Pilze & FFH-Richtlinien

Abt, (vor 7175 Tagen)

Servus,
mich interessiert,
a) ob jemand weiß, weshalb bei der Ausweisung und Kartierung von Schutzgebieten nach FFH-Richtlinien (http://de.wikipedia.org/wiki/Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie) Pilze keine Rolle spielen;
b) ob die DGfM oder eine übergeordnete (europäische?) Institution, so es diese gibt, vorhat, mal diesbezüglich an maßgeblicher Stelle anzuklopfen?
Hintergrund:
Gestern besuchte ich einen vom Bot. Verein zu Hamburg ausgerichteten Vortrag, den einer der in den Jahren 2005 und 2006 mit der FFH-Kartierung Schleswig-Holsteins vom Bundesland beauftragten Biologen hielt. 'Wie's denn mit Pilzen aussähe', fragte ich ihn im Anschluss an den Vortrag. Er: Moose, Flechten und ab und an sogar Bodenhorizonte würde schon mal untersucht, um zu bestimmen, in welches Raster der (seiner Ansicht nach diskussionswürdigen) FFH-Richtlinien ein zu untersuchendes Gebiet passe, Pilze jedoch nicht.
Weshalb das so sei, entziehe sich seiner Kenntnis.
Ganz schön stumpf, diese FFH-Erfinder...
Sumpfhaubenpilz, Zitzen-Stielbovist oder Bergporling lassen (u.a.) ja doch einiges an Schlüssen auf Biotope zu, oder?
Meint zumindest:
Marcel

(Etwas spezielle Fragen, ist mir bewußt; aber wo soll ich sie sonst stellen, wenn nicht hier, und wann, wenn nicht in der pilzarmen Zeit?)

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Re: Pilze & FFH-Richtlinien

Andreas ⌂, (vor 7175 Tagen) @ Abt

Hallo Marcel,

Servus,
mich interessiert,
a) ob jemand weiß, weshalb bei der Ausweisung und Kartierung von
Schutzgebieten nach FFH-Richtlinien
(http://de.wikipedia.org/wiki/Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie) Pilze keine
Rolle spielen

So wie ich das mitbekommen habe wurden sie, ähhmmm, einfach vergessen .....

b) ob die DGfM oder eine übergeordnete (europäische?) Institution, so es
diese gibt, vorhat, mal diesbezüglich an maßgeblicher Stelle anzuklopfen?

zu spät, die FFH-Richtlinien sind verabschiedet

Ganz schön stumpf, diese FFH-Erfinder...

Da können die Erfinder sicher nix dafür, das ist an anderer Stelle verschlafen worden.

Sumpfhaubenpilz, Zitzen-Stielbovist oder Bergporling lassen (u.a.) ja doch
einiges an Schlüssen auf Biotope zu, oder?

Und noch viele weitere Arten. Was könnte man mit den entsprechenden Pilzarten für schöne FFH-Buchenwälder ausweisen!! *HEUL*

beste Grüße,
Andreas

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Re: Pilze & FFH-Richtlinien

Piwo, (vor 7175 Tagen) @ Andreas

Hallo Marcel,
So wie ich das mitbekommen habe wurden sie, ähhmmm, einfach vergessen .....
zu spät, die FFH-Richtlinien sind verabschiedet
Da können die Erfinder sicher nix dafür, das ist an anderer Stelle
verschlafen worden.
Und noch viele weitere Arten. Was könnte man mit den entsprechenden Pilzarten
für schöne FFH-Buchenwälder ausweisen!! *HEUL*
beste Grüße,
Andreas

dazu kann ich leider nur sagen: eine "Glanzleistung" der DGfM.

