Anwendungsreihenfolge/ Dauer der Reagenztests

Krötenhocker, (vor 7212 Tagen)

Hallo zusammen,
Da ich meine Reagenzien bei Walter Pätzold bestellt habe und ganz lieb nach einem Exemplar Pilzmikroskopie gefragt habe, bin ich nun schon seit ein paar Tagen stolzer Besitzer gleichnamiger Lektüre.
An dieser Stelle nochmals vielen Dank!!!
Und natürlich haben sich mir auch gleich einige Fragen aufgedrängt, die im Buch nicht oder nur ansatzweise beantwortet werden:

Wie lange muß/ soll man Melzers einwirken lassen und kann/ sollte man dann absaugen und in Wasser weiter mikroskopieren?

Warum wurde im Buch Pilzmikroskopie so oft in 5% KOH mikroskopiert?

Wie kann man ein verdunsten des Wassers verlangsamen? Muß ich da diese Clemencon-Mischung mit Glycerin bestellen oder geht es auch einfacher? Ich habe z.B. schon einfach vorsichtig Wasser neben das Deckglässchen getröpfelt, welches sich dann kapillarmäßig unter das Deckglas zieht, aber es auch anhebt. Ist so etwas Usus?

Ach ja, gibt es eine sinnvolle Reihenfolge bei den Reagenzien oder muß man für jedes Testen/Anfärben eine extra Probe nehmen?

Ich habe bis jetzt leider noch keinen amyloiden oder dextrinoiden Pilz gefunden, jedoch festgestellt, daß das Sporenbild im BON für den Samtfussrübling (Flammulina velutipes) nicht mit meinen beobachteten Sporen übereinstimmt. Meine waren langgestreckter und schmaler. Messen kann ich sie leider noch nicht, aber die Form kam gar nicht gut hin.

Ich hoffe, daß Ihr mir ein paar Fragen beantworten könnt.

Mit vielen Grüßen,

Jens

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Re: Anwendungsreihenfolge/ Dauer der Reagenztests

Heinz Ebert ⌂, (vor 7212 Tagen) @ Krötenhocker

Kurze Antworten:
F: Wie lange muß/ soll man Melzers einwirken lassen und kann/ sollte man dann absaugen und in Wasser weiter mikroskopieren?

A: Zuerst in Wasser mikroskopieren, um "lebende" Strukturen zu erfassen. Mit Melzer werden Objekte getötet, lassen aber dann gewisse chemische Reaktionen erkennen.

F: Warum wurde im Buch Pilzmikroskopie so oft in 5% KOH mikroskopiert?

A: Die Verfasser (Erb & Mattheis) waren schon ältere Herren, denen die Vitaltaxonomie wohl noch nicht so geläufig war. Sie untersuchten wohl hauptsächlich Exsikkate, die mit KOH 3-10 % aufgequollen wurden. Das war zu jener Zeit gängige Praxis, kann auch heute noch bei Exsikkaten benutzt werden, man sollte sich aber darüber klar sein, dass man dann totes Material untersucht, das sich (sicher nicht nur bei Schlauchpilzen) von lebendem deutlich unterscheiden kann. Nachgewiesenermaßen wurden Pilzarten mehrmals beschrieben, weil der eine Autor lebendes und der frühere Autor totes Material untersucht hat.

F: Wie kann man ein verdunsten des Wassers verlangsamen? Muß ich da diese Clemencon-Mischung mit Glycerin bestellen oder geht es auch einfacher? Ich : habe z.B. schon einfach vorsichtig Wasser neben das Deckglässchen getröpfelt, welches sich dann kapillarmäßig unter das Deckglas zieht, aber es auch anhebt. Ist so etwas Usus?

