumann (http://www.elmar-baumann.de/fotografie/schaerfentiefe/node19.htm) behauptet das glatte Gegenteil. Er will "mit dem Mythos" abrechnen, die Schärfentiefe hänge nur vom Abbildungsmaßstab ab. Baumann muss allerdings zugeben, dass bis zum Abbildungsmaßstab 1:1 (und das ist der Bereich, in dem wir Pilze fotografieren) die Betrachtung des Abbildungsmaßstabs zur Ermittlung der Schärfentiefe vollkommen ausreicht.

Gern verbreitet wird auch die Lehre, Digitalkameras hätten eine gegenüber Kleinbildkameras geradezu phänomenale Schärfentiefe - so als ließen sich die physikalischen Gesetze der Optik aus den Angeln heben, wenn erst einmal auf einen CCD-Chip statt auf Film belichtet wird. Wenn auch ein wahrer Kern in dieser Lehre steckt: In der darstellerischen Verkürzung, auf die man allenthalben stößt, wird die Behauptung einfach falsch.

Nun kann man sich ja durchaus fragen, wieso in einem so klassischen Kerngebiet der Physik wie der fotografischen Optik heute überhaupt noch über derartig grundlegende Fragen gestritten werden muss. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass die Schärfentiefe (so oder so) immer nur näherungsweise anzugeben ist, weil in ihre Berechnung auch so subjektive, individuell ganz unterschiedlich besetzte Parameter wie das Auflösungsvermögen der Augen einfließen.

Auch die Intention des Formelgebers wirkt sich aus. Ein Physiker, der eine Vorlesung über technische Optik zu halten hat, wird seinen Studenten sicherlich eine andere Herleitung und eine andere abschließende Formel bieten als ein Praktiker der Makrofotografie, der vor allem eine handliche Orientierung braucht, aber auf den letzten Zipfel Wahrheit gut verzichten kann.

Sogar die Ausrüstung spielt für die Interessenlage eine Rolle. Wer mit einem Makro-Zoom-Objektiv gesegnet ist und (im SLR-Sucher oder im LCD-Display) einen mehr oder weniger genauen Eindruck von der tatsächlichen Schärfentiefe schon vor der Aufnahme bekommen kann, sieht das Thema anders, vielleicht lockerer und wahrscheinlich leichter nur auf die Brennweite bezogen als ein Makroprofi, der mit Zwischenringen, Balgengeräten und anderen Auszugshilfen hantiert, dabei womöglich keinerlei Automatikunterstützung mehr bekommt und deshalb sehr auf eine berechenbare Schärfentiefe angewiesen ist (für die er nun allerdings lieber den Vergrößerungsmaßstab einsetzt als die Brennweite des verwendeten Objektivs).

Um es kurz zu machen: Alle Formeln sind fehlerbehaftet und ungenau und führen bei vergleichenden Berechnungen dennoch zu erstaunlich ähnlichen (um nicht zu sagen: zu den gleichen) Ergebnissen. Mir jedenfalls ist eine Abweichung von einem zehntel Millimeter bei Gegenstandsweiten von 100 mm ziemlich gleichgültig. Es ist also letzten Endes belanglos, welchen Berechnungsweg man wählt.

Ein paar Formeln für mehr Schärfentiefe

Ich halte mich bei den folgenden Berechnungen an die Formeln von Allen R. Greenleaf (Photographic Optics, New York 1950, S.25-27), die auch Don Flemings schöner Website DOFMaster (www.dofmaster.com) zu Grunde liegen, auf der man für alle möglichen CCD-Sensoren und Filmformate online interaktiv Schärfentiefebereiche errechnen kann!!! Nebenbei bemerkt: Mit Elmar Baumanns Formeln kommen Sie zu exakt denselben Ergebnissen.

Nochmals andere Berechnungsformeln gibt Canon auf seiner Website http://de.canon.ch/for_home/product_finder/cameras/filmcam_glossary.asp#S preis. Die dort angegebene Berechnungsvariante anhand der Hyperfokaldistanz ergibt ähnliche Werte wie der ebenfalls auf der Hyperfokaldistanz fußende Rechenweg von Greenleaf. Sushkin (http://www.dof.pcraft.com) kommt ohne Hyperfokaldistanz aus und errechnet nicht etwa die geringste und größte eben noch scharf gezeichnete Distanz, sondern die Schärfentiefe vor und hinter der Gegenstandsebene. Aber auch er kommt zu gleichen Ergebnissen.

