Mycena oder Hydropus? *PIC*

interhias ⌂, (vor 6726 Tagen)

Servus zusammen,

auf meiner gestrigen Tour durchs bayerische Oberland musste ich feststellen, dass die meisten Pilze es bei heißen Föhnwinden und saharastaubverhangenem Himmel vorziehen, nicht zu wachsen. Die rühmliche Ausnahme machte dieser vermeintliche Helmling, den ich am Mangfallufer am Fuß einer wasserzugigen Böschung auf feucht liegendem Laubholz fand:

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Wer bei so einem Wetter wächst, kann ja nicht ganz normal sein, was schon damit begann, dass dieses Schwammerl nicht wie erwartet nach Chlor oder Rettich, sondern höchst angenehm obstig-blütenartig duftete.
Die mikroskopische Untersuchung förderte glatte HDS-Hyphen, große spindelig-bauchige Hymenialzystiden und keinerlei Schnallen zutage. Schlüsselversuche bei Helmlingen (Robich) führen in die Sektion Fragilipedes und dort in die Nähe von M. algeriensis und niveipes. Eifriges Stöbern im Grögerschlüssel bringt noch einen aus Österreich beschriebenen Hydropus nitens ins Spiel, der sich mikroskopisch mit meinem Fund weitgehend deckt (abweichend allerdings die recht breiten HDS-Hyphen meiner Kollektion). Also eine klare Bestimmung kriege ich da nicht hin.

Bleibt mir zu hoffen, dass von euch jemand diesen Pilz kennt.

Beschreibung und Mikros:
Funddaten: 29.05.2008; MTB 8136-2-4-3, 640 m, Weyarn Süd, Mangfalltal; an einer wasserzugigen Stelle auf nass liegendem, sehr morschen Laubholz (großes, moosbewachsenes Aststück, vermutlich Erle oder Esche), 3 Fk; Hut: bis 3 cm breit, kegelig, etwas fettig, schokobraun, zu 2/3 durchscheinend gerieft, am Rand etwas heller graubraun; Stiel: bis 5 cm lang, bis 4 mm breit, zylindrisch, hohl, von oben nach unten allmählich erweitert, basal schwach keulig und weißfilzig, schwach durchscheinend quergenattert, jung flächig weißlich bereift, später +/- glatt; Lamellen: mäßig gedrängt, schwach ausgebuchtet und relativ breit angewachsen, ziemlich dick, untermischt, am Grund fein queraderig verbunden, graubraun, zur Schneide hin immer heller, Schneide weiß und glatt; Fleisch: dünn, wässerig braun, im Scheitel mit hohler Kammer, der angeschnittene Stiel sondert auf Druck eine farblose Flüssigkeit ab; Geruch: null Chlor, eher leicht blütenartig oder obstig, jedenfalls angenehm; Geschmack: im Stiel neutral; Stielrinde: -; Cheilozystiden: groß, flaschenförmig, ca. 53-68 x 15-20, mit breitem Hals (ca. 7-8); mäßig gedrängt stehend; Pleurozystiden: geformt wie die Cheilos, aber verstreut, größer und etwas schlanker, ca. 73-96 x 15-17; Kaulozystiden: meist zylindrische bis leicht keulige Endzellen mit in der Regel abgerundeten Enden, manchmal etwas abstehend, unpigmentiert, seltener auch mit Auswüchsen; keine Schnallen in der Stielrinde, Rindentrama in Melzer weinrot; HDS: Cutis aus 3-10 µm breiten Zellen, Deckschicht hyalin, ohne Pigmente, keine Zystiden beobachtet, Subcutis aus teilweise sehr dicken (30-35), eher kurzen, oft wurstförmigen Zellen, Pigment intrazellulär und flächig; keine Schnallen in der HDS; Basidien: 4-sporig, z.B. 27x7, 32x7, ohne Basalschnallen; Sporen: schwach amyloid, ellipsoid bis subzylindrisch, mit kleinem Apiculus, 9 x 5,6 (8,5-10 x 5-6), Q=1,60 (1,4-1,8);

Cheilozystiden:
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Pleurozystiden:
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Sporen:
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(in Melzer)
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HDS:
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Kaulozystiden:
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Gruß aus München
Hias

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Re: Mycena oder Hydropus?

