Falsche Safranschirmlinge ???

Nordlicht, (vor 9508 Tagen)

Hallo liebe pilzfreunde,

habe am Wochenende viele Safranschirmlinge in der Lüneburger Heide sowie im Garten eines Nachbarn gefunden. Habe sie zubereitet und gegessen und keinerlei Probleme gehabt.
Nun habe ich gehört, daß es auch sogenannte falsche Safranschirmlinge geben soll.

Frage: Stimmt dies, wie unterscheidet man "echte" und "falsche" und sind die falschen giftig oder unbekömmlich.

Vielen Dank schon Mal,

Nordlicht

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Re: Falsche Safranschirmlinge ???

bea, (vor 9508 Tagen) @ Nordlicht

hallo nordlicht, schau mal da:

tabelle von boris

*wink*
bea

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Re: Falsche Safranschirmlinge ???

Nordlicht, (vor 9508 Tagen) @ bea

hallo nordlicht, schau mal da: tabelle von boris
*wink*
bea

Hallo bea,

erst mal vielen Dank für Deine schnelle Antwort. Die Tabelle sagt mir leider nicht allzuviel.

Wir haben den Pilz im Wald gefunden, was für einen eßbaren Schirmling nach seiner Tabelle spricht. Den Ring konnte man abziehen, es war aber, so glaube ich nur ein Ring, was wiederum für einen giftigen spricht (aber man konnte ihn, wie im Pilzführer beschrieben hin- und herbewegen bzw. abziehen). Und was heißt bei Verfärbung schnell??? 10 Sekunden, 5 Minuten oder was? Und der Unterschied zwischen radial und konzentrisch ist mir ehrlich gesagt jetzt nicht so ganz geläufig. Wie Du siehst, ist die Verwirrung immer noch groß. Wäre für weitere Hilfe dankbar, da stehen nämlich noch ´ne Menge von den Dingern rum, wäre so schade sie vergammeln zu lassen.

Gruß, Nordlicht

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Macrolepiota venenata

Birgit, (vor 9508 Tagen) @ Nordlicht

Hallo Nordlicht,

bea meinte wohl mit Boris Tabelle vermutlich die Verwechslungsmöglichkeiten der drei Arten bzw. Varietäten Macrolepiota rachodes (Safranschirmling), Macrolepiota rachodes var. hortensis (Gartenriesenschirmling) und den gifitgen Macrolepiota venenata (Giftriesenschirmling).
Macrolepiota rachodes var. hortensis und Macrolepiota venenata wachsen beide an gut gedüngten Stellen, z.B. im Wald oder auf Komposthaufen und sind recht schwer voneinander zu unterscheiden. Es empfiehlt sich daher Safranschirmlinge, die an gut gedüngten Stellen (Brennesseln oder sonstwie extrem hoher Krautbewuchs) im Wald wachsen (und deutlich größer sind als die normalen Safranschirmlinge) stehenzulassen und nicht zu essen. M. venenata hat den Nachbarn meiner Eltern mal zu einem Krankenhausaufenthalt verholfen, also scheint doch etwas Vorsicht angebracht.

Liebe Grüße

Birgit

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Re: Macrolepiota venenata

Lothar, (vor 9508 Tagen) @ Birgit

Hallo Birgit,
zu Macrolepiota venenata möchte ich kurz etwas sagen: ich bin keineswegs sicher, daß es diese "Art" überhaupt gibt. Die Unterschiede zu M. rhacodes var. hortensis sind meines Erachtens nicht sehr überzeugend, zumal letztere sehr variabel ist. Da gibt es ein paar "Vergiftungsfälle", d. h. Leute, die ein Gericht nicht gut vertragen (siehe Beitrag von Coco oben) und schon wird eine neue Art "geboren".
Falls mich jemand vom Gegenteil überzeugen kann, bin ich gern bereit, meine MEinung zu ändern. Vorläufig halte ich den "Gift-Riesenschirmling" für ein Phantom.
Gruß von Lothar

