Neujahrspilz (Faltiggerunzelter Wasserfuß) *PIC*

interhias ⌂, (vor 6876 Tagen)

Fangen wir das neue Jahr doch gleich mit einem hübschen Schwammerl an:

[image]

[image]

Das ist der Faltiggerunzelte Wasserfuß (Hydropus trichoderma). 2006 habe ich ihn wohl schon mal gefunden, Andreas hatte mich vor einem Jahr im DGfM-Forum auf die Bestimmung gebracht. 2007 hatte ich das Glück, den Pilz an einem anderen Standort wieder zu finden.

Makroskopisch sieht er ein bisserl einem Helmling ähnlich. Mikroskopisch hat er ein paar charakteristische Merkmale:

Große, weit aus dem Hymenium ragende Zystiden:
[image]

Amyloide, ellipsoide Sporen:
[image]

Intrazellulär pigmentierte Pileozystiden:
[image]

Braun inkrustierte HDS-Zellen:
[image]

Braun pigmentierte Kaulozystiden, die makroskopisch als braune Pünktchen am Stiel auffallen:
[image]

2006 fand ich den Pilz im Gebirge auf einer Schafweide, im vergangenen Jahr an einer steinigen Wegböschung im Voralpenland.

Beschreibung:
Funddaten: 15.07.2007; MTB 8136/4/3/1, 720 m, Taubenberg, an einer schottrigen, steinigen Böschung, teils direkt Steinen aufsitzend; bei Fichte, jungen Buchen und (weiter entfernt) Tanne; gesellig (ca. 5 Fk); Hut: 1,5 bis 2,5 cm breit, stumpf gebuckelt, Oberfläche radial faltig-furchig, matt, schokoladenbraun, zum Rand hin etwas heller, bis zum Scheitel durchscheinend gerieft; Stiel: 1,5-4 cm lang, bis 0,4 cm breit, zylindrisch, basal kaum bis schwach verdickt, blass graubraun, häufig etwas verdreht, auf ganzer länger +/- ausgeprägt bereift, Reifpünktchen bräunlich; Lamellen: entfernt, untermischt, am Stiel ziemlich breit angewachsen, sehr bauchig und deswegen am Stiel steil aufsteigend, ziemlich dick (an Hygrocybe erinnernd), grau bis graubraun; Schneiden glatt, ab un zu etwas gekerbt; Fleisch: im Hut grauweißlich, im Stiel wässerig graubraun; Geruch: schwach, uncharakteristisch; Geschmack: mild, neutral; Hymenialzystiden: zylindrisch bis spindelig-bauchig, Cheilos locker auf der Schneide verteilt, Pleuros häufig (wie bei Inocyben), voluminös, aber dünnwandig, ca. 55-80 x 12-17; Pleurozystiden: siehe Hymenialzystiden; Kaulozystiden: weniger voluminös als die Hymenialzystiden, meist schlankkeulig, z.B. 45-55 x 8-10, teilweise auch viel kleiner, sehr variabel, häufig, aber nicht immer intrazellulär braun pigmentiert; HDS: Cutis aus parallel liegenden, 2-10 µm breiten, häufig braun quergetreift inkrustierten Zellen, aus dieser Schicht entspringen zahlreiche keulig-blasige und utriforme, aufgerichtete und hervorstehende, teilweise auch nur ausgestülpte Elemente, die intrazellulär, seltener auch quergestreift inkrustiert braun pigmentiert sind und bisweilen eine zellige Oberfläche bilden, Maße der "Pileozystiden" ca. 30-40 x 12-20, breite der Cutishyphen ca. 2-10 µm, Schnallen sehr groß und zahlreich; Basidien: 4-sporig, z.B. 28x8; Sporen: hyalin, meist ellipsoid mit großem Apiculus, deutlich amyloid, 7,6 x 5 (6,5-9 x 4,5-5,5), Q=1,53 (1,3-1,8);

Damit wünsche ich allen Pilznarren einen guten Start ins Neue Jahr!

Gruß aus München
Hias

Eintrag gesperrt
20 Aufrufe

Re: Neujahrspilz (Faltiggerunzelter Wasserfuß)

Rudi, (vor 6876 Tagen) @ interhias

Bravo Hias,

von so einer Doku kann ich nur träumen.
Also gut, dann nehm ich mir das für 2008 vor- einmal wenigstens einen Pilz so darstellen!
Da bin ich mal gespannt.

Servus Rudi

Eintrag gesperrt
18 Aufrufe

Re: Neujahrspilz (Faltiggerunzelter Wasserfuß)

Der Juergen, (vor 6876 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,

die Präsentation ist erste Sahne, wie immer! Danke fürs Zeigen dieser mir bisher völlig unbekannten Pilzart.

Grüßle
Juergen

Eintrag gesperrt
18 Aufrufe

Re: Neujahrspilz (Faltiggerunzelter Wasserfuß) *PIC*

Andreas ⌂, (vor 6876 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,

tolle Dokumentation, da muss ich mich mit meinen Mikrobilder doch noch mehr anstrengen.
Ich habe diese Art vor ein paar Jahren ja auch gefunden, sie ist letztlich leicht bestimmbar wenn man mikroskopiert.

