Test u. Hymenoscyphus-Frage *PIC*

DirkW, (vor 7000 Tagen)

hallo zusammen, wunderbar die neue funktion! klappt ja prima. endlich kann man mal locker ein bild hochladen und anscheinend wird gleich ein neuer trend gesetzt: beiträge mit e i n e m bild. eine durchaus erholsame maßnahme ;-)
aber im ernst: hier mal eine frage an die ascomyceten-freunde unter uns. vor ein paar tagen fand ich eine hymenoscyphus-art an vorjährigen blattstengeln von rosskastanie, geradezu ein massenvorkommen, der ganze boden war übersät davon. apothezien weiß 0,1-0,3cm, deutlich gestielt, bis 0,2cm hoch, rötungen nicht beobachtet, ocker eintrocknend. unterm mikroskop zeigten sich sehr auffällige sporen wie ich sie vorher noch bei keiner anderen hymenoscyphus-art hatte: ein ende extrem zugespitzt, das andere wulstig verbogen, viele große und mittlere öltropfen (siehe notiz). nun finde ich im ellis den hinweis auf h. albopunctus bei rosskastanie, wo tatsächlich verbogene sporenenden abgebildet sind. im aktuellen gattungs-schhlüssel von declerq finde ich albopunctus jedoch nicht wieder (blind?). kennt jemand die art?

viele grüße
dirk

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Re: Test u. Hymenoscyphus-Frage

Andreas ⌂, (vor 7000 Tagen) @ DirkW

hallo zusammen, wunderbar die neue funktion! klappt ja prima. endlich kann
man mal locker ein bild hochladen und anscheinend wird gleich ein neuer
trend gesetzt: beiträge mit e i n e m bild. eine durchaus erholsame
maßnahme ;-)
aber im ernst: hier mal eine frage an die ascomyceten-freunde unter uns. vor
ein paar tagen fand ich eine hymenoscyphus-art an vorjährigen
blattstengeln von rosskastanie, geradezu ein massenvorkommen, der ganze
boden war übersät davon. apothezien weiß 0,1-0,3cm, deutlich gestielt, bis
0,2cm hoch, rötungen nicht beobachtet, ocker eintrocknend. unterm
mikroskop zeigten sich sehr auffällige sporen wie ich sie vorher noch bei
keiner anderen hymenoscyphus-art hatte: ein ende extrem zugespitzt, das
andere wulstig verbogen, viele große und mittlere öltropfen (siehe notiz).
nun finde ich im ellis den hinweis auf h. albopunctus bei rosskastanie, wo
tatsächlich verbogene sporenenden abgebildet sind. im aktuellen
gattungs-schhlüssel von declerq finde ich albopunctus jedoch nicht wieder
(blind?). kennt jemand die art?
viele grüße
dirk

Hallo Dirk,

die Gattung Hymenoscyphus lässt sich anhand der Sporenform in zwei große Hauptgruppen unterteilen:
Sporen scutuloid (wie bei H. scutula): Genau wie Du beschrieben hast, also ein Ende zuspitzend und seitlich verzogen, das andere dicker und abgerundet.
Sporen ciboroid: elliptisch, pantoffelförmig, jedenfalls mit zwei etwa gleich abgerundeten Polen.

Du hast also eindeutig eine Vertreter der scutuloid-sporigen vor Dir. Was man noch wissen müsste, um eine Bestimmung vornehmen zu können ist:
1. Haben die Asci an der Basis Haken -> sieht so aus wie Schnallen bei den Blätterpilzen) oder haben sie keine (ich vermute sie haben keine)
2. Haben die Sporen Cilien, also an einem oder beiden Polen der dünne, haarartige Anhängsel, so wie Wimpern. Die sind sehr dünn, haarartig und manchmal schwer zu sehen. Es gibt Arten mit mehreren Cilien pro Pol, mit Cilien nur an einem Pol, mit nur einer Cilie, etc. etc.
3. Die Ölmenge in den Sporen, aber das hast Du ja gezeichnet und ich nehme also an, dass die Sporen den etwa höchsten Ölgehalt hatten (etwa 70-80% des Sporenvolumens bestehen aus Öltropfen).
4. Sind die Guttulen in den Paraphysen deutlich und klar lichtbrechend, oder sind sie nur schwach lichtbrechend.

Je nachdem, wie die anderen Resultate ergeben, könnte ich mir vorstellen, dass Du entweder Hymenoscyphus albidus gefunden hast (der wächst aber eigentlich auf Blattstielen von Esche, nicht von Rosskastanien - abewr warum nicht auch mal dort?) oder etwas aus dem Bereich H. fructigenus oder H. caudatus.
Aufgrund der Sporenmaße halte ich H. albidus für am Wahrscheinlichsten, für die anderen Arten würde die Maßangabe am alleruntersten Ende der Skala liegen.

