Morcheltouristen in Brandenburg *PIC*

Ingo, (vor 6778 Tagen)

Hallo Freunde des Montagsunfugs,

wenn ich die aktuellen Beiträge hier richtig deute, scheint es momentan in zu sein scheint, daß sich einige
Forumteilnehmer zu Rotten zusammenschließen, und auf diese Weise Treibjagd auf das Gemörch betreiben.
Nicht nur die “Bloodhoundgang“ –ähm, meine natürlich Blutseebande, war im Lande unterwegs.
Nein – auch bei mir am sagenumwobenen Morchelberg wurden einige Fahrensleute gesichtet, die man sonst
eher im niedersächsischen Heideland vermutet.
Nein, Heidschnucken waren’s nicht, sondern diese beiden netten Zeitgenossen hier:

[image]

Wer sie schon mal getroffen hat, wird sie sicher erkennen. Mitten am Hang in landestypischer Morchelumgebung
hangeln sich hier Robin (phragmobasidie) und Felix (Thüringer Holz) durchs hohe Gras. Eigentlich sind
die beiden ausgewiesene Täublingsexperten. Da es mit den Sprödblättlern momentan eher mau aussieht,
mußten halt die für die Jahreszeit üblichen Arten herhalten. Und die waren nicht mal übel.

Ganz besonders heiß waren die Beiden natürlich darauf, meine Morchelmärchen als solche zu
enttarnen und mich der vorsätzlichen Flunkerei zu überführen. So wurde verzweifelt nach Fichten, Pestwurz
und Kalk gesucht. Danach würden sie wohl jetzt noch vergeblich suchen. Allerdings gab es doch etwas zu sehen:

[image]

Sie standen dort, wo sie seit Jahren erscheinen. Inmitten herrlichster
Heidelandschaften im Sand! (Bitte die Auriscalpum ignorieren!)

Wie es der Zufall so wollte, waren pünktlich zu unseren kleinem Forumtreffen auch noch andere,
hochinteressante Arten erschienen.
Der Rätselpilz vom Felix wurde ja, ungeachtet der unüblichen Erscheinungszeit, von fast allen Usern richtig
erraten. Der Schüppling stand als Einzelpilz übrigens haargenau am Standort, wo er üblicherweise im Herbst
fruktiziert. Der einzige mir bekannte Standort in der Region übrigens.
Ferner gab es noch Grüppchen Pilze, welches unter akutem Cortinarienverdacht steht. Ich meine, der Robin
hat es zwecks Bestimmung mitgenommen. Genau wie das Grüppchen überwinterter Stielboviste, welches
ebenfalls auf seine Bestimmung wartet.

Ansonsten war das komplette Ascoprogramm erschienen, welches in unserer Region um diese Zeit möglich ist.
Bis auf Speisemorcheln – dafür ist es noch zu kalt. Immer noch in rauen Mengen Frühjahrslorcheln (G. esculenta),
zum Teil mit üppigen Ausmaßen. Weniger verbreitet, aber immer noch gut vertreten waren diese hier:

[image]

Größter Scheibling (Gyromitra ancilis) – in einigen Regionen nicht gerade häufig.

Ein weiterer verbreiteter Großasco aus unserer Region:

[image]

Größter Becherling (Peziza varia), immerhin so früh wie noch nie. Vielleicht erinnert sich noch wer:
Zuletzt hatte ich Funde an Buchenstämmen Anfang Dezember ’07 gezeigt.

Sehr schön war auch, dass sich die Schwarzweißen Becherlorcheln (Paxina leucomelanea) wieder an ihrem
Vorjahresstandort eingefunden hatten. Wenn ich das recht verstanden habe, war es für unsere beiden
Pilztouristen der persönliche Erstfund dieser Art. Ich habe davon diesmal aber kein Bild gemacht.

Besser fand ich diese Motiv hier:
[image]

Aufgrund der Größe von ca. 10 cm würde ich sie als Haustintlinge ansprechen. Auch, wenn ich diesmal nicht
nach den Ozonien gegraben habe.
Alles in allem war die gut 3-stündige Exkursion doch recht erfolgreich verlaufen – mit recht schönen Funden.

Der hier sieht doch nach einem ziemlich zufriedenen Felix aus – oder?

