Pilze in Arkansas, Reisebericht *PIC*

Roswitha, (vor 7052 Tagen)

Dieser Reisebericht ist schon eine Woche überfällig, aber wegen der Umstellung auf einen anderen Provider, war ich jetzt eine Woche internetlos. Obwohl sowas ja sonst immer problemlos geht, harr harr, oder auch lach lach.

Eine Einladung zur Hochzeit in Indianapolis war der Grund für uns zur Unzeit (hohe Temperaturen, hohe Flugpreise) eine Rundreise durch die Südstaten der USA zu unternehmen.
Dauer der Reise: leider nur 14 Tage.
Start und Ziel: Orlando in Florida, nicht wegen Disney-World usw., sondern wegen Condor, die einen bezahlbaren Flug im richtigen Zeitrahmen dahin anbot.
Die ersten drei Tage sind wir recht zügig über Georgia, Alabama, Tennessee, Kentucky nach Indianapolis im Norden von Indiana gefahren. Temperaturen immer zwischen 30 und 35° C.

Obwohl nicht viel Zeit für Naturerkundung blieb, war mein pilzsuchendes Auge doch immer wachsam an Wiesen, Waldrändern, Seeufern. Umsonst!
Nicht mal eine vertrocknete Tramete oder Schichtpilze waren zu finden.
Immerhin weiß ich jetzt, wie Pecan-Nuß-Bäume aussehen.

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Die Hochzeit wurde am Wochenende 16./17. Juni gefeiert. Formel-1-Begeisterte wissen sicher, dass an diesem Wochenende auch das Formel-1-Rennen in Indianapolis stattfand.Das hat die Hotelpreise in etwa verdreifacht.

Immer noch pilzlos querten wir Illinois und den Mississippi. In Missouri machten wir dann die Bekanntschaft von beißenden Fliegen. Ohne sie genau anzuschauen, sahen sie für mich wie normale Hausfliegen aus. Sie haben uns recht schnell von unseren Pichnickplatz am See vertrieben. Und auch das geplante „hiking“ auf dem „trail“, der am See begann, fiel dann aus. Vielleicht hätte ich ja da Pilze gefunden.

Endlich dann in Branson im Süden von Missouri vier Pilzköpfe:
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Eine tolle Beatles-Show. Wer mehr darüber wissen möchte, kann hier nachschauen:
www.liverpoollegends.com

Dann ging es weiter nach Arkansas, in die Ozarc Mountains, eine hügelige Waldgegend, mit vielen Besonderheiten in Flora und Fauna.
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Hier auf einem trail am Buffalo River fand ich endlich die lang herbeigesehnten Pilze auf
Kalkboden mit verschiedenen Arten von Eichen, Kiefern, Sweetgum (Liquidambar styraciflua) und in Flusnähe Sycamore (Platanus occidentalis):

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Zuerst einen Pluteus, fast auf der Wiese, an einem vergrabenen Stück Wurzel wachsend.

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Später habe ich ihn noch einmal gesehen, aber da die Pflanze links sehr nach Poison Ivy aussieht, nur aus der Distanz fotografiert.

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Der erste Pilz am Waldrand war gleich ein schöner Röhrling, der mich wegen des untypisch schlanken Stiels zuerst ein wenig narrte, zumal der Schwamm auch gar nicht nach unten gewölbt war. Die allmählich Rosafärbung der Röhren und letztendlich eine Geschmacksprobe brachten dann die Sicherheit: Bitter Bolete (Tylopilus felleus)

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Old man of the woods (Strobilomyces floccopus/ S. strobilaceus), ein Erstfund für mich.

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Auch das ein Erstfund: Chestnut Bolete (Gyroporus castaneus), der Hasen-Röhrling. Die allmähliche Gelbfärbung der Röhren, war sehr gut zu beobachten.

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Den hier kenne ich nicht, es müsste wohl ein Filzröhrling sein. Die Röhren und der obere Teil des Stiels waren freudig gelb (das ist doch mal ein netter Ausdruck, den ich Andreas’ und Tanjas neuem Buch entnommen habe), blaut ziemlich stark. Ich wage mal vorsichtig Xerocomus ripartellus hier ins Spiel zu bringen.

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Hier weiß ich auch nicht genau was es ist. Eventuell Graceful Bolete (Tylophilus/Porphyrellus gracilis). Die Schnittfläche wurde mit der Zeit ganz braun.

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Der hier sieht ja wie eine Rotkappe aus. Nur war der Stiel überhaupt nicht rauhschuppig.
Der Anschnitt wurde auch nicht schwarz sondern braun. Röhren cremeweiß, Poren weiß (bei Druck nicht bräunend), Röhrenschicht nicht verschiebbar, wie mit Burggraben am Stiel angewachsen. Huthaut schwer abziehbar, darunter gelb. Geruch pilzig, Geschmack leicht scharf.

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Vom Gefühl her ein Filzröhrling, hat extrem kurze gelbe Röhren, Poren und Stiel intensiv gelb, der Stiel in Hutfarbe (rot) überfasert. Auch nach langer Zeit keine Verfärbung im Schnitt, Röhrenschicht nicht verschiebbar, Geruch unbedeutend, Geschmack leicht säuerlich, null Ahnung!

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Und noch einmal null Ahnung. Ca. 4 cm hoch, Röhren weiß, ausgebuchtet angewachsen, Poren bräunen bei Berührung, Röhrenschicht dünn, nicht verschiebbar, Huthaut nicht abziehbar, Fleisch und Röhren bräunen nach Anschnitt. Geruch leicht pilzig, Geschmack leicht bitter.

