Morchelfinale und Bestimmungsfrage *PIC*

Ingo, (vor 7143 Tagen)

Hallo Allerseits,

mein Flehen von vorige Woche verhallte offensichtlich ungehört. Waldbrandstufe 4
in der gesamten Region, ein paar mickrige Tropfen gestern und heute und kein ergiebiger
Regen in Sicht. Die hiesige Morchelsaison hat sich damit wohl erledigt.
Erstaunlich – sie endet wohl noch vor dem Datum, an welchem sie im vergangenen Jahr
überhaupt begonnen hatte. Das war so um den 24. April 2006. Nun ja, höhere Gewalt halt!

Ich bin euch aber noch ein Bild vom Tintling schuldig:

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Schön zu erkennen, die gelben Myzelien am Stielansatz. In der Fachsprache heißt das,
meine ich mich zu erinnern, Ozonium. Es ist in dieser Form ein Bestimmungsmerkmal
des Haustintlings (Coprinus domesticus). So deutlich hatte ich es bisher noch nie.

Im Folgenden möchte ich euch mal ein paar Bilder von einem Asco - Vertreter präsentieren,
welcher in kleineren Trupps an einem Wegrand mitten aus dem Waldboden heraus fruktizierte.
Mit den Schweizer Pilzen von B&K Band 1 bin ich nicht allzu weit gekommen, was aber nicht
heißen soll, dass die Art dort nicht drin ist. Vielleicht war mir mal wieder nur die Schrift zu klein.

Einige Makromerkmale sind ja auf den folgenden Bildern gut zu erkennen. So zum Beispiel
die Farben, die Beschaffenheit der Außenseite, die Glockenform und die ausgefransten
Hutränder. Das Wachstum war einzeln bis Grüppchenweise bei Kiefern im Boden.
Es waren auch bei ergiebiger Suche keine Hölzer oder Reste davon am Wurzelbereich der
Pilze erkennbar, was aber nicht zu 100% ausschließt, dass dort doch etwas war.

Ungewöhnlich: der Geruch der Pilze war deutlich unangenehm und vielleicht geschönt als
erdig – muffig zu beschreiben. Irgendwie konnte ich noch einen undefinierbaren Chemikaliengeruch
ausmachen. Jedenfalls ganz anders als bei den diversen Morchel- oder Lorchelarten und bei den
Großbecherlingen aus der Gruppe um Peziza varia, die alle etwas ähnlich duften.
Die größten Exemplare hatten einen Durchmesser von etwa 5 cm, bei einer ähnlichen Höhe.
...und sie waren verhältnismäßig dünnfleischig, was aber auch an der Trockenheit liegen könnte.

Und hier ein paar Bilder davon:

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Wichtig auch noch, die Form des Stielansatzes. Etwas lorchelartig eigentlich!

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Ergänzend vielleicht noch diese Bilder hier – aber fallt mir bitte nicht vom Hocker!

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Asci 8-sporig ohne Bemaßung mit Canon A95 3-fach Zoom, 15-fach Geröllokular
und 10-er Objektiv. Native Vergrößerung also 150-fach.

[image]

Sporen in Asci ohne Bemaßung mit Canon A95 3-fach Zoom, 15-fach Geröllokular
und 60-er Objektiv. Vergrößerung 900.

Leider konnte ich keine einzelnen, ausgewachsenen Sporen ausfindig machen. Die steckten allesamt
noch in den Asci drin und befanden sich in unterschiedlichsten Reifestadien. Ich muss noch dazu sagen,
dass meine Bemühungen, mir eine passende Adaption inkl. Okular zu besorgen, im Moment auf Eis liegen.
Dazu habe ich noch zu viele andere Baustellen zu laufen.

Vielleicht kann ja jemand anhand der Sporenform oder anhand der Öltropfen etwas zu den Pilzen sagen.
Wie gesagt, im B&K bin ich nicht so recht fündig geworden. Bei Frau Dähncke gibt es aber was tolles,
wo mir zumindest die makroskopische Beschreibung zusagt. Auf Seite 1115 zeigt sie in den 1200 Pilzen
einen „Glatten Becherling“. Allerdings soll der glattrandig und fleischig sein. Meine erste Eingebung, der
Kronenbecherling, gefällt mir auch nicht so recht. Da sollten die Sporen anders ausschauen. Der Standort
passt wohl auch nicht so recht.

