Kiferntäublinge - Dritter und letzter Teil *PIC*

Ingo, (vor 7217 Tagen)

Hallo liebe Freunde der Sprödblättler,

heute möchte ich einen Schlussstrich unter meine kleine Täublingsserie und damit auch unter die
vergangene Pilzsaison ziehen. Passend dazu haben wir nun auch Winterwetter - in unserer Region wohl
eher nur vorübergehend.

Nun zu den Täublingen. Wie schon bei meinen vorigen Funden gehabt: nur ein paar Fotos, kein Sporenabwurf
und auch keine Mikromerkmale, dafür aber ergänzende Angaben zu den Merkmalen, die man nicht
per Auge herausfinden kann und auch, wie gehabt, Reaktionen mit dem Chemiebaukasten.

Hier der Erste (leider nur ein Bild):

[image]

Eine ziemlich große Art mit langem Stiel und einem Hutdurchmesser so bei gut 10 cm.
Hutfarbe original wie im Bild zu erkennen. Die Stiele rot überhaucht, was man im Bild leider nicht
so gut erkennen kann.

Geruch nahezu Null. Die zerbröselten Fruchtkörper allerdings verströmten einen deutlich angenehmen,
pilzigen Geruch. Der Geschmack war, roh probiert, durchweg angenehm und in keiner Weise irgendwie
scharf oder bitter sondern eher aromatisch.

Chem. Reaktionen:
Phenol, Ammoniak und Anilin ohne;
Guajak ganz langsam und schwach grünlich
FeSO4 langsam schwach rosa verfärbend

Die Art ist in unseren Kiefernwäldern mittelprächtig häufig, wird von mir seit Jahren als
Apfeltäubling (Russula paludosa) gesammelt und ist in jedem Mischgericht willkommen.

Die zweite Art bereitet mir da schon eher Kopfzerbrechen. Von den Makromerkmalen her kommen
wohl nur zwei Arten in Frage, die ich hier aber nicht nennen möchte. Von der Ökologie her kommt eher
keine der beiden Arten hin, wobei eine der beiden Arten in den sandigen Kiefernwäldern Brandenburgs
schon gefunden worden ist, die andere jedoch nach Auskunft der PABB noch nie.
Dafür passen die beobachteten Farbreaktionen nach meiner Ansicht besser zu dieser zweiten Art. ;-(

Hier einige Bilder:

[image]

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Größe: wie man erkennt, waren die FK nicht ausgewachsen. Etwa 8 – 10 cm hoch bei einem
Hutdurchmesser von max. 8 cm. Die Stiele der größeren Exemplare waren zum Teil enghohl.
Leider ist diese Art hier recht selten. Zumal es sich dabei um den wohlschmeckendsten, mir
bekannten Täubling handelt. Ich traf ihn allerdings in den vergangenen Jahren immer wieder an.
Meist fand ich die Pilze an den Wegrändern, nicht nur an geschotterten.

Der Geruch des frischen (geriebenen) Pilzes ist für einen Täubling ungewöhnlich stark aromatisch, nussig.
Der Geschmack (roh) ist sehr delikat, nussig – pilzig. Bekannte von mir hätten sich die Dinger am
liebsten roh als Pilzsalat einverleibt.

Hier noch die Reaktionen mit der Chemie:
Phenol: Null
Ammoniak: relativ bald dunkelbräunlich verfärbend
Anilin: ganz schwach rosa
Guajak: langsam dunkelgrün
FeSO4: sofortige Farbreaktion Richtung rosa bzw. rot

Ich hoffe, Jemand kann etwas dazu sagen. Fundort war, wie schon bei den anderen Kollektionen,
Kiefernwald auf Sand bei nicht vorhandener Montanität - ein netter Begriff, wie ich finde.

Einen schönen Abend und viele Grüße

Ingo

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Re: Kiferntäublinge - Dritter und letzter Teil

Schnuffel, (vor 7217 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

den 2. Pilz würde ich mir als Wieseltäubling (R. mustelina) sofort einverleiben, auch wenn es mit den Farbreaktionen und der "Montanität" nicht so ganz stimmt.

Den Braunen Ledertäubling (R. integra) würde ich ausschließen.

