Täublingshilfe *PIC*

Maren ⌂, (vor 7210 Tagen)

Liebe Pilzfreunde,
brauche ich bei diesem Überbleibsel aus dem Herbst (Anfang Oktober). Ich habe nur eine vage Idee Richtung Fastmilder Täubling - (Russula aquosa). Fundort ist allerdings in einem Laubwald unter Buchen und Eichen und kein mooriger Nadelwald wie im MHK beschrieben.

[image]

Beschreibung:
Hut:
Durchmesser 9 cm
Farbe: blass rot bis rotbraun, alt in der Mitte ockerbräunlich ausblassend
Huthaut zu ein Drittel abziehbar

Stiel: 9x2 cm, Basis keulig verdickt auf 2,5 cm, verbogen, braunfleckig

Fleisch:
FeSO4 schwach rosa, mit Phenol fleischbraun
Geruch: keiner
Geschmack: scharf

Lamellen:
Blass, vereinzelt am Stiel, bis kaum gegabelt

[image]

Sporenpulver: weiß

Sporen: 7,7-8,5*5,5-6,1 µm

[image]

Huthaut:
[image]

Ich hatte auch an R atropurprea gedacht, aber dagegen spricht der geriefte Rand und das ockerliche Ausblassen in der Mitte des Hutes.

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Ich bin für jeden Hinweis dankbar.

Gruß Maren

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Re: Täublingshilfe

Rudi, (vor 7210 Tagen) @ Maren

Hallo Maren

atropurpurea würd ich nicht so einfach ausschließen, zumindest makroskopisch. Für die Innereien hab ich grad keinen Zugang zur Literatur...

Grüße Rudi

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Re: Täublingshilfe

DirkW, (vor 7210 Tagen) @ Maren

hallo maren,

standort, sporengröße und hutfarbe (ockergrünliche hutmitte) würden ziemlich gut zu r. fragilis, dem wechselfarbigen speitäubling passen.
viele grüße
dirk

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Re: nicht aquosa!

Markus Wilhelm ⌂, (vor 7210 Tagen) @ Maren

Hallo Maren,

das ist mit Sicherheit keine R. aquosa! Die kenne ich gut und die kommt wirklich nur im moorigen Umfeld vor, zudem sind die Farben ganz anders. Ich denke, R. atropurpurea könnte passen; die Art hat nicht immer die typische Farbe.
Zum Bestimmen von Russula brauchst Du unbedingt einen Sporenwurf, um die Farbe dessen zu erkennen! Am besten den ganzen Pilz in ein Glas, den Stiel etwas ins Wasser, damit es gespannte Luft gibt, auf dem Glasrand ein Objektträger und unter die Lamellen. Das ganze mit Schachtel oder ähnlichem vor Luftzug schützen. Schon nach kurzer Zeit hat man einen Abwurf, den man mit einer Rasierklinge zusammenschieben kann und so die Farbe erkennt. Als Nebeneffekt hat man dann Sporen, die auch viel leichter und schöner zu Mikroskopieren sind.

Viele Grüsse, Markus

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Re: Täublingshilfe

werner2, (vor 7209 Tagen) @ Maren

Hallo,
Standort, Weiße Sporenfarbe, Sporenornamentation sowie
die Hutfarbe (einschließlich der gescheckten Ausblassungen)
passen gut zu R. atropurpurea. Ich empfinde sie allerdings meist
nur "schärflich", nicht direkt scharf.
.
Gruss Werner
.

Liebe Pilzfreunde,
brauche ich bei diesem Überbleibsel aus dem Herbst (Anfang Oktober). Ich habe
nur eine vage Idee Richtung Fastmilder Täubling - (Russula aquosa).
Fundort ist allerdings in einem Laubwald unter Buchen und Eichen und kein
mooriger Nadelwald wie im MHK beschrieben.

Beschreibung: Hut: Durchmesser 9 cm
Farbe: blass rot bis rotbraun, alt in der Mitte ockerbräunlich ausblassend
Huthaut zu ein Drittel abziehbar
Stiel: 9x2 cm, Basis keulig verdickt auf 2,5 cm, verbogen, braunfleckig
Fleisch: FeSO4 schwach rosa, mit Phenol fleischbraun
Geruch: keiner
Geschmack: scharf
Lamellen: Blass, vereinzelt am Stiel, bis kaum gegabelt

Sporenpulver: weiß
Sporen: 7,7-8,5*5,5-6,1 µm

Huthaut:
Ich hatte auch an R atropurprea gedacht, aber dagegen spricht der geriefte
Rand und das ockerliche Ausblassen in der Mitte des Hutes.