Nun denn, vielleicht hat ja jemand von euch eine Idee. Möglicherweise habe ich ja mal eine Rarität
aufgestöbert – oder etwas unfassbar Banales.

Noch einmal zurück zum Aufmacher des Beitrags. Die Morchelernte mag für dieses Jahr vielleicht vorbei
sein. Dennoch war der Ertrag ganz in Ordnung – vor allem was die Qualität der Teile angeht.
So waren doch im vergangenen Frühjahr viele Pilze vermadet.
Von den gut drei kg Morcheln, die ich bisher hatte, war nur eine Einzige vergammelt. Die restlichen
befinden sich nun gut gedörrt in ihrem Sommerquartier.
Zumindest am kommenden Wochenende sollten auch noch einige Elaten zu finden sein.
Sie sind zwar an den trockenen Stellen komplett verschwunden. Aber im hohen Gras und an
geschützten Stellen, wo der Boden die Feuchtigkeit länger speichern kann, sind in der Tat noch
neue Morcheln erschienen. Sieht auch ganz nett aus, wenn die schwarzen Spitzen so zwischen
30 cm hohen Grasbüscheln durchschimmern.

Hier noch ein kleines Porträt vom gestrigen Fang im litauischen Pfifferlingskorb. Ich habe die Pilze dem
Dealer auch diesmal nicht um die Ohren gehauen, weil sie, wie sonst auch, kostenlos waren.

[image]

Schönen Abend noch an alle hier

Ingo

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Re: Morchelfinale und Bestimmungsfrage

DirkW, (vor 7143 Tagen) @ Ingo

hallo ingo, das dürfte mit ziemlicher sicherheit helvella leucomelaena sein, der schwarzweiße rippenbecherling. er besitzt nicht wie die nah verwandte h. acetabulum so ausgeprägte rippen und hat mehr grautöne. die art ist bei uns auf abraumhalden sehr häufig und tritt dort meist unter kiefern auf.
viele grüße
dirk

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Re: Morchelfinale und Bestimmungsfrage

Schnuffel, (vor 7142 Tagen) @ Ingo

Ich bin euch aber noch ein Bild vom Tintling schuldig:
Schön zu erkennen, die gelben Myzelien am Stielansatz. In der Fachsprache
heißt das,
meine ich mich zu erinnern, Ozonium. Es ist in dieser Form ein
Bestimmungsmerkmal
des Haustintlings (Coprinus domesticus). So deutlich hatte ich es bisher noch
nie.
Schönen Abend noch an alle hier
Ingo

Hallo Ingo,

das ist aber eher ein sehr bescheidenes Ozonium. Ein ordentliches Ozonium bedeckt oft mehrere 100 Quadratzentimeter der Holzunterlage wie ein brauner Filzteppich. Fruchtkörper habe ich dann an derselben Stelle bisher nie gesehen . Eine gute Abbildung ist in "G. J. Keizer, Die Enzyklopädie der Pilze" auf S. 25.

Gruß
Schnuffel

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Re: Morchelfinale und Bestimmungsfrage

Ingo, (vor 7142 Tagen) @ Schnuffel

das ist aber eher ein sehr bescheidenes Ozonium. Ein ordentliches Ozonium
bedeckt oft mehrere 100 Quadratzentimeter der Holzunterlage wie ein
brauner Filzteppich. Fruchtkörper habe ich dann an derselben Stelle bisher
nie gesehen .

Hallo Schnuffel, deswegen bin ich ja erfreut, ein Ozonium mit Stielansatz
zeigen zu können. Vergangenes Jahr konnte ich so recht keines entdecken.
Außerdem wolte ich nicht den ganzen Wald danach umgraben ;o)

Grüsslis INgo

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Re: Morchelfinale und Bestimmungsfrage

Ingo, (vor 7142 Tagen) @ DirkW

hallo ingo, das dürfte mit ziemlicher sicherheit helvella leucomelaena sein,
der schwarzweiße rippenbecherling. er besitzt nicht wie die nah verwandte
h. acetabulum so ausgeprägte rippen und hat mehr grautöne. die art ist bei
uns auf abraumhalden sehr häufig und tritt dort meist unter kiefern auf.
viele grüße
dirk