A: Ein gutes Mikroskop hat eine Kaltlicht-Beleuchtung, die eine schnelle Verdunstung des Wassers nicht herbeiführt, so dass meist genug Zeit bleibt. Mit der Glycerin-Mischung habe ich keine Erfahrung, weil ich am liebsten nur mit Wasser mikroskopiere. Wenn es denn mal eintrocknet, dann versuche ich's mit dem Wassertropfen von der Seite, aber am besten ist ein neues Präparat. Beim Zuführen des Tropfens "von der Seite" wirst Du meist einen "Kleinkrieg" erleben, denn die Sporen SCHIESSEN dann regelrecht durch das Sichtfeld, weil das ganze Präparat durch die sich ausbreitende Wasser-MASSE (bei der Vergrößerung ist ein Tropfen wie ein Tsunami) so stark in Bewegung gerät, dass eine Beobachtung oder Messung nicht mehr möglich ist.

F: Ach ja, gibt es eine sinnvolle Reihenfolge bei den Reagenzien oder muß man für jedes Testen/Anfärben eine extra Probe nehmen?

A: Sinnvoll ist immer zuerst die unbehandelte Probe in Wasser. Bestimmte Gattungen machen ganz spezielle zusätzliche Untersuchungen mit ganz bestimmten Chemikalien (inklusive Erhitzungen) erforderlich. Dafür gibt es aber kein Allgemeinrezept, sondern man sollte immer in speziellen Fällen die Spezialliteratur zu der entsprechenden Gattung konsultieren. Und natürlich muss dann für jede Untersuchung eine neue Probe genommen werden. Wenn ich beispielsweise einen Rötling (Entoloma) untersuche, dann mache ich direkt auf einem Objektträger drei verschiedene Präparate.

F: Ich habe bis jetzt leider noch keinen amyloiden oder dextrinoiden Pilz gefunden, jedoch festgestellt, daß das Sporenbild im BON für den Samtfussrübling (Flammulina velutipes) nicht mit meinen beobachteten Sporen übereinstimmt. Meine waren langgestreckter und schmaler. Messen kann ich sie leider noch nicht, aber die Form kam gar nicht gut hin.

A: Das kann zum Beispiel daran hängen, dass Du unreife Sporen oder sonstige Objekte gesehen hast. Die sicherste Methode zum Gewinnen reifer Sporen besteht darin, dass du einen Hut abschneidest, auf einen Objektträger legst, das ganze - kühl gelagert und abgedeckt (Kühlschrank) - einige Stunden oder über Nacht ruhen lässt, und dann den so gewonnenen Sporenabdruck auf dem Objektträger untersuchst. Dann hast Du nämlich NUR reife Sporen. Und wenn es sehr wenige sind, dann kannst Du sie mit einer Rasierklinge auf die Mitte des Objektträgers zusammenschieben und mikroskopieren.

MERKE: Es kann ein markanter Unterschied bestehen zwischen lebenden und getöteten mikroskopischen Elementen der Pilze, sowie zwischen reifen und unreifen Sporen. Der Anfänger am Mikroskop sollte sich zunächst GANZ OHNE CHEMIKALIEN ans Mikroskopieren herantasten und nur mit Wasser präparieren. Ein Mikroskopierseminar ist darüberhinaus zu empfehlen (wenn man keinen erfahrenen Ratgeber im Verein hat, der seine Erfahrungen gerne weitergibt).

Beste Grüße, Heinz Ebert

Hallo zusammen,
Da ich meine Reagenzien bei Walter Pätzold bestellt habe und ganz lieb nach
einem Exemplar Pilzmikroskopie gefragt habe, bin ich nun schon seit ein
paar Tagen stolzer Besitzer gleichnamiger Lektüre.
An dieser Stelle nochmals vielen Dank!!!
Und natürlich haben sich mir auch gleich einige Fragen aufgedrängt, die im
Buch nicht oder nur ansatzweise beantwortet werden: Wie lange muß/ soll
man Melzers einwirken lassen und kann/ sollte man dann absaugen und in
Wasser weiter mikroskopieren?
Warum wurde im Buch Pilzmikroskopie so oft in 5% KOH mikroskopiert?
Wie kann man ein verdunsten des Wassers verlangsamen? Muß ich da diese
Clemencon-Mischung mit Glycerin bestellen oder geht es auch einfacher? Ich
habe z.B. schon einfach vorsichtig Wasser neben das Deckglässchen
getröpfelt, welches sich dann kapillarmäßig unter das Deckglas zieht, aber
es auch anhebt. Ist so etwas Usus?
Ach ja, gibt es eine sinnvolle Reihenfolge bei den Reagenzien oder muß man
für jedes Testen/Anfärben eine extra Probe nehmen?
Ich habe bis jetzt leider noch keinen amyloiden oder dextrinoiden Pilz
gefunden, jedoch festgestellt, daß das Sporenbild im BON für den
Samtfussrübling (Flammulina velutipes) nicht mit meinen beobachteten
Sporen übereinstimmt. Meine waren langgestreckter und schmaler. Messen
kann ich sie leider noch nicht, aber die Form kam gar nicht gut hin.
Ich hoffe, daß Ihr mir ein paar Fragen beantworten könnt.
Mit vielen Grüßen,
Jens