Nun gelang mir aber 2006 auch ein Fund einer Hydropus-Art im Botanischen Garten Jena, im Viktoria-Haus (feucht-warmes Tropenklima), die auffallende Gemeinsamkeiten mit unserem Runzelhütigen Wasserfuß aufweist. Vor allem betrifft dies die einzigartige Pigment-/Zystidensituation der Hutdeckschicht, denn eigentlich dürfte es diese Kombination "HDS nicht hymeniform sondern nur mit zystidoiden Ausstülpungen" + "Pigment neben vakuolär auch membranär vorhanden" gar nicht geben! Hydropus trichodermus hat diese Kombination aber - bekanntermaßen - und mein Tropenhaus-Hydropus hat sie eben auch. Gleich sind auch die amyloiden Sporen und die großen Zystiden. Unterschiedlich sind die allgemeinen Hutmerkmale (gerieft, nie geruzelt, nicht konisch), die Farbe des Stiels und die farblosen Stielpusteln (demzufolge auch unpigmentierte Caulozystiden). Ich werde diese Art in absehbarer Zeit neu beschreiben.

Hier ein Bild:
[image]Und auch die Huthaut mit so eine zystidenartigen Ausstülpung ung gleichzeitig membranärem (inkrustiernedem) Pigment.
[image]Und zuletzt noch die großen, aus der Trama herausstehenden zystiden auf der gesamten Fläche der Lamelle:
[image]Weitere Fotos und auch Mikrobilder kann man in meiner Bildergalerie ansehen: http://www.mollisia.de/Galerie/Indet/F-K.html

beste Grüße,
Andreas

Eintrag gesperrt
18 Aufrufe

Re: Neujahrspilz (Faltiggerunzelter Wasserfuß)

Heinz Ebert ⌂, (vor 6876 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,
der muss ja dann wohl Hydropus anninovi heißen. ;-))
Liebe Grüße auch an den Anhang, Heinz

Hallo Hias,
tolle Dokumentation, da muss ich mich mit meinen Mikrobilder doch noch mehr
anstrengen.
Ich habe diese Art vor ein paar Jahren ja auch gefunden, sie ist letztlich
leicht bestimmbar wenn man mikroskopiert.
Nun gelang mir aber 2006 auch ein Fund einer Hydropus-Art im Botanischen
Garten Jena, im Viktoria-Haus (feucht-warmes Tropenklima), die auffallende
Gemeinsamkeiten mit unserem Runzelhütigen Wasserfuß aufweist. Vor allem
betrifft dies die einzigartige Pigment-/Zystidensituation der
Hutdeckschicht, denn eigentlich dürfte es diese Kombination "HDS
nicht hymeniform sondern nur mit zystidoiden Ausstülpungen" +
"Pigment neben vakuolär auch membranär vorhanden" gar nicht
geben! Hydropus trichodermus hat diese Kombination aber - bekanntermaßen -
und mein Tropenhaus-Hydropus hat sie eben auch. Gleich sind auch die
amyloiden Sporen und die großen Zystiden. Unterschiedlich sind die
allgemeinen Hutmerkmale (gerieft, nie geruzelt, nicht konisch), die Farbe
des Stiels und die farblosen Stielpusteln (demzufolge auch unpigmentierte
Caulozystiden). Ich werde diese Art in absehbarer Zeit neu beschreiben.
Hier ein Bild: http://www.mollisia.de/Galerie/Indet/F-K.html
beste Grüße,
Andreas

Eintrag gesperrt
20 Aufrufe

Re: Neujahrspilz (Faltiggerunzelter Wasserfuß)

Andreas ⌂, (vor 6876 Tagen) @ Heinz Ebert

Hallo Andreas,
der muss ja dann wohl Hydropus anninovi heißen. ;-))
Liebe Grüße auch an den Anhang, Heinz

Hallo Heinz,

nicht wirklich, ich hab ihn ja weder heute gefunden, noch heute beschrieben.
Er wird H. longizystidiatus heißen, auch wenn es noch andere Arten mit ähnlich langen Zystiden gibt (aber nur wenige).

beste Grüße zurück!
Andreas

Eintrag gesperrt
18 Aufrufe

longizystidiatus

Heinz Ebert ⌂, (vor 6876 Tagen) @ Andreas

Mensch Andreas,
hast ja superschnell geantwortet, aber dieser Name "longizystidiatus" ist ja mal wieder viel zu kompliziert. Lass uns das doch mal in dieser Weltöffentlichkeit gründlich ausdiskutieren! "NEUJAHRS-WASSERFUSS" GMINDER fände ich revolutionär und wäre sicherlich seitenfüllend bei mehreren Ausgaben der BILD und andren richtigen Zeitungen *prust*
Herzliche Grüße nach dem Osten,
Heinz

Hallo Heinz,
nicht wirklich, ich hab ihn ja weder heute gefunden, noch heute beschrieben.
Er wird H. longizystidiatus heißen, auch wenn es noch andere Arten mit
ähnlich langen Zystiden gibt (aber nur wenige).
beste Grüße zurück!
Andreas

Eintrag gesperrt
20 Aufrufe

Re: Neujahrspilz (Faltiggerunzelter Wasserfuß) *PIC*

interhias ⌂, (vor 6876 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

bei meiner Aufsammlung von 2006 habe ich übrigens nochmal die HDS nachuntersucht: Ergebnis negativ. Bei diversen Schnitten konnte ich nur zylindrische bis schwach keulige, nicht sehr voluminöse Endzellen und keinerlei Pigmentinkrustationen feststellen. Deshalb bin ich mir nicht ganz sicher, ob es sich dabei nicht doch um eine verwandte Art (paradoxus, scabripes) handelt. Alle anderen Merkmale sind bei beiden Aufsammlungen nahezu identisch.

Bei dem Fund von 2007 dagegen standen die "Pileozystiden" so dicht, dass bei einem Skalpschnitt vermutlich der Eindruck einer zelligen HDS entstehen würde.

Hier nochmal ein Bild von der Kollektion 2006.
[image]

Beste Grüße
Hias