Piwo

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Re: Pilze & FFH-Richtlinien

Andreas ⌂, (vor 7175 Tagen) @ Piwo

dazu kann ich leider nur sagen: eine "Glanzleistung" der DGfM.
Piwo

Hallo Piwo,

da würde ich mal nicht unbedingt (nur) der DGfM die Schuld dran geben. Ich weiß nicht, wie die Planungen zur Einführung der FFH-Richtlinien verliefen, welche Behörden da wann davon wussten und vor allem wann die DGfM davon wissen konnte. Vielleicht war's da ja schon zu spät und alles beschlossen. Auf die DGfM zugekommen ist jedenfalls keiner, was ich schon mal als dicken Minuspunkt der FFH-Richtlinien-Machern ankreide.

Ich versuche mich mal schlau zu machen.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Pilze & FFH-Richtlinien

Heinz Ebert ⌂, (vor 7175 Tagen) @ Andreas

Das ganze müsste dann FFFH-Richtlinie heißen (Flora-Fauna-Funga-Habitat). Aber die Gesetzesmacher sind nicht in der Lage, zu kapieren, dass Pilze ein eigenes Reich bilden. Die geschützten Pilzarten zählen ja auch zu den geschützten "Pflanzen". Die DGfM hat vom Entwurf dieser Richtlinie nie etwas erfahren, sie ist nie dazu gehört worden.
Beste Grüße,
Heinz Ebert

Hallo Piwo,
da würde ich mal nicht unbedingt (nur) der DGfM die Schuld dran geben. Ich
weiß nicht, wie die Planungen zur Einführung der FFH-Richtlinien
verliefen, welche Behörden da wann davon wussten und vor allem wann die
DGfM davon wissen konnte. Vielleicht war's da ja schon zu spät und alles
beschlossen. Auf die DGfM zugekommen ist jedenfalls keiner, was ich schon
mal als dicken Minuspunkt der FFH-Richtlinien-Machern ankreide.
Ich versuche mich mal schlau zu machen.
beste Grüße,
Andreas

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Re: Pilze & FFH-Richtlinien

Andreas ⌂, (vor 7175 Tagen) @ Heinz Ebert

Hallo,

Die DGfM hat vom Entwurf dieser
Richtlinie nie etwas erfahren, sie ist nie dazu gehört worden.

das ist sehr bedauerlich und ein schlimmer Lapsus des Gesetzgebers (was dieser kaum so sehen wird).
Allerdings muss sich die DGfM auch fragen lassen, wie es sein kann, dass sie zu einem so wichtigen Thema gar nicht gefragt wird. Da ist meiner Ansicht nach doch manches an Öffentlichkeitsarbeit vor allem der Politik gegenüber noch zu intensvieren. Aber was ich weiters nicht kapiere, wieso die Informationen über den FFH-Entwurf nicht wenigstens über den BFA Mykologie und den NaBu rechtueitig kolportiert wurden. Der NaBu muss doch frühzeitig über das Werden dieser FFH-Richtlinien informiert gewesen sein.
Aber wie auch immer, nu isses schon den Bach runter, da hilft nix.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Pilze & FFH-Richtlinien

Abt, (vor 7175 Tagen) @ Abt

Nun ist es so, dass die bereits ausgewiesenen Schutzgebiete alle 6 Jahre neu kartiert werden müssen, also könnte man ja vielleicht darauf hinarbeiten, dass bei der nächsten Kartierung Pilze mitberücksichtigt werden -das gäbe dann auch neue Jobs für Mykologen...
Marcel

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Re: Pilze & FFH-Richtlinien

Saftling, (vor 7175 Tagen) @ Abt

Nun ist es so, dass die bereits ausgewiesenen Schutzgebiete alle 6 Jahre neu
kartiert werden müssen, also könnte man ja vielleicht darauf hinarbeiten,
dass bei der nächsten Kartierung Pilze mitberücksichtigt werden -das gäbe
dann auch neue Jobs für Mykologen...
Marcel

Hallo Marcel,

wovon träumst Du eigentlich nachts... ;-)
Also das Kartieren kostet Geld. Nur wegen der FFH-Richtlinie steht den Naturschutzämtern ja nicht automatisch mehr Geld zur Verfügung. Z.Z. beschränken sich die FFH-Kartierungen auf das Minimum, das was gemacht werden MUSS (rechtlich verbindlich), alles Andere bleibt weg. "Natürlich" auch die Pilze, fast alle Insekten, und und und... Es ist zwar erklärtes Ziel der FFH-Richtlinie, dass dadurch die Biodiversität in der EU erhalten werden soll, doch bei den Kartierungen wird (zumindest in D) z.Z. eher weniger erfasst als früher.