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Re: Anwendungsreihenfolge/ Dauer der Reagenztests

Wolfgang P., (vor 7212 Tagen) @ Krötenhocker

Hallo zusammen,
Da ich meine Reagenzien bei Walter Pätzold bestellt habe und ganz lieb nach
einem Exemplar Pilzmikroskopie gefragt habe, bin ich nun schon seit ein
paar Tagen stolzer Besitzer gleichnamiger Lektüre.
An dieser Stelle nochmals vielen Dank!!!
Und natürlich haben sich mir auch gleich einige Fragen aufgedrängt, die im
Buch nicht oder nur ansatzweise beantwortet werden: Wie lange muß/ soll
man Melzers einwirken lassen und kann/ sollte man dann absaugen und in
Wasser weiter mikroskopieren?

Melzers wirkt praktisch sofort: das Chloralhydrat tötet die Zelle sofort, und Jod reagiert sofort mit Stärke.

Absaugen und in Wasser weiterarbeiten lohnt sich, wenn man:

- gefärbt hat, und den Kontrast zwischen der gefärbten Zelle und dem (dann ungefärbten) Hintergrund verbessern will

- mit einem nur schwachen Zellgift gefärbt hat (z.B. Baumwollblau), und die Zellen nicht länger als nötig belasten will, damit sie sich nicht stärker als nötig deformieren.

Bei Melzers trifft beides nicht zu.

Warum wurde im Buch Pilzmikroskopie so oft in 5% KOH mikroskopiert?

Ich glaube, Erb und Mattheis kommen stark aus der Porlings-Ecke, und da braucht man oft KOH, um das Material "gefügig" zu machen. Außerdem ändert sich mit der Zeit die Mode. Heute befinden wir uns in einer "Nur-Wasser"-Puristen-Modephase, zu deren Verfechtern ich mich auch zähle.

Wie kann man ein verdunsten des Wassers verlangsamen? Muß ich da diese
Clemencon-Mischung mit Glycerin bestellen oder geht es auch einfacher? Ich
habe z.B. schon einfach vorsichtig Wasser neben das Deckglässchen
getröpfelt, welches sich dann kapillarmäßig unter das Deckglas zieht, aber
es auch anhebt. Ist so etwas Usus?

Ich feuchte auch gelegentlich etwas nach, aber sparsam, damit sich das Deckgläschen nicht hebt. Für ein Tropfen Glycerin musst Du aber nur in die nächste Apotheke, und keine Clemencon-Mischung bestellen.

Ach ja, gibt es eine sinnvolle Reihenfolge bei den Reagenzien oder muß man
für jedes Testen/Anfärben eine extra Probe nehmen?

Immer mit Wasser anfangen, da kann man noch ggf. je nach Pilz etwas Melzers oder Färbung 'drunterziehen. Dann immer eine neue Probe für jede weitere Färbung.

Ich habe bis jetzt leider noch keinen amyloiden oder dextrinoiden Pilz
gefunden, jedoch festgestellt, daß das Sporenbild im BON für den
Samtfussrübling (Flammulina velutipes) nicht mit meinen beobachteten
Sporen übereinstimmt. Meine waren langgestreckter und schmaler. Messen
kann ich sie leider noch nicht, aber die Form kam gar nicht gut hin.

