Pilzbestimmung

Heinz Ebert ⌂, (vor 7250 Tagen)

Hallo Waldschrat (und alle anderen),

Dieser Beitrag sollte eigentlich eine Antwort auf den Beitrag mit der Frage nach dem Samtfußrübling sein, der sicher einer war. Doch die "Farbenfrage" erschien mir so wichtig, dass ich einen neuen Threat begonnen habe (mit der zunächst für "Waldschrat" verfassten Antwort).

Dein verstorbener Freund, der vielleicht auch ein "Lehrmeister" für Dich war, hatte völlig recht: Farben haben bei Pilzen keine sehr hohe taxonomische Bedeutung. Ich lächle daher auch immer ein wenig, wenn bei Pilzbeschreibungen die Farben-Codes aus Farbatlassen wie Kornerup & Wanscher oder anderen angegeben werden. Man nehme als Beispiel nur mal den allgemein bekannten Fliegenpilz, dessen ROTe Hutfarbe von einem hellen-wenig-intensiven-Orange bis zu einem dunklen-stark-intensiven-ROT variieren kann. Gleiche Beobachtungen habe ich auch bei Schlauchpilzen gemacht.
Viel wichtiger sind die anatomischen und mikroskopischen Merkmale, mit Sicherheit auch die genetischen, aber letztere können Feldmykologen nicht feststellen. Selbst mikroskopische Merkmale kann nicht jeder untersuchen (dann müssten ja alle ein Mikroskop besitzen).
Es bleibt also nichts anderes übrig, als die Kenntnis der makroskopischen Merkmale (Konsistenz, Vorhandensein oder Fehlen von Merkmalen usw.), der sensorischen Merkmale (Geruch und Geschmack) und der Ökologie (geologischer Untergrund, Lebensraum, Begleitbäume) wieder mehr ins Bewusstsein zu rufen.
Wer sich DAMIT nicht auskennt, der braucht sich auch kein Mikroskop zu kaufen, denn niemand hat die Zeit, JEDEN Pilz zu mikroskopieren.
Beschäftigt Euch also mehr mit diesen Dingen! Und lernt zuerst die Gattungen kennen, bevor Ihr die Arten bestimmen wollt. Im Winter (der ja vielleicht noch kommt) ist doch viel Zeit dazu.
Beste Grüße, Heinz Ebert

Hallo Iris,
Es sind Samtfußrüblinge! Ich hatte einen Freund, dessen Herz und Sinn mir
innig verbunden war, leider viel zu früh verstarb und mir sehr fehlt. Er,
farbenblind, beschämte mich oft mit seiner Pilzkenntnis und meinte
lächelnd: "Farben sind nur marginale Merkmale bei der
Pilzbestimmung." Deshalb miß zumindest deren Nuancen nicht eminente
Bedeutung bei.
Gruß - Waldschrat

Eintrag gesperrt
17 Aufrufe

Farbspektrum Fliegenpilz und Randnotiz

AK_CCM, (vor 7250 Tagen) @ Heinz Ebert

Hallo Heinz Ebert,

Man nehme als Beispiel nur mal den
allgemein bekannten Fliegenpilz, dessen ROTe Hutfarbe von einem
hellen-wenig-intensiven-Orange bis zu einem dunklen-stark-intensiven-ROT
variieren kann.

das Farbspektrum des Fliegenpilzes kann ich aus eigener Anschauung erweitern: Letztes Jahr haben ein Vereinskollege und ich in einem Fichtenforst einen Fruchtkörper von Amanita muscaria mit einheitlich zitronengelber (!) Huthaut gefunden.

Noch eine Randnotiz: Wir entnahmen den Fruchtkörper, wickelten ihn in Alufolie und setzten unsere Tour fort. Nach etwa 2-3 Stunden machten wir uns auf den Rückweg und trafen während der Autofahrt zufällig unseren 1. Vorsitzenden, der ebenfalls auf Schwammerltour war. Wir hielten am Straßenrand an, begutachteten unsere Funde und berichteten natürlich gleich von unserem zitronengelben Fliegenpilz. Doch wir staunten nicht schlecht, als wir ihn aus der Alufolie wickelten und die Huthaut inzwischen eine hellorange Färbung angenommen hatte.