Greenleaf benutzt für seine Berechnungen lediglich 3 Größen: die Brennweite F des Objektivs, die Blendenzahl N und den maximalen Durchmesser c des Zerstreuungskreises (des Unschärfekreises), der vom Film- bzw. CCD-Sensor-Format abhängt und der Tatsache Rechnung trägt, dass ein winziges Format schärfer sein muss als ein Großformat, um bei einer etwa gleich großen Vergrößerung den gleichen Schärfeeindruck zu hinterlassen.

Als Blendenzahl N kann man den Zahlenwert vom Objektiv benutzen (also z.B. 1.4, 2.0, 2.8, ...); zu genaueren Ergebnissen kommt man, wenn man die der Blendenskala zugrundeliegende Berechnungsformel N = 2 ^ i/2 benutzt (für i = 0,1,2,3,4,...). Auch Zwischenwerte (halbe Blenden: i = 0, 0.5, 1, 1.5, 2, 2.5, 3 ... Drittelblenden: i = 0, 0.33, 0.66, 1, 1.33, 1.66, 2, 2.33, 2.66, ... oder Mischungen daraus) können natürlich eingesetzt werden.

Aus diesen drei Werten wird zunächst nach der folgenden Formel die sog. Hyperfokaldistanz H errechnet:

(1) H = F² / Nc + F

Auf der Basis der Hyperfokaldistanz können dann der Nahpunkt Dn (Formel 2) und der Fernpunkt Df (Formel 3) der Schärfentiefe berechnet werden. Dazu wird außer den bereits bekannten Größen nur noch die Schärfedistanz d benötigt (korrekterweise die Gegenstandsweite, also die Entfernung zwischen vorderer Hauptebene des Objektivs und Motiv; kann nur bei großen Motiventfernungen ohne Verfälschungseffekte durch die Entfernung, auf die scharf eingestellt worden ist, ersetzt werden).

(2) Dn = d (H - F) / H + d - 2F

(3) Df = d (H - F) / H - d

Noch immer nicht genug? Habe durchaus noch mehr im Köcher (*g*)

Oder einfach mal hier nachlesen (ohne Formelkram):

http://www.digitalkamera.de/Tip/04/36-de.htm

Liebe Grüße
Hans-Jürgen

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Re: Zum OT: Schärfentiefe (sorry, noch mehr Techni

