Tag der Artenvielfalt

Thomas Pruß, (vor 7084 Tagen)

Moin zusammen,
gestern war "Tag der Artenvielfalt", und da bin ich mal mit gegangen.
Exkursionsgebiet war der Lehmsieker Wald bei Schwabstedt und das dahinter liegende Wilde Moor. Was die "Moorpuper" gefunden haben, weiß ich noch nicht, denn ich bin – verständlich bei Temps um 30° C – doch lieber in den Wald gegangen.
Die Pilze ließen sich erwartungsgemäß nicht blicken. Nur riechen: Die Stinkmorcheln waren schon in vollem Gange. Ansonsten gab es alte Rotrandige Baumschwämmer, Feuerschwämme, Eckenscheibchen, Kohlenbeeren und ein paar Psathyrellen, alle schon weit übers Rentnerstadium hinaus.
Dafür zeigte uns unser Förster Christoph Rabeler den Horst eines Habichts. Der hatte das Nest etwa 10 m hoch in die Gabelung einer gewaltigen Buche gebaut. Das Ding hatte etwa 1,5 qm Fläche und war einen guten Meter hoch. Gewichtsmäßig kam da bestimmt ein Zentner Holz zusammen. Die Jungen waren natürlich nicht zu sehen, aber Kotspuren unterm Baum zeigten, dass der Horst besetzt war. Auch den Horst eines Uhus bekamen wir zu sehen, und an den Gewöllen darunter erkannten wir, dass auch hier jemand zuhause war. Aus den Gewöllen pulten wir u. a. die Schädel von Wander- und Bisamratten. Und nur wenige Meter weiter lag auf einem Baumstubben der Flügel eines Bussards. Den hatte sich der Uhu auch noch geholt.
An besonderen Pflanzen bekam ich noch einen zweiten Standort der Waldhyazinthe – einer Orchideenart – zu sehen und ein Hahnenfußgewächs, dessen Namen mir so fremd war, dass ich 3 mal nachfragen musste. Oder kennt jemand von euch den Sanikel?
Die Tour dauerte insgesamt 4 h, und danach war nicht nur mein Hund, der Otto, platt, sondern ich auch. Dennoch: Es hat einen Heidenspaß gemacht. Und was mich besonders überrascht hatte: Etwa 3/4 der Teilnehmer waren Jäger oder Jäger und Angler. Toll!
Grüßlis
Thomas

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Re: Tag der Artenvielfalt

Hagen Graebner, (vor 7084 Tagen) @ Thomas Pruß

Wir (Fachgruppe Mykologie beim NABU Naturschutzzentrum Rheinauen, guckst Du hier: http://www.nabu-rheinauen.de/) waren gestern auch unterwegs im Ingelheimer Stadtwald im Hunsrück, gut, es war unser monatliches Arbeitstreffen, aber bei uns ist immer Tag der Artenvielfalt :-). Wir haben ganz ähnliche Sachen gefunden wie Ihr, allerdings war bei uns als Highlight der Löwengelbe Dachpilz da, drei verschiedene Amanitas (rubescen, gemmata und ecelsa), Flockenstielige Hexenröhrlinge in voller Pracht und ein Sumpfhaubenpilz. Die Stinkmorcheln waren in voller Pracht da, ich hab mich unbeliebt gemacht, in dem ich zwei sehr schöne Exemplare eingepackt habe :-). Insgesamt sind wir auf 27 Arten gekommen, was angesichts des Wetters sehr ordentlich war.
Nächste Exkursion ist übrigens am 14.07.

Gruß

Hagen

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Re: Tag der Artenvielfalt

Schnuffel, (vor 7084 Tagen) @ Thomas Pruß

An besonderen Pflanzen bekam ich noch einen zweiten Standort der
Waldhyazinthe – einer Orchideenart – zu sehen und ein Hahnenfußgewächs,
dessen Namen mir so fremd war, dass ich 3 mal nachfragen musste. Oder
kennt jemand von euch den Sanikel?
Grüßlis
Thomas

Hallo Thomas,

da muss Euer Förster etwas durcheinandergebracht haben. Der Sanikel ist ein Doldengewächs. Lediglich die Blätter ähneln den Blättern der Hahnenfußarten.
Mit seinen weißen Blütchen ist er kein sonderlich auffallendes Gewächs. Er ist weit verbreitet, besonders auf Kalk. Auf Buntsandstein habe ich ihn noch nie gefunden.

Gruß
Schnuffel

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Re: Tag der Artenvielfalt

Thomas Pruss, (vor 7082 Tagen) @ Schnuffel

Moin Schnuffel,
nicht der Förster, sondern ich habe das velwechsert. Bei der Kontrolle mit Schmeil-Fitschen habe ich dann gelesen, dass es sich um ein Doldengewächs handelt. Aber es stimmt: Die Blätter sehen aus wie von einer Ranunculaceae. Der Lehmsieker Forst steht auf einer Moräne, und da kommt an Mineralen und Erden so ziemlich alles vor, was die Gletscher so zusammenschieben konnten (leider kein Gold und keine Diamanten …), also auch Kalk. Wie komplex die Situation des Untergrundes ist, zeigt sich dort auch im trauten Zusammenwachsen von Adlerfarn und Engelwurz. Engelwurz braucht feuchten, Adlerfarn eher trockenen Boden. Die Schichten berühren sich dort auf nur wenigen qm Fläche. Kommentar des Försters: "Dasist Engelwurz; den Adlerfarn denken Sie sich jetzt mal weg, der gehört nicht hierher – oder umgekehrt".
Grüßlis
Thomas