[image]

Leider war der Korb nicht voll geworden. Das scheint dieses Jahr momentan nicht herzugeben.
Insgesamt hatten wir 65 einwandfreie Spitzmorcheln erbeutet. Für eine leckere
Morchelmahlzeit hatte es aber locker gereicht. In Butter gebraten und mit ein
wenig Salz und Knoblauchpfeffer abgeschmeckt, mundeten die frischen Elaten
hervorragend, und krönten einen erfolgreichen Pilznachmittag in Brandenburgs Kiefernwäldern.

Grüsslis Ingo

Eintrag gesperrt
16 Aufrufe

Re: Morcheltouristen in Brandenburg

Manfred, (vor 6778 Tagen) @ Ingo

Leider war der Korb nicht voll geworden. Das scheint dieses Jahr momentan

nicht herzugeben.
Insgesamt hatten wir 65 einwandfreie Spitzmorcheln erbeutet. Für eine leckere
Morchelmahlzeit hatte es aber locker gereicht. In Butter gebraten und mit ein
wenig Salz und Knoblauchpfeffer abgeschmeckt, mundeten die frischen Elaten
hervorragend, und krönten einen erfolgreichen Pilznachmittag in Brandenburgs
Kiefernwäldern.
Grüsslis Ingo

Hallo Ingo

Danke für die tollen Bilder. Das geübte Auge erkennt unschwer, dass
rechts von Felix Korb (unterstes Foto) auch noch eine Morchel aus dem
Gras hervorguckt! 65 ist zwar für Deinen Morchelberg nicht viel - die
jungen Exemplare in Bild 2 deuten aber darauf hin, dass es nicht die
letzten gewesen sein dürften - hier im Raum Zürich scheint die Kälte
jedenfalls die Saison in die Länge zu ziehen.... Nachdem ich die Erste
am 1.März erblickt habe, sind das jetzt immerhin schon 5 Wochen,
und es hat immer noch welche...

LG
Manfred

Eintrag gesperrt
18 Aufrufe

Re: Morcheltouristen in Brandenburg

DirkW, (vor 6778 Tagen) @ Ingo

hallo ingo,

eure kiefernwälder sind wirklich aus anderem holz geschnitzt, das muss ich schon sagen. neben den "großwildjägern" im steilgelände gefällt mir die peziza-aufnahme sehr gut. habt ihr die mikroskopiert (entscheidend wären die paraphysen: varia müsste stark eingeschnürte, blasig angeschwollene paraphysen haben - moniliform (perlschnurartig))? mich würde persönlich sehr interessieren, ob auch varia einen so stark gezähnelten apothezien-rand haben kann.

viele grüße in den fernen osten
dirk

Eintrag gesperrt
18 Aufrufe

Re: Morcheltouristen in Brandenburg

Ingo, (vor 6778 Tagen) @ DirkW

mir die peziza-aufnahme sehr gut. habt ihr die mikroskopiert (entscheidend
wären die paraphysen: varia müsste stark eingeschnürte, blasig
angeschwollene paraphysen haben - moniliform (perlschnurartig))? mich
würde persönlich sehr interessieren, ob auch varia einen so stark
gezähnelten apothezien-rand haben kann.

Hallo Dirk,

freut mich, daß du die Becher interessant findest. Solche großen Becherlinge
verbuche ich generell unter P. varia. Einige Experten haben mittlerweile die Arten
P. repanda, P. varia und, so glaube ich jedenfalls, P. micropus aufgrund
kaum vorhandener mikroskopischer Unterschiede unter Peziza varia zusammengefaßt.
Weitere als die drei aufgeführten Arten kommen m.E. makroskopisch kaum in Betracht.

Vielleicht meldet sich der Robin noch, wenn er die Becher unter dem Mikro hatte.

*ggg* Ingo

Eintrag gesperrt
16 Aufrufe

Re: Morcheltouristen in Brandenburg

DirkW, (vor 6778 Tagen) @ Ingo

hallo ingo,

dass der ganze (in der tat reichlich vertrackte) artenkomplex zu varia zusammengefasst wurde, wäre mir neu, kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. welche experten/literatur hast du denn da im hinterkopf?
ich wäre durchaus gespannt auf robins ergebnis. @ robin: vielleicht könntest du mir einfach kurz mitteilen, ob du varia-typische paraphysen gesehen hast? that's all. dann wäre ich um eine morphologische erkenntnis zum thema varia - repanda reicher. mehr aber auch nicht ...
viele grüße
dirk

Eintrag gesperrt
17 Aufrufe

kommt schon

phragmobasidie, (vor 6778 Tagen) @ DirkW

Hallo Dirk,

es sind keine aufgeblasenen Paraphysen, sondern schlanke, septierte von 3-3,5 mü Breite.