chn01, (vor 7314 Tagen) @ Hans-Jürgen

Hallo Thomas, hallo Waldschrat und alle sonstigen Tiefscharfen,
die Formeln kenne ich, glaube ich, alle. Ich habe vor längerer Zeit mal zum
Thema recherchiert und dazu die folgende Zusammenfassung geschrieben, die
vielleicht doch noch einiges klärt: Was macht die Schärfe tief?
Über die Faktoren, die die Schärfentiefe beeinflussen, werden noch immer
durchaus gegensätzliche Standpunkte (und vereinzelt abenteuerliche
Irrlehren) vorgetragen. So meint etwa Fritz Meisner (Kleine Dinge groß im
Bild, München 1985, S.94), die Schärfentiefe sei „brennweitenunabhängig;
sie wird allein vom Abbildungsmaßstab und der Blendenöffnung
bestimmt."
Die daraus herzuleitende Schlussfolgerung, bei gleichem Abbildungsmaßstab sei
die Schärfentiefe nur noch von der Blende abhängig, steht in vielen
Büchern und Zeitschriften. Ausgangspunkt solcher Überlegungen sind
Näherungsformeln, die bei relativ großen Entfernungen (bezogen auf die
Brennweite), also bei kleinen Abbildungsmaßstäben, und bei vergleichsweise
geringer Abblendung funktionieren.
Elmar Baumann
(http://www.elmar-baumann.de/fotografie/schaerfentiefe/node19.htm)
behauptet das glatte Gegenteil. Er will "mit dem Mythos"
abrechnen, die Schärfentiefe hänge nur vom Abbildungsmaßstab ab. Baumann
muss allerdings zugeben, dass bis zum Abbildungsmaßstab 1:1 (und das ist
der Bereich, in dem wir Pilze fotografieren) die Betrachtung des
Abbildungsmaßstabs zur Ermittlung der Schärfentiefe vollkommen ausreicht.
Gern verbreitet wird auch die Lehre, Digitalkameras hätten eine gegenüber
Kleinbildkameras geradezu phänomenale Schärfentiefe - so als ließen sich
die physikalischen Gesetze der Optik aus den Angeln heben, wenn erst
einmal auf einen CCD-Chip statt auf Film belichtet wird. Wenn auch ein
wahrer Kern in dieser Lehre steckt: In der darstellerischen Verkürzung,
auf die man allenthalben stößt, wird die Behauptung einfach falsch.
Nun kann man sich ja durchaus fragen, wieso in einem so klassischen
Kerngebiet der Physik wie der fotografischen Optik heute überhaupt noch
über derartig grundlegende Fragen gestritten werden muss. Vielleicht hängt
es damit zusammen, dass die Schärfentiefe (so oder so) immer nur
näherungsweise anzugeben ist, weil in ihre Berechnung auch so subjektive,
individuell ganz unterschiedlich besetzte Parameter wie das
Auflösungsvermögen der Augen einfließen.
Auch die Intention des Formelgebers wirkt sich aus. Ein Physiker, der eine
Vorlesung über technische Optik zu halten hat, wird seinen Studenten
sicherlich eine andere Herleitung und eine andere abschließende Formel
bieten als ein Praktiker der Makrofotografie, der vor allem eine handliche
Orientierung braucht, aber auf den letzten Zipfel Wahrheit gut verzichten
kann.
Sogar die Ausrüstung spielt für die Interessenlage eine Rolle. Wer mit einem
Makro-Zoom-Objektiv gesegnet ist und (im SLR-Sucher oder im LCD-Display)
einen mehr oder weniger genauen Eindruck von der tatsächlichen
Schärfentiefe schon vor der Aufnahme bekommen kann, sieht das Thema
anders, vielleicht lockerer und wahrscheinlich leichter nur auf die
Brennweite bezogen als ein Makroprofi, der mit Zwischenringen,
Balgengeräten und anderen Auszugshilfen hantiert, dabei womöglich
keinerlei Automatikunterstützung mehr bekommt und deshalb sehr auf eine
berechenbare Schärfentiefe angewiesen ist (für die er nun allerdings
lieber den Vergrößerungsmaßstab einsetzt als die Brennweite des
verwendeten Objektivs).
Um es kurz zu machen: Alle Formeln sind fehlerbehaftet und ungenau und führen
bei vergleichenden Berechnungen dennoch zu erstaunlich ähnlichen (um nicht
zu sagen: zu den gleichen) Ergebnissen. Mir jedenfalls ist eine Abweichung
von einem zehntel Millimeter bei Gegenstandsweiten von 100 mm ziemlich
gleichgültig. Es ist also letzten Endes belanglos, welchen Berechnungsweg
man wählt.
Ein paar Formeln für mehr Schärfentiefe
Ich halte mich bei den folgenden Berechnungen an die Formeln von Allen R.
Greenleaf (Photographic Optics, New York 1950, S.25-27), die auch Don
Flemings schöner Website DOFMaster (www.dofmaster.com) zu Grunde liegen,
auf der man für alle möglichen CCD-Sensoren und Filmformate online
interaktiv Schärfentiefebereiche errechnen kann !!! Nebenbei bemerkt: Mit
Elmar Baumanns Formeln kommen Sie zu exakt denselben Ergebnissen.
Nochmals andere Berechnungsformeln gibt Canon auf seiner Website
http://de.canon.ch/for_home/product_finder/cameras/filmcam_glossary.asp#S
preis. Die dort angegebene Berechnungsvariante anhand der
Hyperfokaldistanz ergibt ähnliche Werte wie der ebenfalls auf der
Hyperfokaldistanz fußende Rechenweg von Greenleaf. Sushkin
(http://www.dof.pcraft.com) kommt ohne Hyperfokaldistanz aus und errechnet
nicht etwa die geringste und größte eben noch scharf gezeichnete Distanz,
sondern die Schärfentiefe vor und hinter der Gegenstandsebene. Aber auch
er kommt zu gleichen Ergebnissen.
Greenleaf benutzt für seine Berechnungen lediglich 3 Größen: die Brennweite F
des Objektivs, die Blendenzahl N und den maximalen Durchmesser c des
Zerstreuungskreises (des Unschärfekreises), der vom Film- bzw.
CCD-Sensor-Format abhängt und der Tatsache Rechnung trägt, dass ein
winziges Format schärfer sein muss als ein Großformat, um bei einer etwa
gleich großen Vergrößerung den gleichen Schärfeeindruck zu hinterlassen.
Als Blendenzahl N kann man den Zahlenwert vom Objektiv benutzen (also z.B.
1.4, 2.0, 2.8, ...); zu genaueren Ergebnissen kommt man, wenn man die der
Blendenskala zugrundeliegende Berechnungsformel N = 2 ^ i/2 benutzt (für i
= 0,1,2,3,4,...). Auch Zwischenwerte (halbe Blenden: i = 0, 0.5, 1, 1.5,
2, 2.5, 3 ... Drittelblenden: i = 0, 0.33, 0.66, 1, 1.33, 1.66, 2, 2.33,
2.66, ... oder Mischungen daraus) können natürlich eingesetzt werden.
Aus diesen drei Werten wird zunächst nach der folgenden Formel die sog.
Hyperfokaldistanz H errechnet: (1) H = F² / Nc + F
Auf der Basis der Hyperfokaldistanz können dann der Nahpunkt Dn (Formel 2)
und der Fernpunkt Df (Formel 3) der Schärfentiefe berechnet werden. Dazu
wird außer den bereits bekannten Größen nur noch die Schärfedistanz d
benötigt (korrekterweise die Gegenstandsweite, also die Entfernung
zwischen vorderer Hauptebene des Objektivs und Motiv; kann nur bei großen
Motiventfernungen ohne Verfälschungseffekte durch die Entfernung, auf die
scharf eingestellt worden ist, ersetzt werden).
(2) Dn = d (H - F) / H + d - 2F
(3) Df = d (H - F) / H - d
Noch immer nicht genug? Habe durchaus noch mehr im Köcher (*g*)
Oder einfach mal hier nachlesen (ohne Formelkram):
http://www.digitalkamera.de/Tip/04/36-de.htm
Liebe Grüße
Hans-Jürgen

