Drei Oehrlinge *PIC*

Max, (vor 6895 Tagen)

Hallo liebe Pilzfreunde

Ich habe grosse Freude, dass sich Uschi (Gelbfieber) die Mühe gemacht hat, meine drei diesjährigen Oehrlingsfunde zu bestimmen. Zwei davon habe ich Euch ja im September bereits präsentiert in meinen Fundberichten aus dem Berner Oberland.
Hier nun die Pilze:

otidea bufonia/ Krötenöhrling im Jura auf Kalk mitten auf Wanderweg bei Buche/Fichte auf 1100m
Kommentar Uschi: Dieser Öhrling war noch unreif und ergab keine ausreichend sicheren mikroskopischen Merkmale. Anhand deines Fundbildes und meines mikroskopischen Eindrucks kannst du das Pilzchen ruhigem Gewissen mit
Otidea bufonia ansprechen.
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otidea concinna / Zitronengelber Oehrling im Bergnadelwald auf 1750m
Kommentar Uschi: Unreifer Ascomycet der aufgrund der Unreife keine verwertbaren Mikromerkmale ergab. In Wasser aufgeweichte Exsikkate ergaben jedoch das die Fruchtkörper keine Adern oder Runzeln zur Basis hin hatten und somit Otidea phlebophora (Flavoscypha phlebophora) auszuschließen ist. Der untersuchte Fund ist Otidea concinna.
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otidea propinquata im Bergnadelwald auf 1820m
Kommentar Uschi: Sporen 17-20,5 x 10-12µm, glatt, zwei große Guttulen. Paraphysen nicht kopfig. Der Standort, laut Foto,Nadelwald, die glatte Außenseite, fast runde nicht verschnörkelte offene Form und die nicht kopfigen
Paraphysen sprechen für Otidea propinquata. Diese Bestimmung ist mir relativ schwer gefallen. O. propinquata und platyspora sind sich sehr ähnlich. Aus diesem Grund habe ich ein Exsikkat deines Fundes zu einem Pilzfreund (Ascospezialist) nach Polen geschickt um Rat einzuholen. Auch seine Meinung zu deinem Fund ist Otidea propinquata.

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Mit dem allerbesten Dank an Uschi!

Freundliche Grüsse
Max

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Re: Drei Oehrlinge

DirkW, (vor 6895 Tagen) @ Max

hallo max und uschi,

klasse bilder! für mich schaut öhrling nr. 2 allerdings makroskopisch eher aus wie o. grandis (zumindest so wie boudier ihn verstanden hat): auffälliger kontrast von orangebraunem hymenium und außenseite mit violettem touch. bufonia müsste auch in der fruchtschicht dunkler sein.
prinzipiell bleibt jedoch das problem, dass öhrlinge momentan im großen und ganzen nicht seriös zu bestimmen sind, da es keine einheitlichen artkonzepte gibt und in jedem schlüssel was anderes steht.
viele grüße
dirk

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Nr. 1 natürlich, sorry ... *oT*

DirkW, (vor 6895 Tagen) @ DirkW

- kein Text -

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Re: Drei Oehrlinge

Gelbfieber, (vor 6895 Tagen) @ DirkW

Hallo und guten Tag Dirk,

Otidea bufonia ist von den Farben her sehr variabel. Die Farbpalette der Fruchtschicht wie Außenseite reicht von hellbraun bis dunkelbraun fast schwarzbraun über gelblichocker bis zu einem Hauch violett. In den nächsten Tagen werde ich eine kleine Übersicht zusammenbasteln die die Farbvielfalt von O. bufonia zeigt. In meiner Mail an Max habe ich u. a. geschrieben ….“Dieser Öhrling war noch unreif und ergab keine ausreichend sicheren mikroskopischen Merkmale. …“ Damit ist gemeint das ich sehr wohl Sporen gesehen und gemessen habe. Da sie sich aber noch im Ascus befunden haben sind sie für mich nicht reif und nicht ausreichend sicher für eine Bestimmung. Allerdings durch die Größe und Form der Sporen (ganz typisch rautenförmig) und dem makroskopischen Eindruck, sprich Gesamtbild, bin ich mir aber sicher das es sich um Otidea bufonia handelt.
Dein Einwand ist ok, Farbe der Fruchtschicht von O. grandis die Boudier abbildet ähnelt den Fruchtkörpern die ich untersucht habe. Die Sporenform ist aber deutlich abweichend.