Gruß
Schnuffel

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Re: Kiferntäublinge - Dritter und letzter Teil

Hermann, (vor 7217 Tagen) @ Schnuffel

den 2. Pilz würde ich mir als Wieseltäubling (R. mustelina) sofort
einverleiben, auch wenn es mit den Farbreaktionen und der
"Montanität" nicht so ganz stimmt.

Der leckeren Beschreibung nach würde ich auch in die Richtung gehen. In der Pfanne riechen die irgendwie.. nach Fruchtcocktail, so Ecke Erdbeeren. Kommt das hin?

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Sporenfarbe?

Markus Wilhelm ⌂, (vor 7217 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

das allerwichtigste zur Bestimmung wäre die Farbe des Sporenpulvers! Viel wichtiger als die Chemischen Reaktionen, die nicht viel aussagen! So vom Aussehen her würde ich auf den Ledertäubling (R. integra) tippen. Diese sehr veränderliche Art wächst auch im Kiefernwald, während R. mustelina (Wieseltäubling)doch mehr eine montane Art unter anderen Koniferen ist. Der Wieseltäubling hat ein typisches Merkmal: die Huthaut ist auffallend dick und kann konzentrisch um den Hutrand abgezogen werden.

Mit vielen Grüssen, Markus

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Re: Sporenfarbe?

DirkW, (vor 7217 Tagen) @ Markus Wilhelm

hallo zusammen, ich kann mich markus nur anschließen. außerdem wäre ein wieseltäubling mit derart violetten hutfarben ziemlich abwegig.
viele grüße
dirk

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Re: Kiferntäublinge - Dritter und letzter Teil

Thüringer-Holz, (vor 7217 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

Ich denke Apfeltäubling kommt hin, deine Beschreibung und meine Erfahrung mit paludosa stimmen weitgehend überein.
R.paludosa kann auch mal tückisch sein, hatte schon Exemplare die hintenraus unangenehm (muffig) schmeckten.

Den Wieseltäubling möchte ich ausschließen, der ist richtig schwer, sehr kompakt und erinnert vom Hut her an einen Steinpilz.

Nach deiner Beschreibung tippe ich auch auf einen Vertreter aus der Integra-Gruppe.
Mich stört ein wenig die braunverfärbung an den Druckstellen und der Hutrand (erinnert an einen Weichtäubling). Ersteres spricht für einen Heringstäubling.(Fischgeruch nach längerer Zeit?)
Nach dem dritten betrachten könnte auch gut Russula brunneoviolacea hinkommen, den hab ich auch schon im Nadelwald gefunden.

Beste Grüße Felix

PS: MHK Band 5 schon da?

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Re: Kiferntäublinge - Dritter und letzter Teil

Huperzia ⌂, (vor 7217 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

den ersten würde ich auch als Apfel-Täubling ansprechen, der übrigens nicht immer ganz mild ist. Eigentlich sogar eher seltener, meist ist er doch ein klein wenig pickend auf der Zungenspitze, bis hin zu deutlich mäßig scharf.

Den zweiten halte ich für Russula cessans.
Es ist sicher kein Wiesel-Täubling und ich glaube auch nicht an einen braunen Ledertäubling. Schon alleine die Hutform, die Rippung, das Violett in der Tönung und letztlich der Gesamteindruck eines dünnen, zerbrechlichen oder zumindest "lätschigen" Pilzes - alles keine 100% Ausschlussargumente, aber in der Gesamtheit doch (für mich) deutlich gegen integra sprechend.

Wie auch Thüringer-Holz schon in die Wahl zog, denke ich dass es sich um einen Weichtäubling aus der nauseosa-Verwandtschaft handelt, aber nicht um nauseosa selbst. Russula laricina käme mir auch noch in die engere Wahl, aber der wächst eigentlich in montanen Fichtenwäldern (beileibe nicht nur unter Lärchen, wie man meinen könnte). Russula cessans dagegen ist ein Kiefernbegleiter, kommt recht spät im Jahr, ist dann aber nicht selten, gebietsweise gar nahezu als Massenpilz zu bezeichnen. Ist der robusteste von all diesen kleinen bis mittelgroßen Weichtäublingen und die Hutfarbe würde auch exakt typisch zutreffen.