Hallo Hans-Jürgen,

vielen Dank für deine ausführliche Erklärung. Jetzt ist mir die Schärfentiefe in der Macro Fotographie klar geworden. Ich fotographier schon länger und die Schärgentiefe war mir ein Begriff. Nur kommt es bei Brennweiten von 70mm oder 200mm nicht auf 10mm Tiefenschärfe so an.
Letzen Monat bin ich zufällig auf eine Dienstreise zu einem Nikon Micro-Nikkor 105mm Objektiv für meine D70 gekommmen. Habe seitdem auch schon viele Fotos aus nächste Nähe geschossen (ca. 0.33 m Entfernung, Blende f16 oder f22) und nie verstanden warum die Tiefenschärfe fehlt. Dazu die Schärfentiefentabelle des Objektives nicht 100% studiert, sondern gleich losgelegt. Nach den Motto, "probieren geht über studieren". Da steht nämlich, Entfernung 0.33m, Blende f16, Abbildungsmaßstab 1/1.3 eine Schärfentiefe von 0.31-0.32m. Das sind 0.01m, also 10mm die wahrscheilich noch aufgerundet sind. Damit ist klar, dass Pilze die einen Hutdurchmesser von mehr als 10mm haben nicht mehr scharf auf den Bild erscheinen.
Ich hatte noch einen anderen Gedanken, warum ich dich um einen Tip gefragt habe. Und zwar habe ich gedacht das du mehrere Bilder in eine Reihe "schiesst", selbe Blende und Zeit benutzt nur die Entfernung änderst. Die Bilder dann in Photoshop zu einen zusammmenfügts. So in der Art, wie es bei DRI Fotographie gemacht wird.

Nochmals, vielen Dank für die Hinweise. Macro Fotographie ist wohl dein Steckenpferd, da bist du der König (*g*).

Gruß,
chn01

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Jetzt, wo ich weiß, womit Du fotografierst, ...

