Bitte um Hilfe! Amanita pachyvolvata? *PIC*

Rainer Wald, (vor 6991 Tagen)

Hallo Zusammen!

Ich möchte heute mal um Hilfe bezüglich einer Amanita bitten.

Gefunden habe ich folgenden FK am gestrigen Freitag in der Eifel an einem südlich exponierten Waldrand bei Eichen. Begleitpilze waren Boletus aestevalis und Boletus aereus. Nach meiner Geologischen Karte befindet sich dieser Waldrand an der Grenze zwischen saurem Untergrund und Kalksand, bzw Kalkmergelgestein. Auszuschließen ist also beides nicht.

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Auffälig waren mir die braunen Flecken auf der Volva.

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Makroskopisch möchte ich den Burschen gerne Amanita pachyvolvata nennen.

Hat jemand von Euch eventuell eine andere Meinung oder vielleicht Ideen.

Ich wäre Euch für Anregungen sehr dankbar.

Viele Grüße,

Rainer W.

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Re: Bitte um Hilfe! Amanita pachyvolvata?

Andreas ⌂, (vor 6991 Tagen) @ Rainer Wald

Hallo Rainer,

ich kenne Amanita pachyvolvata aus sauren Nadelwäldern. Diese Art hat eine weiße Volva und einen mehr graubraunen, angedeutet zweifarbigen Hut, ganz ähnlich A. submembranacea oder sogar an A. battarrae erinnernd.

Deinen pilz würde ich der anderen Art mit dicker Volva zuordnen wollen, der Amanita magnivolvata. Ich habe diesen Pizl schon mal gesehen auf einer Exkursion mit Georg Müller an seinem Kaiserlings-Standort, ihm damals aber aufgrund der vielen anderen interessanten Arten leider keine Beachtung geschenkt. Seitdem suche ich die Art und finde sie nie selbst.

Zur Bestimmung (denn das war nur ein Tipp von mir!) muss man aber mikroskopieren. Vielleicht kannst Du die Exemplare trocknen und möglichst auch ein Sporenabwurfpräparat machen und aufbewahren?

beste Grüße,
Andreas

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Re: Bitte um Hilfe! Amanita pachyvolvata?

Rainer Wald, (vor 6991 Tagen) @ Andreas

Hi Andreas,

ich habe etwa vor 10 Minuten ein Stückchen Hut auf den Träger gelegt um später mein Mikroskop anzuwerfen. A. magnivolvata soll ja nach Pilze Ba Wü mehr ellipsoide Sporen haben, ich mache dann später mal ein Bildchen.

Fürs erst danke ich Dir und Grüße mir meine Beiden Jungs am Montag und sei nicht so streng mit Ihnen!!! Sie sind sehr sensibel!"G"

Bis später,

Rainer

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Re: Bitte um Hilfe! Amanita pachyvolvata?

Rainer Wald, (vor 6991 Tagen) @ Andreas

Nochmal ich,

ich möchte den Pilz morgen nochmal jemandem zeigen, dann kommt er auf den Dörrex. Ich schicke Dir dann ein Pröbchen.
Sei bitte so nett und schicke mir Deine Adresse via Mail.

Viele Grüße,

Rainer

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Mikrobild Sporen! *PIC*

Rainer Wald, (vor 6991 Tagen) @ Andreas

Sooo Andreas,

hier folgen nun 2 Aufnahmen vom Sporenabwurf

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Wie Du siehst sind die Sporen Rund mit Zipfel. Größe der Sporen 9-13 MÜ, hauptsächlich 11-12 MÜ.

A. magnivolvata sollte somit ausscheiden! Watt nu?!?!

Viele Grüße Rainer

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Re: Mikrobild Sporen!

Andreas ⌂, (vor 6991 Tagen) @ Rainer Wald

Hallo Rainer,

Ich hatte es mir eigentlich schon gedacht und zwar aus dem Grunde, dass ich zwei sehr ähnliche, vermutlich identische Kollektionen schon zugeschickt bekommen habe und ebenfalls eindeutig runde Sporen fand.

Tja, was nun?

Es gibt drei Möglichkeiten:
1. Es ist nicht magnivolvata, sondern eine andere Art, die zwar schon beschrieben ist, die ich aber nicht kenne bzw. nicht identifizieren kann
2. Es ist eine unbeschriebene Art
3. Es IST A. magnivolvata, die gar nicht elliptische Sporen hat wie überall zu lesen, sondern in Wahrheit eine rundsporige Art ist.

Zu 3.:
Das Problem mit A. magnivolvata ist, dass die Art nach einem einzigen Exemplar beschrieben wurde, dass zudem noch jung und unreif war. Allerdings ist allgemeiner Konsens, dass A. magnivolvata elliptische Sporen haben soll und es gibt ja auch entsprechende Aufsammlungen.
Die Art wird einheitlich als sehr groß (Volva bis 11 cm hoch!!), olivlich-grau im Hut mit leicht dunklerer Ringzone am Ende der Hutrandriefung (also ähnlich A. battarrae) und mit weißer Volva beschrieben, wobei die Volva bei Berührung mit der Zeit etwas rostockerliche Flecken entwickeln kann. Der Stiel sei weißlich. So nach TULLOSS, dem Godfather of Amanita.
Nach CONTU sei der Hut olivbräunlich, die Volva weiß und rostbräunlich überlaufen, sowie der Stiel olivbräunlich genattert (!).