Gruß, Andreas

Eintrag gesperrt
15 Aufrufe

Re: Pilzbestimmung

Karl-Heinz ⌂, (vor 7250 Tagen) @ Heinz Ebert

Hallo Heinz Ebert und alle anderen,

dabei wurde aber nicht berücksichtigt, dass die Sporenpulverfarbe doch ein konstantes Merkmal ist und hierfür sicherlich ein Farbencode zur Kommunikation funktionieren könnte.

Viele Grüße
Karl-Heinz

Hallo Waldschrat (und alle anderen),
Dieser Beitrag sollte eigentlich eine Antwort auf den Beitrag mit der Frage
nach dem Samtfußrübling sein, der sicher einer war. Doch die
"Farbenfrage" erschien mir so wichtig, dass ich einen neuen
Threat begonnen habe (mit der zunächst für "Waldschrat"
verfassten Antwort).
Dein verstorbener Freund, der vielleicht auch ein "Lehrmeister" für
Dich war, hatte völlig recht: Farben haben bei Pilzen keine sehr hohe
taxonomische Bedeutung. Ich lächle daher auch immer ein wenig, wenn bei
Pilzbeschreibungen die Farben-Codes aus Farbatlassen wie Kornerup &
Wanscher oder anderen angegeben werden. Man nehme als Beispiel nur mal den
allgemein bekannten Fliegenpilz, dessen ROTe Hutfarbe von einem
hellen-wenig-intensiven-Orange bis zu einem dunklen-stark-intensiven-ROT
variieren kann. Gleiche Beobachtungen habe ich auch bei Schlauchpilzen
gemacht.
Viel wichtiger sind die anatomischen und mikroskopischen Merkmale, mit
Sicherheit auch die genetischen, aber letztere können Feldmykologen nicht
feststellen. Selbst mikroskopische Merkmale kann nicht jeder untersuchen
(dann müssten ja alle ein Mikroskop besitzen).
Es bleibt also nichts anderes übrig, als die Kenntnis der makroskopischen
Merkmale (Konsistenz, Vorhandensein oder Fehlen von Merkmalen usw.), der
sensorischen Merkmale (Geruch und Geschmack) und der Ökologie
(geologischer Untergrund, Lebensraum, Begleitbäume) wieder mehr ins
Bewusstsein zu rufen.
Wer sich DAMIT nicht auskennt, der braucht sich auch kein Mikroskop zu
kaufen, denn niemand hat die Zeit, JEDEN Pilz zu mikroskopieren.
Beschäftigt Euch also mehr mit diesen Dingen! Und lernt zuerst die Gattungen
kennen, bevor Ihr die Arten bestimmen wollt. Im Winter (der ja vielleicht
noch kommt) ist doch viel Zeit dazu.
Beste Grüße, Heinz Ebert

Eintrag gesperrt
17 Aufrufe

Re: Pilzbestimmung

Krötenhocker, (vor 7250 Tagen) @ Heinz Ebert

Es bleibt also nichts anderes übrig, als die Kenntnis der makroskopischen
Merkmale (Konsistenz, Vorhandensein oder Fehlen von Merkmalen usw.), der
sensorischen Merkmale (Geruch und Geschmack) und der Ökologie
(geologischer Untergrund, Lebensraum, Begleitbäume) wieder mehr ins
Bewusstsein zu rufen.
Wer sich DAMIT nicht auskennt, der braucht sich auch kein Mikroskop zu
kaufen, denn niemand hat die Zeit, JEDEN Pilz zu mikroskopieren.
Beschäftigt Euch also mehr mit diesen Dingen! Und lernt zuerst die Gattungen
kennen, bevor Ihr die Arten bestimmen wollt. Im Winter (der ja vielleicht
noch kommt) ist doch viel Zeit dazu.
Beste Grüße, Heinz Ebert

Hallo Heinz,
ich fasse mich kurz:

Du sprichst mir aus der Seele, wie man so schön sagt!