Ach ja, H. albidus hat, unter der Lupe betrachtet, eine schwarze Stielbasis und schwärzt auch das besiedelte Substrat (zumindest in direkter Umgebung des Stiels).

beste Grüße,
Andreas

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Re: Test u. Hymenoscyphus-Frage

DirkW, (vor 6999 Tagen) @ Andreas

hallo andreas,

herzlichen dank für die ausführlichen hinweise!

Genau wie
Du beschrieben hast, also ein Ende zuspitzend und seitlich verzogen, das
andere dicker und abgerundet.

das auffällige bei meiner aufs. war jedoch, dass stets nur der b r e i t e r e, abgerundete pol seitlich verzogen war!?
genau so etwas ist wie gesagt im ellis unter albopunctus abgebildet, der dort passenderweise ausschließlich für blattstengel von rosskastanien angegeben wird. bei declerq habe ich die art inzwischen auch entdeckt, und zwar als synonym für fageolus, die jedoch für fagus und quercus-blätter angegeben wird, womit die verwirrung mal wieder komplett wäre.
ansonsten passt albidus super, denn die meisten frk. haben auch im exsikkat tatsächlich eine deutlich scharzbraune stielbasis! cilien hatte ich nicht beobachtet, de guttulen waren deutlich und lichtbrechend, asco-fuß müsste ich allerdings nochmal nachkontrollieren.
stimmt, warum sollte sich albidus nicht auch mal auf kastanie verirren, zumal viele arten aus der sektion ja nicht gerade wählerisch sind was das substrat angeht. dennoch würde mich interessieren, was es mit der ominösen albopuctus auf sich hat.
viele grüße
dirk

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Re: Test u. Hymenoscyphus-Frage

Andreas ⌂, (vor 6999 Tagen) @ DirkW

Hallo Dirk,

ich kenne das Taxon albopunctus nicht. Es ist aber sehr gut möglich, dass das eine gute Art ist, ich habe keinen besonders guten Überblick über die Gattung. Und gerade bei Hymenoscyphus gibt es gar nicht so wenige Arten mit sehr speziellen Substratansprüchen. So besteht der ganze H. fructigenus-Komplex ja auch aus mehreren guten Arten, die auf diversen Fruchtschalen vorkommen und da sehr spezifisch sind.
Ich kann Dir nur raten, den Fund zu dokumentieren und aufzubewahren und mal mit H.O. Baral Kontakt aufzunehmen. Er ist stets hilfsbereit udn wird Dir sicher kompetent antworten.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Test u. Hymenoscyphus-Frage

Klaus, (vor 6998 Tagen) @ DirkW

Hallo Dirk,
ich halte das, was du am Anfang kurz dokumentiert hast, weder für H. albidus noch für albopunctus (letzterer dürfte mittlerweile aufgrund seiner Jod-Reaktion und anderer Mikromerkmale zu Allophylaria umkombiniert worden sein). Nach meinen Erfahrungen müsste das schlicht und einfach das sein, was Sydow als Hymenoscyphus scutula var. aesculicarpa beschreibt. Der Rest sprengt den Rahmen hier und ist als Mail bereits unterwegs. Dazu passen übrigens sowohl die fehlenden Cilien als auch die schwärzende Stielbasis, die albidus durchaus nicht für sich 'gepachtet' hat.
Schön, dass es hier auch mal um Inoperculate gibt, wobei bislang die Frage der Essbarkeit noch gar nicht erläutert wurde. Ich hoffe, du hast mal einen Selbstversuch gemacht.
Schöne Grüße, auch an Andreas
Klaus

hallo andreas,

herzlichen dank für die ausführlichen hinweise!
das auffällige bei meiner aufs. war jedoch, dass stets nur der b r e i t e r
e, abgerundete pol seitlich verzogen war!?
genau so etwas ist wie gesagt im ellis unter albopunctus abgebildet, der dort
passenderweise ausschließlich für blattstengel von rosskastanien angegeben
wird. bei declerq habe ich die art inzwischen auch entdeckt, und zwar als
synonym für fageolus, die jedoch für fagus und quercus-blätter angegeben
wird, womit die verwirrung mal wieder komplett wäre.
ansonsten passt albidus super, denn die meisten frk. haben auch im exsikkat
tatsächlich eine deutlich scharzbraune stielbasis! cilien hatte ich nicht
beobachtet, de guttulen waren deutlich und lichtbrechend, asco-fuß müsste
ich allerdings nochmal nachkontrollieren.
stimmt, warum sollte sich albidus nicht auch mal auf kastanie verirren, zumal
viele arten aus der sektion ja nicht gerade wählerisch sind was das
substrat angeht. dennoch würde mich interessieren, was es mit der ominösen
albopuctus auf sich hat.
viele grüße
dirk