Markus Wilhelm ⌂, (vor 6726 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,

so zur Art kann ich auch nicht viel sagen, aber von den Mikromerkmalen her scheint das schon ein Hydropus zu sein!

Grüsse, Markus

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Glänzender Wasserfuß

interhias ⌂, (vor 6724 Tagen) @ Markus Wilhelm

Hallo alle,

danke für eure Einschätzung!

Wenn es ein Wasserfuß ist, kommt eigentlich nur H. nitens in Frage. Diese Art ist in der ÖZP 2 (1993) beschrieben worden und bislang offenbar nur aus Österreich gemeldet worden. In der ÖZP ist auch ein Fotos abgedruckt.

H. trichoderma kann ich ganz sicher und H. scabripes ziemlich sicher ausschließen, die haben pigmentierte, anders geformte Kaulozystiden und auch makroskopisch keinen so glatt polierten Stiel wie meine Aufsammlung, zudem immer klar differenzierte Endzellen in der HDS und normalerweise reichlich Schnallen.

Die von A. Hausknecht fotografierte Kollektion hat wie meine Pilzchen schön blank polierte Stiele, die jung weißlich flächig bereift sind, allerdings um einiges hellere Hutfarben. Mikroskopisch weicht meine Kollektion durch etwas breitere HDS-Zellen ab, entspricht im übrigen aber der Beschreibung. Übereinstimmend ist auch der auffallende, angenehm-fruchtige Geruch.

Dann sagen wir doch mal: Es ist ein Glänzender Wasserfuß mit einem kleinen Fragezeichen.

Gruß aus München
Hias

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Mycena

Oktober, (vor 6726 Tagen) @ interhias

Also für mich ist das klar eine Mycena.
Hydropus in dieser gerieften Form und Farbe kenn ich nicht, aber ich lass mich da gern belehren.

Gruß
Manfred

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Re: Mycena

zuehli ⌂, (vor 6726 Tagen) @ Oktober

Also für mich ist das klar eine Mycena.
Hydropus in dieser gerieften Form und Farbe kenn ich nicht, aber ich lass
mich da gern belehren.

Hallo Manfred,

dann wirf mal z.B. einen Blick auf Hydropus nitens, H. scabripes, oder H. trichoderma.
Nicht daß das jetzt einer davon sein müßte, aber eine gewisse Ähnlichkeit gibts da schon. Aber Hydropus ist eine verzwickte Angelegenheit.

Gruß Harald

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Re: Mycena

Oktober, (vor 6723 Tagen) @ zuehli

Hallo Harald,

die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.
Das was ich bei meiner spärlichen Literatur oder im Internet über H.nitens, H. scabripes und H.trichoderma auftreiben konnte, hat eher faserige Hutstruktur, aber eben nicht diese über zwei Drittel geriefte Huthaut.
Vielleich hast Du ja ein Bild das mich überzeugen könnte.

Gruß
Manfred

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Re: Mycena

zuehli ⌂, (vor 6723 Tagen) @ Oktober

Hallo Manfred,

LUDWIG schreibt zu Hydropus nitens:
Vork.: Büschelig an morschen Fichten- oder Weidenstümpfen. Bisher nur aus Österreich bekannte, 1993 als neu beschriebene Art. VII. Planar bis montan. Verbreitung unbekannt, da möglicherweise früher mit dem sehr ähnlichen Hydropus scabripes oder mit Mycena-Arten verwechselt.
Hut: 0,6 - 2,7 cm; kegelig bis glockig, bisw. mit deutlicher kleiner Papille; feucht durchscheinend gerieft; kahl; seidig glänzend mit Ausnahme des eher matten Zentrums; anfangs graubraun bis braun dann zentral dunkler als die Randzone, die beigegrau bis rosa-graubraun ist; hygrophan. Lam.: mit kurzem Zähnchen angewachsen; etwas entferntstehend; weiß bis leicht graulich.
Stiel: 1,5 - 4,5 x - 0,2 cm; zyl. und gekrümmt; fest, hohl; kahl und glänzend bis auf den schwach bereiften Apex; wie der Hut gefärbt und abwärts gewöhnlich blasser; Basis weißfilzig. Fleisch: grau; Geruch etwas fruchtartig, Geschmack mild.
Mikr. Merkm.: Bas. 2-,3- und 4sporig. Sp. 7,5 - 9 x 5,5 - 6 um; el­lipsoid bis apfelkernförmig; leicht amyloid. ChZ. bis 75 pm lang; dicht-stehend (LS. steril); fusoid, fusoid-lageniform, bisw. auch subzyl. PIZ. zahlreich; den ChZ. gleichend. Schnallen im gesamten Frk. fehlend. HDS aus liegenden, 1,5 - 3,5 pm breiten, leicht gelatinisierten Hyphen; weder mit PileoZ. noch bes. ausgeformten Terminalzellen. KauloZ. bis 150 µm lang, schlank fusoid und apikal häufig mit abgeschnürter Spitze oder geschnäbelt; langgestielt und am breitesten in der oberen Hälfte. Pigmentierung intrazellulär.

