Mikrofrage

AlexR, (vor 6782 Tagen)

Auf der Suche nach einem geeigneten Mikroskop,
habe ich noch folgende Frage an alle Mikroexperten:

1. Ist ein aufgesetzter Objektführer (Tisch also feststehend)

im Vergleich zu einem Kreuztisch eine vernünftige Alternative?

2. Reicht für Routineuntersuchungen ein Hellfeldkondensor

mit einer Apertur von 0,9 oder sind 1,25 das Maß der Dinge?

Vielleicht kann mir ja jemand hierzu helfen.

Gruß,

AlexR

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Re: Mikrofrage

Waldschrat, (vor 6782 Tagen) @ AlexR

Hallo Alex,
es gibt einige Fachkundige in Sachen Mikroskopie im Forum. Aber keiner wollte sich bisher zu einer Antwort aufraffen. Meiner Meinung liegt es daran, daß Deine Frage zu unscharf formuliert ist. Für die Pilzmikroskopie, vor allem für Sporen, muß die Vergrößerung möglichst hoch sein (ca. 1000). Und diese hohe Vergrößerung wiederum macht nur Sinn, wenn qualitative Optik (Objektiv, Kondensor, Okulare) zum Ensemble gehören und das Stativ präzis gearbeitet ist (optische Achse, Winkelgenauigkeit etc.) Alles andere ist Nebensache bzw. läßt sich hintrimmen.
Gruß - Waldschrat

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Re: Mikrofrage

Wolfgang P., (vor 6782 Tagen) @ AlexR

Auf der Suche nach einem geeigneten Mikroskop,
habe ich noch folgende Frage an alle Mikroexperten: 1. Ist ein aufgesetzter
Objektführer (Tisch also feststehend)
im Vergleich zu einem Kreuztisch eine vernünftige Alternative?
2. Reicht für Routineuntersuchungen ein Hellfeldkondensor
mit einer Apertur von 0,9 oder sind 1,25 das Maß der Dinge?
Vielleicht kann mir ja jemand hierzu helfen.
Gruß,
AlexR

Hallo Alex,

zu (1): das Ding kenne ich nicht genau, es klingt aber nach einer gangbaren Notlösung. Wenn Du (nicht nur Pilze) mikroskopierst, ist Dein Objekt in ständiger Bewegung, weil Du im Präparat nach einem geegneten Ausschnitt suchst uns dabei laufend in der Höhe nach-fokussierst. Bei einem Kreuztisch sind alle drei Raumrichtungen bequem gemeinsam (ein- oder beidhändig) zu bedienen. Steht der Tisch fest und Du bewegst den Objektträger anders (wie auch immer), hast Du erstmal nur eine un-ergonomische Handhaltung mit den entsprechenden Ermüdungserscheinungen und langsamerem Fortschritt. An Funktion verlierst Du nichts.

zu (2):
Ich wette, dass 99% aller Pilz-Mikroskopiker gar nicht wissen, was sie tun müssten, um den nA=1,25 des Kondensors wirklich nutzen zu können, nämlich das Präparat auch von unten (!) mit Öl zu immergieren. Dann bleibt diese Auflösung immer noch der theoretische Wert bei komplett geöffneter Blende, während die meisten Pilzmikroskopiker dazu neigen, die Blende weit zu schließen, um die höhere Tiefenschärfe (auf Kosten der Auflösung) zu gewinnen.

Ich habe jahrelang mit einem Kondensor mit nA=0,9 gearbeitet, und konnte dennoch auch die Ornamente von Pilzsporen weitgehend erkennen.

Keinen Kompromiss kannst Du bei der nA des Objektives machen, da ist 100x/1,25 der notwendige Standard.

Für weiteres dazu empfehle ich die Mikrofibel der Münchner Mikroskopischen Gesellschaft.

Gruß,

Wolfgang

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Re: Mikrofrage

Ingo, (vor 6782 Tagen) @ Wolfgang P.