Hans-Jürgen, (vor 7314 Tagen) @ chn01

... kann ich Deine Probleme auch verstehen. Das 105er Micro Nikkor verhält sich auf Deiner D70, als hätte es eine Brennweite von 158 mm (weil der D70-Sensor deutlich kleiner ist als das Kleinbild-Format). Das ist ganz schön happig für Nahaufnahmen (vor allem aus der Hand)! Da musst Du ja praktisch die Blende aufmachen - und schon ist die Schärfentiefe dahin. Ohne Stativ geht da praktisch nichts mehr.

Ich besitze dieses Objektiv auch (habe mir dummerweise die neue VR-Version gekauft), benutze es aber aus den angedeuteten Gründen für Pilze kaum. Außerdem ist das Micro Nikkor 60/2.8 das vermutlich schärfste Objektiv, das Nikon je gebaut hat (jedenfalls bei Blenden um 11 - 16).

Viel Spaß weiterhin bei der Pilzefotografie
Hans-Jürgen

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Re: Zum OT: Schärfentiefe (sorry, noch mehr Techni

Waldschrat, (vor 7313 Tagen) @ Hans-Jürgen

Hallo Thomas, hallo Waldschrat und alle sonstigen Tiefscharfen,
die Formeln kenne ich, glaube ich, alle. Ich habe vor längerer Zeit mal zum
Thema recherchiert und dazu die folgende Zusammenfassung geschrieben, die
vielleicht doch noch einiges klärt: Was macht die Schärfe tief?
Über die Faktoren, die die Schärfentiefe beeinflussen, werden noch immer
durchaus gegensätzliche Standpunkte (und vereinzelt abenteuerliche
Irrlehren) vorgetragen. So meint etwa Fritz Meisner (Kleine Dinge groß im
Bild, München 1985, S.94), die Schärfentiefe sei „brennweitenunabhängig;
sie wird allein vom Abbildungsmaßstab und der Blendenöffnung
bestimmt."
Die daraus herzuleitende Schlussfolgerung, bei gleichem Abbildungsmaßstab sei
die Schärfentiefe nur noch von der Blende abhängig, steht in vielen
Büchern und Zeitschriften. Ausgangspunkt solcher Überlegungen sind
Näherungsformeln, die bei relativ großen Entfernungen (bezogen auf die
Brennweite), also bei kleinen Abbildungsmaßstäben, und bei vergleichsweise
geringer Abblendung funktionieren.
Elmar Baumann
(http://www.elmar-baumann.de/fotografie/schaerfentiefe/node19.htm)
behauptet das glatte Gegenteil. Er will "mit dem Mythos"
abrechnen, die Schärfentiefe hänge nur vom Abbildungsmaßstab ab. Baumann
muss allerdings zugeben, dass bis zum Abbildungsmaßstab 1:1 (und das ist
der Bereich, in dem wir Pilze fotografieren) die Betrachtung des
Abbildungsmaßstabs zur Ermittlung der Schärfentiefe vollkommen ausreicht.
Gern verbreitet wird auch die Lehre, Digitalkameras hätten eine gegenüber
Kleinbildkameras geradezu phänomenale Schärfentiefe - so als ließen sich
die physikalischen Gesetze der Optik aus den Angeln heben, wenn erst
einmal auf einen CCD-Chip statt auf Film belichtet wird. Wenn auch ein
wahrer Kern in dieser Lehre steckt: In der darstellerischen Verkürzung,
auf die man allenthalben stößt, wird die Behauptung einfach falsch.
Nun kann man sich ja durchaus fragen, wieso in einem so klassischen
Kerngebiet der Physik wie der fotografischen Optik heute überhaupt noch
über derartig grundlegende Fragen gestritten werden muss. Vielleicht hängt
es damit zusammen, dass die Schärfentiefe (so oder so) immer nur
näherungsweise anzugeben ist, weil in ihre Berechnung auch so subjektive,
individuell ganz unterschiedlich besetzte Parameter wie das
Auflösungsvermögen der Augen einfließen.
Auch die Intention des Formelgebers wirkt sich aus. Ein Physiker, der eine
Vorlesung über technische Optik zu halten hat, wird seinen Studenten
sicherlich eine andere Herleitung und eine andere abschließende Formel
bieten als ein Praktiker der Makrofotografie, der vor allem eine handliche
Orientierung braucht, aber auf den letzten Zipfel Wahrheit gut verzichten
kann.
Sogar die Ausrüstung spielt für die Interessenlage eine Rolle. Wer mit einem