Auch beste Grüße Dich und an alle anderen,

Jens

Eintrag gesperrt
16 Aufrufe

Gelber Fliegenpilz (1 Bild) *PIC*

Georg, (vor 7249 Tagen) @ AK_CCM

Hi Andreas,
ja, gelbe Fliegenpilze kommen ab und zu vor. Ich habe dieses Jahr im September
einen fotografiert. Ein einzelnes, leider nicht mehr ganz unversehrtes Exemplar
in einem Tannen-Fichten-Forst bei Simmersfeld im Nordschwarzwald:

[img]/archiv/galerie/d/7920-2/_39[/img]

Georg

Eintrag gesperrt
20 Aufrufe

Re: Gelber Fliegenpilz (1 Bild)

AK_CCM, (vor 7249 Tagen) @ Georg

Hi Georg,

ja, gelbe Fliegenpilze kommen ab und zu vor. Ich habe dieses Jahr im
September
einen fotografiert. Ein einzelnes, leider nicht mehr ganz unversehrtes
Exemplar
in einem Tannen-Fichten-Forst bei Simmersfeld im Nordschwarzwald:

sehr interessant, dass es auch Fliegenpilze gibt, deren Huthaut selbst im Alter noch zitronengelb gefärbt ist. Unser Fund war deutlich jünger, sozusagen ein frisch geschlüpftes Exemplar. Wäre interessant gewesen, ob sich der ausgewachsene Fruchtkörper nach der Entnahme auch ins Orange verfärbt hätte.

Gruß, Andreas

Eintrag gesperrt
16 Aufrufe

Re: Pilzbestimmung

Waldschrat, (vor 7249 Tagen) @ Karl-Heinz

Hallo Karl-Heinz,
Natürlich hast Du Recht. Die Sporenpulverfarbe ist bei den meisten Arten ein ziemlich konstantes und wichtiges Merkmal. Ich will den Farben betreffs Pilzbestimmung keinesfalls Bedeutungslosigkeit zuweisen. Mein Sinn ging eher in Richtung Hutfarbe und auch dort nur um Nuancen.
Gruß - Waldschrat

Eintrag gesperrt
15 Aufrufe

Teils Zustimmung....

Markus Wilhelm ⌂, (vor 7249 Tagen) @ Heinz Ebert

Hallo Heinz und alle anderen,

so ganz Unrecht hast Du sicher nicht! Aber die Farben sind schon sehr wichtig, auch wenn sie nicht konstant sind! Beispiel der Rotstielige Ledertäubling: der ist ja oft in rot oder grün zu finden. Aber beide Farben, obwohl völlig verschieden, haben den gleichen Charakter! Farbcodes werden in einer glaubwürdigen wissenschaftlichen Beschreibung einfach erwartet, so wie ein Herbarbeleg! Interssant ist doch auch oft, dass wir eine Farbe zu sehen glauben, die im Farbcode gar nicht existiert!
In einem hast Du aber völlig recht. Die Hauptschwierigkeit für Anfänger ist: Den Pilz mit allen seinen kleinsten Merkmalen, auch seiner Umgebung wahr zu nehmen. Das braucht viel Übung und noch mehr Erfahrung. Denn es ist doch so: Alle Merkmale, auch die Mikroskopoischen, sind veränderlich. Aber trotzdem kann man in der Summe der eben doch typischen Merkmale die Art oftmals doch erkennen! Es ist doch auch so: eine Art auf dem Tisch erkennt man oft nicht gleich gut, wie wenn sie im Wald stehen würde!

Nun, so hoffen wir, dass im nächsten Jahr viele Pilze im Wald stehen!

allen viele Grüsse, Markus