(1)
Sporen immer in Leitungswasser betrachten + messen, aber bedenken, dass es in Lit. nicht immer so gewesen sein muss.

(2)
Die eine Spore, die BON im Parey zeichnet, ist untypisch kurz.
B&K (Pilze der Schweiz) schreiben im Text Q=2-3 (Q ist der Längen- zu Breitenquotient), zeichnen aber eher 1,5-2,5. Vellinga schlüsselt in der Flora Neerlandica eine "forma longispora" mit einem MITTLEREN Q in einer Kollektion von 2,5 - 3 , aber da können durchaus einzelne Sporen vier- oder fünfmal so lang sein wie breit gewesen sein.

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zwei Antworten gleichzeitig, eine Meinung ;-) *oT*

Wolfgang P., (vor 7212 Tagen) @ Heinz Ebert

- kein Text -

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Heinz, vielen Dank für die umfassende Antwort *oT*

Krötenhocker, (vor 7212 Tagen) @ Heinz Ebert

- kein Text -

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Re: Anwendungsreihenfolge/ Dauer der Reagenztests

AK_CCM, (vor 7212 Tagen) @ Heinz Ebert

Hallo Heinz Ebert,

Beim Zuführen des Tropfens "von der Seite" wirst
Du meist einen "Kleinkrieg" erleben, denn die Sporen SCHIESSEN
dann regelrecht durch das Sichtfeld, weil das ganze Präparat durch die
sich ausbreitende Wasser-MASSE (bei der Vergrößerung ist ein Tropfen wie
ein Tsunami) so stark in Bewegung gerät, dass eine Beobachtung oder
Messung nicht mehr möglich ist.

den "Tsunami-Effekt" kann man neutralisieren oder zumindest stark abmildern indem man einfach auf der ggü.liegenden Seite einen zweiten Tropfen platziert.

Gruß, Andreas

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Find ich toll, wir haben gleichzeitig geantwortet

Heinz Ebert ⌂, (vor 7212 Tagen) @ Wolfgang P.

... und sinngemäß die gleiche Auskunft gegeben, hat man selten *g*
Beste Grüße aus der Vulkaneifel nach Mainz, Heinz E.

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noch eine Nachfrage

Krötenhocker, (vor 7212 Tagen) @ Wolfgang P.

Hallo Wolfgang,
auch Dir erstmal ein dickes Dankeschön und ich finde, dass sich die Antworten nicht so sehr überschneiden, sondern eher ergänzen.

(1)
Sporen immer in Leitungswasser betrachten + messen, aber bedenken, dass es in
Lit. nicht immer so gewesen sein muss.

Ich habe bisher haupsächlich in dest. Wasser gearbeitet. Hinterlässt Leitungswasser nicht viel zu viel Kalk usw.? Oder quilt die Spore oder Basidie, etc. sonst auf? (von wegen Salzgehalt und semipermeabel und so?)

(2)
Die eine Spore, die BON im Parey zeichnet, ist untypisch kurz.

Das sehe ich auch so.

B&K (Pilze der Schweiz) schreiben im Text Q=2-3 (Q ist der Längen- zu
Breitenquotient), zeichnen aber eher 1,5-2,5. Vellinga schlüsselt in der
Flora Neerlandica eine "forma longispora" mit einem MITTLEREN Q
in einer Kollektion von 2,5 - 3 , aber da können durchaus einzelne Sporen
vier- oder fünfmal so lang sein wie breit gewesen sein.

Nein, die "forma longispora" war es nicht. Und die Pilze der Schweiz muß ich mir noch irgendwann zulegen.