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Re: Macrolepiota venenata

Birgit, (vor 9507 Tagen) @ Lothar

Hallo Lotharm

zu Macrolepiota venenata möchte ich kurz etwas sagen: ich bin keineswegs
sicher, daß es diese "Art" überhaupt gibt. Die Unterschiede zu
M. rhacodes var. hortensis sind meines Erachtens nicht sehr überzeugend,
zumal letztere sehr variabel ist. Da gibt es ein paar
"Vergiftungsfälle", d. h. Leute, die ein Gericht nicht gut
vertragen (siehe Beitrag von Coco oben) und schon wird eine neue Art
"geboren".
Falls mich jemand vom Gegenteil überzeugen kann, bin ich gern bereit, meine
MEinung zu ändern. Vorläufig halte ich den
"Gift-Riesenschirmling" für ein Phantom.

Könnte ich mir auch vorstellen, hatte ich auch schon mal gehört. Was mich dann allerdings wundert ist, daß der Gartenschirmling als Varietät des Safranschirmlings Vergiftungen verursachen sollte, wenn der Safranschirmling dies wohl nicht tut (oder irre ich mich und Vergiftungen mit dem Safranschirmling sind nur nicht so bekannt?). Oder sollte man dann aus dem Gartenschirmling als M. bohemica eine eigenständige giftverdächtige Art machen?
Es wär ganz interessant von Leuten zu hören, die beide Arten gegessen haben, einmal mit Vergiftungserscheinungen, das andere Mal ohne.

Birgit

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Re: Macrolepiota venenata

Lothar, (vor 9507 Tagen) @ Birgit

Hallo Lotharm
Könnte ich mir auch vorstellen, hatte ich auch schon mal gehört. Was mich
dann allerdings wundert ist, daß der Gartenschirmling als Varietät des
Safranschirmlings Vergiftungen verursachen sollte, wenn der
Safranschirmling dies wohl nicht tut (oder irre ich mich und Vergiftungen
mit dem Safranschirmling sind nur nicht so bekannt?). Oder sollte man dann
aus dem Gartenschirmling als M. bohemica eine eigenständige
giftverdächtige Art machen?
Es wär ganz interessant von Leuten zu hören, die beide Arten gegessen haben,
einmal mit Vergiftungserscheinungen, das andere Mal ohne.
Birgit

Hallo Birgit,
M. bohemica als eigene Art ist durchaus nichts neues. Es gibt ja diese Kombination. Leider gibt es eben aber auch zwischen normaler rhacodes und bohemica Übergänge. Und M. rhacodes wird auch nicht von jedem vertragen (aber das gilt ja für jeden Pilz überhaupt.). Ich trenne beide Formen oder Arten jedenfalls immer und hätte nichts (wenig) gegen eine eigenständige ARt M. bohemica einzuwenden.
Gruß für heute
Lothar

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Re: Macrolepiota venenata

Oli, (vor 9507 Tagen) @ Lothar

Hallo Lothar,

ich frag als Laie nur mal so nach.

Soll das jetzt heißen, das alle Vergiftungserscheinungen von venetata eingebildet bzw. auf andere mitverzehrte Giftpilze zurückzuführen sind, oder daß "normale" Safranschirmlinge bzw. hortensis bei manchen, vermutlich als empfindlich zu bezeichnenden Personen, Vergiftungserscheinungen hervorrufen kann?

Hab ich noch ne Möglichkeit ausgelassen? Ich glaube nicht.
Wenn du also solche Phantom-Thesen aufstellst, hätte ich gerne ne Antwort.

Gruß Oli aus der Oberpfalz

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Re: Macrolepiota venenata

Birgit, (vor 9507 Tagen) @ Oli

ich frag als Laie nur mal so nach.
Soll das jetzt heißen, das alle Vergiftungserscheinungen von venetata
eingebildet bzw. auf andere mitverzehrte Giftpilze zurückzuführen sind,
oder daß "normale" Safranschirmlinge bzw. hortensis bei manchen,
vermutlich als empfindlich zu bezeichnenden Personen,
Vergiftungserscheinungen hervorrufen kann?