Nun ist es aber so, was ich am Beispiel der vielen A. submembranaceas beobachten kann, dass diese Scheidenstreiflinge oft einen zunächst weißen Stiel haben, der aber je nach Alter und Witterung mehr oder weniger bald getönt wird (meist etwa hutfarben) und dann beim weiteren Längenwachstum diese Tönung in Natterungen auf dem Stiel liegt. Aus einem ehemals weißen Stiel wird so ein genatterter. Ich messe dieser Stielnatterung also eher nur dann einen Wert bei, wenn sie auch schon bei jungen Exemplaren auftritt.
Die Volvafärbung ist dagegen meiner Meinung nach ein gutes Merkmal, aber man muss sich im klaren sein, dass auch weiße Volvas mit der Zeit etwas fleckig werden können. Aber es gibt Arten, die haben von Beginn an rostfleckige Volvas und da ist dann diese Farbe auch die vorherrschende (A. fulva, A. battarae).

Zu 2.
Das kann natürlich immer sein und ich halte das in diesem Fall für gar nicht so unwahrscheinlich. Eigentlich sogar fast das wahrscheinlichste. Neben der vorwiegend in Bergnadelwäldern vorkommenden, braun- bis olivgrauen A. pachyvolvata mag es noch eine weitere, rundsporige, aber tief schokoladenbraune Art der Laubwälder geben. Eben Deine, die ich auch kenne, und die möglicherweise noch nicht beschrieben ist. Aber das muss natürlich abgeklärt werden mit Spezialisten, die inen deutlich größeren Überblick haben als ich.

Zu 1.
Ebenfalls eine sehr wahrscheinliche Möglichkeit. In Betracht käme da allerdings nur die bisher aus Nordamerika bekannte Amanita pachycolea Stuntz. Die käme von der Hutfarbe und von der Fleckenbildung auf der Volva gut hin. Ob die anderen Merkmale auch gut übereinstimmen müsste man mal checken.

Fazit:
Wenn es neben dem Foto, das ja gut ist, noch eine Beschreibung gibt, dann würde ich diese Kollektionen (bzw. einen halben Fruchtkörper davon Minimum) an Tulloss schicken, zu dem ich ganz guten Kontakt habe. Ich fände es wünschenswert, das mal abzuklären, zumal diese dunkelbraune Laubwaldart mit der großen Volva doch immer mal wieder aufzutauchen scheint.

Ach ja, noch eine vierte Möglichkeit gäbe es theoretisch: Die Volva Deines Fundes ist gar nicht so mächtig, dass die Art in die Gruppe der "grovolvigen" Arten gehört. Dann müsste man Deinen Fund bei Amanita vaginata einordnen und da wäre es wohl das, was als Amanita badia "bekannt" ist. Ein weithin vergessenens bzw. in der Synonymie verschwundenes Taxon das bereits vom alten Schaffer beschrieben wurde.

beste Grüße,
Andreas

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Exikat!

Rainer Wald, (vor 6991 Tagen) @ Andreas

Hallo guten Morgen Andreas,

erstmal 1000 Dank für Deine Mühe, die Du Dir gemacht hast, finde ich absolut Klasse!!!!!
Ich werde folgendermaßen vorgehen, da wir ja so nicht allzuviel weiterkommen.
Ich bin heute eh wieder in der Eifel und nicht allzuweit vom Fundort entfernt, so dass es wohl möglich ist noch einmal dort hinzufahren. Dort stand noch ein kleiner FK vorgestern. Dann werde ich mir nochmal die Bäume anschauen, ob nicht doch irgendwo eine Fichte steht, die in Frage kommen könnte. Desweiteren schaue ich mir die Pflanzen nach Säurezeigern an. Den Fruchtkörper werde ich Dir dann auf jeden Fall zukommen lassen, denn für solche Mikroskopischen Untersuchungen, die wohl erforderlich sind, reicht meine Ko0mpetenzt nicht mal ansatzweise aus. Wie Du dann weiter verfährst, musst Du selber wissen. Es wäre natürlich toll, wenn man den Burschen tatsächlich konkret ansprechen kann, denn Du hast mich jetzt natürlich Neugierig gemacht.

Fürs este nochmals 1000 Dank und ich melde mich wieder!

Herzliche Grüße,

Rainer

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Neue Fruchtkörper! *PIC*

Rainer Wald, (vor 6990 Tagen) @ Andreas

Nabend Andreas,

ich war heute nochmal am Standort und es sind erfreulicher Weise 2 Fruchtkörper nachgewachsen.

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Ich werde sie nun trocknen und dann schicke ich sie Dir zu, mit Bildmaterial!

Herzliche Grüße,

Rainer