Eine gute Zeit und Tschüß
Gelbfieber

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Re: Drei Oehrlinge

Till, (vor 6893 Tagen) @ Gelbfieber

Hallo, Uschi,

ergänzend zu Deiner eindrucksvollen Zusammenstellung, zwei Fragen: Welche Beschreibung(en) in der Literatur ist (sind) für Deine Interpretation von O. bufonia verbindlich (oder "vorbildlich") und gibt es von der Ökologie her Gemeinsamkeiten bei Deinen diversen Funden?

Das Problem in dieser Gattung liegt, wie Dirk sagt, an den vielen unterschiedlichen Interpretationen, weshalb ich bei allen meinen Otidea-Funden immer dazu schreibe: entspricht der Darstellung bei ....

Was O. bufonia betrifft, war für mich immer die Beschreibung von Maas Geesteranus (1967) maßgebend. Die passte jedenfalls prächtig zu meinen Funden aus Norddeutschland. Hier im Süden ist mir O. bufonia ss. Maas Geesteranus nur sehr selten begegnet.

Zum Verhältnis O. grandis / O. bufonia schrieb M-G.: "Wat men in ons land O. grandis heeft genoemd, is waarschijnlijk allemaal O. bufonia geweest."

Schöne Grüße
Till

Hallo und guten Tag Dirk,

Otidea bufonia ist von den Farben her sehr variabel. Die Farbpalette der
Fruchtschicht wie Außenseite reicht von hellbraun bis dunkelbraun fast
schwarzbraun über gelblichocker bis zu einem Hauch violett. In den
nächsten Tagen werde ich eine kleine Übersicht zusammenbasteln die die
Farbvielfalt von O. bufonia zeigt. In meiner Mail an Max habe ich u. a.
geschrieben ….“Dieser Öhrling war noch unreif und ergab keine ausreichend
sicheren mikroskopischen Merkmale. …“ Damit ist gemeint das ich sehr wohl
Sporen gesehen und gemessen habe. Da sie sich aber noch im Ascus befunden
haben sind sie für mich nicht reif und nicht ausreichend sicher für eine
Bestimmung. Allerdings durch die Größe und Form der Sporen (ganz typisch
rautenförmig) und dem makroskopischen Eindruck, sprich Gesamtbild, bin ich
mir aber sicher das es sich um Otidea bufonia handelt.
Dein Einwand ist ok, Farbe der Fruchtschicht von O. grandis die Boudier
abbildet ähnelt den Fruchtkörpern die ich untersucht habe. Die Sporenform
ist aber deutlich abweichend.
Eine gute Zeit und Tschüß
Gelbfieber

