Sommertäublinge (Griseinae) *PIC*

interhias ⌂, (vor 6871 Tagen)

Servus,

normalerweise weigere ich mich ja, in Friedhöfen und überbevölkerten Parks meine Coolpix anzuwerfen, um verstohlen ein paar Schwammerln abzulichten, sobald die Luft einigermaßen rein ist. Aber was tut man nicht alles für ein paar schöne Täublinge, die man in einsamen Wäldern kaum finden würde...

Diese graugrünen Gesellen fand ich Anfang Juli vergangenen Jahres in einem Park am Münchner Stadtrand unter Birken, sehr wahrscheinlich auf kalkreichem Boden:

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Mit dem Sarnari-Schlüssel lande ich hier bei den Griseinae und dort bei Russula atroglauca, dem Schwarzgrünen Täubling, den ich bis jetzt aber noch nie gesehen habe. Ähnlich wäre auch R. pseudoaeruginea, die der Felix aus Thüringen kennt. Vielleicht liege ich auch völlig daneben. Wer kennt sich ein bisschen aus in diesem Verwandtschaftskreis?

Auffallende mikroskopische Merkmale: Große schwarzblaue Pigmentkörner in den abgerundet endenen, meist zu vielen "Tönnchen" untergliederten HDS-Haaren, Sporen mit deutlich amyloiden Plageflecken, durch die man bei Sarnari auch leicht an den Griseinae vorbeischlüsseln kann.

HDS in Wasser:
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Sporen in Melzer:
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Beschreibung, weitere Fotos:
Funddaten: 05.07.2007, MTB 7935/1/3/2, 570 m, Pullach, Heilmannpark; bei solitärer Birke und Apfelbaum, in der Wiese; gesellig; Hut: bis 7 cm breit, im Zentrum schon früh leicht, später deutlich vertieft, Huthaut matt bis speckig glänzend, befeuchtet ziemlich klebrig (Oberlippentest!), manchmal etwas felderig rissig, Farben graugrün, im Zentrum meist dunkler, dunkel braungrün, bis weilen auch mit violettgrauer Färbung, zum Rand hin oft blasser, Rand schon jung etwas gerieft, alt auf knapp 1 cm fast kanelliert, Huthaut zu 2/3 leicht abziehbar; Stiel: bis 5 cm lang, ca. 1,5 cm breit, zylindrisch, weiß, gelbbraun fleckig, vor allem zur Basis hin; Lamellen: gerade angewachsen, am Ansatz oft gegabelt, mäßig gedrängt, am Grund queraderig, cremeweiß, in der Aufsicht satt creme, Schneiden häufig rostbraun gesprenkelt; Fleisch: weiß, ziemlich kompakt, im Schnitt nicht verfärbend; Geruch: angenehm obstartig; Geschmack: Fleisch mild, nussig, Lamellen leicht schärflich; Chemie (Reaktion auf Stielrinde): FeSO4 sofort blass orangerosa, Guajak langsam dunkelgrün, Phenol langsam rosabraun; HDS: Haare: kurz und mehrfach gegliederte Ketten aus leicht angeschwollenen bis tönnchenförmigen Zellen, Endzellen oft verlängert, zylindrisch und abgerundet, z.B. 22x4, 15x6, 20x4, 17x3, Breite der Kettenglieder meist um 5, bisweilen auf 6-9 angeschwollen; Pigment intrazellulär, körnig, schwarzblau;
Pileozytiden: schlankkeulig, schlangenförmig, unseptiert, in SV grau bis graubraun, Kopfbreite 5-10; Sporen: breitelliptisch, 7,2 x 5,6 (6,5-7,5 x 5-6), Q=1,29 (1,2-1,4); Ornamentierung: Ornament aus überwiegend isolierten, dicken, konischen Warzen, die bisweilen verlängert sind, und wenigen Graten, feinstrichige Verbindungen vorhanden, aber eher sporadisch, Gesamtbild überwiegend isoliert ornamentiert, bisweilen unvollständige Maschen und Zebrierungen vorhanden, 0,3-0,8 vorstehend; Plageflecken amyloid, auffällig weit vom Apiculus entfernt, quasi in der Luft hängend am Sporenbauch; Sporenpulver: creme, IIb;

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Pileozystiden in Sulfovanillin:
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Gruß aus München
Hias

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Re: Sommertäublinge (Griseinae)

Thüringer-Holz, (vor 6871 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,

sehr schöne Kollektion mit tollen Täublingen zeigst du uns da.
Mit Griseinae liegst du vollkommen richtig, eine sehr schwere Gruppe.

Zu deiner Kollektion fällt mir spontan R.anatina ein. Da passt der felderig-aufgerissene Hut sehr gut. Die HDS mit den kurzen tonnenförmigen Elementen passt in den Formkreis um R.faustiana oder R.pseudoaeruginea.
Die Täublinge in dieser Gruppe sind sich teilweise so ähnlich, da bin ich häufig überfragt.
Habe den SARNARI gerade nicht hier, werde aber nachher mal schauen. Sehr
gute Dokumentation!!

Bis später
FELIX

PS: Wenn alle Stricke reißen - W.Jurkeit freut sich bestimmt über Trockenobst.

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Re: Sommertäublinge (Griseinae)

Andreas ⌂, (vor 6871 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,

nicht dass ich Dir einen Tipp zur Art geben könnte. Aber ich kenne ein paar der von Dir in Betracht gezogenen Arten und glaube nicht, dass es sich um eine davon handelt.

Atroglauca soll nach seinem Beschreiber Einhellinger ein Moorbewohner sein. Da passt der Standort gar nicht. SARNARI hat die Art nie gesehen, ich bin seiner Ausweitung der Ökologie erst mal skeptsich gegenüber. Ferner gefällt mir für diese Art der bräunliche Farbton in der Hutmitte nicht (oder seh ich da falsch?) und überhaupt ist der ganze fabrton zu schiefergrau für meine Vorstellung. Ich habe diese Art aber auch noch nie selbst gesehen.

Pseudoaeruginea ist eine rein hellgrüne Art, die in der Mitte weißlich bis creme ausblasst, sonst aber keine anderen farbtöne aufweist. Wächst auf Kalk an wärmebegünstigten Stellen, unter Eiche. Würde ich ausschließen wollen.

Anatina ist dagegen bläulichgrün und hat einen feinrissigen Hutrandbereich. Wächst im Eichen-Hainbcuhenwald auf neutralen bis basischen Böden. Kenne ich optisch anders als Deine Pilze.

Ich vermute, aeruginea hast Du wegen derer dünnerer Huthauthaare ausgeschlossen und medullata wegen der Sporenpulverfarbe. Beide kämen für mich optisch besser hin als die obigen Vorschläge, scheiden aber wohl aus.
Wie wär's mit parazurea, auch wenn da zugegeben die Oberflächenstruktur nicht so dolle passt.
Bleibt auch noch die ominöse stenotricha übrig, aber die soll halt auch dünne Haare haben.

Schwierig ....

beste Grüße,
Andreas