Hallo Dirk, erstmal vielen Dank für deinen Tipp.
Die genannte Art wird im B&K, Bild 27, unter Paxina leucomelas, behandelt.
Ich habe die Art bei meiner ersten Literaturschau jedoch aufgrund der
angegebenen Makromerkmale verworfen. Was mich hier vor allem störte, war die
Tatsache, dass bei allen Fruchtkörpern, auch den ausgewachsenen, die
Aussenseiten der Hüte eindeutig heller gefärbt waren, als die Innenseiten.
Im genannten Werk wird festgestellt, dass die Farben der Hut-Aussenseiten
eher gleichfarbig (vgl. Innenseiten) sind.
Ein weiteres Problem habe ich mit den Größenangaben. Das eine, mit dem
Stielansatz gezeigte Exemplar wies eine Höhe von ca. 6 cm auf. Die Größenangabe
bei B&K ist 10-30 (40) mm. Also sollte die Art ausnahmsweise bis 4 cm hoch werden.
Die im B&K abgebildete Art scheint doch eher kleinere Fruchtkörper auszubilden.

Die Beschreibung der Sporen passt in Etwa. Vor allem was den Hinweis auf
kleinere Tröpfchen an den Sporenenden angeht. Das scheint mir dann aber ein
Sammelmerkmal von vielen Rippenbecherlingen zu sein.

Im besagten Band 1 der Schweizer Pilze findet sich auch noch der Hinweis, dass
es bei der genauen Artbestimmung von Rippenbecherlingen momentan noch
verschiedene Ansichten gibt. Vielleicht gibt es da mittlerweile neuere
Erkenntnisse.
Mit den Größenangaben sollte man ja auch vorsichtig sein. So wurden ja
von mehreren bekannten Arten in letzter Zeit böse Ausrutscher nach oben
gemeldet. Nichtsdestotrotz sollte es sich um einen Rippenbecherling handeln.

Hierzu würde ich aber noch ganz gerne wissen, welche Bezeichnung jetzt
taxonomisch korrekt ist. Paxina oder Helvella?

Über ein paar erhellende Ratschläge zur Sache würde ich mich sehr freuen.

Grüsslis Ingo

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Re: Morchelfinale und Bestimmungsfrage

DirkW, (vor 7142 Tagen) @ Ingo

hallo ingo,

der aktuelle gattungsname lautet helvella. pilze der schweiz hat ja immerhin auch schon über zwanzig jahre auf dem buckel ... wer das veranlasst hat kann ich dir allerdings nicht sagen.
die außenseite von leucomelaena ist ganz typischerweise heller, vor allem zur basis hin (darauf weisen auch b+k hin). hast du vielleicht den gerhardt oder dähnke? die dortigen abbildungen sind mit deinen nahezu identisch.
auf die größenangaben würde ich nicht allzuviel geben. ich hatte vor ein paar tagen noch exemplare in der hand, die waren locker sechs zentimeter breit.
viele grüße
dirk

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Re: Morchelfinale und Bestimmungsfrage

Piwo, (vor 7141 Tagen) @ DirkW

hallo ingo, das dürfte mit ziemlicher sicherheit helvella leucomelaena sein,
der schwarzweiße rippenbecherling. er besitzt nicht wie die nah verwandte
h. acetabulum so ausgeprägte rippen und hat mehr grautöne. die art ist bei
uns auf abraumhalden sehr häufig und tritt dort meist unter kiefern auf.
viele grüße
dirk

hallo in die Runde,

Helvella leucomelaena war auch mein spontaner Eindruck

Gruß
Piwo

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Re: Morchelfinale und Bestimmungsfrage

Ingo, (vor 7141 Tagen) @ Ingo

Hallo nochmal und schönen Dank für die Unterstützung.
Ich habe mir das nochmal in Dähncke's 1200 Pilzen angeschaut.
Recht habt ihr. Das Bild kommt gut hin. Muss ich wohl in der
Hast übersehen haben. Obwohl den Fotos in diesem Werk ja nicht
immer zu trauen ist.

Viele Grüße und ein schönes Wochenende - Ingo