Halo Jürgen,
ich hab mich während 9 Jahren Latein am Gymi immer gefragt, woher meine
Lehrer sich das Recht nehmen uns Texte lesen zu lassen, wie sie garantiert
kein Römer jemals ausgesprochen hätte. Das fing an mit: "Marcus hodie
in colosseo est. Et ubi est Cornelia?" Wenn ich mir heute überleg wie
unterschiedlich in deutschen Dialekten betont wird, frage ich mich, wie
wir heute darauf kommen über die richtige Betonung im Lateinischen oder
Griechischen abschliessend zu urteilen. Wär doch Klasse: Eine CD mit
Texten original gesprochen von Caesar, Augustus, Hadrian, Robespierres
oder Aristoteles...;_))
LG Christoph
Hallo,
maßgeblich ist die lateinische Aussprache. Danach ist bei Graezismen (griechischen Lehnwörtern) die Betonung in aller Regel auf der drittletzten Silbe (vgl. auch heute noch italienisch "Nápoli" und nicht "Napóli", vom Graezismus "Neápolis"). Im Griechischen selbst wird aber anders betont (nea'pólis!).
Im Lateinischen richtet sich die Aussprache nach natürlicher Länge und Position der Vokale. Daraus ergibt sich oft, aber nicht immer, die Betonung auf der vorletzten Silbe (vgl. lat. Mediolánum für Mailand, heute ital. noch Miláno, nicht Mílano).
Lat. Betonungsregeln sind z.B. hier nachzulesen (ab Seite 3).
Ob die alten Römer tatsächlich so gesprochen haben, weiß freilich keiner, man kann aber die Betonung z.B. aus dem Italienischen und auch aus dem Kirchenlatein (das ja auch nach der Antike kontinuierlich in Gebrauch war) ableiten.
Gruß, Jürgen