Bilder gibts ebenda.

Gruß Harald

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Re: Mycena *PIC*

interhias ⌂, (vor 6723 Tagen) @ Oktober

Hallo Manfred und Harald,

hier ein Foto von H. trichoderma:

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Im Gegensatz zu H. trichoderma und scabripes weist H. nitens einen bei ausgewachsenen Exemplaren glatten, "polierten", wie bei vielen Helmlingen oft quergestreift durchscheinenden Stiel auf.

Gruß aus München
Hias

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Vielen Dank Euch Beiden, für die qual. Infos. *oT*

Oktober, (vor 6722 Tagen) @ Oktober

- kein Text -

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Re: Mycena oder Hydropus?

Der Juergen, (vor 6726 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,

Die Gesamtheit der Mikromerkmale deutet hier schon auf Hydropus hin. Vielleicht einer der von Harald genannten Arten.

Grüßle
Juergen

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Re: Mycena oder Hydropus?

Peter S., (vor 6725 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,

ich denke, das ist Hydropus nitens.
Für H. scabripes scheinen mir die Sporen nicht schmal genug.
Auch vom Habitus denke ich, dass der "Glänzende Wasserfuß" ganz gut passt.
Und auch nach Ludwig scheint mir alles zu stimmen.

Gruß Peter

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Re: Mycena oder Hydropus?

Peter S., (vor 6722 Tagen) @ interhias

Nochmal Hallo Hias,

Eine sehr ausführliche und mit sehr viel mehr Mikrozeichnungen als bei Ludwig ausgestatte Beschreibung aller Hydropus - Arten Österreichs findet sich in der ÖZP von 1997 (ist Heft 6). Hausknecht, Klofac und Krisai - Greilhuber listen dort insgesamt 10 taxa für Österreich auf.

Ich bleibe übrigens dabei, das das Hydropus nitens ist.
- feucht etwa bis zur Hälfte gerieft
- Kaulozystiden, die dem Stiel jung ein leicht bereiftes Aussehen geben; im Alter wirkt der Stiel glatt und glänzend
- deine Cheilos sehen exakt so aus wie sie aussehen sollen und auch die Sporengröße und Form stimmt.

Was für eine Mycena sollte es denn sein?

Gruß an alle
Peter

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Re: Mycena oder Hydropus?

interhias ⌂, (vor 6722 Tagen) @ Peter S.

Servus Peter,

danke für den Hinweis, ich hatte mir die ÖZP 6 schon geschnappt und nachgelesen. Im Ludwig wird ja auf diese Quelle verwiesen.

Im Prinzip sehe ich auch keine andere Möglichkeit für die Bestimmung als Hydropus nitens. Ich lasse wie gesagt mal ein kleines Fragezeichen stehen wegen zwei Abweichungen:

1) Die Hutfarben sind viel dunkler als bei der von Hausknecht fotografierten Kollektion und Rosatöne am Hutrand könnte ich auch nur mittels Bildbearbeitung herstellen;-) - was natürlich nicht viel heißen muss.
2) Ich habe breitere HDS-Zellen gemessen (ab 3 µm);

Es ist ein Jammer, dass die Kollektion nur aus 3 Fk bestand, und die zwei noch unversehrten Exsikkate sind so winzig - dass es sicher nicht einfach ist, daraus vernünftige Präparate zu machen.

Vielleicht regnet es ja auch im bayerischen Oberland wieder mal richtig - dann geh ich mal schaun, ob's noch mehr davon gibt.

Grüße
Hias