Dennoch ist das natürlich keine Bestimmung, aber eine begründete Vermutung.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Kieferntäublinge - kleine Ergänzung

Ingo, (vor 7217 Tagen) @ Ingo

Hallo Forum,

vielen Dank für die Meinungen -'bin jetzt viel schlauer als zuvor. ;-)
Wie die meisten ganz sicher erkannt hatten, konnte ich mich nicht so recht
zwischen dem Wieseltäubling und einem Vertreter der Integra-Gruppe entscheiden.

Ich hätte daher noch einige ergänzende Angaben zu machen.

Sporenpulver: ??? keine Chance !
Nein, das wollte ich eine Woche nach dem Fund noch machen. Da sind aber keine
mehr nachgekommen. Nun muss ich mich noch ein paar Monate gedulden.

Fruktuationszeit: gefunden ca. um den 10.09.2006 , bei knapp 30 °C
Diese Art erscheint meist ab Mitte August bis max. Mitte Oktober, je nach Wetter

Konsistenz: Bei diesem Pilz handelt es sich um eine recht hartfleischige, robuste Art, die auch deutlich mehr Gewicht mitbrachte als andere Täublinge vergleichbarer Größe. Geruch und Geschmack waren wie beschrieben.
Die Huthaut ließ sich tatsächlich am Rande gut abziehen - auch kreisförmig.
Allerdings nur bei den größeren Exemplaren, wo die Riefung erkennbar war.

Die weinroten bis roten Farbtöne auf der Hutoberfläche waren in Natura
NICHT vorhanden.
Hierbei handelt es sich um eine Farbverfälschung der entlassenen Digicam.

Bei dem einen, kleineren Exemplar in der rechten, oberen Ecke
kann man gut erkennen, dass es sich um einen hellen Braunton handelt.
Die rötlich wirkenden Exemplare hatten Hutfarben, die eher ins schokoladen-
bis dunkelbraune spielten.

Schade auch, dass die Cemikalien keine zuverlässigen Bestimmungsmerkmale
bieten. Da frage ich mich, wozu überhaupt Farbreaktionen in der Literatur
angegeben werden.
Die schnelle Rötung mit FeSO4 spräche ja eher für den Wieseltäubling.
Allerdings finde ich zu R. integra nirgens Hinweise auf dessen Reaktion
mit Eisensulfat. Dafür sollte R. integra allerdings mit Anilin irgendwas
zustande bringen. Vielleicht kommt dann doch noch was anderes in Betracht.

@ Schnuffel
Was waren eigentlich deine Gründe, Russula integra auszuschließen?
Ich suchte auch schon eine Weile danach, konnte aber noch keine
stichhaltigen Gegenbeweise finden.

@Hermann
Einen besonderen Geruch beim Garen konnte ich nicht ausmachen, da die gezeigten
Exemplare meinen vollständigen Jahresfund dieser Art darstellten, und ich
diesen zum Versuch der Bestimmmung komplett kaputtgetestet hatte.

Wie sich nun herausstellt, hätte ich sie besser in die Pfanne hauen sollen.
Aber vielleicht kann ja wer etwas mit den Ergänzungen anfangen.

Viele Grüße Ingo

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Re: MHK Band 5

Ingo, (vor 7217 Tagen) @ Thüringer-Holz

Hi Felix,

den Band habe ich schon eine Woche liegen. Du hattest recht, das ist
für Täublinge und Milchlinge mit das Beste, was mir bislang über den
Weg gelaufen ist.
Anscheinend sollte man aber die Reaktionen mit den Chemikalien ignorieren.
Da steht zu den jeweiligen Arten fast in jedem Buch etwas anderes.

Grüssli Ingo

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Chemische Reaktionen

Thüringer-Holz, (vor 7216 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

es wurde schon viel über die chemischen Reaktionen diskutiert.
Sicherlich, bei vielen T., sind die Reaktionen nicht aussagekräftig/ähnlich oder negativ, jedoch geben sie bei regelmäßiger Anwendung bei den gesammelten Kollektionen einen Reaktionsüberblick (auch innerhalb der Sektionen) und über einen längeren Zeitraum helfen sie schon bei der Bestimmung, da man ja dann Vergleiche aus den Vorjahren hat.

