Montag-Schnappschuss *PIC*

Ingo, (vor 7101 Tagen)

Hallo Allerseits,

einen kleinen Pilzsteckbrief mit einem gewissen Maß an Bestimmungsunsicherheit hätte
ich noch nachzutragen. Als Montags- Schnappschuss sozusagen.
Der Pio schrieb ja neulich, dass er mittlerweile ganz verzweifelt ist, so ohne Pilze nach 10 Tagen Regen.
Die kleinen grauen, die ihm über den Weg liefen, konnten da auch nicht seinen Enthusiasmus wecken.

So ähnlich erging es mir auch, als ich da, inmitten von hohen Gräsern, in einem sehr lockeren
Kiefernbestand, ein Grüppchen von drei Pilzchen mit fuchsbräunlichen Hutfarben erwischte.

Mein erster Einfall – hola, die ersten Milchlinge!? Als schön bröselig erwies sich auch das Hutfleisch.
Allerdings - null Spur von irgendwelcher Milch.
Vom groben Äußeren her hätte ja etwas aus der Verwandtschaft von Lactarius rufus hinkommen können.

Dazu passten allerdings weder der Geruch noch der Geschmack der roh probierten Pilze.
Maipilzaroma durch und durch! Meine Lactarientheorie konnte ich also gleich entsorgen.

Mit dem starken Mehlaroma und diesem Aussehen konnte es eigentlich nur etwas aus der
artenreichen Ritterlingsverwandschaft sein. Vom Erscheinungsbild kam eigentlich nur eine Trichterlingsart
in Frage. Zum Glück waren es mir die etwa vier mal drei cm (H / B) messenden Pilzchen wert, den
Fotoapparat auszupacken. Diese beiden Bilder sollten eigentlich für die äußeren Merkmale ausreichen:

[image]

[image]

Nach kurzem Durchblättern der 1200 Pilze von R.-M. Dähncke bin ich dort auf Seite 196 auch recht schnell
fündig geworden – was sagt ihr zu Kohlentrichterling (Clitocybe sinopica) ?

Ökologie: ab April auf Waldlichtungen, auch auf Brandstellen
Hut: 3-5 cm im Durchmesser, fuchsig bis rotbraun, feinfilzig-schuppig, Rand wellig und Mitte eingesenkt
Stiel: 3-5 cm, Farbe ähnlich wie der Hut, faserig und voll (stimmte auch)
Lamellen: cremefarben, wenig untermischt, mäßig gedrängt und am Stiel herablaufend
Geruch: stark mehlartig; Geschmack nach Mehl

In den BW Pilzen, Band drei, gibt es zu dieser Art noch folgende, ergänzende Angaben:
Clitocybe sinopica – Ziegelroter Trichterling
Ökologie: In Kiefern- und Fichtenforsten, vorzugsweise in dichter Nadelstreu, auch unabhängig
von Waldgesellschaften auf Brandstellen.
Phänologie: mit Schwerpunkt im Frühjahr und Sommer
Morphologie: makroskopisches Erscheinungsbild mit RMD 1200 in etwa übereinstimmend

Ein, wie ich finde, interessanter Fund, und sicher auch eine Art, für die sich der Versuch einer rein
makroskopischen Bestimmung lohnt.
Möglicherweise gibt es auch Erkenntnisse über ähnliche Arten, die sich nur auf mikroskopischem Wege
eindeutig identifizieren lassen. Nach der von mir verwendeten Literatur landet man allerdings ziemlich
sicher bei dieser Art. Alldieweil wir aber alle am Lernen sind, wäre ich auch nicht unglücklich über
anderslautende Bestimmungen oder Korrekturen. So ganz häufig soll die Art ja auch nicht sein.

Viele Grüße ins Sendegebiet – Ingo

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Re: Montag-Schnappschuss

Jens ⌂, (vor 7100 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,
ich denke, daß Deine Bestimmung richtig ist. Man könnte auch noch an Clitocybe squamulosus denken, die Farben passen aber wohl doch besser zum Kohlentrichterling, der ja nicht ausschließlich auf Brandstellen vorkommen soll.

Gruß Jens

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Re: Montag-Schnappschuss

Ingo, (vor 7100 Tagen) @ Ingo

...war wohl doch nicht so schwer, die Montagsübung.
Aber - kleine Restzweifel habe ich wie immer gehabt.

Was meint ihr - reicht diese Makrobestimmung aus, um den Fund in der
offiziellen Kartierung für Berlin/Brandenburg anzugeben, oder ist das
Ganze dafür einfach zu unsicher?

Schönen Abend noch an alle hier - Ingo

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Alles spricht für T. squamulosa *oT*

Waldschrat, (vor 7099 Tagen) @ Ingo

- kein Text -

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Korrektur: C. squamulosa *oT*

Waldschrat, (vor 7099 Tagen) @ Waldschrat

- kein Text -

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Re: Montag-Schnappschuss

zuehli ⌂, (vor 7099 Tagen) @ Ingo

...war wohl doch nicht so schwer, die Montagsübung.
Aber - kleine Restzweifel habe ich wie immer gehabt.
Was meint ihr - reicht diese Makrobestimmung aus, um den Fund in der
offiziellen Kartierung für Berlin/Brandenburg anzugeben, oder ist das
Ganze dafür einfach zu unsicher?