Ich bin für jeden Hinweis dankbar.
Gruß Maren

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Re: Täublingshilfe

Maren ⌂, (vor 7209 Tagen) @ werner2

Hallo Werner,

Standort, Weiße Sporenfarbe, Sporenornamentation sowie
die Hutfarbe (einschließlich der gescheckten Ausblassungen)
passen gut zu R. atropurpurea. Ich empfinde sie allerdings meist
nur "schärflich", nicht direkt scharf.

Da fehlt mir noch die Erfahrung, was der Unterschied zwischen scharf und schärflich ist. Hängt, glaub' ich, doch auch sehr von den jeweiligen Geschmacksnerven ab.
Aber dieser war auf jeden Fall nicht so brennend scharf wie der noch ungeklärte Russula spec. aus der Sektion Sardoninae vom vorgestrigen Posting.

Gruß Maren

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Re: Täublingshilfe

Thomas Pruss, (vor 7209 Tagen) @ Maren

Moin Maren,
jetzt weiß ich auch, wieso mir die Fotos so bekannt vorkamen …
Ich habe die Täubl. als „atropupurpurea" abgeheftet, nachdem ich mit 4 Pilzbüchern drüber gegangen bin. Mikroskopisch habe ich sie nicht untersucht, da ich das Mikro erst seit ein paar Wochen wieder habe.
Aber trotz des ungewöhnlichen Standortes unter den Eichen kann es doch ein atropurpurea sein, denn die Bodenchemie könnte stimmen. Der Boden ist alter Moorboden und auch im drögen Sommer feucht. Vielleicht erinnerst du dich, dass „nebenan“ ein Erlenwäldchen wächst.
Für alle, die nicht wissen, von welcher Gegend die Rede ist: MTB 1521, Ostenfeld b. Husum, der Ostenfelder Forst.
Grüßlis
Thomas

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Re: Täublingshilfe

Andreas ⌂, (vor 7209 Tagen) @ Thomas Pruss

Moin Maren,
Aber trotz des ungewöhnlichen Standortes unter den Eichen kann es doch ein
atropurpurea sein, denn die Bodenchemie könnte stimmen. Der Boden ist
alter Moorboden und auch im drögen Sommer feucht.

Hallo Thomas,

für R. atropurpurea wäre das ein typischer Standort - sauer bis neutral, eher trocken, unter Eichen. Passt doch sehr gut und keineswegs ungewöhnlich. Ungewöhnlich wäre der Standort nur für R. aquosa gewesen.

beste Grüße,
Andreas

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Zwei Fragen noch ...

Maren ⌂, (vor 7209 Tagen) @ Maren

Liebe Pilzfreunde,
vielen Dank an alle für die umfangreiche Hilfe.
Zwei Fragen habe ich noch.
Gibt es eine Möglichkeit, die chemischen Makro-Reaktionen vor allem bei Täublingen (Phenol, FeSO4 usw.) am Exsikkat noch zu testen?
Kann man Pileozystiden und Primordialhyphen auch in Wasser (bzw. Melzer) erkennen.
Gruß Maren

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Re: Zwei Fragen noch ...

Markus Wilhelm ⌂, (vor 7208 Tagen) @ Maren

Hallo Maren,

am Exsikkat ist es sicher viel schwieriger oder es geht kaum noch. Ich persönlich verzichte seit langem fast vollständig auf heikle Chemikalien. Z.B. FeSo4 ist als Lösung gerade mal 1-3 Wochen haltbar. Auch ist die Reaktion von Chemikalien je nach Feuchtigkeit sehr verschieden. Es können also enorme Fehlbestimmungen durch falschen Gebrauch entstehen: Die Huthaare, also Primordialhyphen oder Dermatozystiden erkennt man schon im Wasser, aber viel besser in Kongorot, in Sulvovanillin werden dann die Dermatozystiden grau-schwärzlich. Aber auch SV muss man jedesmal frisch machen, ansonsten hat man falsche Resultate!
Melzer taugt als Färbemittel nichts, das nimmt man nur zum Betrachten von amyloiden oder dextrinoiden Sporen oder anderen solchen Elementen.
Bei Täublingen ist folgendes wichtig:
Standort: Bäume und Böden, also Ökologie merken.
Geruch und Geschmack, (Lamellen und Fleisch sind oft unterschiedlich)
Gesamtbild des Pilzes, Verfärbungen
Sporenfarbe (sehr wichtig) und Ornamentation (immer in Melzers)
Huthautelemente, in Wasser oder auch in Kongo betrachten.
Lamellenzystiden (nur bei wenigen Arten wichtig)

Täublinge sind eine interessante, aber auch heikle Gattung, die viel Erfahrung braucht.

Also viel Spass dabei! Markus