Viele Grüße aus dem Ruhrpott, in dem es zum Glück auch Samtfüsse gibt,

Jens

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Für den Tipp möchte ich mich auch bedanken!!! *oT*

Krötenhocker, (vor 7212 Tagen) @ AK_CCM

- kein Text -

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Re: noch eine Nachfrage

Heinz Ebert ⌂, (vor 7212 Tagen) @ Krötenhocker

Nochmal kurze Antwort auf die Frage:
Ich habe bisher haupsächlich in dest. Wasser gearbeitet. Hinterlässt Leitungswasser nicht viel zu viel Kalk usw.? Oder quilt die Spore oder Basidie, etc. sonst auf? (von wegen Salzgehalt und semipermeabel und so?)

Antwort: NEIN. Die Trinkwasserverordnung der BRD ist so streng, dass das Leitungswasser reiner sein muss, als gekauftes Mineralwasser. Der Gehalt an Kalk variiert von Gegend zu Gegend, ist aber so minimal, dass keinerlei Beeinträchtigung mikroskopischer Präparate in Frage kommt.
Die Verkäufer von Minifläschchen mit destilliertem Wasser mögen mir diese geschäftsschädigende Mitteilung verzeihen und gegebenenfalls beweisen, dass meine Aussage falsch ist. *bin gespannt*
Beste Grüße, Heinz Ebert

Hallo Wolfgang,
auch Dir erstmal ein dickes Dankeschön und ich finde, dass sich die Antworten
nicht so sehr überschneiden, sondern eher ergänzen.
Ich habe bisher haupsächlich in dest. Wasser gearbeitet. Hinterlässt
Leitungswasser nicht viel zu viel Kalk usw.? Oder quilt die Spore oder
Basidie, etc. sonst auf? (von wegen Salzgehalt und semipermeabel und so?)
Das sehe ich auch so.
Nein, die "forma longispora" war es nicht. Und die Pilze der
Schweiz muß ich mir noch irgendwann zulegen.
Viele Grüße aus dem Ruhrpott, in dem es zum Glück auch Samtfüsse gibt,
Jens

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Re: noch eine Nachfrage

Krötenhocker, (vor 7212 Tagen) @ Heinz Ebert

Hallo Heinz,

Nochmal kurze Antwort auf die Frage: Ich habe bisher haupsächlich in dest.
Wasser gearbeitet. Hinterlässt Leitungswasser nicht viel zu viel Kalk
usw.? Oder quilt die Spore oder Basidie, etc. sonst auf? (von wegen
Salzgehalt und semipermeabel und so?)
Antwort: NEIN. Die Trinkwasserverordnung der BRD ist so streng, dass das
Leitungswasser reiner sein muss, als gekauftes Mineralwasser. Der Gehalt
an Kalk variiert von Gegend zu Gegend, ist aber so minimal, dass keinerlei
Beeinträchtigung mikroskopischer Präparate in Frage kommt.
Die Verkäufer von Minifläschchen mit destilliertem Wasser mögen mir diese
geschäftsschädigende Mitteilung verzeihen und gegebenenfalls beweisen,
dass meine Aussage falsch ist. *bin gespannt*
Beste Grüße, Heinz Ebert

Deine "kurzen" Antworten verdienen auf jeden Fall ein dickes DANKE.
Erstens macht diese/Deine Aussage das Mikroskopieren natürlich einfacher und zweitens haben mir Deine und die Antworten einiger anderer Forumsmitglieder hier dermaßen weitergeholfen, dass ich, natürlich mit gigantischer Selbstüberschätzung, auf dem besten Weg zum Profi bin ;-)

Beste Grüße,

Jens

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Re: Anwendungsreihenfolge/ Dauer der Reagenztests

Werner, (vor 7212 Tagen) @ Krötenhocker

Hallo Jens,

ich will wenigstens die von den meisten verwandte "sanfte Farbpanscherei" ein bisserl vertreten, sonst entsteht der Eindruck, niemand würde das mehr machen. Ich bin zwar prinzipiell auch der Meinung, daß man alles erst mal in Wasser ansehen sollte und außerdem, daß das meiste in Wasser auch ausreichend zu sehen ist. Es gibt jedoch etliche Dinge, die man gerade als Anfänger in Wasser viel schwerer sehen kann.