Ergo keine varia, was es ist, kann ich nicht sagen.

Es gibt glatte und krisselige (punktierte ?) Sporen. Die punktierten sind meist kleiner.
Weiss nicht genau, was ich messen muss.

Mein Bilder-Upload streikt grade, hmpf

schöne Grüße
Robin

Eintrag gesperrt
16 Aufrufe

Bilder *PIC*

phragmobasidie, (vor 6778 Tagen) @ phragmobasidie

[image]
In der Mitte (über einem Ascus) einige Paraphysen.
Habs mit Skalp- und Querschnitt probiert, jeweils mit mehr und weniger Quetschen.
Im Querschnitt habe ich gar keine P. mehr gefunden. Mach ich was falsch bzw. gibts nen guten Trick ?

[image]
Und welche müsste ich hier wohl messen, alle, d.h. auch die krisseligen ?

Grüße, Robin

Eintrag gesperrt
15 Aufrufe

Re: Peziza varia spez.

Ingo, (vor 6778 Tagen) @ DirkW

dass der ganze (in der tat reichlich vertrackte) artenkomplex zu varia
zusammengefasst wurde, wäre mir neu, kann ich mir eigentlich nicht
vorstellen. welche experten/literatur hast du denn da im hinterkopf?

Hi nochmal,
in erster Linie beruht meine Deutung auf einen Hinweis seitens der PABB
(Pilzliche Arbeitsgemeinschaft Berlin Brandenburg).
Außerdem meine ich, ähnliche Hinweise bei Breitenbach&Kränzlin / PdS Teil 1,
gelesen zu haben. Da müßte ich aber nochmal reinschauen.
Zumindest die von Robin soeben gezeigten Sporen sollten größenmäßig passen.

G Ingo

Eintrag gesperrt
16 Aufrufe

Re: Bilder

DirkW, (vor 6778 Tagen) @ phragmobasidie

hallo robin,

vielen dank für die infos! varia scheidet damit also aus. ich denke, es wird nach dem gängigen verständnis wohl repanda sein ...
am besten, du misst ein paar von den größeren sporen (die sporengröße ist bei den infrage kommenden arten aber kaum wichtig, weil wenig unterschiedlich, abgesehen von granularis) die kleineren mit viel inhalt dürften aus den asci gepresst worden sein. bei den paraphysen wäre ein blick auf die spitze (apikal verdickt?) wichtig. das präparat scheint mir zu dick. am besten, du zupfst ein möglichst kleines stück aus der fruchtschicht und machst ein quetschpräparat, dann müsstest du genug deutliche, auch einzelne paraphysen haben. ein möglichst feiner querschnitt wäre im hinblick auf die struktur der textura interessant ...
viele grüße
dirk

Eintrag gesperrt
18 Aufrufe

Re: Morcheltouristen in Brandenburg

Matthias, (vor 6778 Tagen) @ Ingo

Hallo Freunde des Montagsunfugs,
wenn ich die aktuellen Beiträge hier richtig deute, scheint es momentan in zu
sein scheint, daß sich einige
Forumteilnehmer zu Rotten zusammenschließen, und auf diese Weise Treibjagd
auf das Gemörch betreiben.
Nicht nur die “Bloodhoundgang“ –ähm, meine natürlich Blutseebande, war im
Lande unterwegs.

Hallo Ingo,
das Gemörch war am Sonntag nur Beifang da wir ja auf Märzellerlinge aus waren. Das Morcheln auch kalkfrei können ist nichts neues, meine ersten Speisemorcheln habe ich Anfang der 70er Jahre auf saurem Urgestein gefunden, da reicht ein wenig lehmiger Boden,
viele Grüsse
Matthias

Eintrag gesperrt
17 Aufrufe

Re: Morchelberg

Ingo, (vor 6777 Tagen) @ Manfred

Gras hervorguckt! 65 ist zwar für Deinen Morchelberg nicht viel - die
jungen Exemplare in Bild 2 deuten aber darauf hin, dass es nicht die
letzten gewesen sein dürften

Hallo Manfred,
schlimmer noch - da gab es nur 4 Exemplare. Die meisten gab es an einer anderen,
ebenerdigen Stelle. Ich bin gespannt, ob der Hügel noch durchziehen wird.