Hallo Wolfgang,

ich glaube, daß ist etwas zu pessimistisch gesehen. Wenn man denn das Ölfläschchen
rausholt, dann pinselt man auch unter dem Präparat. Vielleicht sind es nur 99,7%,
die das nicht tun. :-]

zu (2): Ich wette, dass 99% aller Pilz-Mikroskopiker gar nicht wissen, was
sie tun müssten, um den nA=1,25 des Kondensors wirklich nutzen zu können,
nämlich das Präparat auch von unten (!) mit Öl zu immergieren. Dann bleibt
diese Auflösung immer noch der theoretische Wert bei komplett geöffneter
Blende, während die meisten Pilzmikroskopiker dazu neigen, die Blende weit
zu schließen, um die höhere Tiefenschärfe (auf Kosten der Auflösung) zu
gewinnen.
Für weiteres dazu empfehle ich die Mikrofibel der Münchner Mikroskopischen
Gesellschaft.

UNBEDINGT !!!

*g* Ingo

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Re: Mikrofrage

Andreas ⌂, (vor 6782 Tagen) @ Ingo

Hallo Wolfgang,
ich glaube, daß ist etwas zu pessimistisch gesehen. Wenn man denn das
Ölfläschchen
rausholt, dann pinselt man auch unter dem Präparat. Vielleicht sind es nur
99,7%,
die das nicht tun. :-]
UNBEDINGT !!!
*g* Ingo

Hallo Ingo,

du bist der erste mensch den ich treffe, der sowas macht. Noch nie, aber wirklich noch gar nie habe ich das von jemandem anderen praktizieren hören.
ich weiß zwar, dass dies sinnvoll wäre, mache es selbst aber (bisher) auch nicht - und wie gesagt, noch von keinem anderem Pilzler im In- und Ausland habe je mitbekommen, dass er das tatsächlich anwendet.

Es würde mich interessieren, ob Du tatsächlich einen Unterschied feststellst zwischen immergiertem und nicht immergiertem Kondensor und wie dieser aussieht.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Mikrofrage

Ingo, (vor 6782 Tagen) @ Andreas

Es würde mich interessieren, ob Du tatsächlich einen Unterschied feststellst
zwischen immergiertem und nicht immergiertem Kondensor und wie dieser
aussieht.

Moin Andreas,

das kommt davon, wenn man ohne (persönliche) praktische Anleitung
mikroskopiert und nur den Anweisungen von Mikrofibel etc. folgt.
Die erwähnte Diskussion im Mikroforum zeigt auf, daß der Detailgewinn
bei "Normalanwendungen" verschwindend gering ist. Ich werde die Panscherei
in Zukunft wohl entfallen lassen. Danke für den Hinweis.

*ggg* Igo

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Re: Mikrofrage

Hermine1, (vor 6782 Tagen) @ Ingo

Hallo Leute,

ich habe das weder bei meinem früheren Leitz-Mikro noch bei dem jetzigen Olympus je gemacht - zu meiner Schande auch noch nie gehört, denn ich habe das Mikroskopieren auf ganz alten Geräten vor entsetzlich vielen Jahren gelernt, wobei der Schwerpunkt der Thematik wegen auf Vergößerungen um 500fach lag. Ich glaube, dass ich bis jetzt auch ohne doppelte Immersion meistens ganz gut sehen konnte. Ich werds auf jeden Fall mal ausprobieren - ich habe ein Exsikkat von Gamundia, da gibts ja gaaanz kleine Ornamente - bin schon sehr gespannt.

Gruß Hermine

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Re: Mikrofrage

Der Juergen, (vor 6782 Tagen) @ Andreas

Hallo Ingo und Andreas,

Es würde mich interessieren, ob Du tatsächlich einen Unterschied feststellst
zwischen immergiertem und nicht immergiertem Kondensor und wie dieser
aussieht.

Ich habs auch ein paarmal probiert, konnte jedoch keine Verbesserung in der Auflösung bemerken.