Beispiel Schnallen. Die sind i.d.R. in Kongorot viel besser sichtbar. Ein weiteres Beispiel ist die gelifizierte HDS, die man - egal wie - oft sehr, sehr schlecht sehen kann. Wenn überhaupt geht es mit Toluidinblau, von Andreas Gminder lernte ich auch Kongorot dafür herzunehmen. Dann gibt es weiterhin die siderophile Granulation, die ohne Chemikalien nicht möglich ist bzw. bestenfalls erraten werden kann. Die Cyanophilie von Gewebe und Sporen läßt sich nur mit Baumwollblau nachweisen. Zellinhalte lassen sich oft gut mit Phloxin B darstellen, genauso ist damit die Unterscheidung reifer/unreifer Sporen auf der Lamelle möglich.

Generell ist es so, daß feinste Strukturen oft zwar in Wasser sichtbar sind, in Kongorot aber z.B. dadurch, daß Zellwände angefärbt werden, diese viel besser erkennbar werden. Ich bin deshalb ein Anhänger der "Hornberger Schule", die auch von Andreas Gminder und Prof. Clemencon vertreten wird, die schwer zu beurteilende Strukturen immer nachträglich noch mal eingefärbt ansieht. Mir jedenfalls ist gerade als Anfänger dadurch sehr viel erleichtert worden und ich kann mich dem nicht anschließen, daß gerade Anfänger nur in Wasser mikroskopieren sollten.

Bei Sporen ist es natürlich so, daß die Ornamente wohl mit Phasenkontrast oft sehr gut sichtbar sind, im normalen Lichtmikroskop brauche ich für die Russulales z.B. aber immer Melzer, um den Unterschied z.B. zwischen grobnetzig, unterbrochen netzig und feinwarzig klar zu sehen.

Das nur mal der Vollständigkeit halber, um die andere Sichtweise auch vertreten zu haben.

Ich mache es meist so, daß ich in das Wasserpräparat z.B. das Kongorot einziehe, d.h. also nach der Betrachtung in Wasser seitlich einen Tropfen Kongo durch Kapillarwirkung einziehen lasse. Wenn zu viel Wasser unter dem Deckglas ist, kann man auf der dem Tropfen gegenüberliegenden Seite mit einem Tempotuch absaugen. Wie schon erwähnt ist das für ein Sporenabwurfpräparat wg. des "Tsunamis" weniger geeignet, für Lamellen- und sonstige Schnitte dagegen sehr gut. Niemals sollte man 2 Chemikalien hintereinander aufbringen (außer bei Dingen, wo das vorgeschrieben ist - z.B. siderophile Granulation). Also niemals erst Kongo und dann Baumwollblau ins gleich Präparat einziehen.

Gruß,

Werner

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Re: Anwendungsreihenfolge/ Dauer der Reagenztests

Waldschrat, (vor 7212 Tagen) @ Werner

Hallo Werner,
ich sehe es genau so. Vielleicht noch eine kleine Portion Senf meinerseits:
Sporeninhalte(Tropfen) werden durch Anfärbung in Sudan III gut sichtbar und Strukturen hyaliner Sporen auch ohne Anfärbung im Dunkelfeld (Kardioidkondensor!). Ich habe den Eindruck, der Halo ist hier kleiner als beim Phasenkontrast. Allerdings bedarf es dazu einer starken Lichtquelle (50 bis 150 Watt). Die schädliche und lästige Wärmestrahlung blockt man einfach und wirksam mittels Wärmeschutzfiltern (möglichst schon kurz nach der Lichtquelle und zusätzlich noch vor dem Kondensor).
Gruß - Waldschrat

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Re: Anwendungsreihenfolge/ Dauer der Reagenztests

Krötenhocker, (vor 7211 Tagen) @ Werner

Hallo Werner,

schön, dass Du Dich auch in die Diskussion einmischt und mal alles ein wenig relativierst.
Da ich ja nun nicht mehr sofort färben muß, kann ich ja getrost beide Schienen fahren, d.h. erst das lebende Gewebe in Wasser und dann bei Zweifeln oder wenns nicht genau erkennbar ist, einfach einfärben (ausser bei der siderophilen Granulation... da muß ich nochmal nachlesen, wann ich den Test denn brauche).
Und bei den Russula werde ich es dann auch wie Du machen. Warum auch nicht?
Übrigens gut erkannt: Ich habe erst Kongo (oder Melzers) und dann Baumwollblau ins selbe Präparat probiert und das Ergebnis hat mich zur Eröffnung dieser Diskussion gebracht.