Hallo Oli,

ich bin zwar nicht Lothar, aber ich vermute mal, er könnte das so gemeint haben:
Es wird bezweifelt, daß der Giftriesenschirmling eine eigene Art ist. Gartenriesenschirmling (M. rachodes var. hortensis = M. bohemica (manchmal so genannt)) und Giftriesenschirmling (M. venenata) wären dann eine Art mit anscheinend recht variierendem Erscheinungsbild und mit ziemlich häufig hervorgerufenen Unverträglichkeiten und Vergiftungserscheinungen. Wie bei vielen Pilzen könnten diesen Pilz dann einige Leute ohne Probleme essen, andere reagieren mit Vergiftung darauf. Das scheint auch bei anerkannt leicht giftigen Pilzen möglich zu sein, z.B. gibts Leute, die den Karbolchampignon jahrelang ohne Vergiftungserscheinungen gegessen haben.

Der normale, zierlichere Safranschirmling (M. rachodes), der im Wald auf nicht stark gedüngten Stellen vorkommt, steht meines Wissens nach (ich laß mich da gerne belehren) nicht in irgendeinem Giftverdacht. Fazit für mich: Man sollte die Finger von rötenden Riesenschirmlingen auf gut gedüngten Stellen lassen.

Gruß

Birgit

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man reiche mir schubladen bitte

coco, (vor 9507 Tagen) @ Oli

Soll das jetzt heißen, das alle Vergiftungserscheinungen von venetata
eingebildet bzw. auf andere mitverzehrte Giftpilze zurückzuführen sind,
oder daß "normale" Safranschirmlinge bzw. hortensis bei manchen,
vermutlich als empfindlich zu bezeichnenden Personen,
Vergiftungserscheinungen hervorrufen kann?
Gruß Oli aus der Oberpfalz

lieber oli,

ich verstehe lothar so:

m. rachodes sei eine eigenständige art, aber m. rachodes var. hortensis und
m. venenata (und m. bohemica) seien identisch; dieser eine pilz möge
m. rachodes var. hortensis heissen.
dieser recht veränderliche geselle habe an unterschiedlichen orten zu verschiedenen zeiten in unterschiedlichem gewand bei verschiedenen leuten unterschiedliche unverträglichkeitsreaktionen bewirkt (oder auch nicht).
infolgedessen sei die art fälschlicherweise in mehrere aufgeteilt worden.

ich hoffe, das hab ich richtig gedeutet, lothar.

finde ich jedenfalls plausibel, wäre auch wahrlich nicht der erste derartige irrtum aufrund menschlichen schubladenwahns.
hierzu auch noch die kleine anmerkung, dass sich die natur nicht um künstliche grenzen zwischen arten und varietäten kümmert.
ich denke, dass die sehr vom untergrund beeinflussten schirmpilze ihre spezifischen eigenheiten mit den generationen verinnerlichen, also in ihr erbgut aufnehmen, und dass auf diese weise irgenwann neue arten mit neuen merkmalen entstehen, so wie bei fast allen lebewesen.

viele mykologen beweisen aber seit jahrhunderten laufend, dass sie zu vorschnellen abgrenzungen und aufteilungen neigen, so wie die mehrheit der menschheit, eben in diesem schubladenwahn.

nur so

coco

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Re: Macrolepiota venenata

Lothar, (vor 9507 Tagen) @ Oli

Hallo Lothar,
ich frag als Laie nur mal so nach.
Soll das jetzt heißen, das alle Vergiftungserscheinungen von venetata
eingebildet bzw. auf andere mitverzehrte Giftpilze zurückzuführen sind,
oder daß "normale" Safranschirmlinge bzw. hortensis bei manchen,
vermutlich als empfindlich zu bezeichnenden Personen,
Vergiftungserscheinungen hervorrufen kann?
Hab ich noch ne Möglichkeit ausgelassen? Ich glaube nicht.
Wenn du also solche Phantom-Thesen aufstellst, hätte ich gerne ne Antwort.
Gruß Oli aus der Oberpfalz