Grüsslis Ingo

Eintrag gesperrt
16 Aufrufe

Re: Morcheltouristen in Brandenburg

Thomas-le-Birkenhof, (vor 6777 Tagen) @ Matthias

Hallo Ingo,
das Gemörch war am Sonntag nur Beifang da wir ja auf Märzellerlinge aus
waren. Das Morcheln auch kalkfrei können ist nichts neues, meine ersten
Speisemorcheln habe ich Anfang der 70er Jahre auf saurem Urgestein
gefunden, da reicht ein wenig lehmiger Boden,
viele Grüsse
Matthias

Hallo Matthias,
ziemlich sensationell, für mich wenigstens finde ich, ist der Fund von Speisemorcheln auf kalkfreiem Boden. Kann das denn sein? Bei uns wachsen die nur auf Böden, die zumindest etwas Kalk bis sehr viel enthalten. Wo kein Kalk, da keine Morcheln! Von einem Fall ist mir bekannt, wo in einem kalkfreien Gebiet Speisemorcheln wachsen, weil da entweder kalkhaltiger Bauschutt oder Kalksteine zum Wegebau verwendet wurden. Genau auf diesen Stellen wachsen sie auch, aber weiter weg eben nicht.

Grußn Thomas l.B.

Eintrag gesperrt
16 Aufrufe

Re: Morcheltouristen in Brandenburg

Ingo, (vor 6777 Tagen) @ Matthias

Das Morcheln auch kalkfrei können ist nichts neues, meine ersten

Hallo Matthias,
freut mich, daß du das auch so siehst. Imho scheinen noch allerlei Leute damit
Probleme zu haben. Ich hätte da noch ein weitaus schlimmeres Beispiel auf Lager.
Aber nicht Heute.

Viele Grüße Ingo

Eintrag gesperrt
16 Aufrufe

Re: Morcheltouristen in Brandenburg

Ingo, (vor 6777 Tagen) @ DirkW

Hallo Dirk,

ich habe nochmal im alten Schriftverkehr gestöbert. Ende 2006 hatte ich den Fund
bei der PABB angemeldet, mit Bezug zu einem meiner Bildbeiträge, und die angesprochenen
drei Arten dazu angegeben.
Sicher erinnerst du dich noch an meinen Originalbeitrag, denn die Vorschläge kamen von dir.

Die Antwort von Dr. M. Schmidt lautete sinngemäß wie folgt:

Es gibt nur einen Becherling, der so groß wird und auf Holz wächst - P. varia.

Peziza repanda und Peziza micropus halte ich nur für Synonyme von P. varia.<<

Damit wurde der Fund wohl als Peziza varia kartiert, was wohl auch auf den aktuellen
zutreffen würde.

Da ich mich persönlich nicht weiter mit diesen Ascos auseinander gesetzt habe,
folge ich hier dem Hinweis des örtlichen Pilzvereins. Ebenso wie dem Hinweis, daß
die schon öfters aufgefundenen, gigantischen silbergrauen Streiflinge aus dem Sand
Amanita supravolvata heißen sollten.

Alle braunen Ritterlinge bei T. albobrunnea unterzubringen, sehe ich dann aber
eher skeptisch. Zu diesem Thema habe ich aber schon mal die Tastatur rund getippt. ;-)

Viele Grüße Ingo

Eintrag gesperrt
17 Aufrufe

Re: Morcheltouristen in Brandenburg

DirkW, (vor 6777 Tagen) @ Ingo

hallo ingo,

vielen dank für deine neuerliche stellungnahme! diese vereinheitlichung, deren quellen und beweggründe mir unbekannt sind, scheint gerade in berlin tradition zu haben, schon gerhardt schmeißt alles in einen topf. becherlings-freunde hätten damit ein paar probleme weniger. aber: in allen mir zugänglichen quellen älteren und neueren datums (spezialliteratur, schlüssel ...) wird der gesamte artenkomplex fein säuberlich getrennt! es wäre interessant zu wissen, wie dieter benkert die sache sieht.
viele grüße
dirk

Eintrag gesperrt
19 Aufrufe

Re: Morcheltouristen in Brandenburg

UweL, (vor 6776 Tagen) @ DirkW

hallo dirk,
ich werde mich in deinem namen am monatsende persönlich bei herrn schmidt und herrn benkert nach der synonymisierung erkundigen. im index fungorum ist im übrigen nichts synonymisiert; allerdings ist der index nicht immer auf dem neuesten stand.
gruß uwe