Beste Grüße

Felix

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Präzis formuliert und hilfreich! *oT*

Waldschrat, (vor 7216 Tagen) @ Thüringer-Holz

- kein Text -

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Und was spricht denn nun gegen R. cessans?

Andreas ⌂, (vor 7216 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

diese beiden Merkmale?:

Fruktuationszeit: gefunden ca. um den 10.09.2006 , bei knapp 30 °C
Diese Art erscheint meist ab Mitte August bis max. Mitte Oktober, je nach
Wetter
Konsistenz: Bei diesem Pilz handelt es sich um eine recht hartfleischige,
robuste Art, die auch deutlich mehr Gewicht mitbrachte als andere
Täublinge vergleichbarer Größe.

oder das:

Die rötlich wirkenden Exemplare hatten Hutfarben, die eher ins schokoladen-
bis dunkelbraune spielten.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Und was spricht denn nun gegen R. cessans?

Ingo, (vor 7216 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

vorneweg, ich kenne mich mit Täublingen nicht nicht allzugut aus.
Das ist sicher nichts Neues. Da ich aber nun den MHK habe, möchte
ich dazu mal eine kurze Textpassage angeben (Seite 100 im Textteil):

Geruch unauffällig, Hut karminrot, weinrot, matt und körnig werdend.
Rand wenig bis stark gerieft, Unter Kiefer September bis Spätherbst,
häufig im Flachland.

Leider habe ich diese wohlriechende und wohlschmeckende Art noch nie
häufig angetroffen. In diesem Fall waren es gerade mal vier Exemplare
an zwei Stellen am Wegrand. Diese Art fand ich immer nur am Wegrand,
jedoch niemals direkt im Kiefernwald. Daher könnte es sich durchaus um
eine kalkholde Art handeln.

Die Hutfarben wiesen real keinerlei deutliche Rottöne auf. Sie waren braun,
eher wie bei einigen Röhrlingsarten.
Gibt es denn nicht irgendwo in der gängigen Literatur eine bessere Beschreibung
zu dieser Art? Könnte ja durchaus sein, dass es sich um diese Art handelt, aber
die Bilder, die ich so beim googeln gesehen habe, finde ich nicht so ganz
passend. Die spielen mir doch alle arg ins Rote.
Da könnte ich mich bei meinen Funden noch eher mit Russula integra anfreunden.

An diesem Rätsel-Dilamma bin allerdings selbst schuld. Ich bin mir sicher,
daß ich die Art auch dieses Jahr finden werde, und dann gibt es dazu Sporenfarben
und auch Mikromerkmale.

Beste Grüße Ingo

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Re: Kieferntäublinge - kleine Ergänzung

Schnuffel, (vor 7216 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

neben dem beschriebenen nussartigen Geschmack (Russula integra soll nach B&K aber auch nussig schmecken) waren es vor allem die auch beim ältesten Exemplar noch weißen Lamellen und die lange schön abgerundet bleibende Form des Hutes die bei mir den Ausschlag zu Gunsten von R. mustelina vor R. integra gaben.

Oft sind es ja kaum beschreibbare Nuancen, die ganz unbewusst für die Entscheidung wichtig sind. Deine Pilze sahen einfach auf den ersten Blick genau so aus, wie ich R. mustelina aus eigener Anschauung kenne. Dies bedeutet natürlich in keiner Weise, dass ich mit meiner Meinung richtig liege. Ich glaube, wir müssen noch bis zum Herbst warten, bis die Farbe des Sporenpulvers oder die Ornamentation der Sporen eine wissenschaftlich fundierte Entscheidung zulassen.

Grüße
Schnuffel

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Re: Kieferntäublinge - kleine Ergänzung

Ingo, (vor 7215 Tagen) @ Schnuffel

Hallo Schnuffel - noch mal schönen Dank für deine Antwort.
Ich denke mal auch, dass sich eine endgültige Bestimmung erst wieder
mit neuen Funden durchführen läßt. Wollen wir mal hoffen, dass es
mit den Bedingungen in diesem Jahr besser wird.

*ggg* Ingo