Makro-Zoom-Objektiv gesegnet ist und (im SLR-Sucher oder im LCD-Display)
einen mehr oder weniger genauen Eindruck von der tatsächlichen
Schärfentiefe schon vor der Aufnahme bekommen kann, sieht das Thema
anders, vielleicht lockerer und wahrscheinlich leichter nur auf die
Brennweite bezogen als ein Makroprofi, der mit Zwischenringen,
Balgengeräten und anderen Auszugshilfen hantiert, dabei womöglich
keinerlei Automatikunterstützung mehr bekommt und deshalb sehr auf eine
berechenbare Schärfentiefe angewiesen ist (für die er nun allerdings
lieber den Vergrößerungsmaßstab einsetzt als die Brennweite des
verwendeten Objektivs).
Um es kurz zu machen: Alle Formeln sind fehlerbehaftet und ungenau und führen
bei vergleichenden Berechnungen dennoch zu erstaunlich ähnlichen (um nicht
zu sagen: zu den gleichen) Ergebnissen. Mir jedenfalls ist eine Abweichung
von einem zehntel Millimeter bei Gegenstandsweiten von 100 mm ziemlich
gleichgültig. Es ist also letzten Endes belanglos, welchen Berechnungsweg
man wählt.
Ein paar Formeln für mehr Schärfentiefe
Ich halte mich bei den folgenden Berechnungen an die Formeln von Allen R.
Greenleaf (Photographic Optics, New York 1950, S.25-27), die auch Don
Flemings schöner Website DOFMaster (www.dofmaster.com) zu Grunde liegen,
auf der man für alle möglichen CCD-Sensoren und Filmformate online
interaktiv Schärfentiefebereiche errechnen kann !!! Nebenbei bemerkt: Mit
Elmar Baumanns Formeln kommen Sie zu exakt denselben Ergebnissen.
Nochmals andere Berechnungsformeln gibt Canon auf seiner Website
http://de.canon.ch/for_home/product_finder/cameras/filmcam_glossary.asp#S
preis. Die dort angegebene Berechnungsvariante anhand der
Hyperfokaldistanz ergibt ähnliche Werte wie der ebenfalls auf der
Hyperfokaldistanz fußende Rechenweg von Greenleaf. Sushkin
(http://www.dof.pcraft.com) kommt ohne Hyperfokaldistanz aus und errechnet
nicht etwa die geringste und größte eben noch scharf gezeichnete Distanz,
sondern die Schärfentiefe vor und hinter der Gegenstandsebene. Aber auch
er kommt zu gleichen Ergebnissen.
Greenleaf benutzt für seine Berechnungen lediglich 3 Größen: die Brennweite F
des Objektivs, die Blendenzahl N und den maximalen Durchmesser c des
Zerstreuungskreises (des Unschärfekreises), der vom Film- bzw.
CCD-Sensor-Format abhängt und der Tatsache Rechnung trägt, dass ein
winziges Format schärfer sein muss als ein Großformat, um bei einer etwa
gleich großen Vergrößerung den gleichen Schärfeeindruck zu hinterlassen.
Als Blendenzahl N kann man den Zahlenwert vom Objektiv benutzen (also z.B.
1.4, 2.0, 2.8, ...); zu genaueren Ergebnissen kommt man, wenn man die der
Blendenskala zugrundeliegende Berechnungsformel N = 2 ^ i/2 benutzt (für i
= 0,1,2,3,4,...). Auch Zwischenwerte (halbe Blenden: i = 0, 0.5, 1, 1.5,
2, 2.5, 3 ... Drittelblenden: i = 0, 0.33, 0.66, 1, 1.33, 1.66, 2, 2.33,
2.66, ... oder Mischungen daraus) können natürlich eingesetzt werden.
Aus diesen drei Werten wird zunächst nach der folgenden Formel die sog.
Hyperfokaldistanz H errechnet: (1) H = F² / Nc + F
Auf der Basis der Hyperfokaldistanz können dann der Nahpunkt Dn (Formel 2)
und der Fernpunkt Df (Formel 3) der Schärfentiefe berechnet werden. Dazu
wird außer den bereits bekannten Größen nur noch die Schärfedistanz d
benötigt (korrekterweise die Gegenstandsweite, also die Entfernung
zwischen vorderer Hauptebene des Objektivs und Motiv; kann nur bei großen
Motiventfernungen ohne Verfälschungseffekte durch die Entfernung, auf die
scharf eingestellt worden ist, ersetzt werden).
(2) Dn = d (H - F) / H + d - 2F
(3) Df = d (H - F) / H - d
Noch immer nicht genug? Habe durchaus noch mehr im Köcher (*g*)
Oder einfach mal hier nachlesen (ohne Formelkram):
http://www.digitalkamera.de/Tip/04/36-de.htm
Liebe Grüße
Hans-Jürgen