Hallo Ingo,

als was hast Du denn den Pilz jetzt bestimmt? Und ist die Diagnose 100%?
Wenn nicht, bringt eine Kartierung nichts! Es sollten wirklich nur einwandfrei besimmte Pilze kartiert werden, sonst wird die ganze Sache verfälscht und wird zur Farce.

Zum Pilz selbst: Du gibst mehlartigen Geruch an. Dann fällt C. sinopica schon mal aus dem Rahmen...

Gruß Harald

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Nachtrag

zuehli ⌂, (vor 7099 Tagen) @ zuehli

Zum Pilz selbst: Du gibst mehlartigen Geruch an. Dann fällt C. sinopica
schon mal aus dem Rahmen...

...weil der zwar schon nach Mehl, aber mit deutlich ranziger Komponente riecht.
C. squamulosa riecht angenehmer nach Mehl.

Gruß Harald

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vermutlich kein sinopica

Andreas ⌂, (vor 7099 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

ich kenne C. sinopica ganz gut, und von der Erscheinungszeit und dem Standort her könnte es ja auch sehr gut passen. Ich habe ihn oft schon mit den letzten Spitzmorcheln zusammen (auf Brandstellen) oder beim Speisemorchelsuchen im Rheintal (in Kiesgruben oder auf Sanddünen, stets bei Kiefer) gefunden.

Was nicht passt ist die zu wenig lebhafte Färbung, C. sinopica ist sehr freudig rostorange, ferner ist mir die Huthaut etwas zu glatt. Letzteres kann aber witterungs-/altersbedingt sein.

Ich denke auch, wie schon angeklungen, dass Dein Pilz in die Gruppe um C. squamosa gehört. Er muss aber mikroskopiert werden, allein schon um entscheiden zu können, ob er in die Sektion Clitocybe (Sporen tränen- bis apfelkernförmig) oder die Sektion Gilvoideae (Sporen zumindest mehrheitlich elliptisch) Auch die Pigmentsituation der Huthaut muss man kennen. Sind diese (vorherrschend) membranär-inkustiert oder sind sie vorherrschend vakuolär.

In der Sektion Clitocybe (die mit den tropfenförmigen Sporen) sind Mehlgerüche eher die Ausnahme und kommen nur in der squamulosa-Gruppe vor, und zwar bei C. pseudosquamulosa (C. squamulosa ss. auct. p.p.). Hat Sporen von ca. 6,5-8,5 x 3-4,5(5) µm, Pigment membranär und rau aufgelagert (also etwas inkrustierend).

In der Sektion Gilvoideae (die mit den elliptischen bis eiförmigen Sporen) gibt es mit Mehlgeruch nur Arten mit vorherrschend vakuolärem Pigment (außer subsinopica, s.u.).
Hier müßte man unterscheiden zwischen freudig rostorangenem Hut (sinopica-Gruppe) und mehr graubräunlichem Hut (trulliformis-Gruppe).
Ich halte Deinen Pilz nach dem Bild zu urteilen nicht für freudig genug um in als C. sinopica anzusprechen. Diese Art hätte übrigens signifikant größere Sporen als die meisten anderen Arten in dieser Gruppe, mit 8-10,5 x 5-6 µm. C. subsinopica hätte zusätzlich zum vakuolären auch noch in den etwas tieferliegenden Huthauthyphen ein membranäres Pigment.
In der trulliformis-Gruppe passt eigentlich gar nix zu Deinem Pilz, denn C. trulliformis kenne ich anders und C. pachyphylla ist es sicher nicht.

Mein Tipp wäre also am ehesten C. pseudosquamulosa, aber dann müßte Dein Fund auch tropfenförmige Sporen haben und inkrustiertes Pigment ....

beste Grüße,
Andreas

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Re: Montag-Schnappschuss

Piwo, (vor 7099 Tagen) @ zuehli

Hallo Ingo,
als was hast Du denn den Pilz jetzt bestimmt? Und ist die Diagnose 100%?
Wenn nicht, bringt eine Kartierung nichts! Es sollten wirklich nur
einwandfrei besimmte Pilze kartiert werden, sonst wird die ganze Sache
verfälscht und wird zur Farce.
Zum Pilz selbst: Du gibst mehlartigen Geruch an. Dann fällt C. sinopica
schon mal aus dem Rahmen...
Gruß Harald

hallo Harald,

da verwechselst du offenbar etwas. C. sinopica riecht sehr wohl nach Mehl, fast ranzig. Die gezeigten Bilder könnten zu der Art passen. Ich kenne sie aus dem Burgwald in Nadelstreu am Wegesrand.

Gruß

Piwo

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Re: Montag-Schnappschuss

Ingo, (vor 7099 Tagen) @ zuehli

als was hast Du denn den Pilz jetzt bestimmt? Und ist die Diagnose 100%?
Wenn nicht, bringt eine Kartierung nichts! Es sollten wirklich nur
einwandfrei besimmte Pilze kartiert werden, sonst wird die ganze Sache
verfälscht und wird zur Farce.