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Re: Drei Oehrlinge

Gelbfieber, (vor 6893 Tagen) @ Till

Hallo und guten Abend Till,

mit den unterschiedlichen Interpretationen gebe ich dir recht. Aus diesem Grund möchte ich auch gleich deiner Anregung folgen:
Meine Otidea bufonia Funde entsprechen der Darstellung von E. Gerhardt.
Ob man nun gerade die Farbe der Fruchtschicht zu einer Bestimmung heranziehen sollte, lasse ich mal so dahingestellt. Bei meinen Aufsammlungen geht der sehr variable Farbton von gelblich über braun bis tief rotbraun. Für ganz wichtig allerdings halte ich die Sporengröße im Verbund mit der Sporenform. Gerade die spindelige Form (ich vergleiche sie gern mit (Lakritz-Salinos) der Sporen, grenzt O. bufonia sich schon stark von anderen Arten der Gattung ab! Ob die Paraphysen hier eine Rolle spielen – ich kann es nicht sagen da ich bei jedem Fund mehr oder minder gekrümmte/kopfige Paraphysen hatte. Sind sie vom Alter abhängig? In 5 Jahren bin ich vielleicht schlauer ;-)
Zur Ökologie:
Fast alle meiner Otidea bufonia Funde stammen aus dem südlichen Teil der Lüneburger Heide. Sandboden, Nadelwald, seltener Laubwald. Einen Fund hatte ich in diesem Jahr auf/über Kalk unter Buchen.
Dirk hat nach O. cochleata und umbrina gefragt – kannst du dazu etwas sagen?
Zurückzukommen auf die Literatur. Für mich als Hobbymykologin besser gesagt Pilzsammlerin, ist jetzt nicht wie oben geschrieben der Gerhardt das Maß aller Dinge, jedoch für mich ausschlaggebend bei Otidea bufonia. Neben Nordic Macromycetes, M&C und vielleicht sollte man auch einmal Some Species of Otidea from China – Jin-Zhong Cao erwähnen.
Kleine nicht so ernst gemeinte Anregung:
Oft hört und ließt man ja von Doppelnachnamen z. B. Günter Meier-Hoppenstedt. Könnte man dies nicht in ähnlicher Form auch „übergangsweise“ bei O. bufonia machen - Otidea bufonia-grandis? Soviel zu Otidea bufonia-grandis ;-)
Mal was anderes - Asco-Literatur im Allgemeinen. Mit B+K Band1, dem aus 2000 stammenden recht „frischen“ Band 1 Nordic Macromycetes (super Arbeit) und dem rel. „alten“ Dennis ist man neben speziellen Gattungsschlüsseln als Hobbymykologe doch recht gut bedient. Was meinst du dazu?

Eine gute Zeit und Tschüß in den Süden
Gelbfieber

PS.: Sollte ich deine Fragen nicht ausreichend beantwortet haben so frag bitte nach. Durch den Austausch von Informationen kommen wir, wie schon „Scherlock-Humbuk“, auf die richtige Spur ;-)

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Re: Drei Oehrlinge

Till, (vor 6892 Tagen) @ Gelbfieber

Hallo, Uschi,

vielen Dank für Deine Ergänzungen. Bei einer so kniffligen Gattung wie Otidea, für die es seit Jahrzehnten keine detaillierte wissenschaftliche Monographie gibt, bleibt uns Amateuren einfach gar nichts anderes übrig, als sich an verschiedene Beschreibungen in der Literatur zu halten und diese bei der jeweiligen Bestimmung dan auch zu nennen.

Man kann die vorhandene Literatur aber sicher etwas differenzieren:

A) die Originalbeschreibungen, die oft schon sehr alt (18./19. Jahrhundert), schwer erhältlich, nicht immer leicht verständlich und meistens zu kurz sind. Letzteres trifft leider auch für einige "moderne" Neubeschreibungen zu, z. B. jene von H. Harmaja. Selbst alte Illustrationen sind oft schwer interpretierbar.

B) wissenschaftliche Artikel, die sich auf die Untersuchung von Typusmaterial stützen (gibt es relativ wenige bei Otidea, z. B. einen Aufsatz von J. A. Nannfeldt und die Revisionen der Arten Velenovskys durch Svrcek)

C) Literaturauswertungen wie der Schlüssel von Mornand & Courtecuisse (die Bibliographie enthält die wichtigsten Arbeiten über die Gattung) oder auch Nordic Macromycetes, British Ascomycetes etc.

D)Einzelbeschreibungen in floristischen u. a. Arbeiten: Je ausführlicher, desto wertvoller, vor allem, wenn mit genauer Bestimmungsreferenz. Hier würde ich auch Bilderbücher wie Pilze der Schweiz (gerade bei Otidea mit einigen sehr "mutigen" Bestimmungen), Gerhardt, Laux, Dähncke etc. einordnen, wobei natürlich die Beschreibung von belegten Einzelkollektionen mit genauen ökolog. Angaben und zumindest einer kurzen Diskussion wie in PdS schon besser ist als allgemeine Abbildungen und Beschreibungen aus einem Feld-, Wald-, und Wiesen-Pilzbuch.

Über die Bestimmungskriterien bei Otidea kann man lange diskutieren. Sehr wichtig ist vor allem die Sporengröße, wobei ich drei Gruppen unterscheide: die "Kleinsporigen" mit Sp. (8-)9-12 (-14)um, z. B. O. concinna, O. microspora, O. onotica, O. felina und einige skandinavische Arten wie O. formicarum und O. nannfeldtii; dann die "Mittelgroßsporigen" mit Sp. (13-) 14-17 (-18) um wie O. alutacea, O. leporina, O. cochleata (ist die größte Gruppe) und schließlich die "Großsporigen" mit Sp. (17-) 18-24 (-26)um wie O. propinquata, O. apophysata, O. boudieri.