Danke für Deine Tipps und nochmals Danke für Deine damalige PM, durch die ich nun ein Mikroskop besitze, welches mir in den meisten Fällen gute Dienste leisten wird!

Beste Grüße,

Jens

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Re: Anwendungsreihenfolge/ Dauer der Reagenztests

Werner, (vor 7211 Tagen) @ Krötenhocker

Hallo Jens,

schön, dass Du Dich auch in die Diskussion einmischt und mal alles ein wenig
relativierst.

Naja, es schadet nie, mehrere Wege zum Ziel zu kennen. Was man dann im Endeffekt wirklich macht und wie, findet man selbst am besten raus. Jeder handhabt die Mikroskopie auch irgendwie wenigstens ein klein wenig anders. Die Grundzüge bleiben aber gleich. Und da Du ja den Erb/Mattheis nun hast, hast Du alle Anleitungen dazu.

Da ich ja nun nicht mehr sofort färben muß, kann ich ja getrost beide
Schienen fahren, d.h. erst das lebende Gewebe in Wasser und dann bei
Zweifeln oder wenns nicht genau erkennbar ist, einfach einfärben (ausser
bei der siderophilen Granulation... da muß ich nochmal nachlesen, wann ich
den Test denn brauche).

Genau. Ich färbe auch fast nie sofort an. Es ist immer besser, erst mal Wasser zu nehmen. Ausnahmen sind bei mir lediglich, wenn ich z.B. sicher bin, daß es eine von 2 Russula-Arten ist und die sich primär durch die Sporenornamentation unterscheiden. Dann spare ich mir schon mal das Wasser und schau mir gleich das in Melzer an. Zum Messen nehme ich allerdings immer nur Wasser.

Und bei den Russula werde ich es dann auch wie Du machen. Warum auch nicht?
Übrigens gut erkannt: Ich habe erst Kongo (oder Melzers) und dann
Baumwollblau ins selbe Präparat probiert und das Ergebnis hat mich zur
Eröffnung dieser Diskussion gebracht.

Hab ich mir fast gedacht. Wie gesagt, wenn man färbt oder chemische Reaktionen ausprobiert, ist primär wichtig, daß man es richtig macht. Wenn man z.B. ungeeignete Chemikalien für etwas hernimmt, kann durchaus ein verwirrendes oder irreführendes Ergebnis rauskommen. Deshalb am Anfang immer in den Erb/Mattheis schauen. Es lohnt sich auf jeden Fall, den mal ganz durchzulesen. So massiv ist der ja nicht. Es gibt diverse komplexere Reaktionen, die man selten braucht, die aber dann, wenn man sie einmal wirklich braucht, sehr hilfreich sind. Sachen wie Brilliantkresylblau, Anilin oder das Zeugs für die siderophile Granulation brauche ich recht selten, aber es ist halt manchmal Gold wert. Wichtig ist weiterhin, daß man sich immer fragt, ob die Reaktion auch richtig erkannt wurde (z.B. Amyloidität, Dextrinoidität, Cyanophilie) und das geht erst so richtig gut mit Übung. Deshalb ist es auch gut, an bekannten Arten sowas auszutesten.

Außerdem muß man seinen Chemikalien gegenüber immer etwas kritisch sein. Wenn man unerwartete Reaktionen oder auch fehlende bekommt, wo eigentlich was sein sollte, muß man sich fragen, ob die Chemikalie nicht schon zu alt ist. Insbesondere mit Anilin und FeSO4 habe ich diese Erfahrung bereits gemacht.

Viele Grüße,

Werner