Das waren die Röhrlinge (von denen ich überwiegend Exsikkate mitgebracht habe).
Ich hätte noch ein paar amerikanische Pilze zu bieten, aber das besser im zweiten Teil.

Liebe Grüße

Roswitha

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Re: Pilze in Arkansas, Reisebericht

Ingo, (vor 7052 Tagen) @ Roswitha

Tolle Bilder Roswitha. Ich habe keinen Schimmer und freue
mich schon diebisch auf die Namen der Röhrlinge.

Viele Grüße Ingo

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Re: Pilze in Arkansas, Reisebericht

Thomas Pruss, (vor 7052 Tagen) @ Roswitha

Moin Roswitha,
mal was ganz anderes – Amipilze. Ich werde mal heute abend in mein amerikanisches "Texas Mushrooms" schauen, vielleicht finde ich was raus.
Haben die Amis euch beim Pilze suchen nicht angeschaut als wärt ihr Aliens?
Grüßlis
Thomas

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Re: Pilze in Arkansas, Reisebericht

Roswitha, (vor 7052 Tagen) @ Thomas Pruss

Moin Roswitha,
mal was ganz anderes – Amipilze. Ich werde mal heute abend in mein
amerikanisches "Texas Mushrooms" schauen, vielleicht finde ich
was raus.

Ja, das wäre toll.

Haben die Amis euch beim Pilze suchen nicht angeschaut als wärt ihr Aliens?


Auf den Trails haben wir nur einen Wanderer getroffen. Und auf den Day-Use Areas haben sie sich um die Spinner, die Pilze fotografieren, nicht weiter gekümmert.

Ich hatte ja auch keinen Korb dabei, da fiel das Suchen nicht so auf. Für die wenigen Untersuchungsexemplare hat mein Mann mir dann ein Pappekörbchen gebastelt.

Liebe Grüße
Roswitha

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Re: Pilze in Arkansas, Reisebericht

Jürgen, (vor 7052 Tagen) @ Roswitha

Hallo Roswitha,

zu den Boleten kann ich auch nur einen "intelligent guess" abgeben (in der Reihenfolge von oben).
1 - Tylopilus felleus: ok.
2 - Strobilomyces strobilaceus ok.
3 - Gyroporus castaneus ok.
4-6 - Schwierig. Könnte in die Richtung Xerocomus fraternus oder X. campestris gehen. BTW: X. ripariellus ist eine europäische Art, die für die USA nicht gemeldet ist. Am Exsikkat müsste man noch was mikroskopisch machen können (Huthaut, Sporengröße, -ornamentation).
7-8 - evtl. Tylopilus tabacinus.
9-10 - Tylopilus ballouii.
11-12 - Scheint was Besonderes zu sein. Gehört m.E. in die B. speciosus-Gruppe, unterscheidet sich aber durch das fehlende Blauen markant. Da fällt mir nur eine unbeschriebene Art in Bessette et al., North American Boletes, S. 363, Nr.16-18 ein. Die passt aber, v.a. mit der fehlenden verfärbung, sehr gut.
13 - denke, das müsste nochmal Tylopilus ballouii sein (jung).

Grüße, Jürgen

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Re: Pilze in Arkansas, Reisebericht

Roswitha, (vor 7051 Tagen) @ Jürgen

Hallo Roswitha,
zu den Boleten kann ich auch nur einen "intelligent guess" abgeben
(in der Reihenfolge von oben).
1 - Tylopilus felleus: ok.
2 - Strobilomyces strobilaceus ok.
3 - Gyroporus castaneus ok.
4-6 - Schwierig. Könnte in die Richtung Xerocomus fraternus oder X.
campestris gehen. BTW: X. ripariellus ist eine europäische Art, die für
die USA nicht gemeldet ist. Am Exsikkat müsste man noch was mikroskopisch
machen können (Huthaut, Sporengröße, -ornamentation).
7-8 - evtl. Tylopilus tabacinus.
9-10 - Tylopilus ballouii.
11-12 - Scheint was Besonderes zu sein. Gehört m.E. in die B.
speciosus-Gruppe, unterscheidet sich aber durch das fehlende Blauen
markant. Da fällt mir nur eine unbeschriebene Art in Bessette et al.,
North American Boletes, S. 363, Nr.16-18 ein. Die passt aber, v.a. mit der
fehlenden verfärbung, sehr gut.
13 - denke, das müsste nochmal Tylopilus ballouii sein (jung).
Grüße, Jürgen

Hallo Jürgen,

vielen Dank für deine Bestimmungen. Tylopilus ballouii habe ich in meinem "Field Guide to Mushrooms" gefunden. Nach den Foto hätte ich ihn nie erkannt (brauner Hut mit ockerfarbigem Stiel, möglicherweise ein falsches Bild, Fehler gibt es ja auch in amerikanischen Pilzbüchern), die Beschreibung ist aber sehr zutreffend.
Falls du Interesse hast, kann ich dir gerne einige weitere Fotos mailen und auch Exsikkate zuschicken. Als leicht fortgeschrittener Anfänger ohne Mikroskop
habe ich diese sowieso nur für eventuell interessierte Profies gemacht.
Einfach eine E-Mail an mich schicken.

Liebe Grüße
Roswitha