LG
Dieter

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Re: Pilze & FFH-Richtlinien

Saftling, (vor 7175 Tagen) @ Abt

Hallo Marcel,

ein wichtiges Thema hast Du da angeschnitten, in der Politik so brisant, dass u.a. einige deutsche Politiker neuerdings fordern, die Macht der EU-Kommission zu beschneiden (ich weiss, das ist alles noch viel komplexer, aber die FFH-Richtlinie ist ein Stein des Anstosses). Mein Senf dazu:
1) Vieles in der FFH-Richtlinie ist fragwürdig. Es fehlen nicht nur die Pilze, auch sonst sind massenhaft europaweit schutzbedürftige Arten nicht enthalten.
2) Dank der FFH-Richtlinie sind nun beträchtliche Teile Europas rechtlich geschützt, die einen Grossteil der bedrohten Lebensräume umfassen. Das ist ein grosser Fortschritt!
3) Manche der durch die FFH-Richtlinie geschützten Lebensräume sind auch für Pilze sehr wichtig. So gehören die Buchenwälder zu den geschützten Lebensräumen. Das ist für viele Deutsche befremdlich, da Buchenwälder einen grossen Teil unserer Waldfläche bilden. Jedoch sind unsere Buchenwälder in der EU und global betrachtet eine Besonderheit, die es nirgends in besserer Ausprägung und solcher Ausdehnung gibt als bei uns.
4) "Nachbessern" lässt sich da jetzt nix mehr. M.E. sind die durch die FFH-Richtlinie erreichten Erweiterungen rechtlich geschützter Flächen weit mehr, als mit dem klassischen Naturschutz in Deutschland zuvor geschützt worden war. Davon profitieren auch viele Pilze. Es könnte natürlich vieles noch besser gemacht werden. Aber lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach...

Gruss aus Helsinki
Dieter

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Re: Pilze & FFH-Richtlinien

Andreas ⌂, (vor 7175 Tagen) @ Saftling

Hallo,

3) Manche der durch die FFH-Richtlinie geschützten Lebensräume sind auch für
Pilze sehr wichtig. So gehören die Buchenwälder zu den geschützten
Lebensräumen. Das ist für viele Deutsche befremdlich, da Buchenwälder
einen grossen Teil unserer Waldfläche bilden. Jedoch sind unsere
Buchenwälder in der EU und global betrachtet eine Besonderheit, die es
nirgends in besserer Ausprägung und solcher Ausdehnung gibt als bei uns.

stimmt! 70% der weltweiten Buchenwaldgesellschaften liegen innerhalb der Bundesrepublik Deutschland!

4) "Nachbessern" lässt sich da jetzt nix mehr. M.E. sind die durch
die FFH-Richtlinie erreichten Erweiterungen rechtlich geschützter Flächen
weit mehr, als mit dem klassischen Naturschutz in Deutschland zuvor
geschützt worden war. Davon profitieren auch viele Pilze. Es könnte
natürlich vieles noch besser gemacht werden. Aber lieber den Spatz in der
Hand als die Taube auf dem Dach...