Hallo Oli,
genau das letzte ist meine Meinung. Ob sie stimmt, wird sich sicher irgendwann einmal herausstellen.
Lothar

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Re: Giftigkeit von Macrolepiota venenata

Andreas ⌂, (vor 9506 Tagen) @ Birgit

Marcel Bon, der Autor der Art Macrolepiota venenata, schreibt in seiner monographischen Bearbeitung der Gattung folgendes (Übersetzung durch F. & W. Thrun):
Gleich zu Anfang sei der Riesenschirmlingsfreund bei der Besprechung der giftigen Arten versichert, daß von der als gitfig angegebenen venenata nur eine geringe Gefahr ausgeht (die Namenswahl des Epithetons zu lat. venenatus = giftig ist nach persönlicher Überzeugung des Autors wahrlich überzogen!). Zugestanden, es gab sicher aufsehenerregende "Vergiftungsfälle", deren Ursache jedoch mit simplen Verdauungsbeschwerden zu erklären waren, jedoch eine dramatische Entwickling nahmen und in Ohnmachtsanfällen gipfelten ...., eben auch als Folge einer Verstärkung der Symptome, wohlwissend, daß man soeben Pilze verspeist hatte.
Macrolepiota venenata und vielleicht auch M. rhacodes var. bohemica zeihcnen sich durch das Merkmal eines schweren oder dichten Fleisches aus, was bereits ein kompaktes "ellulosegewebe" verrät und demzufolge auch eine schlechte Verdaulichkeit erahnen läßt.
[...]
Die durch Mykobezoare hervorgerufenen Symptome verlaufen nicht immer spektakulär und so kommt es duchaus vor, daß einige Pilzliebhaber ihre Mahlzeiten beschwerdefrei überstehen, sei es, weil ihre Mägen selbst "Steine verdauen" können, wie es meine Großmutter zu sagen pflegte, oder sei es, wie wir es ausdrücken würden, weil sie über eine exzellente enzymatische Ausstattung verfügen. [...]
Als Schlußfolgerung können wir festhalten, daß die Riesenschirmlinge eßbar sind, unter der Voraussetzung, daß sie ausreichend gekocht werden. Bei leichten Verdauungsbeschwerden hilft manchmal eher ein Gläschen Schnaps als der vorschnelle Ruf nach dem Notarzt! (Dies entspricht der persönlichen Erfahrung nach Verzehr des Wurzelnden Egerlings (= Agaricus romagnesii).
Aber Vorsicht: Dies gilt nicht für den Vergiftungsfall mit amanitinhaltigen Pilzarten.

Dem gibt's eigentlich nicht viel hinzuzufügen,

Gruß,
Andreas!

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Re: Falsche Safranschirmlinge ???

coco, (vor 9508 Tagen) @ Nordlicht

guten tag, nordlicht.

ich kann mir vorstellen, dass du den garten-riesenschirmling
(macrolepiota rhachodes var. hortensis) meinst, der als unterart des safranschirmlings (m. rachodes) geführt wird.

Dieser kommt gerne auf komposthaufen bzw. in gedüngten gärten vor; in freier natur habe ich ihn noch nie gefunden.
er macht sich beim fund durch eine besonders kräftige, korpulente gestalt verdächtig, hat eine auffällig mächtige knolle und das fleisch färbt sich langsamer und deutlich dunkler als beim safranschirmling.

sehr giftig ist er keinesfalls. während ein onkel von mir in schleswig-holstein den burschen alljährlich im garten hat und ihn begeistert verzehrt, vertrage ich ihn überhaupt nicht. allerdings hatt ich sogar mit dem safranschirmling schon probleme, und schmecken tun mir beide nicht.

für einen schönen, z.b. in feingemahlenen mandeln panierten riesenschirmling (m. procera) mit zitrone lasse ich aber jedes tote tier im topf.

gruss

coco