Grüßle
Juergen

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Re: Mikrofrage

Tomate, (vor 6781 Tagen) @ Der Juergen

Hallo,

mir geht´s wie Jürgen, hab´s ein paarmal probiert und dann sein gelassen: Zum einen ist mir keine Verbesserung aufgefallen. Zum andern passt das Kondensorimmergieren auch nicht so ganz zu meinem dynamischen Mikroskopierstil ;-))) Ich meine: Man muss dann doch sehr darauf achten, wie man den Tisch bewegt, ansonsten zieht man das Öl mit dem Objektträger auf und unter den Tisch. Ist ´ne ziemliche Sauerei. Wer trotzdem noch Lust verspürt, es auszuprobieren, vergewissere sich vorher aber unbedingt, dass sein Kondensor fürs Immergieren auch geeignet ist. Für einen Trockenkondensor ist das nämlich Gift, und es könnte die letzte Ölung für ihn gewesen sein.
--Wer die Auflösung schnell, einfach und ohne schmuddelige Ölspiele verbessern will, fährt nach meiner Meinung mit schiefer Beleuchtung besser. Wer einen Phasenkontrastkondensor sein eigen nennt, sollte unbedingt auch einmal Hellfeldobjektive mit Phasendkontrastblenden kombinieren. Auch damit lässt sich die Auflösung steigern. Eine allgemeingültige Regel kann ich hier nicht nennen. Man muss es einfach ausprobieren. Auch die Höhe des Kondensors spielt hier eine Rolle und muss durch Versuch und Irrtum ermittelt werden. Auch die Dunkelfeldblende eines solchen Kondensors (die ja im Prinzip nichts anderes ist als eine übergroße Phasenkontrastblende) sollte man in die Versuche einbeziehen. Bei sehr feinen Ornamten z. B. kombiniere ich das 100x-Objektiv mit der Dunkelfeldblende. Ein Dunkelfeld entsteht dann zwar natürlich nicht mehr, aber die Auflösung wird drastisch gesteigert. Ich habe z. B. die Ornamente von Russulasporen noch nie so fein und beeindruckend aufgelöst gesehen wie mit dieser Methode. Dafür gibt es auch einen Fachbegriff, der mir aber im Moment nicht einfallen will. - Probiert´s einfach mal aus, es lohnt sich.

Alles Gute

Tomate

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Re: Mikrofrage

AlexR, (vor 6781 Tagen) @ AlexR

Vielen Dank an alle für die lebhafte Diskussion.

Also das mit dem aufgesetzen Objektführer ist aus der Not
geboren, weil mein Wunschmikroskop ein Zeiss Standard 14 oder
16 zurzeit nicht mit einem Kondensor 1,25 und einem
echten Kreuztische zu bekommen ist. Daher kam die Überlegung
entweder ein Mikro mit einfachem Objektführer und Kondensor
1,25 bzw. ein Mikro mit Kreuztisch und Kondensor mit 0,9 n.A.
Beides ist momentan im Bereich des für mich bezahl- und
verfügbaren Bereichs bzw. wurde mir angeboten.

Vielen Dank auch für den Hinweis auf die Mikrofibel von Herrn
Henkel. Diese kenne ich schon (Tipp aus dem Mikroforum ;-) ).
Dank dieser konnte ich mir ein ziemlich genaues Bild machen,
was ich eigentlich möchte bzw. brauche.
Die Frage oben war aus der Not geboren und Mikro-Gebraucht-
händler reden z. T. viel ohne zu wissen, was man alles
braucht. Nicht alle, aber zumindest einige.

Gruß und weiterhin viel Spass beim Immergieren und Mikroskopieren
all denen, die schon stolzer Besitzer eines Mikros sind.

Gruß,

Alex

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Re: Mikrofrage

Wolfgang P., (vor 6781 Tagen) @ Andreas

Hallo Ingo,
du bist der erste mensch den ich treffe, der sowas macht. Noch nie, aber
wirklich noch gar nie habe ich das von jemandem anderen praktizieren
hören.
ich weiß zwar, dass dies sinnvoll wäre, mache es selbst aber (bisher) auch
nicht - und wie gesagt, noch von keinem anderem Pilzler im In- und Ausland
habe je mitbekommen, dass er das tatsächlich anwendet.
Es würde mich interessieren, ob Du tatsächlich einen Unterschied feststellst
zwischen immergiertem und nicht immergiertem Kondensor und wie dieser
aussieht.
beste Grüße,
Andreas

Hallo Andreas,

ich habe es einige Male ausprobiert, und finde die Bilder etwas leuchtender (=kontrastreicher). Mehr Details (=Auflösung) konnte ich aber nicht entdecken.

Daher mache ich es nur noch selten, wenn ich Mikrofotos mache, die irgendwann mal publikationsrelevant sein könnten.

Vielleicht stelle ich mal Bilder gegenüber, wenn mir wieder ein brauchbares Objekt in die Hände fällt, z.B. die Stromatinia rapulum, die gerade im Kühlschrank weilt. Beim Zellkerne zählen von Sclerotiniaceen - da ist man um jeden Kontrast dankbar.

:-))

Gruß,

Wolfgang