Hallo Harald!
Danke für deine umfangreichen und interessanten Ausführungen!
Manche Dinge sehe ich genauso wie du, nur einen Punkt ganz anders:
- Interessant finde ich in dem Zusammenhang, dass Menschen die Gerüche, die
sie nicht mögen, schneller, bzw. stärker, bzw. bereits in niedrigerer
"Dosierung" wahrnehmen können.
Ich rieche z.B. bei Backwaren schon kleinste Mengen Zimt heraus, weil ich
Zimt nicht ausstehen kann.
Zimtliebhaber riechen in dem Fall noch gar nichts!
Das könnte ein wichtiger Faktor sein, warum Menschen Gerüche in Pilzen so
unterschiedlich wahrnehmen, bzw. warum sie Gerüche einzelner Pilze
überhaupt wahrnehmen, während dieser Pilz für jemanden anderen nach
"nichts" riecht.
Klingt logisch, weil im Gehirn so etwas wie "Gefahr" oder "Sei auf der Hut" signalisiert wird.
Trifft für mich aber nicht zu, die feinen Düfte, die ich wahrnehme, finde ich zum großen Teil schon so faszinierend, dass ich immerzu am Pilz riechen muss. Noch schlimmer ist es allerdings, wenn ich keine Assoziation dazu finde, rieche also deutlich einen Geruch, kann ihn aber nicht übersetzen; zum Verrücktwerden.
- Betr. Geruch nach Mehl: Hier fände ich hilfreich, den Begriff Mehl durch
"Teig" zu ersetzen. Ich habe oft festgestellt, dass Leute, die
mit dem Begriff "nach Mehl" nichts anfangen konnten, sofort
zustimmten, wenn ich sie auf den Geruch nach industriell gefertigtem
Fertigteig, wie man ihn ausgewallt fürs Backblech kaufen kann, hinwies.
Thema Mehlgeruch: Mach ich auch Unterschiede, finde den Maipilz- Mehlgeruch etwas anders als den "normalen" Ritterlings- Mehlgeruch, und denke, dass nicht Melone, sondern eigentlich Gurke der nähere Geruchsverwandte ist
- "Rückkopplungen" finde ich auch köstlich. Wie riechen denn um
Himmels willen Blattwanzen? Klar, nach Eichenmilchling... 
Ging mir mit dem Lerchenspornrasling (L. connatum) so, und bisher weiß ich auch nur vom Verfärbenden Schneckling (H. discoxanthus) wie die Weidenbohrerraupe zu riechen hätte, sollte sie mir mal begegnen.
- Jeder sollte damit zufrieden sein, dass er Gerüche anders wahrnimmt, als in
den Bestimmungssschlüsseln angegeben. Ich staune immer wieder, wie Leute
damit hadern. Was ist denn das Problem? Hauptsache, sie riechen etwas
Konkretes!
Noch besser, wenn sie etwas Konkretes riechen können, wo andere nichts
riechen...
Hader, hader: für die eigene Bestimmung äußerst hilfreich, aber für Erklärungen an andere Leute total unglaubwürdig. Wer will mir glauben, dass ich z. B. junge Russula foetens (Stinktäubling) durch den Geruch nach chlorigem Schwimmbadwasser anspreche, wenn der Geruch für andere doch nicht da ist?
Für mich riecht zum Beispiel der Riesenchampignon, Agaricus augustus, klar
extrem "unangenehm nach Klebestift", nicht "angenehm nach
Anis". Das ist für mich sonnenklar, ich verstehe nicht, warum der
Rest der Menschheit hier Anis riecht. Ist das ein Problem? Sicher nicht,
die Hauptsache ist, dass ich den Geruch abrufen kann, bzw. den Pilz mit
geschlossenen Augen erkenne.
Aber schöner wäre es doch trotzdem, wenn der Geruch nachvollziehbar wäre! Den Geruch definiere ich übrigens für mich weniger anisartig, für mich riecht er nach Bittermandeln.
-Ich bin überzeugt, dass es sowas wie eine "Tagesverfassung" in der
Wahrnehmung der Gerüche gibt.
Vom Geruch des Nebelgrauen Trichterlings wird mir normalerweise fast übel.
Kann ich bestätigen, ist einfach zu bissig. Geht mir wegen der Überdosierung auch so beim Würzigen Schleimkopf (C. percomis), und den Weißen Birkenritterling (Tr. stiparophyllum) finde ich ebenso undefinierbar würzig-bissig: im ersten Moment angenehm, und dann immer aufdringlicher.
Viele nasige Grüße
Ingo W