Stimmt leider auch, jetzt ist nix mehr zu ändern.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Pilze & FFH-Richtlinien

Heinz Ebert ⌂, (vor 7175 Tagen) @ Andreas

In Heft 2 der Z.Mykol. von 2000 findet Ihr übrigens einen Aufsatz über den beklagenswerten Umgang mit der FFH-Richtlinie in der BRD. Der Beitrag ist in der DGfM-Homepage leider nicht sichtbar, aber wer sich interessiert soll mich anmailen, ich hab's noch abgespeichert.
Beste Grüße, Heinz Ebert

Hallo,
stimmt! 70% der weltweiten Buchenwaldgesellschaften liegen innerhalb der
Bundesrepublik Deutschland!
Stimmt leider auch, jetzt ist nix mehr zu ändern.
beste Grüße,
Andreas

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Re: Pilze & FFH-Richtlinien

Piwo, (vor 7175 Tagen) @ Saftling

Hallo Marcel,
ein wichtiges Thema hast Du da angeschnitten, in der Politik so brisant, dass
u.a. einige deutsche Politiker neuerdings fordern, die Macht der
EU-Kommission zu beschneiden (ich weiss, das ist alles noch viel
komplexer, aber die FFH-Richtlinie ist ein Stein des Anstosses). Mein Senf
dazu: 1) Vieles in der FFH-Richtlinie ist fragwürdig. Es fehlen nicht nur
die Pilze, auch sonst sind massenhaft europaweit schutzbedürftige Arten
nicht enthalten.
2) Dank der FFH-Richtlinie sind nun beträchtliche Teile Europas rechtlich
geschützt, die einen Grossteil der bedrohten Lebensräume umfassen. Das ist
ein grosser Fortschritt!
3) Manche der durch die FFH-Richtlinie geschützten Lebensräume sind auch für
Pilze sehr wichtig. So gehören die Buchenwälder zu den geschützten
Lebensräumen. Das ist für viele Deutsche befremdlich, da Buchenwälder
einen grossen Teil unserer Waldfläche bilden. Jedoch sind unsere
Buchenwälder in der EU und global betrachtet eine Besonderheit, die es
nirgends in besserer Ausprägung und solcher Ausdehnung gibt als bei uns.
4) "Nachbessern" lässt sich da jetzt nix mehr. M.E. sind die durch
die FFH-Richtlinie erreichten Erweiterungen rechtlich geschützter Flächen
weit mehr, als mit dem klassischen Naturschutz in Deutschland zuvor
geschützt worden war. Davon profitieren auch viele Pilze. Es könnte
natürlich vieles noch besser gemacht werden. Aber lieber den Spatz in der
Hand als die Taube auf dem Dach...
Gruss aus Helsinki
Dieter

hallo Dieter und Andreas,

da gab es doch mal jemand der sagte: "Fortschritt verdanken wir nur den Unzufriedenen!" Der Schöpfer dieses Spruchs war meines Wissens auch in der Politik tätig gewesen.
Wir sollten nicht zufrieden sein und sowohl die Politik als auch die DGfM wachrütteln.

Gruß
Wolfgang

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Re: Pilze & FFH-Richtlinien

coco, (vor 7175 Tagen) @ Piwo

da gab es doch mal jemand der sagte: "Fortschritt verdanken wir nur den
Unzufriedenen!" Der Schöpfer dieses Spruchs war meines Wissens auch
in der Politik tätig gewesen.

hallo piwo,

"in der politik tätig gewesen" - interessant, wen meinst du denn?

bei vielen aphorismen weiss man irgendwann nicht mehr, wer eigentlich wen zitiert hat. das mit dem fortschritt wird, soweit mir bekannt, mindestens drei leuten gleichzeitig zugeschrieben - nietzsche, quasimodo und sartre. wen bietest du?

gruss coco

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HGWElls

Huperzia ⌂, (vor 7175 Tagen) @ coco

H.G. Wells konnte ich erooglen.

hallo piwo,
"in der politik tätig gewesen" - interessant, wen meinst du denn?
bei vielen aphorismen weiss man irgendwann nicht mehr, wer eigentlich wen
zitiert hat. das mit dem fortschritt wird, soweit mir bekannt, mindestens
drei leuten gleichzeitig zugeschrieben - nietzsche, quasimodo und sartre.
wen bietest du?
gruss coco