Täubling zum Zähneausbeißen (9 Fotos) *PIC*

interhias ⌂, (vor 7309 Tagen)

Servus!

Vor ein paar Tagen habe ich auf einer Waldwiese eine große Kollektion sehr blasser Täublinge gefunden, die ich bis jetzt noch nicht bestimmen kann. [image]Vielleicht hat ja jemand von euch eine Idee dazu:

So schaut das Schwammerl aus:
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Kurzer Steckbrief (genaue Beschreibung am Ende des Beitrags):
kräftig, mit festem Fleisch; scharf, aber nicht allzu sehr; Sporenpulver: IIIa; Pileozystiden ja, Primordialhyphen nein;
Standort: am Waldrand auf einer taunassen Wiese bei Fichte, Buche, Kiefer, Eberesche;

Beim Schlüsseln gerate ich mit Romagnesi und Sarnari geradewegs in die Sardoninae hinein und wenn die nächste Birke nicht so arg weit weg stünde, käme vielleicht R. exalbicans in Frage.
Nur wenige Meter weiter stand übrigens eine ebenso prächtige und zahlreiche Kollektion des Blutroten Täublings (R. sanguinea).

Hier noch ein paar Mikrofotos und die Beschreibung:
Pileozystiden in SV:
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HDS in Kongo:
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Sporen in Melzer:
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Infos:
Hut: 6-8 cm breit, in der Mitte etwas vertieft und unregelmäßig runzelig-höckerig, schwach glänzend bis matt, schwach klebrig (angefeuchtet), sonst trocken, Rand jung glatt, alt bisweillen kurz rillig gerieft, Hutfarben generell sehr blass, ockergrau, zum Rand hin zunehmend mit blass grüngelblicher Tönung; Huthaut zu ca. 1/3 abziehbar; Stiel: ca. 5-9 cm lang, zylindrisch bis schwach keulig, basal schwach verjüngt, voll bis wattig ausgestopft, Oberfläche längsrillig, weißlich, graubräunlich bis grüngelblich verfärbend; Lamellen: gerade angewachsen, gedrängt, in Stielnähe oft gegabelt, cremeweiß, in der Aufsicht mit buttergelbem Reflex, Schneiden glatt; Fleisch: weiß, fest, im Schnitt kaum verfärbend, beim Eintrocknen grauend, in der Stielrinde leicht cremefarben; Geschmack: Hutfleisch scharf, aber nicht brennend, bald nachlassend; Lamellen brennend scharf; HDS: Haare 3-4 µm breit, knorrig, kurz septiert, stark verzweigt und stark divertikuliert, spitz oder rund zulaufend; Pileozystiden zylindrisch bis schlankkeulig 0-3fach septiert (meist 1 oder 2fach), ca. 80-160 lang, ca. 6-8 µm breit (am Kopfende); Sporen: rundelliptisch, Plage amyloid, 7,7 x 6,4 (7-8 x 6-6,5), Q=1,2 (10 Sp. gemessen); Ornamentierung: isoliert warzig (völlig ohne Verbindungen), niedrig, max. 1 µm vorstehend; Sporenpulver: IIIa (hellocker); Chemie (Reaktion auf Hutfleisch): FeSO4 rosa (relativ kräftig), Guajak sofort blaugrün; Phenol langsam rosabraun; NH3 negativ;

Gruß aus München
Hias

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Re: Täubling zum Zähneausbeißen (9 Fotos)

Markus Wilhelm ⌂, (vor 7309 Tagen) @ interhias

Servus Hias,

da habe ich einen Kandidaten: die blasse Form von R. sanguinaria, gar nicht so selten und immer wieder verblüffend. Prüfe das doch mal nach.

Grüsse, Markus

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Re: Täubling zum Zähneausbeißen (9 Fotos)

Andreas ⌂, (vor 7309 Tagen) @ Markus Wilhelm

Servus Hias,
da habe ich einen Kandidaten: die blasse Form von R. sanguinaria, gar nicht
so selten und immer wieder verblüffend. Prüfe das doch mal nach.
Grüsse, Markus

Hallo,

warst ein bischen schneller ....

Noch ein Tipp für sanguinaria: Schneide ihn mal durch und schau Dir die Lamellenhaltung an. Die sind immer abwärts angewachsen, wirken manchmal regelrecht herablaufend. Das ist mir bei keiner anderen Täublingsart so aufgefallen.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Täubling zum Zähneausbeißen (9 Fotos) *PIC*

interhias ⌂, (vor 7309 Tagen) @ Andreas

Hallo Markus und Andreas,

ein ziemlich wiefer (gell Werner?) Spezl aus dem Verein hat diesen Verdacht auch schon geäußert, aber wenn man die Sporenpulverpräparate (ganz zu schweigen von den Pilzen) nebeneinander hält, mag man's gar nicht glauben (IId zu IIIa, aber deutlich).