Bei den Paraphysen sind das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von knotigen Auswüchsen und kurzen Verästelungen möglicherweise bisher zu wenig beachtet worden, ebenso wie die Pigmentverteilung in den Paraphysen (an Frischmaterial beobachten).

Natürlich spielen auch makroskop. Merkmale wie Form (höher als breit oder umgekehrt etc.) und die Farbe eine wichtige Rolle, wobei in beiden Fällen die Daten zur Variationsbreite noch völlig unbefriedigend sind.

Unterm Strich geht's nur nach dem Ameisenprinzip voran: Nadel um Nadel Beobachtungen zusammentragen, bis sich Straßen ergeben, ein Haufen bildet und sich irgendwann einmal bestimmte Strukturen erkennen lassen...
Und da bist Du mit Deinen schönen Makro- und Mikrodokumentationen absolut auf dem richtigen Weg.

Schöne Grüße
Till

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Otidea bufonia – „Farbpalette“ *PIC*

Gelbfieber, (vor 6894 Tagen) @ DirkW

Hallo und guten Abend Dirk,

heute Abend habe ich eine halbe Stunde Zeit abgezweigt, um wie heute Mittag schon „angedroht“ eine Übersicht der Farbvielfalt von Otidea bufonia zu basteln. Die Funde stammen aus den Jahren 2004 bis 2007, sind alle samt mikroskopiert bzw. nachmikroskopiert.
Die einzelnen Bildchen sind sehr klein gehalten um nicht viel zu scrollen, da Farben in der Übersicht und nicht Einzelheiten das Auge erreichen sollen.

Eine gute Zeit und Tschüß
Gelbfieber

[image] http://www.naturfoto-kontor.de

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Re: Otidea bufonia – „Farbpalette“

DirkW, (vor 6893 Tagen) @ Gelbfieber

hallo uschi,

vielen dank für all die schönen bilder! man glaubt makroskopisch wirklich mindestens zwei vers. arten vor sich zu haben. wenn ich dich richtig verstehe, hatten alle aufs. identische mikromerkmale, auch was die paraphysen betrifft?
mich würde auch interessieren, welche literatur für dich maßgeblich ist.
denn das grundproblem bleibt: wer weiß schon genau, was bufonia oder grandis wirklich genau ist? und was ist mit umbrina? gibts die noch? und welche sporengröße hat nun cochleata etc. etc ...
die öhrlinge wären ein prima fall für eine gen-analytische aufarbeitung!
viele grüße
dirk

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Siehe meine Antwort anTill *oT*

Gelbfieber, (vor 6893 Tagen) @ DirkW

- kein Text -

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Re: Otidea bufonia – „Farbpalette“

Waldschrat, (vor 6892 Tagen) @ Gelbfieber

Hallo Uschi,
eins muß mal gesagt werden. Wiederholt beeindrucken mich Deine Beiträge: direkt, schnörkellos, gut recherchiert und formuliert, Grafiken übersichtlich, aussagefähig, von sehr guter Qualität und ebenso ohne Unschweife das Thema treffend. Typisch Frau!:-)
Danke und Gruß
Waldschrat

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Re: Otidea bufonia – „Farbpalette“

Ingo Wagner, (vor 6892 Tagen) @ Waldschrat

Hallo Uschi,
eins muß mal gesagt werden. Wiederholt beeindrucken mich Deine Beiträge:
direkt, schnörkellos, gut recherchiert und formuliert, Grafiken
übersichtlich, aussagefähig, von sehr guter Qualität und ebenso ohne
Unschweife das Thema treffend. Typisch Frau!:-)
Danke und Gruß
Waldschrat

Schließe mich an: gestochen scharf, ob Bilder oder Aussage.
Ich find´s allerdings mehr "typisch Uschi"!

VG Ingo W

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Das ist ja lieb von euch – D a n k e s c h ö ö ö n *oT*

Gelbfieber, (vor 6892 Tagen) @ Ingo Wagner

- kein Text -