Sorry Hans Jürgen,

möglicherweise habe ich unglücklich formuliert. Die konträre Diskussion über das Thema Tiefenschärfe ist mir nicht entgangen. Mir ging es daher nicht um eine absolute Bestimmung (bzw Berechnung) der Schärfentiefe nach selbstdefinierten Promissen, sondern um ihre grundlegende Abhängigkeit von physikalischen Parametern bei idealen Verhältnissen unter Vernachlässigung von Ungenauigkeiten, Unzulänglichkeiten und subjektiven Gesichtspunkten.
Liebe Grüße - Waldschrat

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Re: Zum OT: Schärfentiefe (sorry, noch mehr Techni

Der Juergen, (vor 7313 Tagen) @ Hans-Jürgen

Hallo Hans-Jürgen,

Auf der Basis der Hyperfokaldistanz können dann der Nahpunkt Dn (Formel 2)
und der Fernpunkt Df (Formel 3) der Schärfentiefe berechnet werden. Dazu
wird außer den bereits bekannten Größen nur noch die Schärfedistanz d
benötigt (korrekterweise die Gegenstandsweite, also die Entfernung
zwischen vorderer Hauptebene des Objektivs und Motiv; kann nur bei großen
Motiventfernungen ohne Verfälschungseffekte durch die Entfernung, auf die
scharf eingestellt worden ist, ersetzt werden).

Eigentlich ganz einfach, und trotzdem kann man sichs nicht merken *g* Ich will noch anfügen, dass die Bildwahrnehmung (Gestaltwahrnehmung) oft psychologische Ursachen hat: Wenn ein fotographiertes Objekt z.B. mittels Beleuchtung vom Hintergrund "abgehoben" wird, wirkt sich das auf die Wahrnehmung der Schärfentiefe ebenfalls aus (entgegen jeglicher pysikalischer Erklärung). Auch der Einsatz eines Blitzes erhöht die Schärfentiefe (scheinbar, spürbar!), weil damit mehr Strukturen herausmodelliert werden können. Die "hohe" Schärfentiefe, die oft bei Makro-Objekten "empfunden" wird, liegt zum Teil daran, dass eben nur die wesentlichen Elemente strukturellen Inhalts scharf abgebildet sind, und die unwichtigeren im unscharfen Bereich liegen - die Beleuchtung hilft da wesentlich dabei mit (was dabei "wichtig" und "unwichtig" ist, liegt an unserer Gestaltwahrnehmung). Natürlich ist es heute digital möglich, mehrere Schärfeebenen zusammenzurechnen, dann hat man "malerische" Objekte, die an kolorierte REM-Aufnahmen erinnern. Fotographie hat immer noch mehr mit Ästhetik und Komposition (Raum/Flächen-aufteilung) zu tun als mit Linsen-Formeln.

Grüßle
Juergen

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Re: Pilz-Glossar

Hans-Jürgen, (vor 7313 Tagen) @ Der Juergen

Fotographie hat immer noch mehr mit
Ästhetik und Komposition (Raum/Flächen-aufteilung) zu tun als mit
Linsen-Formeln.
Grüßle
Juergen

Da (wie bei allem anderen in Deinem Beitrag) folge ich Dir ohne jeden Widerspruch. Für Formeln und technische Zusammenhänge gibt es im fotografischen Zusammenhang nur einen einzigen, guten Grund: Es hilft, wenn man weiß, was man tut.

Liebe Grüße
Hans-Jürgen