Vielleicht wieder mal ein typisches Beispiel, wie einen Täublinge an der Nase herumführen. Du findeste 15 knallrote mit rotem Stiel, daneben 15 knallblasse mit weißem Stiel und dann: [image] es sind dieselben.

Ich werde beide Exsikkate im Winter genau unter die Lupe bzw. unters Mikro nehmen, bis ich mir ganz sicher bin [image]

Beste Grüße und vielen Dank!
Hias

Hallo,
warst ein bischen schneller ....
Noch ein Tipp für sanguinaria: Schneide ihn mal durch und schau Dir die
Lamellenhaltung an. Die sind immer abwärts angewachsen, wirken manchmal
regelrecht herablaufend. Das ist mir bei keiner anderen Täublingsart so
aufgefallen.
beste Grüße,
Andreas

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Re: Täubling zum Zähneausbeißen (9 Fotos)

Waldschrat, (vor 7309 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,
Ja, die Bestimmung mittels Schlüssel ist wie eine Fahrt auf der Autobahn. Verpaßt man die Abfahrt oder wählt die falsche, gibt es zwar keinen Zoff wie bei der Fahrt zum Urlaubsort, aber man wird zurückgeworfen wie beim `Mensch ärgere dich nicht`. Und Buchseiten hin und zurück blättern ist auch blöd. Ich habe mir deshalb über viele Jahren eine Matrix aufgebaut, die es gestattet, Merkmale nach Ermessen (eindeutige zuerst) zu bedienen (oder auch nicht) und eine Rasterfahndung übernimmt das Aussortieren. Deine Angaben dünken mir ausreichend, um aus Russula potentielle Kandidaten für Deinen Fall Kandidaten auszuspähen. Aber heute nicht mehr. Nach zwei Viertelen Roten reagiert ein grauer Kopf weniger euphorisch als ein jugendlicher Heißsporn, zumal das dritte schon parat steht. Also, morgen füttere meinen PC mal mit Deinen Daten und, falls kein Unsinn herauskommt, landet das Ergebnis im Forum.
Gruß - Waldschrat

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Re: Täubling zum Zähneausbeißen (9 Fotos)

Waldschrat, (vor 7308 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,
habe unter den Täublingen mal rastergefahndet. Beim Vergleich aller Deiner Angaben sind sämtliche durchgefallen. Am besten hielt sich noch R. sanguinea, aber auch die hat lt. Lit keinen rilligen Stiel ebenso wie depallens. R. aeruginea hat den zwar, aber dafür eher gelbes Sporenpulver. Und so ähnlich ging es weiter. Will man unbedingt ans Ziel, kommt man am zugedrückten Auge meist nicht vorbei. Schade, daß es für Eigenschaften keine Schärfungsoption analog der Bildbearbeitung gibt.
Gruß - Waldschrat

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Re: Täubling zum Zähneausbeißen (9 Fotos)

interhias ⌂, (vor 7308 Tagen) @ Waldschrat

Hallo Hias,
habe unter den Täublingen mal rastergefahndet. Beim Vergleich aller Deiner
Angaben sind sämtliche durchgefallen. Am besten hielt sich noch R.
sanguinea, aber auch die hat lt. Lit keinen rilligen Stiel ebenso wie
depallens. R. aeruginea hat den zwar, aber dafür eher gelbes Sporenpulver.
Und so ähnlich ging es weiter. Will man unbedingt ans Ziel, kommt man am
zugedrückten Auge meist nicht vorbei. Schade, daß es für Eigenschaften
keine Schärfungsoption analog der Bildbearbeitung gibt.
Gruß - Waldschrat

Servus Waldschrat,

vielen Dank für deine Mühe! Ich würde das Merkmal des "rilligen" Stiels nicht zu hoch bewerten. Ich habe noch ein bisschen nachgelesen und bin mir inzwischen ziemlich sicher, dass mich da eine blasse Form von R. sanguinea, von deren Existenz ich auch nichts wusste, aufs Glatteis geführt hat. Aber wie gesagt, im Winter werde ich mir die Exsikkate nochmal vornehme, den das will ich schon ganz genau wissen.

Beste Grüße
Hias