Hallo Harald,

vielen Dank für deinen Hinweis. Ich hatte mich etwas missverständlich ausgedrückt.
Wenn, dann gebe ich sowas nicht in die Online-Kartierung ein, sondern sende
eine e-mail an Martin Schmidt vom PABB mit einem Link zum Bildbeitrag.
Der wird mir dann schon mitteilen, ob ich mit der Bestimmung richtig liege.
Der Vorteil dabei ist der, dass die Leute vom PABB sehr gut einschätzen
können, welche Arten hier regional vorkommen (und welche nicht).
Probleme gibt es nur, wenn sie mit neuen Artkonzepten konfrontiert
werden.

Bestes Beispiel: unten stehende Reaktion von A. Gminder.
Da bekommt man schon irgendwie Lust, die vorhandene Pilzliteratur
für das nächste Lagerfeuer zu verwenden.

Wenn ich mir die Artvielfalt in eurer Pilzdatenbank so anschaue, behalte ich die
Bücher dann doch lieber.
Da bliebe auch nur die Wahl zwischen C. squamulosa und C. sinopica .

Grüsslis Ingo

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Re: vermutlich kein sinopica

Ingo, (vor 7099 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

zuerst einmal vielen Dank für die sehr ausführliche Antwort und Enschuldigung
für den späten Return. Ich bin im Moment ganz gut ausgelastet.

Da hast du ja mal wieder alle Register gezogen.
Vielleicht noch ein paar, möglicherweise, hilfreiche Ergänzungen:

ich kenne C. sinopica ganz gut, und von der Erscheinungszeit und dem Standort
her könnte es ja auch sehr gut passen. Ich habe ihn oft schon mit den
letzten Spitzmorcheln zusammen (auf Brandstellen) oder beim
Speisemorchelsuchen im Rheintal (in Kiesgruben oder auf Sanddünen, stets
bei Kiefer) gefunden.

In der Tat habe ich die Pilze an einem meiner Morchelstandorte gefunden.
Ich kann es halt immer noch nicht wahrhaben, und schaue immer wieder dort
vorbei.

Was nicht passt ist die zu wenig lebhafte Färbung, C. sinopica ist sehr
freudig rostorange, ferner ist mir die Huthaut etwas zu glatt. Letzteres
kann aber witterungs-/altersbedingt sein.

Die Pilzchen waren von der Konstition verhältnismäßig schmächtig. An
C. gibba erinnerten die in keinster Weise. Eher an Lactarius rufus
ohne Buckel).
Sie erschienen mir in jedem Fall als ausgewachsen. Gefunden hatte ich sie am
vergangenen Sonntag gegen Mittag. Da wir seit Freitag Sonnenschein hatten, ist
es schon denkbar, dass sie nicht mehr die üblichen Erkennungsfarben aufwiesen
und dass die Hutaut auch nicht mehr die typischen Farben aufwies.

Hilfreich wären vielleicht Erkenntnisse darüber, wie sich die Pigmentierung von
C. sinopica nach längerer Sonneneinstrahlung verändert.
Die meisten Arten verblassen ja regelrecht. Möglicherweise gibt es hier auch
Arten, die sich anders verhalten, und Pigmente aufbauen.

C. pseudosquamulosa (C. squamulosa ss. auct. p.p.)
C. subsinopica
Mein Tipp wäre also am ehesten C. pseudosquamulosa, aber dann müßte Dein Fund
auch tropfenförmige Sporen haben und inkrustiertes Pigment ....

Da habe ich mal wieder ein kleines Problem.
Ich blättere stundenlang in einem nicht gerade biligen Nachschlagewerk
herum, in welchem die Großpilze eines süddeutschen Bundeslandes
behandelt werden. Für die Bearbeitung der Clitocyben zeichnete ein gewisser
A. Gminder verantwortlich.
Möglicherweise ist das Werk ja mittlerweile vollkommen veraltet.
Aber unter den genannten Taxa ist da einfach nichts zu finden.

Vielleicht standen deinem berühmten Namenstvetter seinerzeit auch noch nicht
so viele schöne Monographien zur Verfügung. Vielleicht lag es aber auch nur
daran, dass der unvergessene Herausgeber des Bandes kein so großer Freund des
Artsplittings war?! Macht aber auch nichts ;-))

Jedenfalls überkam mich beim Lesen deiner Antwort eine merkwürdige Vision.
Da landete doch vor der UN Vollversammlung ein UFO mit unsichtbaren Aliens.
Die hatten natürlich nichts besseres zu tun, als von allen Mitgliedern der
ehrwürdigen Vollversammlung einige Hautproben zu entnehmen, und diese dann
zu mikroskopieren.
Natürlich wurde in erster Linie die Pigmentierung der Haut untersucht,
und siehe da......
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Viele Grüße
ein wie immer allem Neuen gegenüber aufgeschlossener
Ingo